Robert Symmer

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Robert Symmer FRS (* 1707; † 1763) war ein schottischer Philosoph und Physiker, der insbesondere durch seine chiliastische Theorie der Elektrizität mit der Fluidumshypothese bekannt wurde.

Leben[Bearbeiten]

Symmers Theorie[Bearbeiten]

Erste Seite von Symmers Abhandlung New Experiments and Observations concerning Electricity (1759)

1759 veröffentlichte Symmer, ein Fellow der Royal Society seine ersten und wohl zugleich auch einzigen Beitrag über sein Verständnis von Elektrizität in Philosophical Transactions of the Royal Society, einer von der Royal Society herausgegebenen Fachzeitschrift. Diese Abhandlung mit dem Titel New Experiments and Observations concerning Electricity erschien dort in vier Teilen mit den Titeln

  • Of the Electricity of the Human Body and the Animal Substances Silk and Wool (Februar 1759, S. 340-347)
  • Of the Electricity of Black and White Silk (Mai 1759, S. 348-358)
  • Of Electrical Cohesion (Juni 1759, S. 359-370)
  • Of Two Distinct Powers in Electricity (Dezember 1759, S. 371-389).

Die darin im Wesentlichen gemachte Behauptung war, dass Elektrizität nicht als einzelne Kraft erscheint, wie die Anhänger von Benjamin Franklin und Giambatista Beccaria glaubten, sondern in zwei gleichen, getrennten, antagonistischen Kräften, die wahrscheinlich in zwei verschiedenen und gegengewichtigen Flüssigkeiten verkörpert sind.[1]

Ausgangspunkt dieser Theorie war seine Feststellung, dass sich zwei Mangelgebiete abstoßen: Als er zwei Paar übereinander getragene Seiden- und Wollstrümpfe beobachtete, stellte Symmer fest, dass sich auch die beiden „negativ“ geladenen Strümpfe gegenseitig abstoßen. Dass zwei Mangelzustände aber eine Kraft aufeinander ausüben, ließ sich mit dem Franklinschen Modell nicht verstehen.[2][3][4][5] Wegen seiner darauf folgenden Angewohnheit, die getragenen Socken an Gegenständen zu reiben, erhielt er den Spitznamen „The Barefoot Philosopher“.[6][7]

Obwohl seine Theorie in England nicht Beachtung fand, erhielt seine Ansicht im Ausland Zustimmung: Mitte des 18. Jahrhunderts waren die meisten Elektrizitätsforscher wie Jean-Antoine Nollet[8], Franz Maria Aepinus, Johan Carl Wilcke, Anton Brugmans (1732-1789)[9] oder Torbern Olof Bergman[10] in Europa Anhänger der Theorie der dualistischen Elektrizität, die Symmer als Restaurator, oder sogar als Erfinder, der Zwei-Flüssigkeiten-Theorie (Two-fluid Theory) betrachteten. Von anderen wurde seine Theorie als eine Wiederbelebung der Theorie von Charles du Fay angesehen, der 1733 von zwei Arten der Elektrizität ausging und diese als Glaselektrizität (électricité vitreuse) und Harzelektrizität (électricité résineuse) bezeichnete.

Kritik an Symmers Theorie[Bearbeiten]

Moderne Wissenschaftshistoriker sind jedoch kein wenig gütiger zu seinen Ansichten als die Landsleute seiner Zeit. Die Gründe dafür liegen auf der Hand, da die meisten Berichte über Elektrizität im 18. Jahrhundert von Jason Priestleys The History and Present State of Electricity (1767) abstammten, die zwar die dualistische Position fair behandelte, andererseits aber keine Gelegenheit zur Verhöhnung Symmers ausließ. Allerdings trug insbesondere Mathurin-Jacques Brisson durch seine ungenaue französische Übersetzung von Priestleys "History" und durch die darin enthaltene Diskrepanz zwischen der verhöhnenden Behandlung Symmers im englischen Original und seiner milderen Darstellung im französischen Histoire de l’électricité zum Beachten der Theorie Symmers bei.

Der Wissenschaftshistoriker I. Bernard Cohen, einer der angesehensten zeitgenössischen Kenner Franklins, äußerte später in seinem Buch Franklin and Newton: An Inquiry into Speculative Newtonian Experimental Science and Franklin's Work in Electricity as an Example thereof (1956) Unverständnis darüber, dass Symmers restauratorischen Experimente überhaupt Beachtung fanden.

Weblinks und Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Andreas von Baumgartner: Die Naturlehre nach ihrem gegenwärtigen Zustande, mit Rücksicht auf mathematische Begründung, Wien 1836, S. 549
  2. Peter Kasten: Ganz schön geladen - Lichtenberg und die Elektrizität (PDF; 1,7 MB)
  3. SOME NATURAL PHENOMENA and Basics of Electricity and Magnetism: A Story of Symmer`s Stockings
  4. Steven H. Voldman: ESD: physics and devices, 2004, ISBN 0470847530, S. 3
  5. Popular Science Dez. 1899, S. 250
  6. Chris Smith: How do Thunderstorms Work? The Science of Thunder and Lightning (The Naked Scientists: Science Radio & Science Podcasts)
  7. 1758 Die Socken des Philosophen, in: Reto U. Schneider, Das Buch der verrückten Experimente, 2006, ISBN 3-442-15393-X, S. 19-21 (PDF; 248 kB)
  8. Patricia Fara: An Entertainment for Angels: Electricity in the Enlightenment (Buchrezension in sehepunkte.de, 2002)
  9. Robert D. Purrington: Physics in the nineteenth century, 1997, ISBN 0813524423, S. 34
  10. Encyclopédie Universalis