Robert Tjian

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Robert Tse Nan Tjian (* 22. September 1949 in Hongkong[1]) ist ein US-amerikanischer Biochemiker, Professor an der University of California in Berkeley und Präsident des Howard Hughes Medical Institute.

Leben[Bearbeiten]

Robert Tjian wurde in Hongkong geboren, als seine Familie vor dem Sieg der Kommunisten im chinesischen Bürgerkrieg flüchtete. Seine Familie ließ sich in Brasilien nieder, wo sein Vater – ein ehemaliger chinesischer Industrieller – eine Papiermühle gründete. 1963 übersiedelte Robert Tjian in die Vereinigten Staaten nach New Jersey, und besuchte dort die Highschool.

Tjian erwarb 1971 an der University of California, Berkeley, einen Bachelor in Biochemie und 1976 einen Ph.D. an der Harvard University. Als Postdoktorand arbeitete er bei James Watson im Cold Spring Harbor Laboratory.

1979 erhielt Tjian eine erste Professur (Assistant Professor) in der Abteilung für Molekulare Biologie und Zellbiologie an der University of California in Berkeley und bereits 1982 eine ordentliche Professur. Im Laufe der Jahre nahm er zahlreiche – zum Teil leitende – Funktionen ein, zuletzt als Leiter des Zentrums für Stammzellforschung.

2009 übernahm Robert Tjian von Thomas R. Cech das Amt des Präsidenten des Howard Hughes Medical Institute (HHMI).[2][3] Er leitet Forschungsgruppen am Janelia Farm Research Campus (eine Einrichtung des HHMI) und an der University of Berkeley.

Tjian ist verheiratet und hat zwei Töchter. Sein Nachname wird ˈtiːdʒɛn ausgesprochen. Gelegentlich findet sich sein Name als Robert Tijan.

Wirken[Bearbeiten]

Tjian erbrachte grundlegende Forschungsergebnisse zur Regulation der Transkription bei Eukaryoten. Hierbei ging er von dem Virus SV40 aus, das gelegentlich mit der Entstehung von Krebs (Onkogenese) in Verbindung gebracht wird. Tjian konnte zeigen, dass das Tumorantigen von SV40 spezifisch an Signal-DNA des Wirtsorganismus bindet, dass der Aktivator AP1 aus zwei Onkogen-Produkten besteht und dass damit Krebs durch Störungen der Transkriptions-Regulation ausgelöst werden kann. In Tjians Arbeitsgruppe konnten über einen Zeitraum von über 20 Jahren etwa 100 Transkriptionsfaktoren bei Drosophila melanogaster und beim Menschen identifiziert, isoliert und charakterisiert werden. Dabei werden unter anderem strukturbiologische, biochemische, genetische (zum Beispiel Gen-Knockdown oder DNA-Chip-Technologie) und optische Methoden eingesetzt.

Neuere Arbeiten befassen sich mit den Mechanismen der gestörten Transkriptionsregulation, die bestimmten Erkrankungen (wie Diabetes mellitus, Krebs, Parkinson-Krankheit oder Chorea Huntington) zugrunde liegen.

Zahlreiche biochemische Methoden wurden von Tjian entwickelt oder verfeinert. Er ist (gemeinsam mit David V. Goeddel und Steven L. McKnight) Begründer der NASDAQ-gehandelten Biotechnologie-Firma Tularik Inc. mit Sitz in San Francisco, die 2004 für 1,3 Milliarden US-Dollar an Amgen verkauft wurde.[4]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Robert Tjian Named California Scientist of the Year 1994 bei berkeley.edu; abgerufen am 8. Januar 2011
  2. Howard Hughes Medical Institute Officers bei hhmi.org; abgerufen am 8. Januar 2011
  3. Biochemist Robert Tjian Elected as New Hughes President bei hhmi.org; abgerufen am 8. Januar 2011
  4. Amgen to Acquire Tularik for $1.3 Billion (PDF) bei amgen.com; abgerufen am 8. Januar 2011
  5. Academician Robert Tjian Appointed Head of Howard Hughes Medical Institute bei sinica.edu.tw; abgerufen am 6. Oktober 2012
  6. The Passano Awards 1945–2009 bei passanofoundation.org; abgerufen am 8. Januar 2011
  7. Lewis S. Rosenstiel Award for Distinguished Work in Basic Medical Science, Past Winners bei rose.brandeis.edu; abgerufen am 8. Januar 2011
  8. Chambon, Roeder and Tjian Receive Horwitz Prize bei columbia.edu; abgerufen am 8. Januar 2011
  9. The 2010 Glenn T. Seaborg Medal bei der University of California, Los Angeles (ucla.edu); abgerufen am 6. August 2011
  10. Prix Charles-Léopld Mayer, Grand Prix de l'Académie des sciences bei academie-sciences.fr; abgerufen am 20. März 2011