Robert von Zedlitz-Trützschler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Verwaltungsbeamten, seinem Sohn, siehe Robert Graf von Zedlitz-Trützschler (1863–1942)
Robert von Zedlitz-Trützschler, 1903. Foto von Julius Braatz.

Karl Eduard Robert Graf von Zedlitz und Trützschler[1] (* 8. Dezember 1837 in Freienwalde; † 21. Oktober 1914 in Berlin) war ein preußischer Beamter und 1891/1892 Kultusminister.

Leben[Bearbeiten]

Zedlitz war zunächst zwischen 1856 und 1862 Offizier im Regiment Garde du Corps der Preußischen Armee. Nach seinem Ausscheiden bewirtschaftete er das Familiengut Niedergroßenbohrau in Schlesien. Im Deutschen Krieg 1866 trat er als Freiwilliger wieder in die Armee ein und war Adjutant im Stab der 11. Kavalleriebrigade der zweiten Armee. Während des Deutsch-Französischen Krieges war er Adjutant des Kommandos der immobilen Gardetruppen.

Danach entfaltete er eine rege Tätigkeit in der schlesischen Kreis- und Provinzialverwaltung und im landwirtschaftlichen Vereinsleben Schlesiens; er wurde Mitglied des Landesökonomiekollegiums und des Deutschen Landwirtschaftsrats, Vertreter des Landeshauptmanns von Schlesien und – zwischen 1879 und 1881 – Vorsitzender des Provinzialausschusses in Schlesien. Danach war er Regierungspräsident in Oppeln und seit 1884 Mitglied des Staatsrates. Im Jahr 1886 wurde er Oberpräsident der Provinz Posen. Außerdem war er Vorsitzender der Ansiedlungskommission für die Provinzen Posen und Westpreußen.

Im Jahr 1891 wurde er preußischer Kultusminister. In dieser Funktion legte er ein neues Volksschulgesetz vor. Dieses war ausgesprochen christlich-konservativ geprägt. Er wollte Religion als höchstes Bildungsziel und die Kirchen als wichtigste Bildungsinstitutionen festschreiben. Die Schulvorstände sollten konfessionalisiert, Kinder von Dissidenten gezwungen werden, am Religionsunterricht teilzunehmen. Die Kirchen sollten über den Inhalt des Religionsunterrichts entscheiden können. Politisch wollte er dieses durchsetzen mit Hilfe der Konservativen und des Zentrums. Dahinter steckte die Absicht des Reichskanzlers und preußischen Ministerpräsidenten Leo von Caprivi, das Zentrum an die Regierung zu binden. Die Folge war allerdings ein öffentlicher Sturm des Protestes aus dem liberalen bis gemäßigten konservativen, meist protestantischen Bürgertum, wie es ihn seit der Reichsgründung noch nie gegeben hatte. Der Protest zeigte Wirkung. Zunächst distanzierte sich der nationalliberale Finanzminister Johannes von Miquel und schließlich auch Wilhelm II. von Zedlitz` Entwurf. Dieser trat darauf hin zurück. Caprivi büßte das Amt des preußischen Ministerpräsidenten ein.[2]

Im Dezember 1898 wurde Zedlitz Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau und von 1903 bis 1909 Oberpräsident von Schlesien. Ab 1909 war er Mitglied der Immediatskommission zur Verwaltungsreform. Im Jahr 1913 wurde er dessen stellvertretender Vorsitzender. Seit 1910 gehörte Zedlitz dem preußischen Herrenhaus an. In Anerkennung seiner langjährigen Verdienste hatte ihn Wilhelm II. am 6. September 1906 zum Ritter des Ordens vom Schwarzen Adler geschlagen.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Hofmarschall Wilhelm II., der 1923 seine Erinnerungen veröffentlichte
  2. Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1866–1918. Band 1: Arbeitswelt und Bürgergeist. Beck, München 1990, ISBN 3-406-34453-4, S. 535f.
  3. Gerneral-Ordenskommission (Hrsg.): Königlich Preußische Ordensliste 1905. Zweiter Nachtrag vom 1. Februar 1906 bis 31. Januar 1907. E.S. Mittler & Sohn. Berlin 1907. S. 2.