Roberto Carcassés

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Roberto „Robertico“ Julio Carcassés Colón (* 19. Mai 1972 in Havanna) ist ein kubanischer Jazzpianist und Filmkomponist. Der Leiter der Gruppe Interactivo gilt als einer der derzeit prominentesten Musiker und Arrangeure Kubas.[1] Im September 2013 erhielt er vorübergehend ein umfassendes Auftrittsverbot in Kuba.[2]

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Carcassés ist der Sohn des Afrojazz-Pioniers Bobby Carcassés. Er spielte bereits in jungen Klavier und studierte bis 1991 Perkussion an der Escuela Nacional de Arte, wobei er Klavierunterricht als Basis für das Kompositionsverständnis erhielt. Von 1992 bis 1995 ging er als Pianist mit Santiago Feliú in Lateinamerika und Europa auf Tournee. 1994 trat er das erste Mal auf dem von seinem Vater gegründeten Havanna Jazz Plaza Festival auf. Zwischen 1998 und 1999 tourte er in den Vereinigten Staaten mit dem afrokubanischen Jazzensemble Columna B, mit dem er das Album Twisted Noon aufnahm. Dann kehrte er nach Kuba zurück, wo er mit „El Indio“ und den Saxophonisten César López und Alfred Thompson von Irakere sein Album Invitation (2000) aufnahm. Im selben Jahr wirkte er als Produzent und Arrangeur auf Alben wie Air of Havana von Selma Reis und Trampas Del Tiempo von Gema Y Pavel.

2001 versammelte Carcassés Talente unterschiedlicher Stilrichtungen wie Telmary Díaz, Francis del Río, Yusa und William Vivanco und spielte mit ihnen in seiner Gruppe Interactivo, mit der später erfolgreich auf Tournee ging. Das erste Album der Band, Goza Pepillo, gewann bei den Cubadisco Awards 2006 die Auszeichnung als bestes Album. Er trat auf internationalen Festivals wie dem Istanbul International Jazz Festival (2003), dem Festival de Jazz de San Sebastián oder Jazz à Vienne auf. Weiterhin arbeitete er mit Musikern wie Chucho Valdés, Changuito, Wynton Marsalis, George Benson oder Gonzalo Rubalcaba. Er ist auf Alben von Yosvany Terry & Columna B sowie Rebeca Vallejo zu hören.[3]

Daneben schrieb Carcassés Filmmusik, etwa für den Spielfilm Violetas (México), aber auch Songs für die Filme Cuarteto de La Habana (Spanien) and New Rose Hotel (USA).

In einem im kubanischen Fernsehen übertragenen Live-Konzert mit seiner Band Interactivo änderte er den Text eines Liedes und sang: „Freien Zugang zu Informationen, damit ich mir meine eigene Meinung bilden kann“; ebenso forderte er, den Präsidenten direkt zu wählen, aber auch ein Ende der politischen Blockade Kubas. Umgehend erhielt er ein umfassendes Auftrittsverbot. Die regimekritische Havana Times, die von Nicaragua aus agiert, titelte „Kubanischer Bandleader begeht musikalischen Selbstmord“.[2] Nach zahlreichen Protesten auch von tendenziell eher regierungsfreundlichen nationalen und internationalen Künstlern wie dem Liedermacher Silvio Rodríguez[4] oder der puertorikanischen Hip-Hop-Band Calle 13[5][6] hob die Regierung das Verbot nur einen Tag später wieder auf.[7]

Diskographische Hinweise[Bearbeiten]

  • Jazz Timbero (1998, mit seinem Vater, Bobby Carcassés)
  • Matizar (2009)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Roberto Carcassés bei Allmusic (englisch)
  2. a b Kuba verhängt Auftrittssperre gegen Jazz-Musiker, Die Welt, 18. September 2013
  3. Tom Lord The Jazz Discography (online, 20. September 2013)
  4. Silvio Rodríguez: Puntualizando, Segunda Cita, Persönlicher Blog von Silvio Rodríguez vom 17. September 2013
  5. Creemos en la Revolución pero no creemos en la CENSURA! No le cancelen mas conciertos a Roberto Carcassés en Cuba!, Tweet von Residente/Calle13 vom 16. September 2013
  6. Carta abierta al Gobierno de la hermana República de Cuba, Offener Brief von Visitante/Calle 13 an die kubanische Regierung vom 16. September 2013
  7. Circles Robinson: Punishment on Cuban Musician Lifted , Havana Times vom 17. September 2013