Roberto Rocca

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Roberto Rocca (* Februar 1922[1] in Mailand; † 10. Juni 2003 ebenda) war ein italienisch-argentinischer Ingenieur und Unternehmer, insbesondere im Bereich der Stahlerzeugung. Er war Mitgründer und Ehrenvorsitzender und Aufsichtsratsvorsitzender von Techint und Tenaris. Er galt als der führende argentinische Industrielle der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und als eine der reichsten Einzelpersonen Argentiniens. Zum Zeitpunkt seines Todes betrug sein Vermögen nach Schätzungen des Forbes Magazine ca. 1,6 Milliarden US-Dollar.[2]

Herkunft und Privatleben[Bearbeiten]

Rocca wurde als Sohn des italienischen Ingenieurs und Stahlfabrikanten Agostino Rocca geboren. Dieser war seit 1931 Vizepräsident der Dalmine SpA, eines italienischen Stahlwerks. Die Regierung Mussolini verstaatlichte das Unternehmen, beließ aber Rocca auf seinem Posten. Er begründete 1945 in Mailand sein neues Unternehmen Techint und ging 1946 nach Argentinien, wo er unter anderem die Stahlwerke Dalmine Siderca (später Siderca) (1954) und Propulsera Siderurgica (1961) gründete, die beiden zentralen Stahlwerke des Techint-Konzerns.[2][3]

Roberto Rocca studierte Maschinenbau am Polytechnikum Mailand (Abschluss 1945), war im Zweiten Weltkrieg bei der Marine (als zweiter Leutnant zur See auf einem U-Boot) und promovierte 1949 am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge (Massachusetts).[4] [5]

Roberto Rocca war mit Andreina Bassetti verheiratet und hatte drei Söhne, den 2001 tödlich verunglückten Agostino, Gianfelice Rocca und Paolo. Rocca starb in Mailand und wurde in Colle Brianza beigesetzt.[5]

Bereits 1993 hatte Rocca aus gesundheitlichen Gründen das Tagesgeschäft an seinen Sohn Agostino übertragen, der 2001 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Sein Nachfolger wurde Roccas zweiter Sohn Paolo. Rocca blieb Ehrenvorsitzender seiner Unternehmensgruppe.[2]

1999 wurde Rocca mit dem Willy-Korf-Preis für Stahlindustrielle ausgezeichnet.[5] Er war Vizepräsident des argentinischen Mozarteums, Ehrenpräsident des Círculo Italiano und des Instituto para el Desarrollo Industrial (IDI).[4]

Unternehmer[Bearbeiten]

Rocca arbeitete für das Unternehmen seines Vaters und war dort ab 1959 für technische Angelegenheiten und ab 1969 als General Manager zuständig. Nach dem Tod seines Vaters wurde er 1978 dessen Nachfolger als Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzender (CEO).[4] Zu diesem Zeitpunkt besaß das Unternehmen zwei Stahlwerke in Argentinien (Siderca in Campana und Propulsora Siderúrgica in Ensenada bei Buenos Aires) und Aufträge für Infrastrukturplanung und -ausführung aus anderen Ländern Lateinamerikas.[2]

Unter Führung Roberto Roccas expandierte Techint in den 1980er Jahren innerhalb Argentiniens insbesondere durch Aufträge für öffentliche Bauten. Das Stahlwerk Siderca in Campana wurde zu einem der größten Werke für nahtlose Stahlrohre weltweit, die in der Öl- und Gaswirtschaft benötigt werden. Zusätzlich übernahm Techint Stahlwerke in Mexiko, Japan (NKK), Kanada, Brasilien und Venezuela. In Italien gehörte zudem das Dalmine-Stahlwerk zur Gruppe.[5] Techint machte sich außerdem als Pipeline-, Raffinerie- und Elektrizitätsleitungs- und Kraftwerksunternehmen einen Namen, das in den 1990er Jahren international expandierte, vor allem in Lateinamerika, aber auch in Italien, Japan, Kanada, Nigeria und Saudi-Arabien.[2]

Von der argentinischen Regierung erwarb Rocca das ehemalige Militärunternehmen Somisa (Sociedad Mixta Siderurgia Argentina), das Flachstahl für die Automobilindustrie herstellte. Er benannte das Unternehmen in Siderar um.[2] Bei Roccas Tod hatte Techint etwa 50.000 Mitarbeiter weltweit, einen jährlichen Umsatz von 7,5 Mrd. US-Dollar und Produktionskapazitäten für fast 10 Mio. Tonnen Stahl pro Jahr.[2] [5]

2002 wurde aus Techint der Pipelinebereich in ein neues Unternehmen mit dem Namen Tenaris (auch Grupo DST) ausgegliedert, dessen Vorstandsvorsitzender Rocca ebenfalls war. Tenaris wurde zu einem der größten Stahlrohrhersteller mit acht Fabriken und mehr als 13 Prozent Marktanteil weltweit.[2]

Im Rahmen der Diversifizierung des Geschäfts war 1981 ein Erdölunternehmen namens Tecpetrol gegründet worden, welches in Argentinien, Venezuela, Ecuador, Bolivien, Brasilien und Kolumbien in der Erdölprospektion, -erschließung und -förderung tätig war und ist.[6] 1997 wurde die Telekommunikationsgesellschaft Techtel ins Leben gerufen.[6] [7]

Außerdem hielt die Gruppe Beteiligungen an dem ehemaligen Staatsunternehmen Transportadora Gas del Norte, am Ferroexpreso Pampeano - dem Bahntransportunternehmen von Rosario nach Bahía Blanca, dem Straßenkonzessionsunternehmen Caminos del Oeste. Auch ein Müllentsorgungsunternehmen und ein Krankenhaus gehören zur Unternehmensgruppe.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag in Britannica Year in Review 2003 (englisch)
  2. a b c d e f g h Anthony Thwaite, Obituary: Roberto Rocca, The Independent, 13. Juni 2003 (englisch, über findarticles.com)
  3. Siderar S.A.I.C. auf fundinguniverse.com (englisch, abgerufen am 8. März 2008).
  4. a b c Konex Awards. Roberto Rocca (englisch)
  5. a b c d e Murió Roberto Rocca, fundador y presidente del grupo Techint, Clarín, 11. März 2003.
  6. a b c Techint, la corporación más importante del país, Terra Argentinien, 28. April 2001 (spanisch)
  7. Alberto Miguel Arruti, En el fallecimiento de Roberto Rocca, América Económica, 4. Juli 2003; (spanisch)

Weblinks[Bearbeiten]