Roberto de Nobili

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Pater Roberto de Nobili; Stich, 19. Jahrhundert
Pater Roberto de Nobili; Stich, um 1700

Roberto de Nobili (* September 1577 in Montepulciano, Italien; † 16. Januar 1656 in Mylapore bei Madras, Indien) war ein Jesuit, Indienmissionar und Sprachwissenschaftler.

Leben[Bearbeiten]

De Nobili trat 1597 der Gesellschaft Jesu bei und wurde 1604 zur Mission nach Indien geschickt. Er kam am 20. Mai 1605 in Goa an und wirkte ab Dezember 1606 in Madurai. Die christliche Mission in Indien wurde damals von den Portugiesen geleitet und nahm kaum Rücksicht auf die indische Kultur. Um die höheren Kasten und Brahmanen für den christlichen Glauben zu gewinnen, lebte de Nobili als christlicher Sannyasin („Entsagender“), vermied den öffentlichen Umgang mit den Parias und erlernte Sanskrit, Tamil und Telugu. Er war wahrscheinlich der erste Europäer, der diese Sprachen beherrschte. Er wollte den christlichen Glauben mit den Begriffen der hinduistischen Philosophie ausdrücken.

Da er sich auch äußerlich den indischen Lebensformen anpasste, wurde er von anderen Missionaren angeklagt und musste sich 1619 vor dem Bischof von Goa verantworten. Für einige Jahre musste er seine Mission unterbrechen, doch Papst Gregor XV. gestattete am 31. Januar 1623 mit der Bulle Romanae sedis antistetes die Fortsetzung der neuen Missionsmethode. Nobili konnte sein Wirken auch auf Tritschinopoli ausdehnen, wo er eine Paria-Gemeinde gründete. Um die Mission bei den Brahmanen nicht zu gefährden, schlug er 1640 vor, eigene Missionare für die Brahmanen und andere für die Paria vorzusehen. Von den Brahmanen wurden nur wenige christlich, bei den anderen höheren und niederen Kasten war er erfolgreicher. Im Jahr 1666 gab es im Madurai-Missionsgebiet etwa 40.000 Christen. In seinen letzten Lebensjahren war de Nobili fast erblindet, wurde 1648 nach Jaffna (Ceylon) versetzt und kam danach nach Mylapore, wo er starb.

Nachwirken[Bearbeiten]

Etwa 50 Jahre nach seinem Tod kam es zwischen den Jesuiten und Kapuzinern zum Akkomodationsstreit über die von Nobili angestrebte Praxis einer vorsichtigen Assimilierung des europäisch geprägten kirchlichen Lebens an indische Riten und Gebräuche, den Papst Benedikt XIV. mit der Bulle Omnium sollicitudinum am 12. September 1744 gegen die tolerante Praxis der Jesuiten entschied.

Werke[Bearbeiten]

Er verfasste über 20 religiöse Werke in Sanskrit, Tamil und Telugu, von denen viele nicht gedruckt wurden.

  • Gnanopadesam. (Geistliche Lehre) Ambalacatou 1673
  • Āttuma Nirunayam. (Über die Seele) Madras 1889
  • Agnāna Nivāranam. (Gegen Unwissenheit) Trichinopoly 1891
  • Tivviya Mādrigai. (Das göttliche Vorbild) Pondichéry 1866

Literatur[Bearbeiten]

  • Anand Amaladass SJ: Mission der Kirche definiert von der Kultur eines Missionslandes. Am Beispiel eines missverstandenen Genies in der Missionsgeschichte Indiens: Roberto de Nobili (1577-1656). In: Thomas Franz, Hanjo Sauer (Hg.): Glaube in der Welt von heute. Theologie und Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Festschrift für Elmar Klinger. Bd. 2: Diskursfelder. Echter Verlag, Würzburg 2006. ISBN 978-3-429-02854-1, S. 306–318.
  • Peter R. Bachmann: Roberto De Nobili 1577-1656. Ein missionsgeschichtlicher Beitrag zum christlichen Dialog mit dem Hinduismus. Inst. Historicum S. I., Roma 1972
  • Vincent Cronin: A Pearl to India: The Life of Roberto de Nobili. Darton, Longman & Todd, London 1966, ISBN 0-232-48389-2
  • Pia Maria Plechl: Mit Haarschopf und Kastenschnur. Roberto de Nobili (Indien). St. Gabriel u. a., Mödling 1977, ISBN 3-85264-108-X
  •  Josef Wicki: Nobili, Robert de. In: Josef Höfer, Karl Rahner (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche (LThK). 2. Auflage. Band 7, Herder, Freiburg im Breisgau 1962.
  • Anand Nayak: Nobili, Roberto de. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 6, Bautz, Herzberg 1993, ISBN 3-88309-044-1, Sp. 969–970.

Weblinks[Bearbeiten]