Rochas

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Parfums Rochas S.A.S.
miniatur Rochas-Unternehmenslogo
Rechtsform Société par actions simplifiée
Sitz Paris, FrankreichFrankreich Frankreich
Branche Parfüm, Mode
Website rochas.com

Rochas [rɔˈʃas] ist ein französischer Luxusgüterhersteller aus Paris, der Parfüm sowie Prêt-à-porter-Mode und Accessoires für Damen anbietet und seit 2003 zu Procter & Gamble gehört.

Rochas wurde 1925 von Marcel Rochas als Haute Couture-Modeunternehmen gegründet. Mitte des 20. Jahrhunderts gab Marcel Rochas die Modesparte des Hauses auf. Seit den 1990er Jahren gibt es neben den Parfüms, mit Unterbrechungen, wieder Damenmode von Rochas, nachdem es für kurze Zeit auch Herrenmode gegeben hatte.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Rochas wurde 1925 als Modehaus von dem Rechtsanwalt Marcel Rochas (1902–1955) Paris gegründet. Er leitete die Firma Rochas bis zu seinem Tod . Von der amerikanischen Vogue erhielt er bereits in den 1930er Jahren aufgrund seiner äußerlichen Ähnlichkeit mit dem damals weltbekannten Schauspieler Rudolph Valentino den Beinamen „Valentino der Couture-Mode“.

Das erste Ladengeschäft eröffnete Rochas 1931 an der Pariser Avenue Matignon Nr. 12. Zu den Kunden gehörten u.a. Carole Lombard und Marlene Dietrich sowie zahlreiche Stars der französischen Filmindustrie und aus Hollywood. Ab 1937 bestand bereits eine Rochas-Boutique in Manhattan, die allerdings noch 1938 aufgrund von Verstößen gegen das Importzoll-Gesetz geschlossen wurde. Für Rochas arbeiteten u.a. Jean Cocteau, Christian Berard und Paul Poiret. Marcel Rochas galt als „Designer der Jugend“, da seine hochpreisigen Entwürfe als sportlich-innovativ und gleichzeitig sehr feminin empfunden wurden und er selbst der jüngste unter den etablierten Pariser Modeschöpfern war. Ihm wird das Wespentaillen-Korsett (la Guêpière) und die sogenannte Meerjungfrauen-Robe (für Mae West entworfen) zugeschrieben. Ein wiederkehrendes Motiv bei Rochas war ein weißer Vogel, oftmals eine Taube. Rochas entwickelte auch Innovationen im Textilbereich, wie zum Beispiel einen modernen Stoff für Badeanzüge. Neben dem Erfolg mit Modeschöpfungen im Bereich der Haute Couture gelang 1936 mit Air Jeune, Audace und Avenue Matignon die erfolgreiche Platzierung von drei Damendüften, woraufhin in ein großes Labor für Düfte investiert wurde. Der bekannteste Duft von Rochas dieser Zeit war das 1944 von dem renommierten Parfümeur Edmond Roudnitska komponierte Parfüm Rochas Femme. Der Flakon dieses Parfüms war von einer Korsage inspiriert, die Rochas in Zusammenarbeit mit René Lalique für Mae West entworfen hatte. Der Duft wurde 1989 neu aufgelegt. 1949 startete die Herren-Kosmetiklinie Moustache.

Noch 1953 gab Marcel Rochas selbst die Couture-Sparte seines Unternehmens auf, um sich auf Parfüm zu konzentrieren. Er starb allerdings 1955 völlig unerwartet an einer Hirnblutung. Nach seinem Tod führte seine Frau Helène Rochas (1927–2011), die er 1944 geheiratet hatte und die zu seiner Muse geworden war, das Unternehmen nach kurzzeitiger Schließung äußerst erfolgreich weiter und baute Rochas zu einer renommierten Parfümmarke aus. Der Parfüm-Klassiker Madame Rochas entstand 1960 unter Helène Rochas' Leitung und ist nach ihr benannt. Sie war die erste Frau in Frankreich, die als Geschäftsführerin einem Großunternehmen vorstand. Innerhalb von wenigen Jahren hatte sie die Umsätze des Hauses verzehnfacht. Ab 1969 folgten die Düfte Monsieur Rochas und Eau de Rochas (anfangs: Eau de Roche); letzterer ist bis heute erhältlich. Im gleichen Jahr war eine Parfüm-Produktionsstätte von Rochas in Poissy eröffnet worden.

1970 verkaufte Helène Rochas ihr Unternehmen für umgerechnet 40 Millionen US-Dollar an den französischen Pharmakonzern Roussel-Uclaf (heute Sanofi-Aventis), kehrte allerdings von 1979 bis 1989 als Beraterin zu Rochas zurück. Ein Verkauf an die amerikanische Kosmetikfirma Helena Rubinstein war vom französischen Staat verhindert worden. 1980 wurde die Rochas-Kosmetiklinie mit Lippenstiften, Nagellack und Makeup etc. lanciert. Die Parfum Rochas S.A wurde 1987 von Wella erworben, nachdem Hoechst 1975 Roussel-Uclaf gekauft hatte, und im Wella-Portfolio mit den Duftlizenzen Escada, Anna Sui und Gucci zusammengeführt. Unter Wella wurde das Rochas-Lizenzgeschäft mit Accessoires wie Brillen, Schals, Wäsche und Armbanduhren, das Anfang der 1980er aufgebaut worden war, weiter ausgebaut. 1990 belebte Wella – letztendlich wenig erfolgreich – mit dem irischen Designer Peter O'Brien die Prêt-à-porter-Modesparte von Rochas wieder. Dennoch machte die Parfümsparte Mitte der 1990er Jahre 80 % der Umsätze aus. 2002 wurde außerdem eine in Lizenz vergebene kurzlebige Herrenmode-Linie von Rochas lanciert. Zuvor hatte es für Herren nur wenige Accessories wie Krawatten oder Manschettenknöpfe gegeben. Chefdesigner O'Brien verließ Rochas 2003.

2003 wurde Rochas von Procter & Gamble übernommen, nachdem P&G bereits Wella gekauft hatte. Nach großen Investitionen und der Anstellung des jungen Designers Olivier Theyskens (* 1977), der noch von Wella rekrutiert worden war, im Bereich Mode im gleichen Jahr, gelang trotz spektakulärer Entwürfe und zahlreicher Auszeichnungen keine große Steigerung der Verkäufe, so dass der Bereich Mode Mitte 2006 von P&G geschlossen wurde. Kurz zuvor war Theyskens vom Council of Fashion Designers of America für seine Arbeit bei Rochas mit dem International Award geehrt worden. Zu den Kundinnen der mitunter extrem hochpreisigen Rochas-Mode gehörten zu dieser Zeit unter anderem Madonna, Nicole Kidman und Melissa Auf der Maur. Theyskens wechselte 2006 zu Nina Ricci.

Ende 2008 kündigte P&G an, in Zusammenarbeit mit dem italienischen Modehersteller Gibo SpA (Tochtergesellschaft der japanischen Onward Kashiyama Ltd., welcher auch die Marke Jil Sander gehört) in Lizenz wieder eine Damenmode-Linie zu präsentieren.[1][2] Mit dem italienischen Chefdesigner Marco Zanini (*1971) – ein ehemaliger Designer für Dolce & Gabbana und Versace – gelang somit 2009 eine erfolgreiche Neuplatzierung mit hochpreisiger Damenmode. Zu den unzähligen Parfüms des Hauses für Damen und Herren gesellte sich 2012 als jüngste Kreation der Damenduft Les Cascades de Rochas.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ingrid Loschek: Reclams Mode- und Kostümlexikon. 5. Aufl. Reclam, Stuttgart 2005, ISBN 3-15-010577-3, S. 567f.
  • Ingrid Loschek: Modedesigner. Ein Lexikon von Armani bis Yamamoto. 3. Aufl. Beck, München 2007, ISBN 9-783-406-56492-5, S. 185

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rochas relauncht Mode, textilwirtschaft.de, 9. Oktober 2008
  2. P&G Pact to Reopen Rochas Fashion House, wsj.com, 7. Oktober 2008