Rockmusik

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Die Rockband The Rolling Stones

Rockmusik dient als Oberbegriff für Musikrichtungen, die sich seit Ende der 1960er Jahre aus der Vermischung des Rock ’n’ Roll der späten 1950er und frühen 1960er Jahre und anderen Musikstilen wie z. B. Beatmusik und Blues entwickelt haben. Viele Genres innerhalb der Rockmusik werden mit einzelnen Jugendkulturen identifiziert.

Besetzung einer Rockband[Bearbeiten]

Die Besetzung von Rockgruppen besteht traditionell aus elektrischen und bzw. oder akustischen Gitarren, E-Bass, Schlagzeug und Gesang. Diese Besetzung wird oft durch Klavier und Keyboards wie Hammond-Orgel und Synthesizer ergänzt. Je nach Stilrichtung (z. B. Funk Rock) werden auch Bläser eingesetzt. Musiktheoretisch betrachtet handelt es sich dabei um homophone Musik: Eine Rhythmusgruppe begleitet; Gesang, Gitarren- oder andere Soloinstrumente führen mit einer herausstechenden Melodie.

Kult und Kultur[Bearbeiten]

Mit seinem Auftauchen auf der Bildfläche löste der Rockstar, der zuerst von Elvis Presley, später von den Beatles, den The Rolling Stones und in der Folge von immer neuen Protagonisten und Bands personifiziert wurde, den Hollywood-Star als Identifikationsfigur ab. Im Vergleich zu letzterem entfesselte der Rockstar eine Jugendbewegung, die Generations- und Gesellschaftskonflikte aufbrechen ließ, wie es in der Geschichte bisher ohne Vergleich ist. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zuerst kann festgestellt werden, das die Rockmusik auf eine weiße, angloamerikanische Vorstadtgesellschaft traf, deren Mischung aus Wohlstand und patriarchalem Weltkriegsstolz eine dünne Kruste bildete, die nur darauf wartete zerbrochen zu werden. Dies war dem Film-Star nicht möglich, da er ein makelloses Produkt ist, das dem jugendlichen Konsumenten bereits fertig präsentiert wird und den er nach der Kinovorstellung hinter sich lassen muss. Dagegen wird der Rockstar erst vom Fan zusammengesetzt, was ein unvergleichlich höheres Indentifikationspotential freisetzt. Tragbare Plattenspieler, Transistor- und Autoradios und später der Walkman machten es möglich, sich mit der Musik permanent zu umgeben, sie überall mitzunehmen, mobilisierten und motorisierten sie. Allein die physische Präsenz des Sounds, der in der Rockmusik strukturell das Element "Lärm"/"Noise" benutzt, dient als Abgrenzung zu anderen Generationen und angepassteren Jugendgruppierungen. Neben der eigentlichen Musik spielt aber auch die Peripherie eine wichtige Rolle. Mit dem Plattencover in der Hand (höchstens im Jazz gibt es eine annähernd vergleichbare Coverkultur), gekleidet wie der Star und umgeben von den Postern mit den berühmten Posen, Show- oder Tanzdarbietungen wird Rockkultur auf eine neue Art im Jugendlichenzimmer präsent. Dazu kommt, dass es in der Rockmusik nicht, wie z.b. im Hollywood-Film, der klassischen Musik oder dem Jazz, um Perfektion oder handwerkliche Virtuosität geht. Seit dem hüpfenden Gesang von Elvis Presley auf "That's All Right (Mama)", über die bewusst aufs Album genommenen Verspielfehler von Jimmy Page auf dem Album "Led Zeppelin Ii", der rauen Amateurhaftigkeit der Sex Pistols bis zu den Kiecksern und hohen Schreien von Michael Jackson ist es das Momentane, Körperliche, das Authentische und Individuelle, das im Zentrum steht, die Unwiederholbarkeit der Augenblicks, die die Grenzen zwischen Musiker und Musikhörer noch weiter verschwinden lässt.

Geschichte[Bearbeiten]

1950er Jahre[Bearbeiten]

Die Rock-’n’-Roll-Band Bill Haley & His Comets

Die Rockmusik geht auf den Rock ’n’ Roll zurück, der seinerseits aus der Verbindung von Countrymusik und Rhythm and Blues entstand. Bill Haleys Schallplatte Rock Around the Clock vom 12 April 1954 verhalf dem Rock ’n’ Roll international zum Durchbruch. Rock Around the Clock und viele andere Rock-’n’-Roll-Lieder der 1950er Jahre waren dem afroamerikanischen Rhythm and Blues stilistisch sehr ähnlich. Bekannteste Vertreter des Rock ’n’ Roll in den 1950er Jahren waren Elvis Presley, Bill Haley, Chuck Berry, Jerry Lee Lewis, Little Richard und Buddy Holly.

Die Rockmusik als eigenständige Musikform unterscheidet sich vom Rock ’n’ Roll wesentlich durch den Rhythmus: Im Rock werden die Achtelnoten binär gespielt, also „gerade“, so wie man es aus der lateinamerikanischen und europäischen Musik kennt. Im Rock ’n’ Roll werden die Achtelnoten zwischen den Beats (zwischen den Viertelnoten) hingegen leicht nach hinten verschoben, so dass ein ternärer Rhythmus entsteht (Shuffle), wie man ihn aus dem klassischen Jazz kennt.

1960er Jahre[Bearbeiten]

Der Rockgitarrist Jimi Hendrix

Der Rock ’n’ Roll wurde in den 1960er Jahren in England stilistisch verändert. Zwei der wichtigsten Wegbereiter als Vorläufer der Rockmusik sind die Beatband The Beatles und die stark vom Blues beeinflusste Band The Rolling Stones. Hier sollte die erste Genre-Aufsplitterung vonstattengehen, die später charakteristisch für die Rock-Szene werden sollte: Auf der einen Seite standen die Beatles mit ihrer Beatmusik, die in Anzügen mit Krawatte auftraten und eher zu melodischen, harmoniegeprägten Songs neigten, und auf der anderen Seite die Rolling Stones, welche durch einen eher rauen Sound auffielen. Die Zeitschrift Rolling Stone bezeichnet den Titel (I Can’t Get No) Satisfaction der Rolling Stones als die eigentliche Geburtsstunde des Rock. Gemeinsam mit den Kinks lösten diese Bands in den U.S.A. die so genannte British Invasion aus. Eine große Rolle in der Londoner Blues-Szene spielten außerdem die Yardbirds, die das Kunststück fertigbrachten als Leadgitarristen erst Eric Clapton zu verpflichten, der dann von Jeff Beck und Jimmy Page ersetzt wurde. John Mayall and the Bluesbreakers nahmen eine ähnliche Rolle ein. Während John Mayall von Alexis Korner, der als Ziehvater der Rolling Stones gilt und als Urzelle der britischen Bluesbewegung, zur Gründung der Band inspiriert wurde, nahm 1967 an der Leadgitarre der spätere The Rolling Stones-Gitarrist Mick Taylor den Platz von Peter Green ein, als dieser Fleetwood Mac gründete. Davor hatte Eric Clapton diesen Job gemacht, bevor er die erste Supergroup Cream, ins Leben rief.

Durch das Auftreten von Bands wie Cream, The Who oder auch The Jimi Hendrix Experience begann Mitte der 1960er Jahre eine Phase der technisch anspruchsvolleren Themen in der Rockmusik Einzug zu halten. Cream etablierte in dieser Zeit unter anderem ausgedehnte Improvisationen innerhalb der Rockmusik und beeinflusste diese seither nachhaltig, u. a. Bands wie Led Zeppelin, Deep Purple, Jeff Beck Group. Mit den Konzeptalben "Tommy" von The Who, "Sgt. Peppers Lonley Heart Club Band" von den Beatles, "Pet Sounds" von den Beach Boys und "Disreali Gears" von Cream, überflügelte die Langspielplatte, die nun vom Coverdesign über die dramaturgische Songreihenfolge bis zum Erzählen einer komplexen Geschichte als Gesamtwerk betrachtet wurde, die Single in ihrer Wichtigkeit. Ein Höhepunkt dieser Entwicklung lässt sich in den Alben von Led Zeppelin erkennen, die sich weigerten Singles auszukoppeln oder sehr umkommerzielle Stücke wie "Whole Lotta Love" auswählten oder ein Album veröffentlichten, auf dem weder der Bandname noch ein Albumtitel zu lesen waren. Bei "Sgt. Pepper" und "Pet Sounds" loteten die Beatles und die Beach Boys die Möglichkeiten des Studios aus und nahmen mit Tierstimmen und Alltagsgeräuschen Einflüsse aus der konkreten Musik auf. Mit der Zusammenarbeit von Pete Townshend und Jim Marshall, die zusammen den berühmten Marshall-Stack entwickelten und der Kombination von Gibson-Les-Paul-Gitarre über Marshall-Verstärker gespielt, wie von Eric Clapton auf dem sogenannten "Beano"-Album der Bluesbreakers, etablierte sich ein klassischer Rock-Sound.

Elementarer Bestandteil der Rockmusik der zweiten Hälfte 60er-Jahre ist die Psychadelic- und West-Coast-Szene. In San Francisco wurden Bands wie Quicksilver Messenger Service, Jefferson Airplane und Grateful Dead zu Legenden. In ausufernden Improvisationen auf happeningartigen Konzerten zelebrierten sie vor Zuschauern ihre Stücke in Überlänge für deren Genuss der Konsum von Drogen eine wichtige Rolle spielte. Versprechen und Hybris dieser Ära blitzen in den zwei großen Festivals des Jahres 1969 auf. Während in Woodstock die Utopie einer neuen Gesellschaft gefeiert wurde, fiel dieser Traum nach dem Tod von Meredith Hunter während des Auftritts der Rolling Stones beim Altamont Free Concert wieder in sich zusammen.

Wie beinahe alle neuen Musikrichtungen war auch die Rockmusik in ihrer Anfangszeit stark umstritten. Das Auftreten der Protagonisten mit langem Haar und obszöner, lauter Musik galt als skandalös. Einzelne Vertreter des Establishments versuchten, die Szene in eine satanistische Ecke zu drängen. Doch gerade diese Ablehnung trug wahrscheinlich wesentlich dazu bei, der Rockszene den Status des Rebellischen und Revolutionären zu geben, den sie bis in die 1970er Jahre behalten sollte und der seinen Höhepunkt in der Friedensbewegung gegen den Vietnamkrieg fand. Rockmusik und Hippie-Szene sind hier fest miteinander verbunden. Eine große Rolle spielte hier die Folk-orientierte Rockmusik, wie sie z. B. von Bob Dylan, Crosby, Stills & Nash (& Young) und Creedence Clearwater Revival gespielt wurde und die mit dem politischen "Protest Song" identifiziert werden kann. Eine gute Darstellung der damaligen Verhältnisse findet sich im Musical Hair, das vom Widerstand junger Amerikaner aus dem Umfeld der Hippie-Szene gegen den Vietnamkrieg handelt.

Die Zahl der erfolgreichen Rockmusiker stieg Ende der 1960er Jahre rasant an. Das führte zwangsläufig zu einer immer stärkeren Aufsplitterung der Szene in eine Vielzahl von Untergenres, eine Entwicklung, die dazu führte, dass bald jede Band mit einem individuellen Klangbild sofort ein eigenes Genre für sich beanspruchte. Dieser Vorgang wurde von der Musikindustrie gefördert, die aus marketingtechnischen Gründen daran Interesse hatte.

Abseits der Hippie-Szene entwickelten sich, aus der ebenfalls in diesem Jahrzehnt aufblühenden Experimentalmusik wie beispielsweise den Klangexperimenten der Gruppe The Velvet Underground, bereits die ersten Punkbands, die heute meist dem Genre Protopunk zugeordnet werden.

1970er Jahre[Bearbeiten]

Die Punk-Band Sex Pistols

Als Weiterentwicklung der sexuellen Befreiung der späten Sechziger ist der Glamrock zu verstehen, eine Mischung aus Hardrock und Popmusik, der sich durch eine futuristische, androgyne Ästhetik ausdrückte. Besonders populär waren britische Bands wie The Sweet, Slade oder T. Rex, und auch David Bowie und Queen hatten hier ihre Wurzeln. Parallel hatte der Hard Rock, aus dem sich später Metal entwickeln sollte, eine Hochphase. Wegbereiter hier waren vor allem Deep Purple und Led Zeppelin.

Eine weitere Hauptrichtung der frühen 1970er Jahre war ein künstlerischer Ansatz, der sich aus dem Psychedelic Rock entwickelte, aber auch Elemente aus klassischer Musik, neuer Musik, Jazz oder Folk aufgriff und sich in den Genres Artrock und Progressive Rock manifestierte. Wichtige Vertreter waren Pink Floyd, Genesis, Yes, Emerson, Lake and Palmer und Jethro Tull.

Bis in die Mitte der Siebziger etablierte und kommerzialisierte sich das Genre weiter und wurde zum "Stadionrock", eine Entwicklung, die unter anderem von den Eagles und Led Zeppelin revolutioniert und perfektioniert wurde. Ausgedehnte Tourneen die gewaltige Stadien quer über den ganzen Erdball füllten, endlose Armeen von Stagehands, Toningenieuren und Roadis, ausgefeilte Lightshows, enorme Mengen an Trockeneis, Lasern, Monitorboxen und Verstärkern, die in unzähligen Sattelschleppern transportiert wurden prägten nun das Bild.

Als Antwort auf diese Entwicklung hin zum Bombast, aber auch als Gegenbewegung zur aufstrebenden Diskomusik und zu dem als friedfertig betrachteten Hippietum entstand im weiteren Verlauf des Jahrzehnts die rebellischere Subkultur des Punk. Vorläufer der Punkbewegung, die noch stark in der klassischen Rockmusik verwurzelt sind, lassen sich bei AC/DC und Motörhead erkennen, die eine Rückkehr und Entschlackung zum einfachen, schnell, pur und schnörkellos gespielten Rock einleiteten. Wichtige Vertreter des Punk waren die Sex Pistols, The Clash oder die Ramones. Auch hier sollten Elemente anderer Musikrichtungen Grundlage für ein neues Genre sein, dem New Wave. Typisch für die Musik dieser Zeit war die Fusion aus Reaggae und Punk, zu hören in der Musik von The Police oder Fischer-Z. Aber auch Vertreter der „Black Music“ wie Michael Jackson gingen Verbindungen mit Rockmusik ein.

Die fortschreitende Digitalisierung in der Musikproduktion und ein immer stärker werdender Perfektionismus machte die Entstehung von Musikrichtungen jenseits des Rock möglich. Bereits die Avantgardisten des Krautrock wie zum Beispiel Can oder vor allem Kraftwerk hatten ihren Anteil an dieser Entwicklung, indem sie mit ihrer experimentellen Musik den Grundstein für elektronische Popmusik legten.

1980er Jahre[Bearbeiten]

In den 1980ern machten sogenannte „Pop-Metal“-Bands von sich reden, wie beispielsweise Bon Jovi, Def Leppard, Europe und die erfolgreichste deutsche Band aller Zeiten – Scorpions. Diese Bands konnten in diesen Jahren große Erfolge verbuchen. Von allen großen Bands dieser Zeit konnten sich nur Bon Jovi ihre Fangemeinde erhalten, die auch heute noch sehr erfolgreich sind und deren Musik sich Ende der 1980er Jahre stilistisch vom Metal zum Stadion Rock entwickelte.

Nach dem Abebben der kreativen Hochphase des Punks entstand, teilweise auch aus Abgrenzung zu selbigem, zunächst der Post-Punk, der Gruppen wie Joy Division und The Cure hervorbrachte, und eng damit verbunden der sogenannte New Wave. Stilistisch ging es hier nach der Opulenz der 70er oftmals in eine kühlere, reduziertere Richtung. Dunkle, monotone Gesangsstimmen kamen in Mode. Auch wurde zunehmend, inspiriert vor allem von den Experimenten Kraftwerks, mit synthetischen Klangerzeugern gearbeitet, was einen Grundstein für die Entwicklung des Synthpop und der gesamten elektronischen Tanzmusik legte.

Der Unterschied zwischen Pop und Rock wurde in der Folge dann in den 1980er Jahren sehr forciert, vor allem durch die Independent-Szene, die sich in der Tradition des Punk sah und sich von dem Mainstream der Musikindustrie abzusetzen versuchte. Hier entstand eine vielfältige und große Szene mit vielen Untergenres, die später im Laufe der 1990er Jahre in Alternative überging und als deren wichtigste Vertreter die Pixies und Sonic Youth zu nennen sind. Auch der Heavy Metal erlebte eine Hoch-Zeit durch Gruppen wie Iron Maiden, Motörhead oder Metallica, während der sich eine Vielzahl von Subgenres bildeten. An der Schnittstelle zwischen Rock und Pop entstanden viele Bands, die zu den populärsten und kommerziell erfolgreichsten des Jahrzehnts gehörten, zum Beispiel Queen, Joan Jett and the Blackhearts, Big Country, Yes, Simple Minds, U2, R.E.M., Van Halen, Whitesnake oder The Cure.

Das Jahrzehnt beschloss die Band Guns N’ Roses, die 1987 mit ihrem Album "Appetite for Destruction" und den Hits "Paradise City" und "Sweet Child o'mine" zu Megastars wurden.

Einen großen Einfluss auf diese letzte Ära der Superstars hatte die Entwicklung des Musikfernsehens. Der Sender MTV, der als Rocksender begann, war in der Lage mit dem Instrument der "heavy Rotation" Bands zu Stars zu machen.

1990er Jahre[Bearbeiten]

Die Grunge-Band Nirvana
Die Hard Rock-Gruppe Guns N’ Roses

Anfang der 1990er Jahre erlebte die Rockmusik dann einen unerwarteten Schub durch den Erfolg der US-Grunge-Band Nirvana, die nach dem Experimentieren und Digitalisieren der 1980er Jahre wieder musikalisch simplere Musik spielte und die gesamte Alternative-Szene der 1990er nachhaltig prägte. Im Zuge der Popularisierung des Grunge erzielten auch Bands wie Soundgarden, Pearl Jam oder The Smashing Pumpkins große kommerzielle Erfolge. Mit dem Tod des Nirvana-Sängers Kurt Cobain verlor der Grunge enorm an Popularität und wurde wieder zu einem Underground-Genre, wenngleich Pearl Jam und die Melvins bis ins neue Jahrtausend mit Erfolg weiter Platten veröffentlichten und auf Tour gingen.

Eine Variante des Grunge war die feministische Riot Grrrl-Bewegung um Bands wie Bikini Kill, Hole und Babes in Toyland, die ähnlich wie Kurt Cobain die Dominanz männlichen Superrockstartums im Stile eines Axl Rose mit all seinen Machoposen zu durchbrechen zu versuchten.

Dem zum Trotz konnte Guns N’ Roses auch Anfang 1990 mit ihrer Use Your Illusion Tour weltweit weiterhin für Aufsehen sorgen und gehörten somit zu den wenigen älteren Rockbands, die trotz des massiven Einflusses des Grunge in den 1990ern, enorme Erfolge verbuchen konnte.

Zu Beginn des Jahrzehnts traten auch erste Crossover-Bands in Erscheinung. Rage Against the Machine, Incubus und vor allem die Red Hot Chili Peppers erlangten große Popularität. Skatepunk popularisierte Bezüge zwischen Musik, Trend- und Extremsportarten sowie dem zugehörigen Lebensstil.

1994 entstand eine Neopunk-Welle, die durch Alben wie Green Days Dookie ausgelöst wurde. In diesem Zusammenhang wurden auch Bands wie NOFX, Rancid, Bad Religion oder The Offspring einer breiteren Masse bekannt. Viele dieser Bands werden dem Pop-Punk zugerechnet.

Ebenfalls zu den härteren Subgenres des Rock zuzurechnen ist der Anfang der Neunziger von den Bands Kyuss und den Nachfolgegruppen Queens of the Stone Age und Fu Manchu sowie Monster Magnet etablierte Stoner oder Desert Rock. Langsamere Rhythmen, tiefergestimmte Gitarren, zum Teil über Bassverstärker gespielt und der unüberhörbare Einfluss von Black Sabbath prägten diesen Stil, der bis in die Gegenwart von Clutch, Pontiak oder den Truckfighters gespielt wird.

Mitte der 1990er Jahre brach schließlich der Britpop die Dominanz des US-amerikanischen Grunge und Alternative Rock. Jungen britischen Bands diente die britische Pop- und Rockmusik der 1960er und 1970er Jahre, vermengt mit Elementen des Madchester, des Shoegazing, aber auch des Alternative Rock, als Inspirationsquelle. Blur, Pulp, The Verve und Oasis beeinflussten so nachhaltig die Rockmusik des ausgehenden Jahrzehnts. Im Jahr 1996 erschien das erste Album der britischen Band Placebo. Sie machten mit ihrer düsteren Mischung aus Britpop und Alternative Rock nachhaltig auf sich aufmerksam.

Das Fusionieren und Experimentieren trat erst wieder zum Ende des Jahrzehnts in den Vordergrund durch Interpreten, die Elemente aus der zu dieser Zeit Erfolge feiernden elektronischen Musik adaptierten, wie zum Beispiel Radiohead, Blur oder auch Nine Inch Nails.

2000er Jahre[Bearbeiten]

Das neue Jahrtausend wurde durch eine um sich greifende Retrowelle geprägt. Bands wie The Strokes, Kings of Leon, The Subways, Mando Diao, Wolfmother, The White Stripes und Franz Ferdinand griffen auf typische Elemente früherer Jahrzehnte zurück und transportierten sie erneut in die Musikcharts; The Hives und The Libertines stehen auf den Schultern alter Punkgrößen wie Television und die Bright Eyes weisen große Gemeinsamkeiten mit Bob Dylan auf.

Das Punk-Revival der 1990er, insbesondere der Pop-Punk, konnte sich mit Bands wie Blink-182, Sum 41 und Simple Plan noch lange fortsetzen.

Zu Beginn des Jahrzehnts machte die Crossover-Band Korn mit der Verbindung von Metal- und Hip-Hop-Elementen auf sich aufmerksam. Zusammen mit Bands wie Linkin Park, Limp Bizkit, System of a Down, Slipknot und Papa Roach, die den Metal stilistisch weiterentwickelten, bildet diese das Genre Nu Metal.

Die Alternative Rock-Gruppe Radiohead
Die Britpop-Band Oasis

In Großbritannien dominierten ab Mitte des Jahrzehnts vor allem Indie-Bands wie Arctic Monkeys, Maxïmo Park, The Fratellis, Bloc Party und The Kooks. Diese Bands stehen klar in der Tradition der britischen Bands der 1990er Jahre. Die „alten“ Bands des Britpop und Alternative Rocks wie z.B. Oasis, Blur und Radiohead veröffentlichten in den 2000er Jahren ebenfalls erfolgreiche Alben. Die teilweise auch dem Indie zugerechnete Band Arcade Fire belebte indes mit einer großen instrumentalen Breite das Genre des Artrocks. Bands wie Archive oder Animal Collective drangen eher aus elektronischen Genren in die Rockmusik ein. Ebenso konnten Muse mit ihrer Verbindung aus Elektronic, Alternative-, Hard- und Progressive Rock (New Prog) das ganze Jahrzehnt große Erfolge verbuchen.

Außerdem konnten Alternative-Rock-Bands, die gelegentlich dem Emo-Genre zugerechnet werden, wie Jimmy Eat World, Billy Talent, Paramore, Bullet for My Valentine, 30 Seconds to Mars, My Chemical Romance oder Panic! at the Disco Charterfolge verbuchen. Auch mit diesem Genre in Verbindung gebracht wurde die deutsche Pop-Rock-Band Tokio Hotel, die auch international eine der erfolgreichsten deutschen Bands des Jahrzehnts werden sollte.

Im deutschsprachigen Raum verbanden vor allem Bands aus Hamburg wie Kettcar, Tomte und Tocotronic Indie-Rock und Indie-Pop in einer Weiterentwicklung der Hamburger Schule. Auch Pop-Rockbands wie Juli, Silbermond oder Madsen waren ab Mitte der 2000er erfolgreich.

In Skandinavien entwickelte sich ebenfalls eine sehr lebendige Independent-Rock-Szene, die mit Motorpsycho, Turbonegro, Soundtrack of our Lives, Refused, den Hives und Kvelertak einen unkomplizierten Umgang mit dem reichen Erbe pflegten und unverkrampft Einflüsse von Black Metal und Punk bis zu den Beach Boys, und den Allmann Brothers, verarbeiteten.

Seit 2010[Bearbeiten]

Schon in den letzten Jahren vor 2010 stieg die Bedeutsamkeit elektronischer Klänge und Synthesizer in der Rockmusik wieder. Elektronische Einflüsse waren so auch in der Entwicklung von Bands zu hören, die wie die Arctic Monkeys oder Franz Ferdinand anfangs (noch) zum Post-Punk Revival gezählt wurden. Erkennbar wurde sie später auch bei den Strokes. Indie-Rock bewegte sich damit generell vom „Garagencharakter“ hin zu progressiverer Musik. Bands wie Foals, Klaxons oder Vampire Weekend trugen mit ihrer Form des Indie-Rock zu diesem Trend bei. Ebenfalls größeren unmittelbaren Einfluss bekommt die neuere Musik bei These New Puritans oder den Wild Beasts zu hören.

Seit Beginn der 2010er Jahre konnte um Bands wie Tame Impala, Allah-Las, Foxygen, John Steel Singers, Temples und Warpaint ein Psychedelic-Rock-Revival beobachtet werden. Auch auf dem 2013 erschienenen Album AM der Arctic Monkeys, welches vom NME als bis dahin bestes Album des Jahrzehnts bezeichnet wurde[1], findet man Elemente dieses Genres.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Rockmusik – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Rockmusik

Literatur[Bearbeiten]

  • Diedrich Diederichsen, Über Pop-Musik. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2014. 474 S. ISBN 978-3-462-04532-1
  • Matthias S. Fifka: Rockmusik in den 50er und 60er Jahren. Von der jugendlichen Rebellion zum Protest einer Generation. Nomos, Baden-Baden 2007, ISBN 978-3-8329-2522-2.
  • Christian Graf, Burghard Rausch: Rockmusiklexikon Europa, Bd. 1., Fischer Tb., Frankfurt Juli 2005, ISBN 3-596-16428-1.
  • Christian Graf, Burghard Rausch: Rockmusiklexikon Europa, Bd. 2., Fischer Tb., Frankfurt Juli 2005, ISBN 3-596-16429-X.
  • Christian Graf, Burghard Rausch: Rockmusiklexikon Amerika, Afrika, Asien, Australien, Fischer Tb, Frankfurt Oktober 2003, ISBN 3-596-15869-9.
  • Tibor Kneif: Sachlexikon Rockmusik. Instrumente, Stile, Techniken, Industrie und Geschichte, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt, überarbeitete und erweiterte Ausgabe 1980, ISBN 3-499-16223-7 (Lexikon und Beispielsammlung aus Rock ’n’ Roll, Rhythm & Blues, Jazzrock, Funk Metal, Country-Rock, Folk-Rock, Bluesrock, Hard Rock, Punk, New Wave sowie ein Register).
  • Tibor Kneif: Rockmusik. Ein Handbuch zum kritischen Verständnis. Mit einem Beitrag von Carl-Ludwig Reichert, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1982, ISBN 3-499-16279-2 (mit einem Kapitel über die Grundlagen der Rockmusik, z. B. Elemente, Instrumente und stilistische Wurzeln sowie Materialien zu einer Theorie der Rockmusik, ihrer Soziologie, Ästhetik und Geschichte).
  • Frank Laufenberg, Ingrid Laufenberg: Frank Laufenbergs Hit-Lexikon des Rock und Pop., Ullstein Tb., Oktober 2002, ISBN 3-548-36362-8.
  • Steffen Siegel: Ein Rockstar kommt selten allein. Das fotografische Bandportrait. In: Ute Eskildsen, Christiane Kuhlmann (Hrsg.): A Star Is Born. Fotografie und Rock seit Elvis Presley, Göttingen 2010, S. 251–256, ISBN 978-3-86930-192-1.
  •  Klaus Staib: Rockmusik und die 68er-Bewegung. Eine historisch-musikwissenschaftliche Analyse. Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2009, ISBN 978-3-8300-4588-5.
  • Artemy Troitsky: Rock in Russland: Rock und Subkultur in der UdSSR, Hannibal-Verlag, Wien 1989, ISBN 3-85445-046-X.
  • Christa Zöller: Rockmusik als jugendliche Weltanschauung und Mythologie. Religion und Biographie. Bd. 2. Lit, Münster 2000, ISBN 978-3-8258-4517-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rock music – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma
 Wiktionary: Rockmusik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mike Williams: [1] Auf: nme.com. Abgerufen am 11. September 2014