Rocko Schamoni

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rocko Schamoni

Rocko Schamoni (* 8. Mai 1966 in Lütjenburg, eigentlich Tobias Albrecht, weitere Pseudonyme King Rocko Schamoni, Bims Brohm, IBM Citystar, Mike Strecker und Silvio Strecker) ist ein deutscher Entertainer, Musiker, Autor, Schauspieler, Clubbetreiber, festes Mitglied des Komik-Ensembles Studio Braun und Mitglied der Partei Die PARTEI.

Werk[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

Der Musikstil Rocko Schamonis, der in der frühen Phase Elemente des Punkrock, Rockmusik und Jazz beinhaltet, wurde oft als deutscher Post-Punk bezeichnet.

1981 und 1982 war Rocko Schamoni Mitglied der Fun-Punk Band Warhead, welche sich später in Public Enemy nr.7, dann in Die Götter umbenannte. Mit dem Umzug vom schleswig-holsteinischen Lütjenburg nach Hamburg veränderte sich sein Stil, und die Auftritte als provozierender Schlagerentertainer führten ihn mit den Goldenen Zitronen und den Toten Hosen auf ausgedehnte Tourneen durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Außerdem war Rocko Schamoni neben Schorsch Kamerun und DJ Cumpadre ES Mitglied der Band Connection Point, die elektronische Musik machte. Ebenfalls mit Kamerun und den Musikern Ale Sexfeind, Jonas Landerschier, Sergeant Eierknaake und dem Bassisten Pipiplatsch („der wandelnde Bananumberto“) hatte Schamoni die Band Motion, die 1993 eine Platte bei dem Label Zickzack herausbrachte. Titel „Ex Leben (Land, Meer)“.

Bei seinen Shows wurde er erst von Jogging Mystique und später von Little Machine als Liveband unterstützt. Seit dieser Zeit ist der Sound von Schamoni und seiner Band eher dem Soulsound eines Al Green ähnlich.

Neben seiner Musikerkarriere gibt Rocko Schamoni Gastspiele in Film, Funk und Fernsehen zum Beispiel mit Heinz Strunk und Jacques Palminger bei der psychedelischen Humorvereinigung Studio Braun.

Filme[Bearbeiten]

Zwischen 1990 und 1992 spielte Schamoni bei den zwei Amateur-Kurzfilmen Rollo Aller! und Rollo Aller! 2 neben Christian Dabeler die Hauptrolle Eule. Sein Motto „Raus aus der Gesellschaft – Rein in den Rock“. Die beiden Hauptdarsteller produzierten auch den Soundtrack. Regie führte Henrik Peschel. Die Filme gelten als schräge Hommage an Hark Bohms Klassiker Nordsee ist Mordsee. Der dritte Teil wurde vor 1994 gedreht und liegt seitdem bei Regisseur Peschel in der „Schublade“. 2008 wurde innerhalb von acht Tagen ein vierter Teil gedreht, der nun vor dem dritten auf verschiedenen Veranstaltungen aufgeführt wurde.

Schamoni ist in diversen kleinen Rollen in Film- und Serienproduktionen zu sehen, zum Beispiel in Klaus Lemkes Die Ratte als Polizist oder in Am Tag als Bobby Ewing starb.

2008 war Schamoni in Fleisch ist mein Gemüse, einem Kinofilm basierend auf der gleichnamigen Romanvorlage des Schamoni/Studio Braun-Kollegen Heinz Strunk, als Schützenkönig zu sehen, in Fraktus (2012) spielte er die Rolle des Dirk Eberhard („Dickie“) Schubert.

Rocko Schamoni ist Protagonist in der Langzeitdokumentation "Wir werden immer weitergehen" von George Lindt und Ingolf Rech. Eine Langzeitdoku die als "Work in Progress" immer mal wieder neu geschnitten gezeigt wird. Der Film wurde erstmals 2004 auf dem Achtung Berlin Filmfestival gezeigt. Die neue Fassung mit erweiterten Lebensläufen wurde bundesweit im Jahr 2012 im Kino gezeigt und erstmals auch als Buch mit DVD veröffentlicht.

2012 drehte er mit Helge Schneider den Film 00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse in Mülheim und Umgebung. [1]

Romane[Bearbeiten]

Im Jahr 2000 veröffentlichte Schamoni mit Risiko des Ruhms seinen Debütroman. In 19 Kapiteln wird die turbulente Lebensgeschichte des Erzählers geschildert. Nach eigenen Angaben sind die extravaganten Kurzgeschichten frei erfunden. Der ersten Auflage lag eine Mini-CD bei, die drei Stücke der 1999 erschienenen Platte Showtime enthielt. 2007 erschien eine überarbeitete Version (Risiko des Ruhms – Director’s Cut).

2004 erschien mit Dorfpunks sein zweites und wesentlich erfolgreicheres Buch. Es schildert die Erinnerung an seine Jugend als Dorfpunk Ende der 1970er/ Anfang der 1980er Jahre.

Sternstunden der Bedeutungslosigkeit erschien im Jahr 2007. Schamoni schildert in 34 Kapiteln den Alltag des Erzählers Michael Sonntag, der sich als Single in Hamburg mit Gelegenheitsjobs durchs Leben schlägt.

Im Jahr 2011 erschien der Roman Tag der geschlossenen Tür, in dem der Protagonist Michael Sonntag, mittlerweile Frührentner, – mal mehr, mal weniger erfolgreich – versucht, sich den Anforderungen des Alltags zu entziehen.

Theaterproduktionen[Bearbeiten]

1998 komponierte Rocko Schamoni Musik für Elfriede Jelineks Ein Sportstück, welches am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg gezeigt wurde.

2000 und 2002 produzierte er die Musik für die Theaterstücke von Goldene-Zitronen-Sänger Schorsch Kamerun am Schauspielhaus Pfauen in Zürich (Der digitale Wikinger und Macht fressen Würde). Kamerun und Schamoni spielten in beiden Stücken selber mit.

Im Dezember 2004 erstellte Schamoni die Musik für Oscar Wildes Bunbury in der Bearbeitung von Elfriede Jelinek unter der Regie von Falk Richter am Wiener Burgtheater. Das Stück erhielt diverse Preise.

Im Mai 2005 wurde im Deutschen Schauspielhaus die Operette Phönix - Wem gehört das Licht uraufgeführt. Sie basiert auf den Roman Fleisch ist mein Gemüse von Rockos Studio-Braun-Kollegen Heinz Strunk. Auch hier wirkte Schamoni musikalisch und schauspielerisch mit und führte zusammen mit Palminger und Strunk die Regie.

Am 30. April 2008 feierte Studio Brauns Dorfpunks, basierend auf dem gleichnamigen Roman Schamonis, im Schauspielhaus Premiere.

Am 21. Oktober 2010 wurde Studio Brauns Stück Rust – Ein deutscher Messias nach dem Leben von Mathias Rust im Hamburger Schauspielhaus uraufgeführt.[2][3][4][5]

Pudel Klub/Golden Pudel Club[Bearbeiten]

Anfang der 1990er gründete Rocko Schamoni zusammen mit Schorsch Kamerun, Sänger bei Die goldenen Zitronen, und weiteren Freunden in einer leerstehenden Kneipe, die sich im Erdgeschoss des Hauses befand, in dem er lebte, den ersten Pudel Klub. Dort fanden sich bekannte und später bekannt gewordene Größen der Popkultur ein. Der Club schloss, und 1995 eröffnete Schamoni mit Kamerun und Norbert Karl den Golden Pudel Club in der Hafenstraße. Nach dem Tod Norbert Karls (2004) übernahm Schamoni den Club auf Erbpacht. Mittlerweile hat sich Schamoni aus dem Tagesgeschehen des Clubs zurückgezogen.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Rocko Schamoni (2003)

Diskografie[Bearbeiten]

Alben
  • 1988: Vision (LP, Weser Label)
  • 1990: Jeans und Elektronik (LP/LP lim. mit Flexi-Disc/CD/MC, Polydor)
  • 1991: Disco
  • 1993: Ex-Leben (mit Motion)(CD, What’s so funny about)
  • 1995: Galerie Tolerance
  • 1996: Die frühen Werke des Monsieur 70 Volt
  • 1999: Showtime (DoCD inkl. Remixe, Trikont)
  • 2002: Der Schwere Duft von Anarchie (CD, Virgin)
  • 2003: The Best of Rocko Schamoni (DoCD/LP, Trikont)
  • 2007: Rocko Schamoni & Little Machine (CD, Trikont; LP, Nobistor)
Singles
  • 1987: Liebe kann man sich nicht kaufen (7“-Weser Label)
  • 1990: Ich will Liebe (7“-Vinyl, Weser Label; Maxi-CD/12“-Vinyl, Polydor)
  • 1990: Was kostet Liebe (7“-Vinyl, Polydor)
  • 1990: Mendocino (Duett mit Michael Holm)
  • 1991: Nackt in Las Vegas (7“-Vinyl/Maxi-CD, Polydor)
  • 1999: Showtime Remixe (12“-Vinyl, Trikont)
  • 2002: Geld ist eine Droge (Maxi-CD, Virgin)
  • 2002: Heart of Plastic (12“-Vinyl/Maxi-CD, Virgin)
  • 2005: Mauern (Maxi-CD, Trikont; 7“-Vinyl, Nobistor)
  • 2006: Muster (Maxi-CD, Trikont; 7“-Vinyl, Nobistor)
  • 2010: Mein Hass (7“-Vinyl, Duett mit Cordelia Waal, Musik und Produktion: Rockford Kabine)
Alben mit Studio Braun
  • 1998: Gespräche (CD, Mercury)
  • 1999: Gespräche 2 (CD, Ariola)
  • 2000: Jeans Gags (CD, Ariola)
  • 2001: FC St. Pauli & TSC Studio Braun – 1:1:0 am Millerntor (CD, Freizeit/Universal)
  • 2002: Fear of a Gag Planet (CD, Ariola)
  • 2004: Ein Kessel Braunes (CD, Trikont)
  • 2012: Fraktus - Millenium Edition (CD, Staatsakt)
Singles mit Studio Braun
  • Die andere Realität/ Joy (7“-Vinyl, Nobistor)
  • Bierchen/Mariacron/Bier-Hypochonder (7“-Vinyl, Nobistor)
  • 2012: Fraktus - Affe Sucht Liebe (Operation Pudel 2006/Original 1983 Version) (7“-Vinyl, Pudel Produkte 19)
Kompilations-Beiträge
  • 1986: We are the champions (EP, Weser Label)
  • 1988: We are the champions (EP, Weser Label)
  • 1990: Vestival der Volxmusik
  • 1991: Operation Pudel 2000
  • 1992: Operation Poodle XL
  • 1996: Punk Over Germany
  • 2001: Liebe und Herzschmerz (DoCD, Lieblingslied Records)
  • 2001: Operation Pudel 2001 (DoCD, L’Age D’or)
  • 2004: Protestsongs.de (DoCD, Lieblingslied)
  • 2004: Müssen alle mit (CD, Tapete)
  • 2005: Pudel Produkte Zwei (12-Vinyl, Nobistor)
  • 2005: Pudel Produkte Drei (12-Vinyl, Nobistor)
  • 2006: Pudel Produkte Vier (12-Vinyl, Nobistor)
  • 2006: Operation Pudel 2006 ZD 50: Best of Pudel Produkte
  • 2007: 80’s Flashback
  • 2008: Tonangeberei: Songs für jedes Alter ab 3 (CD, Trikont)
  • 2010: Operation Pudel 2010 (DoCD, Staatsakt)
Hörbücher
  • 2003: Risiko des Ruhms
  • 2005: Dorfpunks
  • 2008: Sternstunden der Bedeutungslosigkeit
  • 2011: Tag der geschlossenen Tür
Hörspiele
  • 2005: Cocka Hola Company
  • 2006: Mutter Tourette und ihre Kinder

Bibliografie[Bearbeiten]

  • 2000: Risiko des Ruhms.
  • 2004: Dorfpunks.
  • 2007: Risiko des Ruhms: Director’s Cut.
  • 2007: Sternstunden der Bedeutungslosigkeit.
  • 2011: Tag der geschlossenen Tür. Piper, München 2011, ISBN 978-3-492-05421-8.

Filmografie[Bearbeiten]

TV[Bearbeiten]

  • 1997: Pudel Overnight, 3sat (Moderator)
  • 2001: Fast Forward, Viva 2 (Moderator)
  • 2001: Pudel Reisen: Prag, Viva 2 (Moderator)
  • 2003: Großstadtrevier: Tapetenwechsel (Schauspielrolle)
  • 2005: TV total, 15. März 2005, Pro 7 (Gast)
  • 2008: Zimmer frei, 2. Dezember 2007, WDR (Gast)
  • 2008: TV total, 20. Februar 2008, Pro 7 (Gast)
  • 2008: NDR Talk Show, 11. April 2008, NDR (Gast)
  • 2011: TV total, 28. März 2011, Pro 7 (Gast)
  • 2012: Roche & Böhmermann, 15. April 2012, ZDFkultur (Gast)

1997 drehten Rocko Schamoni und Schorsch Kamerun für 3sat drei Folgen der Serie „Pudel Overnight“, bei der die beiden Moderatoren bei Nacht die Städte Berlin, Zürich und Wien besuchten, diverse interessante Menschen dort trafen und sprachen. Die einzelnen Folgen wurden fast ungeschnitten bei 3sat gezeigt und hatten eine durchschnittliche Länge von sechs Stunden.

Trivia[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Filmecho/Filmwoche Nr. 28, 13. Juli 2012
  2. Die Schauspielhäuser der Region suchen in der kommenden Spielzeit den Anschluss an die Zukunft – Langsames Medium in schneller Zeit
  3. freiepresse.de
  4. Hamburger Humortrio Studio Braun: „Wenn einer gehen soll, dann der Kultursenator!“ In: Spiegel Online, 21. Oktober 2010:
  5. abendblatt.de