Rodenkirchen (Stadland)

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53.4016666666678.45305555555562Koordinaten: 53° 24′ 6″ N, 8° 27′ 11″ O

Rodenkirchen
Gemeinde Stadland
Rodenkirchener Wappen
Höhe: 2 m ü. NN
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 26935
Vorwahl: 04732

Rodenkirchen ist ein Ort in der Gemeinde Stadland im Landkreis Wesermarsch in Niedersachsen. Mit rund 4.000 Einwohnern ist Rodenkirchen der größte Ort der Gemeinde und Sitz der Gemeindeverwaltung.

Lage[Bearbeiten]

St.-Matthäus-Kirche in Rodenkirchen
Katholische Kirche Rodenkirchen
Hartwarder Friese
Die „Longirhalle“
Roonkarker Mart - die 5. Jahreszeit

Im Osten grenzt Rodenkirchen an die Weser und an die Strohauser Plate, im Süden an die Stadtgemeinde und Kreisstadt Brake, im Westen an den Nachbarort Schwei und im Norden an den Nachbarort Kleinensiel, der wiederum an die Stadt Nordenham grenzt.

Ortsteile[Bearbeiten]

Rodenkirchen besteht aus den Ortsteilen Absen, Achterdorp, Hartwarden und Strohausen. Zudem werden die kleineren Ortschaften – u. a. Rodenkircherwurp, Rodenkircherfeld, Rodenkircher Oberdeich, Hiddingen, Hakendorferwurp, Beckum, Alse und Sürwürden – zum Ort Rodenkirchen mitgezählt.

Geschichte[Bearbeiten]

Rodenkirchen erhielt seinen Namen im Jahre 1244. Der Name setzt sich laut dem Rodenkirchener Pastor Wilhelm Ramsauer aus dem Wort „Roda“ für „Kreuz“ und „Kirche“ zusammen, also „Kreuzkirche“, was auf die Kreuzform der Kirche hinweist.[1]

Am 1. März 1974 wurde Rodenkirchen in die neue Gemeinde Stadland eingegliedert.[2]

Ortsbild[Bearbeiten]

Der Ort ist einerseits ländlich geprägt, andererseits entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg mehrere Neubausiedlungen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Tegelland – ein ehemaliges Lehm-Abbaugebiet für die nicht mehr vorhandene Ziegelfabrik – zu Bauland, um den Flüchtlingen und Vertriebenen neuen Wohnraum zu schaffen. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts kamen neue Baugebiete für Einfamilienhäuser im Lübbenland, dem ehemaligen Kasernengelände und diversen kleineren Flächen hinzu.

Schulen und Sportstätten[Bearbeiten]

In Rodenkirchen befindet sich das Schul- und Sportzentrum. Dieses beinhaltet die örtliche Grundschule sowie die Oberschule. Eine Großsporthalle, eine kleinere Schulsporthalle, zwei Sportplätze (ein Rasen- und ein Kunstrasenplatz) und ein Bolzplatz werden sowohl von den Schulen als auch von den Sportvereinen der Gemeinde genutzt.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Bis zum Bau des Wesertunnels und dem Bau der Umgehungsstraßen begegneten sich im Ortskern von Rodenkirchen die Bundesstraßen 212 und 437, welches die Hauptverkehrsadern der Gemeinde Stadland sind. Der Bahnhof Rodenkirchen wird von der auf der Bahnstrecke Hude–Nordenham angebotenen S-Bahn Bremen bedient, von 1913 bis 1958 zweigte hier die Bahnstrecke Varel–Rodenkirchen ab.[3] Die Buslinien nach Oldenburg (Oldenburg), Wilhelmshaven und Bremerhaven begegnen sich hier; somit ist Rodenkirchen ein Knotenpunkt im öffentlichen Verkehrsnetz des VBN.

Die Städte Oldenburg (Oldenburg), Wilhelmshaven, Bremen und Bremerhaven sind mit dem Auto innerhalb einer Stunde erreichbar.

Durch Stadland und durch Rodenkirchen führt ein Teil des Weser-Radweges und der Deutschen Sielroute (Radfahrerwegenetz).

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Rodenkirchen sind vor allem viele Handwerksbetriebe sowie Handels- und Dienstleistungsunternehmen der Gemeinde Stadland ansässig. Zudem befindet sich in Rodenkirchen die Gemeindeverwaltung.

Ein weiterer wirtschaftlicher Schwerpunkt ist neben der Landwirtschaft der Tourismus, was sich durch das Vorhandensein zahlreicher Gastronomie- und Hotelbetriebe sowie private Fremdenverkehrszimmer ausdrückt.

Gewerbegebiete finden sich in Hartwarden und am Wesertunnel. Trotz günstiger Verkehrsanbindungen bleibt die Neuansiedlung von größeren Betrieben aufgrund fehlender Nachfrage aus. Wie in der gesamten Wesermarsch ist die Arbeitslosenquote relativ hoch.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Der Hartwarder Friese erinnert an die Schlacht bei der Hartwarder Landwehr 1514 und wurde 1914 vom Rüstringer Heimatbund errichtet.
  • St.-Matthäus-Kirche
  • Strohauser Plate (Vogelschutzgebiet)

Historisches Dielenschiff „Hanni“[Bearbeiten]

Das Dielenschiff „Hanni“ liegt im Abser Yachthafen. Es ist ein originalgetreuer Nachbau der historischen Dielenschiffe, die früher die Bauernhöfe in der gesamten Wesermarsch mit Waren belieferten. Dadurch, dass diese Schiffe nur einen geringen Tiefgang haben und der Segelmast umgeklappt werden kann, konnten sie leicht die Siele befahren.

Bronzezeithaus Hahnenknoop[Bearbeiten]

1976 wurde das Strohauser Siel von der Weser bis fast hin zum Jadebusen gebaut, um die Entwässerung in der nördlichen Wesermarsch zu verbessern. Bei Hartwarderwurp stießen die Maschinen auf Holzreste und Scherben. Bohrungen bestätigten, dass sich zwei Meter unter der Marschenerde Reste einer unbekannten Siedlung befanden. Für eine genauere Untersuchung fehlten zu der Zeit allerdings die finanziellen Mittel. Erst 25 Jahre später konnte das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung, Wilhelmshaven, mit einer Grabung beginnen, die von 1996 bis 2001 dauerte. Zu Tage förderte es einen einzigartigen Fund: die Reste einer kompletten Hofstelle, die zu der ältesten bisher gefundenen Siedlung in der deutschen Marsch gehört. Die Archäologen legten 2000 Stümpfe von Holzpfosten frei, die sich im feuchten Marschboden unter ständigem Luftabschluss erhalten hatten. Auch bargen sie unter anderem Knochen, Pflanzen, Keramik und Gegenstände aus Bronze.

Diese Ergebnisse ermöglichten die Rekonstruktion eines Hauses, das vom Förderverein Bronzezeithaus unter anderem mit Mitteln der EU nachgebaut wurde. Es wurde Anfang September 2005 feierlich eingeweiht und vermittelt eine Vorstellung vom Leben der Menschen im 10. bis 9. Jahrhundert vor Chr.

Geöffnet ist das Bronzezeithaus Hahnenknoop an den Wochenenden.

Marktplatz[Bearbeiten]

Das Rathaus der Gemeinde Stadland befindet sich direkt an dem im Zentrum von Rodenkirchen gelegenen Marktplatz. Vor dem Rathaus findet jeden Donnerstag der Wochenmarkt statt.

Den östlichen Abschluss des Marktplatzes bilden die Markthallen, welche ursprünglich als Hengst- und Landwirtschaftshallen genutzt wurden. Die nördlichste von ehemals drei Markthallen wurde abgerissen, um Platz für das Feuerwehrhaus zu schaffen. Die südlichste Halle wurde lange Zeit als kommunaler Bauhof genutzt und dient heute auch als Festhalle während des Roonkarker Marts. Die mittlere Markthalle, die ehemalige „Longirhalle“, wurde nach einem Brand restauriert und zu einer Festhalle umgebaut, in der regelmäßig Veranstaltungen aller Art stattfinden. Auf der Rückseite des Gebäudes befindet sich das Jugendzentrum.

Der Bahnhof liegt direkt am Marktplatz. Die Architektur des Bahnhofes schließt sich der der Markthallen an und bietet ein einheitliches Bild. Um dies zu komplettieren, wurde das Feuerwehrhaus mit einem Vorbau erweitert und erinnert somit an die nicht mehr vorhandene Markthalle.

Vor dem Ersten und Zweiten Weltkrieg wurde auf dem Marktplatz Vieh umgeschlagen und mit der Bahn abtransportiert.

Jedes Jahr findet im Herbst, immer Ende September, der „Roonkarker Mart“ statt, der größte und älteste Jahrmarkt im Landkreis Wesermarsch. Jedes Jahr kommen über 200 Schausteller mit ihren Karussells und Buden auf dem Marktplatz zusammen und locken Tausende von Besuchern aus der Umgebung für vier Tage an.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Karl Becker (* 2. Oktober 1823 in Strohausen), Direktor des oldenburgischen Statistischen Bureaus und des kaiserlichen Statistischen Amtes in Berlin
  • Franz Radziwill (* 6. Februar 1895 in Strohausen), Kunstmaler der Neuen Sachlichkeit
  • Alma Rogge (* 24. Juli 1894 in Brunswarden), niederdeutsche Dichterin („Wo ik her kaam, weiht de Wind ...“)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rodenkirchen (Stadland) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wilhelm Ramsauer: Beiträge zur Flurnamesforschung, Seite 96, abgerufen am 21. Januar 2014
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 276.
  3. Bahnstrecke Varel–Rodenkirchen auf laenderbahn.info.