Rodney Stark

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Rodney Stark (* 1934) ist ein US-amerikanischer Religionssoziologie. Er wuchs in Jamestown, North Dakota, in einer lutherischen Familie auf. Er diente in der United States Army und arbeitete als Journalist, bevor er ein Studium an der University of California, Berkeley, begann. Nachdem er 32 Jahre an der University of Washington unterrichtet hatte, wechselte er 2004 zur Baylor University, wo er Co-Direktor des Instituts für Religionsstudien wurde. Er ist ein Verfechter der Theorie der rationalen Entscheidung in der Religionssoziologie, die er die „Theorie der religiösen Wirtschaft“ nennt.

Stark-Bainbridge Theorie der Religion[Bearbeiten]

Während der späten 1970er und 1980er Jahren arbeitete Stark mit William Sims Bainbridge an einer Theorie der Religion[1]. Mit Bainbridge verfasste er die Bücher The Future of Religion (1985) und A Theory of Religion (1987). Heute wird die Theorie, die religiöses Engagement als Wechselverhältnis von Belohnungen und Ausgleichen erklärt, als eine Vorstufe für den expliziten Rückgriff auf ökonomische Prinzipien der Religion gesehen, den später Laurence R. Iannaccone und andere formulierten.[2][3]

Thesen zur Verbreitung des Christentums[Bearbeiten]

Stark stellte in The Rise of Christianity die These auf, dass sich das Christentum allmählich durch einzelne Konversionen über soziale Netzwerke von Familie, Freunden und Kollegen verbreitet habe. Er verglich die Ausbreitung des Christentums in der Römischen Kaiserzeit mit der Geschichte der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage im 19. und 20. Jahrhundert und kam zu dem Ergebnis, dass ein anhaltendes und kontinuierliches Wachstum zur enormen Verbreitung in den folgenden 200 Jahren geführt habe. Exponentielles Wachstum kennzeichne den Erfolg von Religionen und Kirchen, nicht Massenkonvertierungen.

Stark geht davon aus, dass sich der christliche Glaube verbreitete, weil sich Frauen damit mehr befassten als mit hellenistischen Religionen. Das Engagement der christlichen Gemeinschaft bei der Gewinnung von Ungläubigen und wankelmütigen Menschen sei geschwächt worden, als das Christentum in der Römische Kaiserzeit zur Staatsreligion aufgestiegen war. Dies steht im Einklang mit seinen Thesen zu zeitgenössischen Religionsbewegungen; diesen Thesen zufolge verlieren einst erfolgreiche Glaubensbewegungen wegen des Trittbrettfahrerproblems an Einfluss.

Thesen zur Evolutionstheorie[Bearbeiten]

Im Jahr 2004 veröffentlichte Stark in The American Enterprise, einer Onlinepublikation des American Enterprise Institute[4], einen Artikel, in dem er das angebliche Ersticken der Debatte über die Evolutionstheorie kritisiert. In "Facts, Fable and Darwin" kritisierte er den "darwinischen Feldzug" ("Darwinian Crusade") und dessen "Taktik der Inanspruchnahme", der nur eine Wahl zwischen Darwin und den biblischen Buchstabenglauben" ("tactic of claiming that the only choice is between Darwin and Bible literalism") zulasse. Er sei kein Kreationist, glaube aber, dass – obwohl "die Evolutionstheorie eine unüberwindbare Herausforderung für alle religiösen Ansprüche sei – akzeptiert werden müsse, dass unter den führenden Biologen die Herkunft der verschiedenen Arten noch nicht geklärt sei ("Though not a Creationist himself, he believes that though "the theory of evolution is regarded as the invincible challenge to all religious claims, it is taken for granted among the leading biological scientists that the origin of species has yet to be explained""). Er regte an, dass die Regierung die Forderung aufhebe, in Schulen Darwins fehlgeschlagenen Ansatz als eine ewige Wahrheit zu verbreiten ("He suggests that governments "lift the requirement that high school texts enshrine Darwin's failed attempt as an eternal truth."").[5]

Persönliche Religiosität[Bearbeiten]

In dem Buch A Theory of Religion von 1987 beschreiben Stark und Bainbridge sich selbst als persönlich unfähig zum religiösen Glauben ("personally incapable of religious faith").[6] In einem Interview wollte Stark 2004 ungern über seine eigene religiöse Sicht sprechen, sagte aber, dass er kein Mann des Glaubens sei, aber auch kein Atheist:

Interviewer: You once wrote that you’re “not religious as that term is conventionally understood.”
"Rodney Stark: That’s true, though I’ve never been an atheist. Atheism is an active faith; it says, “I believe there is no God.” But I don’t know what I believe. I was brought up a Lutheran in Jamestown, North Dakota. I have trouble with faith. I’m not proud of this. I don’t think it makes me an intellectual. I would believe if I could, and I may be able to before it’s over. I would welcome that."

Interviewer: Sie schrieben einmal, dass Sie „nicht religiös in dem Sinne sind, wie der Begriff üblicherweise verstanden wird.”
"Rodney Stark: Das stimmt, wobei ich nie ein Atheist war. Atheismus ist ein aktiver Glaube; sie sagen, „Ich glaube, da ist kein Gott.“ Aber ich weiß nicht, was ich glaube. Ich bin als Lutheraner in Jamestown, North Dakota erzogen worden. Ich habe Probleme mit dem Glauben. Ich bin nicht stolz darauf. Ich denke nicht, dass es mich zu einem Intellektuellen macht. Ich würde gerne glauben, wenn ich könnte, und vielleicht bin ich dazu fähig, bevor alles vorüber ist. Ich würde das begrüßen."
[7]

In einem Interview im Jahre 2007, nachdem Stark einen Posten an der Baylor University angenommen hatte, erklärte er, dass sich sein Selbstverständnis geändert habe und er sich nun als einen "unabhängigen Christen" verstehe. In diesem Interview behauptete er, dass er schon immer ein „kultureller“ (cultural) Christ gewesen sei, der sich als "stark der westlichen Zivilisation verpflichtet" verstanden habe. Über seine frühere Position schrieb er:

„I was never an atheist, but I probably could have been best described as an agnostic.“

„Ich war nie ein Atheist, aber wahrscheinlich hätte man mich am besten als Agnostiker beschreiben können.“

Massimo Introvigne: Cesnur.org[8]

Schriften[Bearbeiten]

Stark hat nach eigenen Angaben 28 Bücher und 144 Artikel veröffentlicht.[9]

Religionssoziologie

  • Christian Beliefs and anti-Semitism, with Charles Y. Glock. 1966
  • American Piety, with Charles Y. Glock. 1968
  • The Future of Religion: Secularization, Revival, and Cult formation, with William Sims Bainbridge. 1985
  • A Theory of Religion, with William Sims Bainbridge. 1987
  • Religion, Deviance, and Social Control, with William Sims Bainbridge. 1996
  • The Churching of America 1776-1992: Winners and Losers in Our Religious Economy, with Roger Finke. 1992; 2nd edition under name The Churching of America 1776-2005: Winners and Losers in Our Religious Economy. 2005
  • The Rise of Christianity: A Sociologist Reconsiders History. 1996
  • Acts of Faith: Explaining the Human Side of Religion, with Roger Finke. 2000
  • One True God: Historical Consequences of Monotheism. 2001, ISBN 978-0-691-11500-9
  • For the Glory of God: How Monotheism Led to Reformations, Science, Witch-Hunts, and the End of Slavery. 2003, ISBN 978-0-691-11436-1
  • Exploring the Religious Life. 2004, ISBN 0-8018-7844-6
  • The Victory of Reason: How Christianity Led to Freedom, Capitalism, and Western Success. 2005, ISBN 0-8129-7233-3
  • The Rise of Mormonism. 2005, ISBN 0-231-13634-X
  • Cities of God: The Real Story of How Christianity Became an Urban Movement and Conquered Rome. 2006
  • Discovering God: A New Look at the Origins of the Great Religions. 2007, ISBN 978-0-06-117389-9
  • God’s Battalions: The Case for the Crusades. 2009

Allgemeine Soziologie

  • Sociology. 1985. An introductory college sociology text that has been through ten editions as of 2007.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  William H. Swatos, Jr. (Hrsg.): Stark, Rodney. In: Encyclopedia of Religion and Society. AltaMira Press, 1998, ISBN 9780761989561 (hirr.hartsem.edu, abgerufen am 5. März 2007).
  2.  Alan E. Aldridge: Religion in the contemporary world: a sociological introduction. Wiley-Blackwell, 2000, ISBN 978-0-7456-2083-1, S. 95–97 (books.google.com, abgerufen am 4. Dezember 2010).
  3. David Lehmann: Rational Choice and the Sociology of Religion. In: Bryan S. Turner (Hrsg.): The New Blackwell Companion to the Sociology of Religion. (= Blackwell companions to sociology.) Wiley-Blackwell, Chichester (West Sussex) / Malden MA 2010, ISBN 978-1-4051-8852-4, chapter 8, S. 181–200.
  4. Welcome to The American Enterprise. In: AboutUs.org. Abgerufen am 28. Oktober 2013 (englisch).
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatRodney Stark: Fact, Fable, and Darwin. In: The American Enterprise Online. American Enterprise Institute, Sept. 2004, archiviert vom Original, abgerufen am 31. Oktober 2013 (englisch).
  6.  Bryan S. Turner (Hrsg.): The New Blackwell Companion to the Sociology of Religion. John Wiley & Sons, 13. April 2010, ISBN 978-1405188524, S. 183 (Online in der Google-Buchsuche, abgerufen am 28. Oktober 2013).
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatA Double Take on Early Christianity - An Interview with Rodney Stark. In: JKNIRP.com. The National Institute for the Renewal of the Priesthood, 22.07.2004, abgerufen am 21. Oktober 2013 (englisch).
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMassimo Introvigne: A Christmas Conversation with Rodney Stark. In: Cesnur.org. CESNUR - Center for Studies in New Religions, 25. Dezember 2007, abgerufen am 25. Oktober 2013 (englisch).
  9. Curriculum Vitae