Roger Bannister

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Roger Bannister 2009

Roger Bannister (Sir Roger Gilbert Bannister; * 23. März 1929 in Harrow, Middlesex) ist ein ehemaliger britischer Mittelstreckenläufer und Neurologe.

Seine Spezialdisziplinen waren der 1500-Meter-Lauf und der Meilenlauf. Erst 1946 hatte er mit dem Laufsport angefangen, doch schon 1948 lief er die Meile in 4:18,7 und 4:17,2 min.

Bei den Leichtathletik-Europameisterschaften 1950 in Brüssel gewann er im 800-Meter-Lauf die Bronzemedaille. Für den 1500-Meter-Lauf der Olympischen Spielen 1952 war er Mitfavorit, jedoch kam es ihm ungelegen, dass wegen der hohen Zahl der Teilnehmer ein Halbfinale eingeschoben wurde. Im Finale verpasste er trotz der britischen Rekordzeit von 3:46,0 min als Vierter um 0,6 Sekunden die Bronzemedaille, die an den Westdeutschen Werner Lueg ging. Überraschungssieger wurde der Luxemburger Josy Barthel in 3:45,2 min vor dem zeitgleichen US-Amerikaner Bob McMillen.

Danach setzte er sich das Ziel, als erster Mensch die Meile (= 1609 m) unter vier Minuten zu laufen. Am 2. Mai 1953 verbesserte er den britischen Rekord von Sydney Wooderson (4:04,2 min, 1945) auf 4:03,6 min, und am 27. Juni lief er 4:02,0 min. Diese Zeit wurde allerdings nicht als britischer Rekord anerkannt, da Bannister unzulässigerweise den überrundeten Chris Brasher als Tempomacher einsetzte.

Aber auch zwei andere Läufer näherten sich in dieser Saison dem Meilen-Weltrekord von 4:01,4 min, den Gunder Hägg 1945 aufgestellt hatte. Der US-Amerikaner Wes Santee lief im Juni 4:02,4 min und der Australier John Landy zum Jahresende 4:02,0 min.

Gedenkplakette an der Iffley-Road-Kampfbahn
Bannister (links) überholt Landy, Bronzestatue in Vancouver, Kreuzung East Hastings Street/Renfrew Street

In den ersten Monaten des Jahres 1954 blieb Landy drei weitere Male unter 4:03 min. Bannister nutzte nun die Pause zwischen der australischen und der europäischen Saison für seinen eigenen Rekordversuch am 6. Mai auf der Leichtathletikanlage der University of Oxford an der Iffley Road. Das Rennen wurde von der BBC live im Radio übertragen, mit Leichtathletiklegende Harold Abrahams als Kommentator.

Da das windige Wetter keineswegs optimal für einen Rekordversuch war, spielte Bannister zunächst mit dem Gedanken, den Rekordversuch zu verschieben, entschied sich aber doch für einen Start, als sich kurz vor dem Start um 18:00 Uhr die Windböen beruhigten. Als Tempomacher fungierte zunächst Chris Brasher für die ersten beiden Runden, die in 1:58,2 min zurückgelegt wurden, danach Chris Chataway. In der letzten halben Runde war Bannister auf sich alleine gestellt. Unter Aufbietung aller Kräfte kämpfte er sich ins Ziel und fiel erschöpft in die Arme seines Freundes Nicholas Stacey. Stadionsprecher Norris McWhirter hatte die Ehre, den Weltrekord zu verkünden: Als er begann, die Zeit zu verlesen, brach beim Wort „Drei“ solch ein Jubel aus, dass der Rest unterging.[1]

Bannisters Weltrekord von 3:59,4 min hatte nur wenige Wochen Bestand. Am 21. Juni unterbot Landy die Marke mit 3:57,9 min (aufgerundet auf 3:58,0 min). Am 7. August trafen beide Athleten beim Meilenlauf der British Empire and Commonwealth Games in Vancouver aufeinander. Nur Bannister, der für England startete, konnte dem Australier folgen, der sich schon in der ersten Runde an die Spitze gesetzt hatte. Den dramatischen Höhepunkt erreichte das Rennen, als in der letzten Kurve Landy über seine linke Schulter zurückblickte und Bannister gleichzeitig rechts an ihm vorbeizog. Bannister siegte in 3:58,8 min, und Landy wurde Zweiter in 3:59,6 min. Zum ersten mal waren bei einem Rennen über eine Meile zwei Läufer unter vier Minuten geblieben.

Drei Wochen später siegte Bannister bei der EM in Bern in der „metrischen Meile“, den 1500 m, in 3:43,8 min. Obwohl er von der Zeitschrift Sports Illustrated zum Sportler des Jahres gewählt wurde, beendete er nach dieser Saison seine leistungssportliche Karriere und konzentrierte sich fortan auf seine medizinische Ausbildung.

Sein Training war eine Mischung aus den besten zur Zeit bekannten Methoden. Es war individualisiert und nahm eine Reihe von Elementen vorweg, die spaeter erst von Arthur Lydiard zu Erfolgen gebracht wurden.

Auch während seiner Karriere als Neurologe blieb er dem Sport in vielen Funktionen erhalten. Von 1971 bis 1974 war er Vorsitzender des Sport Council of Great Britain und 1976 bis 1983 Präsident des International Council of Sport and Physical Education. 1955 wurde er mit dem CBE ausgezeichnet, und 1975 wurde er von Königin Elisabeth II. geadelt. Er war Direktor der Nationalen Klinik für Nervenkrankheiten in London und Herausgeber wissenschaftlicher Zeitschriften auf dem Gebiet der Neurologie.

Literatur[Bearbeiten]

  • Roger Bannister: The First Four Minutes. Sutton Pub., Gloucestershire 2004, ISBN 0750938838
  • Neal Bascomb: The Perfect Mile. Three Athletes, One Goal, and Less Than Four Minutes to Achieve It. Collins Willow, London 2005, ISBN 0007173733
  • Arnd Krüger: Die Einordnung der Leistung Roger Bannisters in die Geschichte des Trainings für Mittel- und Langstrecke, in: J. BUSCHMANN & S. WASSONG (Hrsg.): Langlauf durch die olympische Geschichte. Festschrift für Karl Len-nartz. Köln: Carl und Liselott Diem – Archiv 2005, 349 – 372. ISDN 3883380156
  • Arnd Krüger(1998).Viele Wege führen nach Olympia. Die Veränderungen in den Trainingssystemen für Mittel- und Langstreckenläufer (1850 - 1997), in: N. GISSEL (Hrsg.): Sportliche Leistung im Wandel. Hamburg: Czwalina, pp. 41 – 56. ISBN 978-3-88020-322-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Roger Bannister – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. BBC News: On This Day: 6 May 1954: Bannister breaks four-minute mile (mit Video)