Roger Garaudy

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Roger Garaudy (* 17. Juli 1913 in Marseille; † 13. Juni 2012 in Chennevières-sur-Marne, Val-de-Marne) war ein französischer Schriftsteller, Philosoph und früherer Kommunist. Nachdem er sich in den 1960er und 1960er Jahren dem Christentum zugewandt hatte, trat er 1982 zum Islam über. Es wurde ihm später vorgeworfen, revisionistische und antisemitische Positionen zu vertreten.

Leben[Bearbeiten]

Garaudy, Hochschulprofessor für Kunstgeschichte und Philosophie, war Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Frankreichs (KPF) und für sie von 1945 bis 1951 und von 1956 bis 1958 Mitglied der Nationalversammlung.[1] Seit 1962 leitete er das Centre d’Études et de Recherches Marxistes. Als Chefideologe seiner Partei entwickelte er reformkommunistische Vorstellungen. 1965 wurde er zum Kritiker der orthodoxen Parteilinie und trat später für einen Dialog mit dem Christentum ein.[2] Seine Kritik des Einmarsches der Truppen des Warschauer Pakts in die ČSSR 1968 führte zum Bruch mit der KPF, die ihn 1970 ausschloss.

In den siebziger Jahren setzte sich Garaudy für einen Dialog der Weltreligionen unter sozialistischer Zukunftsperspektive ein. Mit Unterstützung aus linksalternativen und ökologischen Kreisen versuchte er 1981, für die französische Präsidentschaftswahl zu kandidieren, konnte aber die notwendigen 500 Unterschriften von Amtsträgern nicht aufbringen.[3]

Nach seinem Übertritt zum Islam wurde er zunehmend zum Antizionisten.[4] Zudem wendete er sich gegen die Politik der USA, denen er Lobbyismus für den Staat Israel vorwarf. 1986 erhielt er den König-Faisal-Preis für Verdienste um den Islam.[5]

Wegen Leugnung des Holocausts, rassistischer Verleumdung und Anstachelung zum Rassenhass in seinem 1996 erschienenen Buch Die Gründungsmythen der israelischen Politik wurde Garaudy 1998 von einem französischen Gericht verurteilt.[6] Das Urteil wurde 2003 vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bestätigt (EGMR 65831/01, vom 24. Juni 2003).[7]

Garaudy erhielt im Jahr 2002 neben anderen Autoren den mit 250.000 US-Dollar dotierten „Al-Gaddafi International Prize for Human Rights“ des damaligen libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi.[8]

Werke[Bearbeiten]

  • Karl Marx (1964)
  • Dieu est mort (Gott ist tot, 1965)
  • Marxisme du XXeme siècle (Marxismus im 20. Jahrhundert, 1966)
  • Le grand tournant du socialisme (Die große Wende des Sozialismus, 1969)
  • Parole d’homme (Menschenwort, 1975)
  • Appel aux vivants (Aufruf an die Lebenden, 1979)
  • Les Orateurs de la Révolution française (1991)
  • A Contre – Nuit (1992)
  • Avons-nous besoin de Dieu? (Brauchen wir Gott?, 1993)
  • Promesses de l’Islam (Verheissung Islam), SKD Bavaria, München, 1994, ISBN 3-926575-08-5
  • Les Mythes fondateurs de la politique israélienne (Die Gruendungsmythen der israelischen Politik, 1996)[9]
  • Le terrorisme occidental (2004)

Literatur[Bearbeiten]

  • Götz Nordbruch: The Socio-historical Background of Holocaust Denial in Arab Countries. Reactions to Garaudy’s „The Founding Myths of Israeli Politics“ (= ACTA/Analysis of Current Trends in Anti-Semitism. Nr. 17). Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism (SICSA), Jerusalem 2001 (online).
  • Michaël Prazan, Adrien Minard: Roger Garaudy. Itinéraire d’une négation. Calmann-Lévy, Paris 2007, ISBN 978-2-7021-3760-4.
  •  Juliane Wetzel: Antisemitismus und Holocaustleugnung als Denkmuster radikaler islamistischer Gruppierungen. In: Bundesministerium des Inneren (Hrsg.): Extremismus in Deutschland: Erscheinungsformen und aktuelle Bestandsaufnahme. 2004, S. 253–272 (online).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biographie Garaudys der französischen Nationalversammlung
  2. [1] Der Spiegel: Garaudy - Überall hilft die Kirche dem Faschismus, 1967
  3. [2] Süddeutsche Zeitung: Roger Garaudy ist tot
  4. [3] Der Spiegel: Nachruf Garaudy
  5. [4] Offizielle Webseite des König Faisal Preis
  6. Holocaust-Leugner Garaudy zu Haft auf Bewährung verurteilt
  7. Jörg Menzel et al. (Hrsg.): Völkerrechtsprechung: Ausgewählte Entscheidungen zum Völkerrecht in Retrospektive. Mohr Siebeck, Tübingen 2005, S. 238 (online).
  8. [5] FAZ: Gaddafis Preis für Menschenrechte.
  9. ein kurzer Auszug mit den Kernsätzen, die zu seiner Verurteilung führten, sowie die arabischen Reaktionen darauf in Rainer Zimmer-Winkel, Hrsg.: Die Araber und die Shoa. Über die Schwierigkeiten dieser Konjunktion. Aphorisma, Trier 2000, ISSN 0935-8684 ISBN 978-3-86575-101-0 ISBN 3-932528-37-9, Garaudy S. 39 mit Bezug auf den Leuchter-Report, in Deutsch