Rohbau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rohbau eines Wohngebäudes

Als Rohbau bezeichnet man im Bauwesen ein Bauwerk, dessen äußere Kontur einschließlich der Dachkonstruktion fertiggestellt ist, bei dem jedoch noch kein Einbau der Fenster, keine Fassadenverkleidung und kein Ausbau des Inneren ausgeführt worden ist. Bis auf wenige Ausnahmen ist die zweckbestimmte Nutzung eines Rohbaus als funktionstüchtiges Bauwerk demzufolge nicht möglich. Der Abschluss der Rohbauarbeiten wird nach Aufstellung des Dachstuhls in der Regel mit dem Richtfest im Beisein des Bauherrn und der am Bau Beteiligten gefeiert.

Nach Abschluss der Rohbauarbeiten muss dieser vom Prüfstatiker gesondert als fehlerfrei abgenommen werden. Danach erfolgt in der Regel der Innenausbau des Gebäudes. Falls dieser (z.b. aufgrund einer Insolvenz des Bauherren) nicht erfolgt und das Bauwerk dauerhaft im Rohbauzustand verbleibt, wird es als Bauruine bezeichnet.

Planung und Herstellung[Bearbeiten]

Innenansicht eines Hausrohbaus

Solange es sich nicht um reine Ingenieurbauwerke handelt, ist die Planung des Rohbaus Bestandteil der gesamten Hochbauplanung des Architekten. Da der Rohbau gleichzeitig das Tragwerk des Gebäudes darstellt, ist an der Planung und Bemessung der Bauteile insbesondere der Tragwerksplaner als Fachingenieur für Statik wesentlich beteiligt. Bei größeren Bauvorhaben wird die Erstellung des Rohbaus gerne vom Bauherrn an einen Generalunternehmer (kurz GU) übergeben, der dann seinerseits die verschiedenen Gewerke koordiniert.

Das Rohbaugewerk wird auch als Bauhauptgewerk bezeichnet. Tatsächlich sind je nach Baumaterial und Konstruktion meistens mehrere Gewerke an der Herstellung des Rohbaus beteiligt:

Automobilbau[Bearbeiten]

Begriffsdefinition[Bearbeiten]

Der Begriff Rohbau kann im Automobilbau sowohl für den Prozess als auch für das Ergebnis verwendet werden. In der Form des Prozesses beschreibt der Rohbau wie aus den einzelnen Halbzeugen in mehreren Schritten, in der Regel über das Presswerk und die Fertigung, das Produkt entsteht. Im Sinne des Produktes werden die Begriffe Rohbau und Karosserie im allgemeinen Sprachgebrauch parallele verwendet, obwohl die Karosserie eine Teilmenge des Rohbaus darstellt. Der Rohbau, bzw. die Produkte die innerhalb des Rohbaus gefertigt werden, können zum einen in die Karosserie und zum anderen in Türen und Klappen inklusive Kotflügel gegliedert werden. Die Karosserie stellt dabei die tragende Struktur des Fahrzeuges dar. An diese wird in nachfolgenden Prozessschritten der Antriebsstrang inklusive Fahrwerk sowie das Interieur montiert. Die Karosserie selbst lässt sich Schrittweise weiter untergliedern, was sich im Fertigungsprozess widerspiegelt. Die Aufteilung kann dabei je nach Automobilhersteller leicht abweichen. In der Regel werden jedoch folgende Bereiche unterschieden:

• Der Boden des Fahrzeuges bestehend aus dem Vorbau, dem Hauptboden sowie dem Heckwagen

• Die Seitenwände mit der für das design-relevanten Außenhaut des Fahrzeuges

• Das Dach inklusive der Querträger

Anforderungen an den Rohbau[Bearbeiten]

An den Rohbau werden zahlreiche, teils gegenläufige Anforderungen gestellt. Direkte Anforderungen z. B. die Lage der Eigenfrequenzen, werden unmittelbar von der Ausprägung der Karosserie beeinflusst. Indirekte Anforderungen, z. B. aus den Anforderungen an das Gesamtfahrzeug müssen aus diesen abgeleitet und auf die Karosserie übertragen werden. So kann beispielsweise der Energieverbrauch über Leichtbaumaßnahmen der Karosserie positiv beeinflusst werden. Eine weitere Möglichkeit Anforderungen an den Rohbau zu gliedern ist nach Braess und Seifert die Aufteilung in kundenrelevante und produktionsrelevante Kriterien.
Tabelle 1 zeigt einen Auszug von Anforderungen an den Rohbau.

Hohe passive Sicherheit Einfache Herstellbarkeit
Geringer Kraftstoffverbrauch Niedrige Herstellkosten
Hoher Komfort Einfache Zugänglichkeit (Herstellung)
Hohe Funktionalität Hohe Prozessfähigkeit
Hohe Qualität Geringer Werkstoffeinsatz
Hohe Lebensdauer Einfache Montagefolge
Geringer Preis Hohe Steifigkeit
Geringe Reparaturkosten Hohe Eigenfrequenzen
Niedriger Geräuschpegel Niedrige Versicherungseinstufung
Hohes Ladevolumen Hohe Funktionalität
Hohe Reichweite

Literatur[Bearbeiten]

  •  Martin Mittag: Ausschreibungshilfe Rohbau. Vieweg+Teubner Verlag, Wiesbaden 2002, ISBN 3-5280-2568-9.
  •  Bernhard Metzger: Bauherren-Handbuch. Haufe Verlag, 2007, ISBN 3-4480-8267-8, S. 129ff.
  •  Braess / Seifert: Vieweg Handbuch Kraftfahrzeugtechnik. Verlag Vieweg & Sohn, 2005, ISBN 9783528331146.