Rohrpost

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Rohrpostbüchse

Die Rohrpost ist eine Form des schnellen und personalarmen Transports von Gegenständen in kleinen, zylindrischen Behältern mittels Druckluft in kleinkalibrigen Röhren. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden in einigen Großstädten auf verschiedenen Kontinenten große Rohrpostanlagen von teilweise mehreren hundert Kilometern Länge. Daneben existierten auch kleinere Anlagen, die innerhalb eines Gebäudes oder zwischen mehreren benachbarten Gebäuden kleinere Gegenstände mittels Rohrpost automatisiert transportierten. Diese Anlagen finden, im Gegensatz zu den Fernrohrpostanlagen, auch heute noch Verwendung.

Postalisch gesehen wurde die erste Rohrpost 1853 in London eingerichtet. Sie diente im Telegraphenamt als Hausrohrpost. Wien folgte 1875 und Berlin 1876. Am 1. Dezember 1876 wurde in Berlin das Rohrpostnetz für den öffentlichen Verkehr freigegeben.

Grundlagen zur Rohrposttechnik[Bearbeiten]

Konstruktion eines Druckrohres zur Herstellung von Überdruck und Vakuum mit einem Kolben nach Heron von Alexandrien

Allgemeine Grundlagen[Bearbeiten]

Die praktischen Grundlagen der Rohrpost sind bekannt, seit in verschiedenen Kulturen das Blasrohr erfunden wurde. Die theoretischen und experimentellen Grundlagen der Rohrpost sind bereits in der Pneumatika des Heron von Alexandria (1. Jahrhundert v. Chr.) entwickelt worden. Hier sind in Kapitel 56 und 57 die Prinzipien der Herstellung von atmosphärischem Unterdruck und Überdruck in einem Zylinder beschrieben worden, in den ein Kolben eingeführt wird. Allerdings ging es bei Heron noch nicht um den Transport von Objekten, die durch den Druckunterschied in einer Röhre hätten befördert werden sollen.

Wegbereiter der modernen Rohrpost[Bearbeiten]

Um 1810 bemühte sich der dänische Ingenieur George Medhurst erstmals ernsthaft um den Einsatz atmosphärischer Luft für industrielle und verkehrstechnische Zwecke. In entsprechenden Veröffentlichungen schlug er vor, die Luft aus einer eisernen Röhre abzupumpen, um so durch den erreichten Druckunterschied eine entsprechende Triebkraft zu erzielen; Medhurst gilt daher als Erfinder der pneumatischen Rohrpost.

Diesen Gedanken griff 1818 der englische Ingenieur Vallance auf, mit der Idee, Personen und Güter von London nach Brighton in einer tunnelartigen, gusseisernen und entsprechend großen Röhre zu befördern. Diese Bemühungen verliefen allerdings ergebnislos, jedoch brachten Versuche zum Transport von Postgut mittels Luftdruck in kleinkalibrigen Röhren erste Erfolge. Auch der Erfinder des Schiffspropellers, Josef Ressel, beschäftigte sich mit der Rohrpost. Er entwickelte sie 1827 weiter und brachte sie 1847 zur Reife.

Der Franzose Abbé Moigno richtete zur Beförderung von Postgut mittels Druckluft 1852 eine Versuchsstrecke ein, die letztlich dazu führte, dass der Franzose Galy Cazalar und der Engländer Josiah Latimer Clark unabhängig voneinander 1854 entsprechende Landespatente einreichten. Sie beschrieben eine technische Einrichtung, mit der in Blechbüchsen eingeschlossene kleine Pakete und Briefe bei hoher Luftverdünnung oder -verdichtung durch Röhren zu einem nicht sehr weit entfernten Ort befördert werden konnten.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Mit Hilfe eines, heute elektrisch angetriebenen, Verdichters wird der nötige Sog oder Druck (oder je eines an Ein- und Ausgangspunkten gleichzeitig) erzeugt, um die zylindrischen Behälter (Büchsen), in denen das Transportgut verschickt werden soll, durch verlegte Rohre zu befördern. Der Durchmesser der Büchsen ist nur geringfügig kleiner als der Innendurchmesser der einheitlichen Rohre. An Ein- und Ausgangspunkten werden diese Büchsen eingelegt und bei Mehrpunktanlagen das Ziel mit einer Eingabe in der Steuerung bestimmt. Um jeden Ausgangspunkt zu erreichen, werden elektronisch gesteuerte Weichen eingebaut, die bis zu vier Verteilungen zulassen. Bei mittleren und großen Systemen erfolgt die Steuerung heute durch Computer. Um das empfindliche Transportgut zu schützen, werden die Büchsen vor jeder Station pneumatisch abgebremst. Das kleinste Rohrpost-System ist die 2-Punkt-Anlage. Sie funktioniert nur in Hin- und Rückrichtung. Eine größere Version ist z. B. die Bargeldentsorgung. Hierbei wird das Geld von den Kassen eines Supermarktes oder Bankschalters direkt in den Tresor oder einen Sicherheitsbereich geschickt. Solch ein Einliniensystem kann bis zu 99 Ein- und Ausgabepunkte haben bei individueller Zuordnung jeder einzelnen Station. Die größte Rohrpostanlage ist das Mehrliniensystem. Ein solches System hat bis zu 512 Stationen und bis zu 64 Linien. Die Büchsen können je nach Bauweise und Anwendungszweck, z. B. lange gerade Einzelstrecken, mit bis zu 11 Metern pro Sekunde (rd.40 km/h) durch das Röhrensystem schnellen. Normale Geschwindigkeiten bewegen sich aber im Bereich von sechs bis acht Meter pro Sekunde, bei sensiblen Sendungen auch nur zwei bis drei Meter pro Sekunde. Es können, je nach Anlage, auch mehrere Büchsen gleichzeitig (Zug) befördert werden.

Frühere Fernrohrpostanlagen dienten überwiegend der schnellen Brief- und Telegrammbeförderung zwischen wichtigen Postämtern innerhalb einer Stadt (z. B. Hamburg, Berlin oder München aber auch USA und viele in anderen Ländern s. u.). Kleinere 2-Punkt-Systeme sind häufig in kleineren Arztpraxen mit Labor zu finden. Die Kosten einer solchen Anlage liegen etwa bei 3200 Euro (Stand Jan. 2010). Weltweit gibt es nur noch vier große Rohrpostanlagenhersteller, davon ist die Firma Aerocom aus Schwäbisch Gmünd der größte Anbieter.

Städtische Rohrpostnetze[Bearbeiten]

Die erste Rohrpost wurde 1853 von Josiah Latimer Clark in London gebaut. Es war eine 220 Yard (ca. 200 m) lange Verbindung zwischen der London Stock Exchange und dem Central Telegraph Office. Ähnliche Verbindungen zwischen einem Telegraphenamt und der Börse entstanden 1865 in Berlin und 1866 in Paris.

Diese ersten Anlagen waren nur zum Transport kleiner Gegenstände geeignet, so hatte z. B. die Londoner Anlage einen Durchmesser von 1,5 Zoll (3,81 cm). Clark gründete später zusammen mit T. W. Rammell die Pneumatic Despatch Company, die 1861 eine 30 Zoll (76,2 cm) Röhre baute, in der Lasten bis zu 3 Tonnen transportiert werden konnten. Diese Pneumatic Dispatch Railway war bis 1874 in Betrieb. Ähnliche Anlagen gab es in New York: Eine 1867 gebaute 107 Fuß (32,6 m) lange und 6 Fuß (1,83 m) im Durchmesser große Anlage von Alfred Ely Beach, die 12 Personen transportieren konnte. Eine noch größere Anlage, 312 Fuß (95 m) lang und mit 9 Fuß (2,74 m) Durchmesser, entstand 1869/70 im Felsen unterhalb des Broadway. Im ersten Jahr transportierte der Beach Pneumatic Transit über 400.000 Passagiere, sie ging 1873 außer Betrieb. Diese Systeme konnten sich aber nicht im Personentransport gegen die U-Bahn durchsetzen, bei der mit Erfolg zuerst Dampflokomotiven und bereits ab 1890 elektrische Lokomotiven eingesetzt wurden.

Rohrpostnetze in Europa[Bearbeiten]

In Europa gab es unter anderem die folgenden Rohrpostnetze:

  • England und Schottland: Birmingham, Glasgow, Liverpool, London, Manchester, Newcastle,
  • Frankreich: Paris (1866 (1879 öffentlich) - 1984) und Marseille (1910–1964)
  • KuK-Monarchie und Nachfolgestaaten: Prag (ab 1887), Wien und – nur wenige hundert Meter lang – in Karlovy Váry / Karlsbad. Wahrscheinlich hat zur Zeit der KuK-Monarchie auch eine Rohrpost in Triest bestanden. Auf italienischsprachigen Telegrammformularen der KuK-Postverwaltung für Triest gibt es den vorgedruckten Hinweis auf den Transport von Telegrammen durch die posta pneumatica.
  • Irland: Dublin
  • Italien: Florenz (eventuell), Genua (bereits seit den 1850er Jahren ca. 12 km), Mailand, Neapel, Rom und wahrscheinlich auch Triest,
  • Rom/Vatikanstadt: einen Rohrpostanschluss zum römischen Rohrpostnetz (Stempel mit der Inschrift Città del Vaticano / posta pneumatica sind belegt)
  • Tschechien: Prag, ist seit den Überschwemmungen des Jahres 2002 nicht mehr in Betrieb.

In Deutschland gab es mehrere innerstädtische Rohrpostnetze, dazu zählen: Berlin, Chemnitz, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Leipzig, München und Köln.

Weitere Rohrpostnetze gab es in Böhmen, Frankreich und Italien. In Österreich gab es in Wien ein Rohrpostnetz.

Niederlande

Es wird durch Photographien der Firma C. August Schmidt & Söhne (Hamburg) nahegelegt, dass diese in den 1930er Jahren eine versandfertige Rohrpostanlage für Amsterdam hergestellt hatte. Ob diese geliefert und montiert wurde, ist nicht bekannt. Nach einem Empfehlungsschreiben von Mix & Genest hatte Rotterdam eine Stadtrohrpostanlage mit zwei Stationen und 1.400 m Transportrohr.

Außereuropäische Rohrpostnetze[Bearbeiten]

Kartenbrief der Rohrpost in Buenos Aires, ca. 1920
Bedarfsgebrauchte Rohrpostkarte der Rohrpost in São Paulo aus dem Jahre 1916. Die Karte ist durch einen offiziellen Handstempelaufdruck der Telegraphenverwaltung von 300 Reais auf 500 Reais aufgewertet worden.

Außerhalb Europas existierte die größte Rohrpostanlage, die auch Päckchen transportieren konnte, in New York City. Daneben bestanden entsprechende Anlagen in Boston, Chicago, Philadelphia und St. Louis. Außerdem hat es Rohrpostanlagen in Buenos Aires (Argentinien) als expreso urbano (Stadtschnellverkehr) des Telegraphenamtes sowie in Rio de Janeiro und São Paulo (beide Brasilien) gegeben. In Brasilien wie in Argentinien sind die Rohrpostganzsachen von der Telegraphenverwaltung herausgegeben worden, was auf den ursprünglichen Sinn des Rohrpostnetzes zur Beschleunigung der Telegrammübermittlung in Großstädten hinweist.

Algier (Algerien / Afrika)[Bearbeiten]

Ebenfalls gab es eine Rohrpostanlage in Algier (Algerien), die wenigstens bis kurz nach dem Ende der französischen Kolonialherrschaft noch in Betrieb war (Betriebsdauer vom 4. April 1910 bis zum 5. Juli 1962) und, so weit bekannt geworden ist, teilweise als exprès urbain (Stadtschnellverkehr) auch mit anderen Transportmöglichkeiten versorgt wurde. In Algier wurden zunächst Rohrpostganzsachen der französischen Post verwendet. Im Jahre 1938 wurde dann eine eigene Rohrpostganzsache für Algier herausgegeben, die für die Verwendung im exprès urbain vorgesehen war. Über den Umfang des Rohrpostnetzes in Algier und seinen Betrieb liegen keine Informationen vor.

Das Überleben der Rohrpost[Bearbeiten]

Eilbrief nach München aus dem Jahre 1972 mit vorderseitigem Abschlag des Rohrpost-Numeratorstempels.
Eilbrief nach München aus dem Jahre 1972 mit rückseitigen Bearbeitungsvermerken und Eingangsstempel des Telegraphenamtes München.

Auch nach der Aufhebung der Rohrpost für den öffentlichen Postverkehr wurde das Netz postintern weiter genutzt, so z. B. für die Beförderung von eingegangenen Eilbotensendungen zum Zustellpostamt.

Abstempelungen[Bearbeiten]

zwei Tagesstempel der Pariser Rohrpost mit 5-Minuteneinstellung, zwischen 1902 und 1930 im Einsatz.

In den Rohrpostbezirken von Berlin und Wien wurden bei den angeschlossenen Postämtern Tages- oder auch Sonderstempel mit Stunden- und Minutenangaben, üblicherweise in 10-Minuten-Abständen verwendet. (Siehe oben)

Abstempelungen bei der Rohrpost dienen dem Zweck, minutengenau zu dokumentieren, zu welcher Zeit die Sendung angenommen und gemäß dem Fahrplan weiterbefördert worden ist. Dies war mit den frühen Stempeln, in die die beweglichen Elemente gesteckt wurden, umständlich. Sobald Stempel mit drehbaren Elementen zum Einsatz kamen, war eine Beschleunigung dieses Vorgangs möglich, sodass zunächst im Abstand von 15 Minuten, dann im Abstand von 10 Minuten und schließlich im Abstand von 5 Minuten die Uhrzeitgruppe verändert werden konnte. Die minutengenaue Dokumentation der Behandlung der Sendung wurde möglich, als die Stechuhrstempel eingeführt wurden. Hier trieb ein Uhrwerk die Uhrzeitgruppe des Stempels an, wodurch ohne weiteres menschliches Zutun eine zeitgenaue Einstellung des Stempels gewährleistet war.

Stempel mit 5-Minuteneinstellung sind aus Paris bekannt, während in Marseille lediglich die üblichen Tagesstempel verwendet wurden. Rohrpostsendungen in Marseille sind somit nur durch das entsprechende Porto, den üblichen Hinweis „pneumatique“ sowie den üblicherweise vom gleichen Tag stammenden vorder- oder rückseitigen Ankunftsstempel des Zustellpostamtes zu erkennen.

Postwertzeichen[Bearbeiten]

Wertstempel vom Typ Chaplain, der nur für den Druck von Rohrpostganzsachen verwendet wurde, im Werte von 2 Fr., 1939 gebraucht.
Rohrpost-Wertstempel 200 Pf
Rohrpostkarte mit eingedrucktem Wertstempel 200 Pf, der nur für den Druck von Rohrpostganzsachen verwendet wurde, mit 38 Rm Zusatzfrankatur als Rohrpostkarte in Berlin am 1. Januar 1923 gebraucht.

Speziell für die Rohrpost herausgegebene Briefmarken gab es nur in Italien. Sie werden in den italienischen Katalogen in der Regel hinter den Eilbotenmarken unter der Spezialrubrik posta pneumatica erfasst. In Frankreich wurde ein Wertstempel (ein eingedrucktes Postwertzeichen) des Typs Chaplain eingesetzt, der über einhundert Jahre lang ausschließlich auf Ganzsachen (Briefumschläge, Kartenbriefe oder Postkarten mit eingedruckten Wertzeichen) und ebenso auf Telephonbilletts Verwendung fand. Es ist hierbei bemerkenswert, dass dieser Wertstempel in allen Wertstufen die Inschrift TÉLÉGRAPHE aufweist, was dafür steht, dass das Pariser Rohrpostsystem zunächst tatsächlich für den Transport von Telegrammen eingerichtet worden ist und vor der Vereinigung mit dem Postsystem nicht der Postregie, sondern dem für die Telegraphie zuständigen Schatzministerium unterstand. (Der Wertstempel vom Typ Chaplain mit der Inschrift TÉLÉGRAPHE wurde zunächst auch für französische Telephonbillets verwendet, bis dann die Inschrift durch das Wort TÉLÉPHONE ersetzt wurde.) Ebenso weisen brasilianische Rohrpostganzsachen einen eigens für sie geschaffenen Wertstempel auf.

Im Gegensatz zum langlebigen Wertstempel vom Typ Chaplain in Frankreich wurde in Deutschland zu Beginn der Inflationszeit ein Wertstempel entwickelt, der ausschließlich für die Rohrpostganzen verwendet wurde und nur zwei Jahre lang im Einsatz war. Er liegt vor in den Wertstufen von 200 Pf und 80 Mark für Rohrpostkarten sowie 225 Pf und 100 Mark für Rohrpostumschläge.

In Argentinien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Österreich und der Tschechoslowakei wurden eigene Ganzsachen für die Rohrpost herausgegeben, die als gebrauchte Stücke eine hervorragende Dokumentation des postalischen Rohrpostwesens darstellen.

Die moderne Rohrpost[Bearbeiten]

Eine Rohrpoststation

Heutzutage werden Rohrpostanlagen überwiegend innerhalb von Gebäuden eingesetzt, beispielsweise im Handel zur Geld- oder Buchbeförderung, in Krankenhäusern zum internen Versand von Blutproben, Krankenakten, Befunden und Formularen. So werden z. B. in der Berliner Charité täglich rund 3.500 Patientenproben, Röntgenbilder oder Analysematerialien zwischen den Stationen und den Labors schonend und schnell befördert. Eine der modernsten und jüngsten Anlagen dieser Art wurde im Heidelberger Universitätsklinikum installiert. Dort verbindet ein rund 25 km langes Röhrensystem mit 86 Linien über vielfältige Verzweigungen 152 Stationen. Mittels Transpondertechnologie finden täglich etwa 3.200 Proben ihren Weg von den Stationen ins Labor.

Am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg arbeitet eine der modernsten und größten Anlagen weltweit mit über 70 Linien und ca. 200 Stationen. Aktuell wird die inzwischen 35 Jahre alte Rohrpostanlage der Medizinischen Hochschule Hannover komplett modernisiert. Sie ist über 60 km lang und hat über 600 Stationen. Besonders an dieser Anlage ist, dass alle Verbindungen nur mit Unterdruck und nicht mit Überdruck funktionieren. Jede Station hat ein Sende- und auch ein Empfangsrohr, dadurch ist ein wesentlich größeres Transportvolumen möglich. In der Medizinischen Hochschule werden derzeit über 3000 Büchsen im Verlaufe eines Tages versendet. Durch die Zusammenlegung von Kliniken werden Rohrpostanlagen interessanter, da die Anbindung neuer Erweiterungsgebäude längere Wege innerhalb der Klinik nach sich zieht.

Die Modernisierung zielt auch darauf ab, nicht nur Proben, sondern auch Blutkonserven zu transportieren. Hierbei spielen Gewicht, Beförderungszeit, Hämolyse, Zentripetalkräfte und G-Kräfte eine Rolle.

Rohrpostanlagen in Warenhäusern dienen dazu, die einzelnen Kassen mit der Hauptkasse zu verbinden, um eingenommenes Bargeld abzuliefern oder Geld zu wechseln. Die zunehmende Akzeptanz der bargeldlosen Zahlung mittels EC-Karte und Kreditkarte lassen die durch die Rohrpostanlagen gewonnene Sicherheit vor Überfällen aber immer mehr an Bedeutung verlieren.

Weitere Anwender für moderne Rohrpostanlagen finden sich in der Chemieindustrie, in Stahlwerken, in Papierfabriken und in der Automobilindustrie. So ließ der französische Automobilhersteller Peugeot 1998 im Werk Sochaux eine Rohrpostanlage installieren, um die Produktionslinien mit den passenden Schließgarnituren für Tür- und Kofferraumschlösser zu versorgen.

Moderne Systeme für „Kommunikation und Transportautomation“, wie solche Anlagen von den Herstellern auch genannt werden, sind in der Lage, bis zu 28 kg schwere Dokumente, Waren oder Werkstücke mit einer Länge von 50 cm und einem Durchmesser von bis zu 30 cm zu befördern. Hierbei können heute Röhrensysteme mit über 100 Linien und über 1000 Stationen realisiert werden.

Die Rohrpost in der Kultur[Bearbeiten]

Darstellung im Film[Bearbeiten]

Im Film Brazil ist ein Rohrpostsystem Teil der gigantischen Bürokratie des Informationsministeriums. Dem Helden gelingt es, das System zu sabotieren, indem er die Leitung überlastet und so die gesamte Behörde ins Chaos führt.

Im Film Shadow und der Fluch des Khan benutzt der Held ein gewaltiges Rohrpostnetz, das sich über ganz New York erstreckt, um Informationen von seinen Agenten zu erhalten.

In François Truffauts Geraubte Küsse wird eine Nachricht von Antoine Doinel in der Rohrpostanlage von Paris mit mehreren Einstellungen des unterirdischen Systems auf ihren Weg zu Fabienne Tabard verfolgt.

Im Teil zwölf der Olsenbande-Filme versenden die drei Gauner eine Ladung heißen Kaffees durch die Rohrpost, die sich der Empfänger beim Öffnen der Kapsel prompt über die Hose kippt.

In der Kinderserie Hallo Spencer hat Spencer, die Hauptfigur, ein Rohrpostsystem.

In der Zeichentrickserie Futurama wird oft die Rohrpost in der Bürokratie verwendet und als „Öffentlicher Nahverkehr“ für Menschen genutzt.

In der Fernsehserie Lost wird ebenfalls ein Rohrpostsystem verwendet, dessen Sendungen jedoch auf eine Wiese befördert werden und nicht an ihr vermeintliches Ziel gelangen.

Darstellung in Literatur und Kunst[Bearbeiten]

In Theodor Fontanes Frau Jenny Treibel bedienen sich Nachrichten besonderer Wichtigkeit zwischen den Familien Schmidt und Treibel des Berliner Rohrpostsystems. „Zwischen neun und zehn waren zwei Rohrpostbriefe bei Schmidt's eingetroffen, ein Fall, der, in dieser seiner Gedoppeltheit, noch nicht dagewesen war.“

Franz Kafka kommunizierte häufig per Rohrpost – nicht nur von seiner Arbeitsstelle aus, um sich etwa mit Max Brod zu verabreden, sondern auch mit seiner Freundin Milena Jesenská, der er Liebesbriefe per Rohrpost schickte.[1] In Kafkas Werk, insbesondere dem Briefwechsel und den Tagebüchern, haben sich deshalb viele Hinweise auf Rohrpostkommunikation erhalten.

Auch in Kurt Tucholskys Kurzgeschichten finden sich Schilderungen der Berliner und Pariser Rohrpostkultur.

In 1984 von George Orwell wird im Ministerium für Wahrheit eine Rohrpostanlage verwendet.

In Jean-Paul Sartres Roman Zeit der Reife wird für den Versand von Nachrichten innerhalb von Paris Rohrpost verwendet.

In der Steirischen Landesausstellung Verkehr, 1999 in Knittelfeld wurde in der Lokomotivmontagehalle eine über den Köpfen frei liegende Rohrpostanlage mit transparenten Rohren des Künstlers Serge Spitzer sichtbar betrieben.[2][3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

  • Edmund Heusinger von Waldegg: Handbuch für specielle Eisenbahn-Technik. Band 1(3): Der Eisenbahnbau. Leipzig 1877, Seite 938-951 und Tafel LIX-LX. Reprint der Original-Ausgabe von 1877: Archiv-Verlag, Braunschweig 2005.
  • Heron von Alexandria: Pneumatica digitale Edition in englischer Übersetzung mit zahlreichen Abbildungen
  • Heinze, Sven: Rohrpostanlagen, Goslar 1956.
  • Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen (Hrsg.): Handwörterbuch des Postwesens. 2., völlig überarbeitete Auflage, Frankfurt am Main, 1953, S. 626–636
  • N.N.: Die Entwicklung und der heutige Stand der Stadtrohrpost-Technik. Berlin 1929.

Rohrpost Buenos Aires[Bearbeiten]

  • C. August Schmidt & Söhne: 100 Jahre C. Aug. Schmidt & Söhne, Hamburg 1941, 28.

Rohrpost London[Bearbeiten]

  • Beach, Alfred Ely: The pneumatic dispatch, with illustrations: a compilation of notices and information concerning the pneumatic system of transportation as new building and operating in England; together with accounts of its first trial in the United States, and of proposed applications of the system to passenger and postal service …, New York 1868

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rohrpost – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Rohrpost – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. [1] Sssst und plopp. Die Rohrpost – eine fast vergessene Kommunikationsform. Der Spiegel, 1. März 1999
  2. http://www.members.aon.at/bisdato.com/archiv/knittelfeld.html Steirische Landesausstellung „Verkehr“, 1999, Knittelfeld, bei bisdato, abgerufen 21. März 2013
  3. http://www.e-flux.com/announcements/serge-spitzer-round-the-corner/ Round the Corner, Serge Spitzer, Bern, 2006