Rohrpost in Wien

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In Österreich betrieb die Österreichische Post- und Telegraphenverwaltung (heute: Österreichische Post AG) nur in Wien ein Rohrpostnetz. Dieses Netz erreichte mit 53 Postämtern und 82,5 km Rohrlänge seine größte Ausdehnung und wurde 1956 auf Grund der Unwirtschaftlichkeit gegenüber modernen Fernmeldediensten eingestellt.

In Graz waren das Gebäude der Hauptpost in der Neutorgasse 46 und das 150 m Luftlinie entfernte Telegraphenamt, Andreas-Hofer-Platz 19 - errichtet 1927/31[1] - mit einer Rohrpostanlage verbunden, die jedenfalls die Kalchberggasse unterquerte und deren Station in der Post um 1995 noch erhalten war und um 2005/2010 im Zuge von Umbauten demontiert worden ist. Mit dieser Anlage wurden die Telegrammkarten an die Postzustellung von der Neutorgasse aus übermittelt.

Kaiserreich und Republik bis 1938[Bearbeiten]

Wiener Rohrpostbrief aus dem Jahr 1881

In Wien wurde eine Anlage am 19. März 1875 in Betrieb genommen, vorerst nur für Telegramme (Depeschen) und Eilsendungen. Zu Beginn wurden zehn Postämter (alle innerhalb der heutigen Gürtelgrenze) im Abstand von 1 - 3 km mit Rohrleitungen verbunden. Das Rohrpostnetz hatte eine Länge von 14 Kilometern, wovon 2,2 Kilometer auf die Zuführung von verdichteter bzw. verdünnter Luft zu zwei Speichern im Laurenzergebäude am Fleischmarkt entfielen. Die Anlage wuchs ständig, so dass es im Jahr 1913 bereits 53 Postämter mit einer Rohrlänge von 82,5 km gab. 1902 wurde die Rohrpost mit neuen Kompressoren von Hanns Hörbiger ausgerüstet.
In Spitzenzeiten flitzten täglich bis zu 20.000 Zylinder (Büchse) als Rohrpostzug zu je maximal 15 Büchsen durch die Rohre unter der Stadt. Dabei erreichten die Rohrpostzüge ein Tempo von fast 50 km/h.

Zeit während des Nationalsozialismus 1938-1945[Bearbeiten]

Es gelten für die Rohrpost in Wien während des nationalsozialistischen Ära Österreichs (Ostmark) von März 1938 bis April 1945 die gleichen Bedingungen wie für die Rohrpost in Berlin und München. Eine Besonderheit stellt die Zeit bis Oktober 1938 dar, in der noch alte Briefmarken der Republik Österreich auch in Kombination mit Postwertzeichen des Deutschen Reiches gültig waren.

Republik Österreich ab 26. April 1945[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Rohrpost stark beschädigt (nur 7 % war noch benutzbar), aber sehr schnell wieder in Betrieb genommen. Doch konnte sie nie wieder die Beförderungszahlen der Vorkriegszeit erreichen. Im Jahre 1950 kam sie auf nur noch 5500 Sendungen pro Tag, d.h. auf weniger als 2 Millionen Sendungen pro Jahr. Dies war angesichts der Länge des Wiener Rohrpostnetzes zu wenig. Am 2. April 1956 stellte die Post aufgrund sinkender Transportzahlen und infolge der Zunahme der Telefonversorgung der Bevölkerung den Rohrpostbetrieb in Wien ein. Ungeachtet dessen wurde die Rohrpostanlage noch Jahrzehnte später weiterhin für den schnellen Versand von einkommenden Eilbotensendungen etc. genutzt, wie rückseitige Stempelabschläge auf entsprechenden Briefsendungen belegen.

Heute verfügt noch das österreichische Parlamentsgebäude am Ring über eine eigenständige Rohrpostanlage, die auch die umliegenden Gebäude an der Reichsratsstraße, die zur Parlamentsverwaltung gehören, erschließt.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur- und Quellenangaben[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.grazerbe.at/index.php?title=Andreas-Hofer-Platz_19 Bauerbe in Graz, Grazwiki, Alle Adressen > Andreas-Hofer-Platz 19, abgerufen 25. März 2013
  2. http://www.parlament.gv.at/GEBF/ARGE/Baugeschichte/Autarkie/ parlament.gv.at Autarkie