Rohrstock

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Dieser Artikel erläutert den Rohrstock als Schlagstock; das Rostocker Studentenkabarett findet sich unter ROhrSTOCK.
Rohrstock aus Rattan mit gebogenem Griff
Im Querschnitt erkennt man die poröse Struktur, die Rattan sein leichtes Gewicht und seine besondere Elastizität verleiht.
Der Rohrstock in der humoristischen Karikatur (Wilhelm Busch)

Ein Rohrstock oder auch Bakel (lat. baculum = Stock, Stab) ist ein Schlagstock aus einer pseudo-verholzenden Pflanze, der im Vergleich zu einem Stock aus normalem Holz ein geringeres Gewicht aufweist und teilweise außerdem wesentlich elastischer ist. Das Material kann zum Beispiel Schilf, Bambus oder Rattan sein.

Materialien[Bearbeiten]

Schilfrohr ist sehr leicht und zerbrechlich. Bambusrohr hat eine hohe Biegefestigkeit und Verwitterungsbeständigkeit und wird in der Gärtnerei gerne als Wuchshilfe zum Anbinden von Pflanzen verwendet, splittert jedoch ebenfalls leicht. Rohrstöcke aus Rattan, im Deutschen auch Peddigrohr oder spanisches Rohr genannt, sind – trotz ihres Namens – nicht hohl, sondern aus einem schwammigen Holz und weisen eine von keinem anderen Holz erreichte Biegsamkeit auf.

Geschichte[Bearbeiten]

Dickes Rattan eignet sich zum Bau von Möbelstücken und als Gehstock. Dünne Rattanstäbe (zwischen 4 mm und 12 mm Durchmesser) sind dagegen sehr flexibel und eignen sich gut als Züchtigungsinstrumente. Der Rohrstock aus Rattan – insbesondere aus dem malaiischen Malakka – ist dafür bekannt, dass Hiebe mit ihm (vor allem kumulativ) sehr schmerzhaft sind und charakteristische rote Doppelstriemen, die „Zwillinge“ hinterlassen. Rohrstockhiebe werden als Justizstrafen in der Regel im Dutzend oder einem Mehrfachen davon verabreicht. Hierfür wurde in der Vergangenheit der Prügelbock verwendet, aber auch im Rahmen der Bastonade kam und kommt der Rohrstock häufig zum Einsatz.

Als Rattan-Rohrstöcke im 19. Jahrhundert nach Europa importiert wurden, gewannen sie nicht zuletzt wegen dieser Eigenschaft sehr rasch an Beliebtheit. An europäischen Schulen verdrängten sie sehr schnell die bis dahin üblichen Birkenruten als Züchtigungsinstrumente. In Schulen und Internaten erfolgten Strafen mit dem Rohrstock auf die ausgestreckten Hände oder, insbesondere bei Jungen – in meist gebückter Haltung oder über einem Pult liegend –, auf das Gesäß. Die Zahl der Hiebe lag üblicherweise zwischen zwei bis vier (bei Applikation auf die Hände) bzw. drei bis zwölf auf den gespannten Hosenboden. Als “six of the best” ist im englischsprachigen Raum die – nur bei Jungen in Schulen oder Internaten praktizierte – sehr schmerzhafte Züchtigung des Gesäßes mit sechs Rohrstockhieben bekannt. Außer zur Züchtigung eignete der Rohrstock sich auch gut als Zeigestock, und sein Gebrauch im Klassenzimmer war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein weit verbreitet. In den Familien wurde der Rohrstock in Deutschland bis weit in die 1980er Jahre des 20. Jahrhunderts zur Züchtigung auf dem Gesäß verwendet.

Sonstige Bezeichnungen[Bearbeiten]

Im deutschsprachigen Raum (hauptsächlich Deutschland, Österreich, Liechtenstein und Schweiz) gab und gibt es verschiedene umgangssprachliche Bezeichnungen für den Rohrstock, wie „Gelber Onkel“, „Flitschi“ oder „Stabl“. Eine umgangssprachlich euphemistische Bezeichnung ist „Erziehungshelfer“, "Popotröster" oder "Bravmacher".

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ingrid Müller-Münch: Die geprügelte Generation: Kochlöffel, Rohrstock und die Folgen. 3. Auflage, Klett-Cotta, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-608-94680-2.