Roland Leistner-Mayer

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Roland Leistner-Mayer (* 20. Februar 1945 in Kraslice) ist ein deutscher Komponist.

Leben[Bearbeiten]

Er studierte 1968 bis 1973 an der Staatlichen Musikhochschule München Komposition bei Harald Genzmer und Günter Bialas, Klavier bei Günter Louegk und Schlagzeug bei Karl Peinkofer. 1989–1993 war er Mitarbeiter im Team des Münchner Studios für Neue Musik. Seit 1986 ist er Leiter der Fachgruppe Musik der Künstlergilde, Sektion Bayern. Er lebt als freischaffender Komponist in Brannenburg (Kreis Rosenheim). Sein Schaffen umfasst Orchester- und Kammermusikwerke, Chormusik und Lieder. Schwerpunkte bilden dabei Musik für Kinder und Jugendliche sowie Kompositionen für Hackbrett – Letztere seit er 1996 die Hackbrett-Virtuosin Heidi Ilgenfritz bei ihrem Examenskonzert (im Rahmen der künstlerischen Reifeprüfung) kennengelernt hatte.

Leistner-Mayer erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise, darunter der Alfredo Casella Kompositionspreis Neapel (1970), das Kulturstipendium der Landeshauptstadt München (1982), der Konrad-Wölkli-Preis der Stadt Schweinfurt (1991), der Förderpreis der Künstlergilde Eßlingen (1994), der 3. Preis beim Internationalen Kompositionswettbewerb Schweiz 1996 und der Johann-Wenzel-Stamitz-Preis 2009 für sein Gesamtwerk. Sein kompositorisches Schaffen ist fast vollständig vom Verlag Vogt & Fritz veröffentlicht worden. Viele seiner Werke wurden bei in- und ausländischen Rundfunkanstalten und auf CD eingespielt. Seine Musik wird weltweit aufgeführt.

Sein bislang umfangreichstes Werk ist die gut einstündige Symphonie Nr. 3 („Das weiße Requiem“). Die oratorische Komposition für Mezzosopran, Bariton, Chor und großes Orchester wurde 1997 im Rahmen eines musica-viva-Konzerts des Bayerischen Rundfunks aus der Taufe gehoben. Das stärkste Presse-Echo erreichte Leistner-Mayer mit seinen Streichquartetten Nr. 2 und 3, die in einer CD-Einspielung des Prager Suk-Quartetts vorliegen. Zur Jahrtausendwende komponierte er im Auftrag des bayerischen Musikrats das Finale der viel beachteten Internet-Symphonie - die ersten beiden Sätze hatten Berthold Hummel und Moritz Eggert beigesteuert. Die Symphonie, deren thematisches Ausgangsmaterial von Harald Genzmer stammte, wurde am Neujahrstag 2000 von den Hofer Symphonikern uraufgeführt.

Musik[Bearbeiten]

Das Frühwerk Leistner-Mayers war von Komponisten der klassischen Moderne wie Paul Hindemith und Béla Bartók beeinflusst. Während seines Studiums wirkte sich dann die intensive Beschäftigung mit der damaligen Avantgarde (Stockhausen, Penderecki u. a.) hörbar aus, beispielsweise in seiner Symphonie Nr. 1 von 1974/75 und in der Sonata per Contrabasso solo (1974), die 1979 als Pflichtstück beim Internationalen ARD-Wettbewerb ausgewählt wurde.

Mitte der 1970er Jahre wandte sich Leistner-Mayer vom Materialfortschrittsdenken der Avantgarde ab und entwickelte einen unverwechselbaren Personalstil, der gelegentlich seine Vorliebe für die Musik des Tschechen Leoš Janáček erkennen lässt. Charakteristisch für Leistner-Mayers Stil sind weitgespannte Melodik und periodisch gegliederte Themengestaltung, pulsierende Rhythmik und freie Tonalität (Leistner-Mayer: „Wesentlich sind immer auch eindeutige harmonische Felder - meine Musik ist durchgehend tonal empfunden: in freitonaler Funktionalität“.[1]) Der oftmals spontan und intuitiv wirkende Ausdruck spiegelt sich im natürlichen Fluss seiner Musik, mitunter auch in schroffen Kontrasten und findet in langsamen Sätzen zu kontemplativer Innigkeit.

Nicht selten verarbeitet der lesefreudige und kunstinteressierte Komponist Anregungen aus der Literatur (Dostojewski, Tolstoi, Proust u. a.) und aus bildnerischen Werken, etwa von William Turner oder Caspar David Friedrich. Leistner-Mayers Kompositionen erschließen sich in der Regel auch dem breiten Publikum ohne Schwierigkeiten. Die Interpretenfreundlichkeit seiner Schreibweise dürfte dazu beigetragen haben, dass er häufig Kompositionsaufträge auch von Musikern erhielt.

Werkauswahl[Bearbeiten]

Vokalwerke[Bearbeiten]

Chorwerke[Bearbeiten]

  • Der Troll. Kinderkantate zum Thema Umweltschutz (Text: Ingrid Foertsch), op. 18 (1977)
  • Bebend durch die Zeiten für Chor und Orchester, op. 34 (1984/85)
  • Ein Lebenstag, für Chor a cappella (nach Texten von Carossa, Eichendorff, Mörike, Trakl, Hölderlin und Binding), op. 69 (1991)
  • Symphonie Nr. 3 „Das weiße Requiem“ (Text: von Rudolf Mayer-Freiwaldau) für Mezzosopran, Bariton, Chor und großes Orchester, op.81 (1991-94)
  • Lacrymosa für Frauenchor, op. 91 (1997)
  • Somne Levis für Chor a cappella, op. 124 (2005)
  • Christian ist geboren. Eine weihnachtliche Kinderkantate, op. 128 (2006)

Lieder[Bearbeiten]

  • Beziehungen. Liederzyklus für Sopran und Klavier (Text: Rudolf Mayer-Freiwaldau), op. 64 (1991)
  • Vergänglichkeit der Schönheit für Mezzosopran, Violine und Klavier (Text: Christian Hofmann von Hofmannswaldau), op. 106 (1999)
  • Vanitas, vanitatum et omnia vanitas für Sopran, Klarinette und Orgel / Klavier (Text: Andreas Gryphius), op. 110 (2000)
  • 4 Lieder aus dem Hohen Lied der Liebe für Mezzosopran und Klavier (Bibeltext), op. 111 (2000)
  • „Wer andern eine Grube gräbt“ nach Texten von König Salomo für Baß und Orgel, op. 116 (2002)
  • „Schneewind“ für Mezzosopran und Klavier, op. 129 (2005)
  • „Ergo bibamus“ für Mezzosopran, Flöte und Mandoline, op. 135 (2007)

Orchesterwerke[Bearbeiten]

  • Symphonie Nr. 1 für großes Orchester, op. 4 (1974/75)
  • Violinkonzert op. 21 (1978/79)
  • Konzert für Oboe und Streichorchester op. 25 (1980)
  • Rhapsodie Nr. 1 für großes Orchester. op. 27 (1981)
  • Symphonie Nr. 2 für großes Orchester, op. 31 (1983/84)
  • Musik für Kontrabaß und Orchester op. 38 (1985/86)
  • Das Konzert und die zwei verlorenen Trompeten. Eine Geschichte für Erzähler und Orchester, op. 41 (1986/87)
  • Ratibor. Szenen für Streichorchester op. 58 (1989)
  • Interludium für Streichorchester op. 61 (1990)
  • Danze di Boemia für Zupforchester, op. 66 (1991)
  • Ballade für großes Orchester, op. 72 (1992)
  • Transeamus. Weihnachtliche Suite für Streichorchester, op. 75 (1993)
  • Symphonie Nr. 3 „Das weiße Requiem“ op. 81 (1991-94), siehe auch unter Chorwerke
  • Drei Legenden aus Böhmen für Zupforchester, op. 88 (1996)
  • Konzert für Klavier und Orchester op. 89 (1996)
  • Asmus-Fantasie für Saxophon-Orchester, op. 97 (1998)
  • Internet-Symphonie. Finale, nach Themen von Harald Genzmer (1999)
  • Böhmische Serenade für Blasorchester op. 107 (2000)
  • Kleine Suite für Akkordeon-Ensemble, op. 112 (2001)
  • Hyazinthen für Zither-Orchester, op. 119 (2002)
  • Concertino für Hackbrett und Streichorchester, op. 125 (2005)
  • Konzert für Flöte, Harfe und Streichorchester, op. 134 (2007)

Kammermusik[Bearbeiten]

  • Mosaik für 6 Schlagzeuger, op. 1 (1969)
  • Duo I für Violine und Violoncello op. 8 (1973)
  • Drei Nachtstücke für Violine, Violoncello und Klavier, op. 12 (1974)
  • Sonata per Kontrabasso solo op. 13 (1974)
  • Streichquartett Nr. 1 in memoriam Leoš Janáček, op. 15 (1974/75)
  • Trio intimo für Gitarre, Violoncello, Cembalo, op. 16a (1974)
  • Rêverie avec Cebe für 2 Klarinetten, 2 Hörner und 2 Fagotte, op. 17a (1975)
  • Ballade für Klarinette und Klavier, op. 22 (1978)
  • 3 Duos für 2 Violinen op. 23 (1978)
  • Fünf Phantasiestücke für Klavier solo, op. 28 (1982/83)
  • 2. Rhapsodie für Blechbläsersextett, op. 29 (1983)
  • Agitamento e Scemando für Saxophon-Quartett, op. 32 (1984)
  • 4 Duos für Hörner in F op. 36 (1985)
  • Poem III für 2 Schlagzeuger, op. 39 (1986)
  • 6 Moments Musicaux für 2 Querflöten und Klavier, op. 42 (1987)
  • Streichquartett Nr. 2 op. 43 (1987)
  • Rhapsodische Fantasie für Altsaxophon und Klavier, op. 46 (1988)
  • Streichtrio op. 48 (1988)
  • Petite Suite für 2 Hackbretter und Gitarre, op. 51 (1988)
  • „Augennacht“. Szenen für Viola und Klavier op. 52 (1989)
  • Bohuslaviana in memoriam Bohuslav Martinů. Capriccio für Klarinette, Horn, Violoncello, Klavier und Schlagzeug, op. 53 (1989)
  • Confutatis für Orgel-Duo, op. 54 (1989)
  • Streichquartett Nr. 3. Hukvaldy op. 55 (1989)
  • Meditationen über den „Sonnengesang“ des Franz von Assisi für Orgel-Solo, op. 56 (1989)
  • Divertimento für 3 Klarinetten in B und Baßklarinette, op. 59 (1990)
  • Novelette für 2 Oboen und Englisch-Horn, op. 60 (1990)
  • Suite für Flöte und Klavier op. 62 (1990)
  • Three Pieces for Mallet-Quartet op. 63 (1990)
  • Trio con animazione für Trompete, Posaune und Klavier, op. 65 (1991)
  • Canzona für Oboe, Klarinette und Fagott, op. 67 (1991)
  • Grande Suite für Gitarren-Quartett, op. 68 (1991)
  • Sonate für Violoncello und Klavier op. 70 (1991)
  • Nonett für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn, Fagott, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass, op. 73 (1992)
  • Klaviertrio op 74 (1992)
  • Choralphantasie über „Da pacem Domine“ op. 76 (1993)
  • Concerto Concitato III für 10 Violinen und Klavier, op. 78 (1993)
  • Quintett für Gitarre und Streichquartett op. 82 (1994)
  • Trio für Hackbrett, Klarinette und Violoncello op. 85 (1995)
  • Horn-Quartett op. 86 (1995)
  • Suite für 6 Violoncelli op. 87 (1996)
  • Suite für 2 Klaviere op. 92 (1997)
  • Six aveux d'amour für Hackbrett solo, op. 93 (1997)
  • Poem VII für Mandoline und Viola, op. 96 (1998)
  • Klaviertrio „Salomenesk“ op. 99 (1998)
  • Choralphantasie für Orgel solo, op. 101 (1998)
  • „Hymne“. Impressionen für Horn und Orgel op. 102 (1999)
  • Poem VIII für Hackbrett und Klavier, op. 104 (1999)
  • Fantaisie Bizzare für Klarinette solo, op. 107 (1999)
  • Streichquartett Nr. 4. Mnemosyne op. 108 (2000)
  • „Grenzenlos“ für Altsaxophon, Kontrabaß, Schlagzeug und Klavier, op. 113 (2001)
  • Epitaph für Oboe oder Klarinette und Orgel oder Klavier, op. 117 (2002)
  • Ánima y Burlas. Fantasie für Bassklarinette solo op. 188b (2002)
  • Introduktion und Toccata für Orgel, op. 120 (2003)
  • Quintett für Klavier und Streichquartett op. 121 (2004)
  • Fleurs parmi Èpines für Hackbrett, Klarinette, Viola und Kontrabass, op. 122 (2004)
  • Sonate für Violine und Klavier op. 123 (2004)
  • Prélude, Scherzo, Aria e Finale presto für Klavier zu 4 Händen, op. 126 (2005)
  • Fantasie con Anima für Flöte und Klavier, op. 130 (2006)
  • 4 Impromptus op. 131 (2006)
  • Introduktion und Scherzo für Violine, Posaune und Klavier, op. 132 (2007)
  • Concertino Semiserio für 4 Hackbretter und Blockflötenquartett, op. 136 (2008)
  • Corto e Deliberato für Zither solo op. 138a (2008)
  • Spirale für Gitarre solo, op. 138b (2009)
  • 3 Impromptus für Flötenoktett op. 139 (2009)

Diskographie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Streichquartette Nr. 2 + 3; Interpreten: Suk-Quartett, Prag; Label: iton, Krailling 1990
  • Klaviertrio op. 74 (und Werke von Bergh und Zoubek); Interpreten: Sunset Piano Trio; Label: balance, München 1997
  • Trio con Animazione op. 65 (und Werke von Zoubek, Wilscher u. a.); Interpreten: Trio Armin Rosin; Label: Hänssler Classic, Holzgerlingen 1999
  • Fünf Phantasiestücke op. 28 (und Werke von Benker, Sonntag u. a.); Interpretin: Gertrud Firnkees; Label: Hänssler Classic, Holzgerlingen
  • Asmus-Fantasie op. 97 (und Werke von Hummel und Genzmer); Interpreten: Das Süddeutsche Saxophon-Kammerorchester/Leitg. Linda Bangs; Label: Vogt & Fritz SOUND, Schweinfurt
  • Ánima y Burlas. Klarinettenmusik von Roland-Leistner-Mayer (op. 59, 85, 107, 117, 118b); Interpreten: Kraxberger, Probst, Ilgenfritz, Ausserhuber u. a.; Label: Vogt & Fritz SOUND, Schweinfurt
  • Kammermusik von Roland Leistner-Mayer (op. 93, 94, 108, 111); Interpreten: Hesse-Bachmaier, Schieferstein, Bieber, Ilgenfritz und das Bernadel Quartett; Label: Vogt & Fritz SOUND, Schweinfurt
  • Poem VII op. 96, auf CD Klangspuren. Zeitgenössische Kammermusik mit Hackbrett (Werke von Leistner-Mayer, Baumann, Hummel und Hollfelder); Interpreten: Ilgenfritz, Ludmány, Kraxberger und Mangstl; Label: Vogt & Fritz SOUND, Schweinfurt
  • a due. Kammermusik von Roland Leistner-Mayer (op. 23, 70, 92); Interpreten: Ginzel, Schneidt, Carfi, Michal, Bialas; Label: Vogt & Fritz SOUND, Schweinfurt
  • Choralfantasie op. 101 (und Werke von Genzmer, Korn und Helmschrott); Interpreten: Lörch, Conners, Klingler Peschl; Label: ambitus, Ansbach 2008

Literatur[Bearbeiten]

  • Artikel Roland Leistner-Mayer im Riemann Musiklexikon, Ergänzungsband II, Mainz 1975, S. 39
  • Paul Frank und Wilhelm Altmann: Kurzgefaßtes Tonkünstler-Lexikon, Artikel über Roland Leistner-Mayer in 2. Teil, Wilhelmshaven 1978, S. 21
  • Ferdinand Zehentreiter: Text im Beiheft zur CD Roland Leistner-Mayer. Streichquartette Nr. 2 und 3, itonmusik 8033, Krailling 1990
  • Niko Firnkees: Kontraste in Lyrik und Dramatik (über L.-M.s Streichquartette Nr. 2 und 3), in: NMZ, November 1990
  • Karl-Robert Danler: Leistner-Mayers Streichquartette. Huldigung an Tschechische Vorbilder, Münchner Theaterzeitung, Dezember 1990
  • Jürgen Schmidt: Einfluß der goldenen Stadt (über L.-M.s Streichquartette Nr. 2 und 3), in: Westfalen-Blatt, 6. Dezember 1990
  • Michael Thumser: Der Adel des Tons (über L.-M.s Streichquartette Nr. 2 und 3), in: Frankenpost, 2. Januar 1991
  • Johannes Hasenkamp: Böhmisches (über L.-M.s Streichquartette Nr. 2 und 3), in: Westfälische Nachrichten, 25. März 1991
  • Heinz Zettel: Prägnante Tonsprache (über L.-M.s Streichquartette Nr. 2 und 3), in: Donau-Kurier Ingolstadt, 21. August 1991
  • Christoph Schlüren: Interview mit Roland Leistner-Mayer. „Stirb und Werde!“ ist mein Glaube!, Münchner Kulturmagazin Applaus, Juni 1996
  • Peter Hollfelder: Lexikonartikel Roland Leistner-Mayer, in: Die Klaviermusik, Wilhelmshaven 1999, S. 209, ISBN 3-933203-12-0
  • Lexikonartikel in: Komponisten der Gegenwart, hrsg. vom Deutschen Komponistenverband, Berlin 2000, S. 703, ISBN 3-932581-34-2
  • Claudia Boettcher: Artikel Roland-Leistner-Mayer, in: Lexikon zur Deutschen Musikkultur, München 2000, S. 833-835, ISBN 3-7844-2799-5

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Roland Leistner-Mayer im Interview mit Christoph Schlüren, Münchner Kulturmagazin Applaus, Juni 1996. Unter freitonaler Funktionalität versteht der Komponist eine neue – und gelegentlich stark dissonant erweiterte – Harmonik, die sich im Spannungsfeld funktionsharmonischer Gravitationspole frei entfaltet.