Roland Moed

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Roland Orlando Moed (* 8. Januar 1961 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Maler, Bildhauer, Schriftsteller und Aktionskünstler. Roland Orlando Moed zählt zu den Vorreitern der interdisziplinären Künste.

Roland Orlando Moed (2004)

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Biographie

Roland Orlando Moed wuchs in verschiedenen deutschen Kinderheimen auf. Von 1967-1969 in Scheidegg/Allgäu, wurde er von 1969- 1970 in Unter- Schönmattenwag/ Hessen und von 1970 - 1972 in Weinheim/Bergstrasse untergebracht. Von 1972 an, bis zu seinem Abitur war er in einem Internat in Friedrichsdorf/Ts. Roland Orlando Moed studierte von 1981 bis 1987 in Darmstadt Bildende Kunst, anschließend Germanistik und Psychologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt.

Der Künstler Roland Orlando Moed mit der Kulturdezernentin Linda Reisch, anlässlich der Ausstellung "Mensch, Mensch, Mensch" in Frankfurt a.M. 1993

Seine ersten Werke waren beeinflusst vom Geist und Stil der „Neuen Wilden“ um die Künstlergruppe Mülheimer Freiheit.

Der Vogel, Acryl auf Leinwand 1991 Roland Orlando Moed

Unverkennbar ist auch die Nähe zur Neuen Frankfurter Schule. Zunächst entstanden "Anti-Bilder", die den Sinn hatten, dem Betrachter die eigene Phantasie zurück zu geben und ihm bildhaft vor Augen zu führen, dass ein Kunstwerk erst dann vollendet wird, wenn es den Produzenten verlässt und in der Vorstellungskraft des Betrachters reale Gestalt erhält. Roland Orlando Moed klebte eine Filmrolle auf eine Leinwand, rahmte das Bild und schrieb darunter: "12 Gebirgsaufnahmen", oder er befestigte eine Leinwandrolle auf Leinwand und schrieb darunter: "Rapsfeld im Sommer".

Erstes Aufsehen erregte Roland Orlando Moed zu Beginn der Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts mit seinen "Umgehungsbildern". Er hängte seine Bilder nicht mehr mit dem Rücken zur Wand, sodass sie nur von einer Seite frontal zu betrachten sind, sondern hängte sie mitten im Raum auf, sodass sie von zwei Seiten, von der Vor-und der Rückseite zu sehen sind. Beide Seiten vereinigen sich zu einem einzigen Bild, weil sie sich ergänzen und wie zwei Seiten einer Medaille aufeinander bezogen sind.

1992 begann Roland Orlando Moed Stacheldraht zunächst in seine Bilder zu integrieren. Bis er schließlich den Stacheldraht vom Bild befreite und den Stacheldraht als Grundmaterial verwendete. Kein anderes Industrieprodukt ist so bedeutungsgeladen wie der Stacheldraht. Besonders in Deutschland gilt er als das Symbol für Gefangenschaft, Krieg und KZ schlechthin. Er schrieb eine „Materialästhetik des Stacheldraht“, begann Vorträge zu halten und wurde auf Ausstellungen in Frankfurt am Main, Köln, Berlin, Basel und Frankreich gezeigt. Er wurde freier Mitarbeiter der Dreilandzeitung (grenzübergreifende Beilage der Basler Zeitung) und schrieb regelmäßig über Kunst und Kultur.

L'Inspiration, Stacheldraht auf Leinwand, Galerie Le Cardo, Narbonne 1997.jpg

1994 siedelte Roland Orlando Moed nach Frankreich um. In der Abgeschiedenheit der südfranzösischen Corbiers entstanden Stacheldrahtobjekte mit lyrischem Charakter. Er veröffentlichte in der schweizerischen Weltwoche. 2001 gab Roland Orlando Moed in Basel das interdisziplinäre Kunst- und Literaturmagazin Enterview heraus. In der dazu gegründeten, aber bald schon eingestellten Edition Interdisziplinär erschien auch sein Gedichtband Die Geste. Er illustrierte Laut und Luise von Ernst Jandl.

Wie bereits bei seiner Beschäftigung mit Stacheldraht, begann Roland Orlando Moed mit Beginn des Jahrtausends, Staub und Glasscherben in seine Bilder zu integrieren. Er schuf eine neue Ästhetik "...unter seinen Händen scheinen sich die Glasstücke neu zu beleben, sie beginnen zu glitzern und reflektieren wie in einem Prisma die Farben und Lichtstrahlen, die auf sie einfallen."

Die Umarmung, 2011, Glasscherben und Staub auf Leinwand Ausstellung "verdorbene Information", im freien Museum Berlin, 2011

Mit seinen Glasmenschen macht sich Roland Orlando Moed zum Chronisten der Zeit. Er visualisiert die Transparenz. Ein Mensch aus Glas. Durchsichtig, ohne Innenleben. Der Seele beraubt. Die Transparenz verkommt zur leeren Hülle. Roland Orlando Moed zeigt in seinem Werk stets auf die Kehrseite der Medaille. Er macht sichtbar, was dem oberflächlichen Blick versagt bleibt.

Atelieraufnahme im Atelier des Künstlers Roland Orlando Moed, mit Glasmensch, Berlin 2011

2004 siedelte Moed nach Berlin um.

[Bearbeiten] Zitate

„Das Ich ist auch im Wir enthalten.“

Roland Moed: anlässlich einer Pressekonferenz zur Ausstellung Dualismus

„Wir brauchen kein Matriarchat und kein Patriarchat - wir brauchen ein Duachat in dem beide Kräfte gleichsam wirken.“

Roland Moed: aus: Dualismus (Katalog), Lorch/Rh. 1992, zur Erklärung des Begriffes Femanismus

„Die Zeit ist eine Dattel: man isst sie, wenn sie reif ist.“

Roland Moed: aus: Arno et Pierre, Lesung in der jungen Akademie, Berlin 2006

[Bearbeiten] Auszeichnungen

  • 2006 Kunstpreis der Sammlung Noack
  • 2007 Stipendium Aufenthalt in Romanmontier/Schweiz
  • 2009 Goldberg Kunstpreis

[Bearbeiten] Literatur

  • Kunstinitiative Lorch: Annette Bender, Roland Moed zeigen Bilder zum Thema Dualismus: Katalog zur Ausstellung vom 23. Mai bis 14. Juni 1992, Museum der Stadt Lorch am Rhein. Breitwieser, Wisper, Lorch am Rhein 1992.
  • Roland Moed: Mensch, Mensch, Mensch. Wisper, Lorch am Rhein o.J. [1994], ISBN 3-928603-12-4
  • Roland Moed: Die Geste: ein Worttanz in einundzwanzig Bewegungen. Edition Interdisziplinär, o.O. [Basel] 2002, ISBN 3-906478-00-9
  • Roland Moed: " Wir Europakinder" Verlag Tredition, Hamburg 2008, ISBN 978-3-86850-123-0

[Bearbeiten] Filmographie

2004: Interview mit Roland Orlando Moed, FAB

[Bearbeiten] Ausstellungen

  • 1990: Roland Orlando Moed Aphotismen, Galerie Groß-Umstadt
  • 1991: Räume: Galerie Offenbach/M.
  • 1992: Zeitgeist, Galerie Laackmann, Bochum
  • 1992: Femanismus: Galerie Atelier unter'm Dach
  • 1992: Femanistische Kunst: "Dualismus", Museum *Lorch/Rheingau
  • 1992: Die Kunst der 90er Jahre, Museum Bad Brückenau
  • 1993: vergangene Zukunft, Installation im öffentlichen Raum, Neu-Isenburg
  • 1994: La recherche: Galerie im Begischen Viertel, Köln (Sammlung Glaub)
  • 1994: Kunstraum Walluf, eine Stadt wird Kunstraum, Kunstaktion
  • 1995: Movement: Galerie Prochodzenie, Toulouse
  • 1996: L'esprit, Galerie Montpellier
  • 1998: Mise en szene d'art, Galerie Le Cardo, Narbonne
  • 1999: Valeur, Performance Postfuhramt mit BBB Johannes Deimling
  • 2000: Der Kaktus, Performance, Im Paradies, Galerie Basel
  • 2001: Change the value, Galerie Prochodzenie, Dublin
  • 2002: Archiv, Galerie im Warteck Basel
  • 2003: Wertewandel, Nouvelle Galerie Muhlhouse
  • 2004: Its me, Galerie Fine Arts, Denver/Colorado
  • 2005: Maybe the time, Galerie Prochodzenie, Dublin
  • 2010: Transformation des Ichs, Galerie M, Berlin
  • 2011: " Verdorbene Information", Freies Museum Berlin

[Bearbeiten] Weblinks


Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge