Roland TR-808

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Roland TR-808

Die TR-808 oder genauer: der „TR-808 Rhythm Composer“ ist eine analoge Drum Machine.

Geschichte[Bearbeiten]

Die TR-808 wurde 1981 von der Firma Roland auf den Markt gebracht und ist einer der beliebtesten analogen Drum-Synthesizer aller Zeiten. Ihr Klang, der echte Percussion-Instrumente imitieren sollte, ist elektrisch und eher weich. Er war u. a. prägend für House, den frühen Hip-Hop und Electro, wurde aber auch in der Popmusik vielfach eingesetzt. Die erste Verwendung lässt sich bereits im Dezember 1980 nachweisen, als das Yellow Magic Orchestra die 808 bei einem Liveauftritt verwendet haben soll. Einer der größten Hits, in denen die 808 exponiert eingesetzt wird, ist Marvin Gayes „Sexual Healing“. Darüber hinaus kann man sie auf vielen Phil-Collins- und Genesis-Aufnahmen hören. Auf Whitney Houstons „I Wanna Dance with Somebody (Who Loves Me)“ ist die berüchtigte Cowbell zu hören; der Song beginnt mit einem mehrfach wiederholten kurzen Pattern der 808 unisono (bd, claps, cowbell). In Britney Spears’ Song Break the Ice wird mittels eines kurzen Breaks das Herzklopfen mit der Bassdrum der 808 verglichen. Die 808 genießt in der Geschichte der elektronischen Musik einen kaum vergleichbaren Kultstatus.

Technik[Bearbeiten]

Die TR-808 bietet folgende Klänge: Bassdrum, Snare, Low/Mid/Hi Toms, bzw. Congas, Rimshot, Claves, Hand Clap (Geräusch von klatschenden Händen) oder Maracas, Cowbell, Cymbal, Open und Closed Hi-Hat. Außerdem verfügt sie über einen ausgereiften Step-Sequenzer mit programmierbarem Accent (Anschlag). Die Klangerzeugung ist analog. Die Bassdrum kann mittels eines Filters (Tone) und in der Länge der Hüllkurve (Decay) verändert werden. Es handelt sich um wenig mehr als einen Bridget-T-network-Oszillator, einen Low-Filter und einen VCA. Der Output arbeitet kontinuierlich, wodurch die Überlagerung des gleichen Signals nach 32 Steps in einem mittleren Tempo möglich wird. Beim Attack handelt es sich um einen getriggerten CV-Pulsgenerator, der dem Audiosignal beigemischt wird. Die typische Abflachung des Decays direkt nach dem Attack ist dem Audiodesign des Oszillators zu verdanken und wirkt wie eine Kompression.[1] Die Snare Drum besteht aus einem stimmbaren Grundton (Tone) und einem regelbaren Rauschanteil (Snappy). Die Low, Mid und Hi Toms bzw. Congas lassen sich jeweils in der Tonhöhe stimmen (Tuning). Das „Becken“ (Cymbal) kann spektral (Tone) und in der Länge (Decay) angepasst werden. Für die Hi-Hats wird die Summe sechs stark gegeneinander verstimmter Oszillatoren über einen Hochpass gefiltert. Die Open Hi-Hat lässt sich in der Länge (Decay) einstellen.

Für die Instrumente stehen 13 Ausgänge zur Verfügung. An zwei als Master Out bezeichneten Ausgängen liegt die über die Level-Regler abmischbare Summe, einmal mit hohem, einmal mit niedrigem Pegel. Vom Master Out lassen sich jeweils die einzelnen Instrumente über ihre Buchsen abgreifen, d. h. ein Stecker in der Buchse nimmt das Instrument aus der Summe. Bassdrum, Snare, Cowbell, Cymbal, Closed und Open Hi-Hat haben jeweils einen eigenen Ausgang. Low, Mid und High Tom/Conga, Clap und Maracas sowie Rimshot und Claves liegen nur alternativ, d. h. über Schalter auf der Oberseite, an.

Eine Synchronisiation ist über die von der Firma Roland entwickelte SYNC-Buchse in beide Richtungen möglich. Zum Betrieb in einer MIDI-Umgebung ist ein externer Midi-to-Sync-Konverter oder der Einbau einer MIDI-Schnittstelle nötig.

Cowbell, Clap und Accent stehen zusätzlich als programmierbare Trigger zur Verfügung. Damit lassen sich analoge Synthesizer, die nach Roland-Norm (also mit CV/Gate) arbeiten, aber auch Arpeggiatoren oder Sequenzer ansteuern.

Heutige Situation[Bearbeiten]

Obwohl heute „gesampelte“ gute TR-808-Klänge leicht erhältlich sind, ist die originale TR-808 noch sehr gefragt und die Preise für Gebrauchtgeräte sind entsprechend hoch. Aufsehenerregend war die von der Firma Propellerhead 1996 auf den Markt gebrachte Software-Emulation „ReBirth RB-338“, bei der zwei Roland TB-303 mit einer 808 kombiniert wurden. Als günstigen Hardware-Nachbau gibt es die Novation Drumstation, die Sounds der beiden Klassiker TR-808/909 bietet, allerdings ohne deren Stepsequenzer und mit einem eher mäßigen Timing.

Nachfolger[Bearbeiten]

1983 kam mit der TR-909 der Nachfolger der TR-808 auf den Markt, der einen wesentlich härteren und raueren Klang aufwies. Wohingegen die Sounds der 808 ein überaus hohes Frequenzspektrum bieten, die Bassdrum entsprechend tiefgelegt werden kann und die Hi-Hats gewöhnlich sehr hoch liegen, zeichnet sich die 909 durch ihr sehr mittiges Sounddesign aus.

Trivia[Bearbeiten]

  • Ricardo Villalobos veröffentlichte zu Ehren der TR-808, auf dem Label Lo-Fi Stereo, ein Track mit dem Titel "808 The Bassqueen".[2]

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. SYNTH SECRETS Practical Bass Drum Synthesis, eingesehen am 15. Februar 2012
  2. http://www.discogs.com/Ricardo-Villalobos-Steve-Bug-Pres-Clever-And-Smart-808-The-Bass-Queen-Filtadelic/release/189068

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Roland TR-808 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien