Rolandseck

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Rolandseck (Begriffsklärung) aufgeführt.
Blick über Rolandseck (2011)

Rolandseck ist ein Ortsteil der Stadt Remagen im rheinland-pfälzischen Landkreis Ahrweiler. Er gehört zum Ortsbezirk Oberwinter. Am 30. Juni 2014 zählte Rolandseck 465 Einwohner (ohne Nebenwohnsitze).[1]

Geographie[Bearbeiten]

Rolandseck erstreckt sich als Straßendorf entlang der Bundesstraße 9 zwischen Oberwinter im Süden und Rolandswerth im Norden. Naturräumlich lässt sich Rolandseck der Honnefer Talweitung zuordnen, die sich linksrheinisch durch ein über 100 m hohes Steilufer kennzeichnet, dem rechtsrheinisch ein wesentlich breiterer, halbmondartig aufgeweiteter Talbereich gegenüberliegt. Während Rolandseck im Süden durch Industrieflächen der Oberwinterer Schiffswerft abgegrenzt wird, besteht nach Rolandswerth – die Gemarkungsgrenze wird durch den Rolandswerther Bach markiert – ein fließender Übergang. Am westlichen Rand des Ortes verläuft die linksrheinische Eisenbahnstrecke, oberhalb derer sich die Wohnbebauung noch bis auf 90 m ü. NN erstreckt. Auf Höhe des Bahnhofs Rolandseck befindet sich die linksrheinische Anlegestelle der Autofähre, die zum Bad Honnefer Lohfeld übersetzt. Nordöstlich von Rolandseck liegt das Südende der Insel Nonnenwerth.

Geschichte[Bearbeiten]

Rolandseck (1857)

Rolandseck ist nach der nördlich und oberhalb des Ortes gelegenen Burg Rolandseck benannt, die im 12. Jahrhundert durch den Kölner Erzbischof Friedrich I. erbaut wurde. Als Ortschaft erschien Rolandseck erst Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts in amtlichen Statistiken und Kartenwerken. Sie gehörte zur Gemeinde Oberwinter im Verwaltungsbezirk der Bürgermeisterei Remagen, wenige Häuser am Nordrand des Ortsteils gehörten zur Gemeinde Rolandswerth.

Im Zuge der Rheinromantik und der aufkommenden Dampfschifffahrt entstanden an der damaligen Provinzialstraße zahlreiche Villen und herrschaftliche Anwesen, die dem Ortsteil sein heutiges Erscheinungsbild gaben. Darunter befanden sich einige Hotelbauten, zu den bekannteren gehörten das Hotel Rolandseck-Groyen, das Hotel Billau (später Rheingold-Bellevue), der Düsseldorfer Hof und der Krefelder Hof. Mit der Eröffnung des von 1856 bis 1858 erbauten Bahnhofs Rolandseck, einem kulturellen und gesellschaftlichen Zentrum, gewann der Fremdenverkehr weiter an Bedeutung. Ende des 19. Jahrhunderts befand sich in Rolandseck ein jüdischer Friedhof.[2] Die Fähre zwischen Rolandseck und Bad Honnef geht zurück auf eine seit Ende des 19. Jahrhunderts betriebene Gierseilfähre an gleicher Stelle.

Nachdem Bonn 1949 Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland wurde, kam in Rolandseck ein großer Teil des Verwaltungspersonals der französischen Hochkommission – überwiegend in drei Hotelbetrieben – unter.[3] Die Sowjetunion richtete 1955 ihre Botschaft im ehemaligen Hotel Rolandseck-Groyen am Nordrand von Rolandseck (Gemarkung Rolandswerth) ein.[4] Sie verlegte ihren Sitz 1976 auf die Bonner Viktorshöhe. Von Herbst 1952 bis Frühjahr 1962 hatte in Rolandseck (Haus Sölling) aufgrund der Nähe zu Bonn auch der Johanniterorden seinen Sitz. In der Nachkriegszeit wandelte sich Rolandseck zu einem industriell bzw. gewerblich geprägten Ortsteil und erfuhr unter anderem durch einen Wohnkomplex an der Rheinfront ein umfangreiches Bevölkerungswachstum.

2004 wurde unterhalb des Bahnhofs Rolandseck westlich der B 9 ein Hubschrauberlandeplatz eingerichtet.

Einwohnerentwicklung
Jahr Einwohner
1885[5] 125
1943[1] 210
1975[1] 573
1987[1] 562

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Denkmalgeschützte Putzvilla an der B 9

Im Bahnhof Rolandseck befindet sich seit 2004 das Arp Museum Bahnhof Rolandseck, das 2007 einen Erweiterungsbau oberhalb der Bahnstrecke bezog. Oberhalb und südwestlich von Rolandseck erstreckt sich auf einer Fläche von 350.000 m² der Wildpark Rolandseck. An der B 9 sowie oberhalb der Bahnstrecke liegen einige denkmalgeschützte Villen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, darunter das 1858–1860 nach einem Entwurf des Architekten Julius Carl Raschdorff entstandene Haus Sölling.[6]

Am Rheinufer steht ein als Naturdenkmal ausgewiesener Mammutbaum (→ Eintrag in Liste der Naturdenkmale).[7]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rolandseck – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Einwohnerstatistik der Stadt Remagen
  2. Ute Metternich: Juden in der Gemeinde Oberwinter am Rhein. In: Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 2009, 66. Jahrgang, Monschau 2009, S. 172/173
  3. Helmut Vogt: Wächter der Bonner Republik. Die Alliierten Hohen Kommissare 1949–1955, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2004, ISBN 3-506-70139-8, S. 64.
  4. Hermann Josef Fuchs: Hotel Groyen in Rolandseck. Von der Nobelherberge für illustre Gäste zur russischen Botschaft. In: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 2003
  5. Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Verlag des Königlich statistischen Bureaus (Hrsg.), 1888, Seite 38
  6. Ralf Gier: Rolandseck – Villa „Auf dem Rott“. In: Heimatjahrbuch 2009 Kreis Ahrweiler. 66. Jahrgang, Monschau 2008, S. 159–163.
  7. Landschaftsinformationssystem der Naturschutzverwaltung

50.6297227.208056Koordinaten: 50° 37′ 47″ N, 7° 12′ 29″ O