Rollator

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Rollator, auch Gehwagen, ist die Bezeichnung für eine fahrbare Gehhilfe. Der Rollator wurde 1978 von der Schwedin Aina Wifalk erfunden, die aufgrund einer Kinderlähmung gehbehindert war. Über den schwedischen Entwicklungsfonds fand sie Kontakt zu einer Firma, die einen Prototyp fertigte.[1] Seit Anfang der 1990er-Jahre ist die Gehhilfe auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz verbreitet. Genauso jung ist auch das Wort „Rollator” selbst, das eine latinisierende Wortneuschöpfung zu „Rolle” ist und damit zu den Neologismen der deutschen Sprache gezählt wird.

Standard-Rollator von 2005
Delta-Gehrad von 2005
Moderner Rollator von 2005
Haus-Rollator aus Holz, Basismodell mit Tablett, Kasten und Stockhalter

Aufbau und Funktion[Bearbeiten]

Der Rollator dient gehbehinderten oder körperlich schwachen Personen als fortwährende Stütze beim Gehen und ist zum Teil mit weiterem Zubehör ausgestattet, wie Transportkörben oder -taschen, Regenschirm oder Klemme für einen Gehstock. Um Sicherheit beim Stehen und Aufstützen zu gewährleisten, werden Rollatoren mit feststellbaren Bremsen ausgestattet.

Es gibt zwei Varianten des Rollators: den „Klassiker“, der aus Metallrohren gefertigt wird und universell einsetzbar ist, sowie Modelle aus Holz, die vor allem für die Nutzung in Innenräumen gedacht sind.

Metallrollatoren bestehen meist aus einem Metallrahmen mit vier Rädern an den unteren Rahmenteilen und zwei Handgriffen an den oberen Rahmenenden. Die Bodenberührungspunkte der Räder sind in Form eines regelmäßigen Vierecks (alte Versionen) oder eines Trapezes (neu, bessere Standsicherheit) angeordnet. Im Unterschied zum Gehstock oder zu Unterarmgehstützen muss diese Gehhilfe zu keinem Zeitpunkt vom Boden abgehoben werden. Als Zubehörteile können Drahtkörbe, Sitzflächen, Tabletts, Getränkehalter, Stockhalter und Rückenlehnen vorkommen. Rollatoren lassen sich für den Transport im Auto oder in öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zusammenklappen. Neue Modelle (2008) lassen sich so zusammenklappen, dass sie auch im zusammengefalteten Zustand frei stehen.

Holzrollatoren für Innenräume sind in verschiedenen Holzfarbtönen, passend zum Mobiliar, erhältlich. Sie sind besonders schmal konstruiert, um enge Zimmertüren oder Flure und verwinkelte Räume leicht passieren zu können.

Dem Rollator ähnlich sind Delta-Gehräder oder Dreirad-Gehräder, die mit Aufstandspunkten in Dreieck-Form jedoch weniger stabil, dafür aber beweglicher sind. Stützhilfen mit der Bezeichnung Gehgestell haben in der Regel keine Räder.

Gesetzliche Einordnung und Normen[Bearbeiten]

Der Rollator ist ein anerkanntes Hilfsmittel der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und im offiziellen Verzeichnis unter der Produktgruppe 10.50.04 definiert.

Für das Produkt Rollator gibt es eine gültige Europäische Norm EN ISO 11199 Teil 2 vom August 2005.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

In Deutschland wurden 2007 über 500.000 Rollatoren verkauft. Neben Fachhändlern (siehe Sanitätshaus) und Internetläden bieten auch große Supermärkte Rollatoren an; Discounter wie z.B. Aldi verkaufen sie als Aktionsware. Die Absatzzahlen haben sich seit der Einführung vervielfacht.[2]

Rechtsprechung[Bearbeiten]

Ein gehbehinderter Mieter ist berechtigt, seinen Rollator neben der Haustür abzustellen, wenn dadurch keine Beeinträchtigungen oder Behinderungen entstehen. Der Vermieter ist in diesem Fall verpflichtet, diese Maßnahme zu dulden. Dies geht aus einer Entscheidung des Amtsgerichts Recklinghausen hervor[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aina Wifalk - Rollatorn, innovationsinspiration.se (Schwedisch), besucht 29. Oktober 2010.
  2. Christian Siedenbiedel: Die neue Freiheit hat vier Räder, In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11. Mai 2008, S. 46.
  3. Amtsgericht Recklinghausen, Urteil vom 27. Januar 2014, Az. 56 C 98/13

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rollator – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Rollator – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen