Roller Derby

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Wettkampf der Charlotte Rollergirls gegen die Cape Fear Rollergirls
Wettbewerb der Minnesota RollerGirls in der Saison 2007
Windy City Rollers (Chicago, Illinois)

Roller Derby ist ein aus den Vereinigten Staaten stammender Vollkontaktsport mit Rollschuhen, der heute fast ausschließlich von Frauen ausgeübt wird. Herren-Roller-Derby wird gelegentlich als Merby bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte[Bearbeiten]

1935 veranstaltete der Sportpromoter Leo A. Seltzer das erste Roller-Derby-Rennen in Chicago. Inspiriert von den Sechstagerennen, skateten die 25 Teams, bestehend aus einer Frau und einem Mann, auf einer ovalen Bahn. Insgesamt mussten die Teams 57.000 Runden fahren. Gewonnen hatte das Team, welches am längsten durchhielt und als letztes noch auf der Bahn stand. Zu jeder Zeit musste sich mindestens ein Mitglied aus jedem Team auf der Bahn befinden, ansonsten wurde das jeweilige Team disqualifiziert.

Die hohe körperliche Belastung sowie die teilweise harten Rempeleien unter den rivalisierenden Teams hatten zur Folge, dass viele Spieler durch Verletzungen oder durch totale Erschöpfung letztendlich den Sport aufgaben. Dies führte zum Ende der ersten Generation des Roller Derbys.

In den frühen 1940er-Jahren schloss Leo A. Seltzer sich mit dem Sportjournalisten Damon Runyon zusammen, um die Sportart zu überarbeiten und neu zu präsentieren. Sie begründeten neue Regeln sowie ein neues Punktesystem und legten den Schwerpunkt auf publikumswirksamen Rempeleien und Schubsereien. Diese spektakuläre und rasante Art des Roller Derbys wurde in den darauf folgenden über 40 Jahren in den USA zum Publikumsmagneten. Teams spielten in ausverkauften Stadien vor über 50.000 Fans und wurden als Stars in Funk und Fernsehen gefeiert. Der Sport wurde nur von professionellen Akteuren betrieben, die wie im Wrestling auch abgesprochene, scheinbar brutale Aktionen und Handgemenge vorführten.

Anfang der 1970er-Jahre wurde Roller Derby vom Zerfall in viele konkurrierende und verschiedene Derby-Organisationen und -Unternehmen (RollerJam und Rollermania) sowie der Ölkrise, welche die (Reise-)kosten der Teams in die Höhe schnellen ließ, überrollt und verschwand in der Versenkung.

Erst 1999 kam Roller Derby wieder zurück. Im Gegensatz zu den früheren Ligen, in denen die Vermarktung einer Show im Vordergrund gestanden hatte, war diese Neugründung von weiblichen Amateuren dominiert, von denen viele in Verbindung zu Punk-Bewegung und third wave feminism standen. 2004 gründete sich die Organisation Women’s Flat Track Derby Association (WFTDA), in der mittlerweile insgesamt über 14.000 Rollergirls verzeichnet sind. Seit 2007 veranstaltet die WFTDA eine jährliche Meisterschaft, bestehend aus vier Vorausscheidungsturnieren und einem Finalturnier. Auch in anderen Ländern wurde die Begeisterung für den Sport nun erstmals geweckt. Weltweit wurden neue Mannschaften und Ligen gebildet. Neben dem klar weiblich dominierten Sport gründen sich auch immer mehr Männerteams. Im Jahr 2007 wurde die Men's Roller Derby Association (MRDA) gegründet, die im Jahr 2011 zum ersten Mal Meisterschaften ausrichtete.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts fand Roller Derby schließlich auch den Weg aus den USA nach Europa. Im Jahr 2006 wurden die London Rollergirls und das erste deutsche Team gegründet, die Stuttgart Valley Rollergirlz. Im Jahr 2007 folgte dann die zweite deutsche Mannschaft, Barock City Roller Derby aus Ludwigsburg. Ein weiteres Jahr später kamen die Berlin Bombshells dazu. Weitere Vereine sind inzwischen hinzugekommen: RocKArollers Karlsruhe, Back Breaking Bambis - Roller Derby Frankfurt, Meatgrinders Bremen, Hamburg Harbor Girls, Graveyard Queens (Köln), Ruhrpott Roller Girls (Essen), The Pirate Brides Wuppervalley (Wuppertal), S´Käthchen Roller Derby (Heilbronn), Deadly Darlings (Düsseldorf), Zombie Rollergirlz (Münster), Roller Derby Wesel, Dresden Pioneers (Dresden), Bembel Town Rollergirls (Frankfurt),Blockforest Rollergirls (Freiburg) und die Munich Rolling Rebels (München). Weitere Vereine in Europa finden sich in Helsinki, Stockholm, Malmö, Kopenhagen, Aarhus, Amsterdam, Genf, Paris, Wien, Zürich und Luzern. Anfang 2012 waren es an die 200.

Der erste Bout in Deutschland fand 2007 in Stuttgart statt: Stuttgart Valley Rollergirlz vs. London Rockin’ Rollers. Im Jahr 2009 folgte der erste innerdeutsche Bout: Berlin Bombshells vs. Nord-Süd-Connection Stuttgart Valley Rollergirlz und Harbor Girls aus Hamburg, Gastgeber war das Berliner Team. Im Juli 2009 fand der erste europäische Wettkampf, „Roll Britannia“, in London statt, bei dem insgesamt zwölf Teams antraten, zehn aus dem Vereinigten Königreich sowie Berlin und Stuttgart. Als erster europäischer Sieger ging das klar überlegene Team "London Brawling" der London Rollergirls aus dem Turnier hervor.

Am 11. Dezember 2010 trafen sich in Berlin die Berlin Bombshells, die Stuttgart Valley Rollergirlz, die Ruhrpott Roller Girls, die Barockcity Rollergirls aus Ludwigsburg und die Hamburger Harbor Girls, um die erste Deutsche Meisterschaft auszuspielen. In einem engen Finale setzten sich die Stuttgart Valley Rollergirlz mit 128:124 gegen die Berlin Bombshells durch.

Vom 1. bis 4. Dezember 2011 fand in Toronto die erste Weltmeisterschaft im Roller Derby statt.[1] Es nahmen die Nationalmannschaften von Argentinien, Australien, Brasilien, Deutschland, England, Finnland, Frankreich, Irland, Kanada, Neuseeland, Schottland, Schweden und den USA teil. Das Finale fand zwischen Kanada und den USA statt, wobei die USA mit 336 zu 33 Punkten gewannen.[2]

Unter dem Titel „Track Queens – Battle Royal“ fand im November 2012 vom 16. bis 18. erneut ein europaweites Turnier, diesmal in Berlin, statt. Ausgerichtet wurde es von der WFTDA. Im Finale setzte sich London Brawling mit 448:47 gegen die Berlin Bombshells durch.[3]

Spielarten[Bearbeiten]

Roller Derby wird heutzutage hauptsächlich in zwei Varianten gespielt. Zum einen gibt es das dem klassischen Roller Derby angelehnten „Banked Track Roller Derby“ auf einer Steilbahn, was jedoch nur von wenigen (meist professionellen) Teams gespielt wird. Deutlich weiter verbreitet ist inzwischen die Variante „Flat Track“ das auf einer flachen, etwa 30 × 18 m großen Bahn gespielt wird.

Die überwältigende Mehrheit spielt nach den Regeln der Women’s Flat Track Derby Association. Daneben gibt es Ligen (mehrere Teams desselben Vereins), die entweder nach eigenen Regeln, nach den Regeln der Old School Derby Association oder in einzelnen Fällen sogar quasi ohne Regeln (genannt Renegade Roller Derby) spielen.

Spielablauf[Bearbeiten]

Blocker gegen Jammer

Flat Track[Bearbeiten]

Die meisten Flack-Track-Spiele (auch Bouts genannt) werden nach den Regeln der WFTDA bzw. MRDA ausgerichtet. Ein Roller Derby Team besteht aus bis zu 14 Spielern, von denen jeweils fünf gleichzeitig am Spielgeschehen teilnehmen können. Gelaufen wird auf einer ovalen Bahn entgegen dem Uhrzeigersinn, dem sogenannten Track.

Verlauf[Bearbeiten]

Gespielt wird in zwei Hälften à 30 Minuten, in denen jeweils so viele maximal zweiminütige „Jams“ gefahren werden wie möglich. Jedes Team besteht aus fünf Personen, die sich gleichzeitig auf dem Track befinden. Je eine Person ist der sog. Jammer (engl. to jam = „stören“), dessen Aufgabe es ist, durch das Überrunden gegnerischer Spieler Punkte zu erzielen. Die restlichen vier Spieler des Teams haben als Blocker die Aufgabe, sowohl den eigenen Jammer bei seiner Aufgabe zu unterstützen als auch den gegnerischen Jammer am Vorankommen zu hindern. Sie bilden zusammen das sogenannte Pack (engl. für Pulk oder Rudel).

Der Beginn eines Jams wird durch einen Pfiff angekündigt, bei dem alle Spieler gleichzeitig starten. Die Jammer starten dabei hinter den Blockern. Sie haben die Aufgabe, sich durch das Pack zu kämpfen. Der Jammer, der als erstes ohne unerlaubte Aktionen alle gegnerischen Blocker überholt hat, ist für den Rest des Jams „Lead Jammer“. Der Lead Jammer kann den aktuellen Jam auch vor Ablauf der zwei Minuten abbrechen, um seinem Team so einen Vorteil zu verschaffen.

Ab der zweiten Runde können die Jammer Punkte erzielen. Für jeden legal überholten Spieler der gegnerischen Mannschaft gibt es einen Punkt. Dies gilt auch für Spieler, die auf der Strafbank sitzen. Der Jam geht so lange, bis der Lead Jammer abbricht oder die Frist abgelaufen ist.

Nach jedem Jam können in einer 30-sekündigen Pause Spieler ausgetauscht werden. Der nächste Jam wird ohne Rücksicht auf den Abschluss dieses Vorgangs wieder angepfiffen. Befinden sich bei Anpfiff für ein Team zu wenig Spieler auf dem Track, startet dieses Team unterbesetzt.

Blocken[Bearbeiten]

Da Roller Derby eine Vollkontaktsportart ist, ist nicht nur das Behindern anderer Spieler durch positionelles Blocken (z.B. Im-Weg-Fahren oder Abdrängen), sondern auch durch direkten Körpereinsatz (z.B. Umschubsen) erlaubt. Dies dient entweder dazu, sich oder anderen Spielern des eigenen Teams durch das Abdrängen oder Zufallbringen gegnerischer Spieler einen positionellen Vorteil zu verschaffen oder gegnerische Spieler am Vorbeikommen zu hindern. Der Einsatz ist jedoch auf bestimmte Körperpartien beschränkt. Hierbei wird zwischen Blocking- und Trefferzonen unterschieden, wobei erstere die Körperpartien bezeichnen, die aktiv für das Blocken eingesetzt werden dürfen. Bei letzteren handelt es sich um die Stellen, an denen gegnerische Spieler geblockt werden dürfen.

Erlaubte Trefferzonen:

  • Schultern
  • Arme und Hände
  • Seiten
  • Oberkörper
  • Hüfte
  • Oberschenkel

Illegale Trefferzonen:

  • Kopf und Hals
  • Rücken
  • Hintern
  • Unterschenkel und Knie
  • Füße

Erlaubte Blocking-Zonen:

  • Schultern
  • Hüften
  • Oberarme
  • Oberschenkel
  • Hintern
  • Oberkörper

Illegale Blocking-Zonen:

  • Ellenbogen, Unterarme und Hände
  • Kopf
  • Knie, Unterschenkel und Füße

Setzt ein Spieler dennoch unerlaubte Körperteile ein oder trifft einen Gegenspieler an anderen als den erlaubten Trefferzonen, zählt dies als Foul. Gleiches gilt, wenn ein Blocker außerhalb der sog. Engagement Zone blockt. Die Engagement Zone befindet sich je drei Meter vor und sechs Meter nach dem ersten bzw. letzten Spieler des Packs.

Strafen[Bearbeiten]

Fouls werden im Roller Derby als „Majors“ bezeichnet. Begeht ein Spieler einen Major, muss er für eine Minute auf die Strafbank. Werden beide Jammer gleichzeitig rausgeschickt, beträgt die Strafzeit nur je zehn Sekunden. Nicht erlaubt sind u. a.:

  • Blocken abseits der dafür erlaubten Körperpartien
  • Überholen anderer Spieler außerhalb der Track-Begrenzungen
  • Blocken, ohne sich im Spiel und innerhalb der dafür erlaubten Bereiche zu befinden
  • absichtliches Zerstören des Packs
  • Gefährdung anderer Spieler

Befindet sich ein Spieler außerhalb der Bahnbegrenzungen, steht (auch innerhalb des Tracks) oder fährt in entgegengesetzter Richtung, befindet er sich „out of play“ und darf weder blocken noch andere Spieler am Vorbeikommen hindern.[4]

Trikots und Markierungen[Bearbeiten]

Jeder Spieler wird durch eine Spielernummer ausgewiesen. Diese muss innerhalb des eigenen Teams einzigartig sein, wobei gleiche zahlen mit unterschiedlichen Ziffern gültig sind (bspw. 30 und 030). Zusätzlich werden bestimmte Spielpositionen durch Helmhauben markiert: Der Jammer trägt einen Stern und der sog. Pivotblocker einen Längsstreifen auf dem Helm. Der Pivot fährt zusammen mit den anderen Blockern im Pack und hat die Aufgabe, das Spiel zu führen. Außerdem kann er durch Übernahme der Jammer-Haube selbst zum Jammer werden (sog. Star Pass). Der vorherige Jammer wird dann zu einem normalen Blocker.

Banked Track[Bearbeiten]

Banked Track Roller Derby wird auf einer Steilbahn (dem Banked Track) gespielt. Auch die Regeln unterscheiden sich in einigen Details, wobei es bis jetzt kein einheitliches Regelwerk für Banked Tracks gibt.[5] In den meisten Varianten dauert ein Jam nur eine Minute. Auch ist immer derjenige Lead Jammer, der aktuell die Pole Position innehat - unabhängig davon, wer zuerst das Pack verlassen hat. Der Lead-Jammer-Status kann also auch während eines Jams gewonnen bzw. verloren werden.

Ein weiterer Unterschied zum Flat Track Derby besteht darin, dass Strafen nicht sofort, sondern erst mit Beginn des nächsten Jams abgesessen werden müssen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Roller Derby – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Website der Roller-Derby-Weltmeisterschaft 2011
  2. Spielbericht des Finales USA–Kanada
  3. Track Queens - Battle Royal, Scores & Photos (abgerufen am 19. Februar 2013)
  4. Women's Flat Track Derby Association – Rules, Regeln nach WFTDA (abgerufen am 17. März 2013)
  5. Derby News Network – Roller Derby Rules, „Because relatively few local leagues play on a banked track, no single standard ruleset has yet emerged.“ (abgerufen am 19. März 2013)