Roméo Dallaire

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Roméo Dallaire (2006)

Roméo Alain Dallaire (* 25. Juni 1946 in Denekamp, Niederlande) war von 1993 bis 1994 als General der kanadischen Truppen Kommandeur der Blauhelmtruppen der Vereinten Nationen bei der UNAMIR-Mission in Ruanda.

Einsatz in Ruanda und Folgezeit[Bearbeiten]

1994 fand in Ruanda der größte Völkermord nach dem Zweiten Weltkrieg statt, der Völkermord an den Tutsi. Binnen 100 Tagen wurden zwischen 800.000 und einer Million Menschen ermordet. In einem späteren Bericht schrieb Dallaire, dass er mit 5.000 Mann den Völkermord der Hutu an den Tutsi vermutlich hätte stoppen können. Ab dem 24. April 1994 sprach Dallaire in seinen Berichten an das Hauptquartier der UN nicht mehr von Massakern oder ethnischen Massenmorden, sondern von Völkermord und wollte damit die Weltgemeinschaft zum Handeln verpflichten. Dass die UN den eindringlichen Bitten Dallaires nicht nachkam, lag nicht zuletzt an den Vetomächten im UN-Sicherheitsrat. Insbesondere die USA vermieden den Gebrauch des Wortes Völkermord, da ein solcher die UN laut Charta zum Eingreifen gezwungen hätte. Die Vereinigten Staaten hatten auf Grund der Ereignisse in Somalia 1993 (Operation Irene) Einsätze in Afrika eingeschränkt. Auch Frankreich scheute vor einem Eingreifen gegen die von ihnen unterstützte, ausgebildete und ausgerüstete Armee des Landes, die von Hutu dominiert wurde, zurück.

Zu den ersten Opfern des Völkermordes in Ruanda zählte Agathe Uwilingiyimana, die Premierministerin Ruandas und legitime Nachfolgerin des am 6. April 1994 getöteten Präsidenten Juvénal Habyarimana. Fünfzehn von Dallaire beauftragte ghanaische und belgische Blauhelmsoldaten wurden bei dem Versuch, sie vor ihrer Ermordung zu schützen, festgenommen. Während die fünf ghanaischen Soldaten später frei gelassen wurden, überließ man die zehn belgischen Soldaten einer wütenden Menge, die sie misshandelte und tötete. Angesichts der Ermordung seiner Soldaten zog Belgien sein Truppenkontingent fluchtartig aus Ruanda ab. Dallaire verlor damit seine am besten ausgebildeten und ausgerüsteten Soldaten. Er wollte noch immer eine Verstärkung der UNAMIR erreichen, bemühte sich aber vergeblich um eine Änderung des auf Kapitel VI der UN-Charta beruhenden Mandats. Stattdessen beschloss der UN-Sicherheitsrat am 21. April 1994, den größten Teil des UNAMIR-Kontingents aus dem Land abzuziehen, da der Waffenstillstand als gescheitert angesehen wurde. Dallaire blieb gegen die Weisung aus dem UN-Hauptquartier in New York mit einer symbolischen Präsenz von 270 Soldaten in Kigali zurück.[1] Im Rahmen der Möglichkeiten bemühte er sich, trotz der ihm auferlegten Zurückhaltung mit seinen verbliebenen Truppen während des Völkermordes Präsenz zu zeigen und konnte in sehr begrenztem Maße Sicherheitszonen schaffen.

Nach den Erlebnissen in Ruanda unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung leidend,[2] wurde Dallaire im Jahre 2000 aus der kanadischen Armee entlassen. In der Überzeugung, eine Mitschuld am Genozid in Ruanda zu tragen, unternahm Dallaire zwei Selbstmordversuche. Die Aussage von Dallaire vor dem ICTR im Februar 1998 und das Ergebnis eines offiziellen Untersuchungsberichtes der UN bestätigen die Vorwürfe unterlassener Hilfeleistung an das System der Vereinten Nationen. Dallaire machte die Mitglieder des Weltsicherheitsrates, der Generalversammlung und im Besonderen die belgische Regierung für den Genozid in Ruanda mitverantwortlich.[3] Im Jahr 2003 veröffentlichte er das Buch Shake Hands with the Devil: The Failure of Humanity in Rwanda, in dem er sich intensiv mit den Ereignissen des Jahres 1994 auseinandersetzt und die Rolle der Völkergemeinschaft in diesem Konflikt noch ausführlicher darstellt. Die deutsche Übersetzung Handschlag mit dem Teufel: Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda erschien 2005.

Im Film Hotel Ruanda diente Roméo Dallaire als Vorlage für die Figur des Colonel Oliver (gespielt von Nick Nolte). Ebenfalls im Jahr 2004 wurde der Dokumentarfilm Shake Hands with the Devil – The Journey of Roméo Dallaire mit Roméo Dallaire veröffentlicht. 2007 erschien das kanadische Drama Shake Hands with the Devil, welches ebenfalls auf Dallaires Buch basiert.

2005 wurde Dallaire von Premierminister Paul Martin zum Senator im kanadischen Senat ernannt. Dort vertrat er als liberaler Politiker die Provinz Québec. 2008 hat sich Dallaire der Forderung nach Einrichtung einer Parlamentarischen Versammlung bei den Vereinten Nationen angeschlossen.[4] Am 17. Juni 2014 ist von seinem Amt als Senator zurückgetreten. Heute engagiert er sich vor allem gegen den Einsatz von Kindersoldaten.[5]

Zitate[Bearbeiten]

„Ich weiß, dass es einen Gott gibt, […], weil ich in Ruanda dem Teufel die Hand geschüttelt habe. Ich habe ihn gesehen, gerochen und berührt. Ich weiß, dass es den Teufel gibt, und deshalb weiß ich, dass es einen Gott gibt.“[6]

Werke/Ausgaben[Bearbeiten]

  • Shake Hands with the Devil: The Failure Of Humanity In Rwanda. Random House Canada, Toronto 2003, ISBN 0-679-31171-8.
  • Handschlag mit dem Teufel: Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda. Aus dem Englischen von Andreas Simon dos Santos. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-86150-724-2. Taschenbuchausgabe: Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-86150-906-6.
  • Handschlag mit dem Teufel: Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda. Aus dem Englischen von Andreas Simon dos Santos. Verlag zu Klampen, Springer 2008, ISBN 978-3-86674-023-5.
  • (mit Jessica Dee Humphreys:) They Fight Like Soldiers, They Die Like Children. The global quest to eradicate the use of child soldiers. Random House Canada, Toronto 2010, ISBN 978-0-307-35577-5.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Roméo Dallaire – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marcel Bohnert: Zum Umgang mit belasteter Vergangenheit im postgenozidalen Ruanda. Regensburg: Roderer, 2008, S. 21ff.
  2. Helmut Slop: Psychologie: Befohlene Hilflosigkeit. In: Truppendienst – Zeitschrift für Ausbildung, Führung und Einsatz im Österreichischen Bundesheer, Ausgabe 4/2008. Abgerufen am 19. April 2014.
  3. Marcel Bohnert: Zum Umgang mit belasteter Vergangenheit im postgenozidalen Ruanda. Regensburg: Roderer, 2008, S. 38f.
  4. de.unpacampaign.org
  5. [1]
  6. Roméo Dallaire: Handschlag mit dem Teufel, S. 19