Roman Arkadjewitsch Abramowitsch

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Roman Abramowitsch (2007)

Roman Arkadjewitsch Abramowitsch (russisch Роман Аркадьевич Абрамович, wiss. Transliteration Roman Arkad’evič Abramovič; * 24. Oktober 1966 in Saratow) gehört zu den russischen Oligarchen und war von 2000 bis Juli 2008 Gouverneur der Region Tschukotka. Abramowitsch, Sohn jüdischer Eltern aus Saratow und schon im Kleinkindalter Waise, gilt als einer der vermögendsten Männer der Welt.

Leben und Karriere[Bearbeiten]

Abramowitsch war 18 Monate alt, als seine Mutter Irina an den Folgen einer illegalen Abtreibung starb. Als er vier Jahre alt war, starb sein Vater bei einem Unfall. Bis zu seinem achten Lebensjahr wuchs Abramowitsch bei einem Onkel väterlicherseits, Leib Abramowitsch, Ölingenieur in Uchta, 1300 km von Moskau entfernt in der Ölprovinz Komi nahe dem Polarkreis auf, dann bei einem zweiten Onkel, Abraham, in Moskau. Am Moskauer Gubkin-Öl-und-Gas-Institut studierte er Ingenieurwissenschaft.

Nach der Öffnung von Russlands Wirtschaft im Zuge der Perestroika gründete Abramowitsch als 21-jähriger Student das Unternehmen „Ujut“ (deutsch: „Gemütlichkeit“). Ujut stellte zunächst profane Dinge wie Gummienten und Fußbälle her. Abramowitschs Einstieg in das Ölgeschäft begann, als er zwischen 1993 und 1996 das Moskauer Büro des Schweizer Rohölhändlers Runicom leitete. Sein Startkapital sollen 5.000 Tonnen Heizöl gewesen sein, die er sich angeblich mit Hilfe gefälschter Dokumente aneignete. Über Runicom wickelte er größere Öldeals mit Raffinerien ab, vor allem mit der größten russischen Raffinerie im sibirischen Omsk. Diese ist heute das Kernstück des Sibneft-Konzerns, den Abramowitsch mittlerweile an den russischen Energiekonzern Gazprom verkauft hat.

Der entscheidende Tag für den Aufstieg zu einem der reichsten Männer Russlands war für Abramowitsch 1992 eine Begegnung mit Boris Beresowski.

Abramowitsch baute in den 1990er Jahren – zunächst als Partner des Oligarchen Beresowski – ein weitverzweigtes Firmenimperium auf. Zum Besitz der von ihm kontrollierten Holding Millhouse Capital gehörten 80 % von Russlands fünftgrößtem Ölkonzern Sibneft, 50 % des Aluminiumkonzerns RUSAL, 26 % der Fluggesellschaft Aeroflot und 37,5 % des Autoproduzenten Ruspromawto.

Offenbar unter dem Eindruck des Verfahrens gegen Michail Chodorkowski verkaufte Abramowitsch nach und nach seine Anteile an russischen Unternehmen. Abramowitschs Aeroflot-Aktien gingen im März 2003 an den russischen Staat. Die RUSAL-Anteile verkaufte Millhouse in zwei Schritten 2003 und 2004 an die Gruppe „Basowy Element“ von Oleg Deripaska. Ende 2005 übernahm der halbstaatliche Gaskonzern Gazprom eine Mehrheit an Abramowitschs Ölunternehmen Sibneft und benannte es später in Gazprom Neft um. Auch danach blieb Abramowitsch in Russland als Unternehmer aktiv. Im Dezember 2007 wurde eine Beteiligung von Millhouse am russischen Goldproduzenten Highland Gold Mining Ltd in Höhe von 40 Prozent bekannt.

Lange Zeit galt Abramowitsch als wichtigster Oligarch im Umfeld des damaligen Präsidenten Wladimir Putin. Er gilt als einer der entscheidenden Wegbereiter für den Machtwechsel von Ex-Präsident Boris Jelzin zu Putin im Jahr 2000. Die britischen Autoren Dominic Midgley und Chris Hutchins behaupten in ihrer Biographie „Der Milliardär aus dem Nichts“, Abramowitsch habe sämtliche Mitglieder der ersten Regierung unter Putin einer persönlichen Prüfung unterzogen, bevor diese für ein Amt in Frage kamen.

Im Dezember 2000 wurde Abramowitsch zum Gouverneur der Region Tschukotka gewählt und im Oktober 2005 im Amt bestätigt. Der Gouverneursposten ist mit strafrechtlicher Immunität verbunden. Am 3. Juli 2008 akzeptierte der russische Präsident Dmitri Medwedew Abramowitschs mehrfach geäußertes Rücktrittsgesuch und entließ ihn als Gouverneur. Nachfolger wurde sein bisheriger Stellvertreter Roman Kopin.[1]

Anfang 2008 bestellte Infrastruktura, ein Bauunternehmen Abramowitschs, die derzeit weltgrößte Tunnelvortriebsmaschine bei der Herrenknecht AG, um damit eine Nische auf dem russischen Infrastrukturmarkt zu erschließen. Das Gerät soll vor allem beim Bau von Objekten für die Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Schwarzmeer-Badeort Sotschi eingesetzt werden. Infrastruktura erwartet nach eigenen Angaben Tunnelbauaufträge von einigen Milliarden Dollar pro Jahr.

Im Jahr 2011 verklagte Boris Beresowski Abramowitsch auf 5,6 Milliarden US-Dollar. Er warf seinem früheren Geschäftspartner vor, ihn beim Verkauf des Unternehmens Sibneft betrogen und ihn um seine Anteile gebracht zu haben. Abramowitsch beteuerte allerdings, dass Beresowski keine Anteile am Unternehmen hatte. Am 31. August 2012 wurde Beresowskis Klage von einem Londoner Gericht abgewiesen.[2]

Vermögen[Bearbeiten]

Abramowitsch hatte 2013 nach Angaben des Wirtschaftsmagazins Forbes ein geschätztes Netto-Vermögen von 10,2 Milliarden US-Dollar[3] und ist damit auf Platz 13 der reichsten Menschen in Russland und auf Platz 107 der reichsten Personen überhaupt (Liste der reichsten Menschen der Welt). Infolge der Finanzkrise ab 2007 verlor er einen Großteil seines Vermögens. Sein Vermögen verringerte sich damals von geschätzten 23,5 Milliarden Dollar auf 3,3 Milliarden Dollar.

Fußballclubs, Immobilien, Yachten und Gemälde[Bearbeiten]

Die Pelorus zur Wartung in der Werft Blohm & Voss, Hamburg
Die Luna Hamilton am Pier in San Diego
Abramowitschs B767

Am 1. Juli 2003 kaufte Abramowitsch für 210 Millionen Euro den englischen Fußballclub FC Chelsea. Seitdem hat er geschätzte 764 Mio Euro in den Club investiert, hauptsächlich für Ablösesummen und Gehälter.[4] Er ist häufig an der Stamford Bridge zu sehen, besucht aber auch manchmal Auswärtsspiele des FC Chelsea, zum Beispiel in der Champions League. Diese gewann sein Verein erstmals in der Saison 2011/2012.

Zudem verfügt er durch seinen Minderheitsanteil an Sibneft über geringe Anteile am russischen Club ZSKA Moskau. Außerdem konnte er den niederländischen Erfolgscoach Guus Hiddink überreden, Russland ab 2006 zu trainieren (bis 2010).[5]

Abramowitsch ist unter anderem Eigentümer von drei Yachten: Der Bau der Mega-Yacht Pelorus auf der in Bremen-Vegesack/Lemwerder beheimateten Werft Lürssen, die zuvor von dem saudischen Staatsmann Al Sheik Modhassan in Auftrag gegeben wurde, kostete 254 Millionen Euro. 2004 folgte ein 12 Millionen Euro teurer Umbau mit anschließender Neulackierung (markant: Rumpf sandfarben, Aufbau reinweiß) auf der Hamburger Werft Blohm + Voss. Mit ihren 115 Metern Länge liegt sie unter den größten Yachten der Welt auf Platz 21 (Stand 11. Mai 2012), direkt gefolgt von Abramowitschs 108,3 Meter langen Yacht Le Grand Bleu, die er jedoch im Juni 2006 an seinen Freund Jewgeni Schwidler verkauft hat.[6] Außerdem besitzt er noch die 85,95 Meter lange L’Ecstasea, gebaut 2001 bei Feadship-Royal van Lent. Sie liegt derzeit auf Platz 29 im Superyacht-Ranking (gemessen nach Länge) und erreicht mit einer General-Electric-LM2500-Gasturbine und zwei Dieselmotoren eine Spitzengeschwindigkeit von 36 Knoten. Nach dem Verkauf der Le Grand Bleu hat Abramowitsch eine neue Mega-Yacht erworben: die Eclipse wurde bei Blohm + Voss gebaut. Die Yacht ist zurzeit mit 163 Metern Länge die zweitgrößte Yacht der Welt. Abramowitsch besitzt außerdem noch die fast 50 m lange Yacht Sussurro sowie zwei U-Boote, die er für 16,9 und 3,9 Millionen Euro gekauft hat. Die Unterhaltskosten dieser belaufen sich auf etwa 1,3 Millionen Euro jährlich.

In Garmisch-Partenkirchen erwarb Abramowitsch das Leitenschlössl und ließ es in den Jahren 1999 bis 2002 renovieren, erweitern und künstlerisch ausgestalten.

Seit 2004 besitzt er das Château de la Croë bei Antibes, das inzwischen aufwändig renoviert wurde.[7]

2008 kaufte er die Gemälde von Francis Bacon „Triptych“ (1976), für 57,2 Millionen Euro und „Benefits Supervisor Sleeping“ (1995) von Lucian Freud für 22,36 Millionen Euro. Abramowitschs Freundin, Daria Schukowa, eröffnete im September 2008 in Moskau eine Kunstgalerie.

Familie[Bearbeiten]

Abramowitsch war von 1987 bis zur Scheidung 1989 mit seiner Ehefrau Olga verheiratet, die ein Kind mit in die Ehe brachte. Im Jahre 1991 heiratete er Irina, eine Aeroflot-Stewardess, mit der er fünf Kinder hat. Die Zeitung News of the World berichtete am 15. Oktober 2006, dass Fotoreporter aufgedeckt hätten, dass Abramowitsch eine kurze Beziehung mit einer 23-Jährigen habe. Seit März 2007 ist er von seiner Frau Irina geschieden. Seine Freundin heißt Daria Schukowa.[8] Das erste gemeinsame Kind der beiden, mit dem Namen Aaron Alexander, wurde am 4. Dezember 2009 in Los Angeles geboren. Am 15. April 2013 kam ihr zweites Kind in New York zur Welt, es trägt den Namen Lea Lou.

Trivia[Bearbeiten]

Eine Figur des Guy-Ritchie-Films Rock N Rolla ist ihm nachempfunden.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dominic Midgley: Der Milliardär aus dem Nichts – Roman Abramowitsch. Biografie. Murmann-Verlag, Hamburg 2005, ISBN 3-938017-30-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Russland: Medwedew entlässt Milliardär Abramowitsch als Gouverneur - Spiegel online
  2. Richter schmettern Klage gegen Abramowitsch ab, Spiegel Online, 31. August 2012, abgerufen am 3. September 2012.
  3. Forbes.com – The World's Richest People (englisch)
  4. Abramowitsch investiert 764 Millionen Euro in Chelsea
  5. Abramowitsch versucht Russland flott zu machen
  6. Yacht Top200 auf superyacht.de
  7. Eine halbe Milliarde für eine Villa Tagesspiegel, aufgerufen 4. März 2012
  8. Why has Abramovich's 'friend' fled to Russia?
  9. Die Welt

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Roman Abramovich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien