Roman Grafe

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Roman Grafe (* 1968 im Nordosten der DDR) ist ein deutscher Autor und Journalist.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Roman Grafe wurde 1968 in der damaligen DDR geboren. Nach einigen erfolglosen Versuchen gelang es Grafe im Januar 1989 in die Bundesrepublik Deutschland überzusiedeln. Anschließend studierte er Journalistik an der Journalistenschule St. Gallen in der Schweiz. Seit 1993 arbeitet Grafe als Autor und freier Journalist u. a. für die ARD und die Süddeutsche Zeitung. Seine Bücher behandeln vor allem die Geschichte der Innerdeutschen Grenze und die Prozesse gegen die Mauerschützen und ihre Befehlsgeber.

[Bearbeiten] Verbot des Buches Deutsche Gerechtigkeit

Das Landgericht Berlin untersagte Roman Grafe und dem Siedler-Verlag mit Urteil vom 2. Februar 2006 die weitere Verbreitung des Buches Deutsche Gerechtigkeit. Der ehemalige Politoffizier der DDR-Grenztruppen Sven Hüber, der heute in gehobener Position bei der Bundespolizei tätig ist, hatte gegen das Buch geklagt. Er hatte sich auf den Schutz seiner Anonymität berufen und argumentiert, es gebe kein öffentliches Interesse an der Nennung seines Namens.

Dem Kläger wird in dem Buch indirekt eine moralische Mitschuld am Tod von Chris Gueffroy vorgeworfen. Gueffroy ist das letzte Opfer, das durch Waffeneinsatz an der innerdeutschen Grenze ums Leben kam.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) veröffentlichte im Dezember 2006 einen Aufruf, in dem gegen ein Verbot des Buches protestiert wurde. Zu den 45 Unterzeichnern gehörten etliche Prominente, u. a. Wolfgang Thierse, Wolf Biermann, Erich Loest und Ralph Giordano, aber auch Wissenschaftler, Juristen und Polizeibeamte. Die Verbreitung dieses Protestschreibens wurde der IGFM kurz darauf gerichtlich untersagt; ebenso (am 19. Dezember durch das Landgericht Berlin) der Robert-Havemann-Gesellschaft, die den Aufruf übernommen hatte.[1]

Im März 2007 wurde das Urteil in der Berufung vom Kammergericht Berlin aufgehoben.[2][3] Der Bundesgerichtshof (BGH) lehnte im September 2007 eine Beschwerde Hübers gegen die Nichtzulassung der Revision ab. Hüber hat gegen diese Entscheidung eine Anhörungsrüge erhoben, über die noch nicht entschieden ist. Laut Süddeutscher Zeitung wird er in dem Rechtsstreit von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) finanziell unterstützt.[4]

[Bearbeiten] Werke

Bücher
  • Die Grenze durch Deutschland - eine Chronik von 1945 bis 1990. Berlin 2002, Siedler Verlag, ISBN 3-88680-744-4.
  • Deutsche Gerechtigkeit - Prozesse gegen DDR-Grenzschützen und ihre Befehlsgeber. München 2004, Siedler Verlag, ISBN 3-88680-819-X.
  • Die Wandzeitung. Das Vergehen des Thomas Jonscher. Eine Geschichte aus der DDR. Halle 2008, Zeitgeschichten e. V., ISBN 398081209X
Radio-Features
  • Zur Vermeidung weiterer Provokationen. Die kurze Lebensgeschichte des Michael Gartenschläger. SWR/SR 2003
  • Eine Stadt im Dreck. Zivildienst in Tijuana. SWR/SR 2004
Hörbuch
Filme
  • Mehr Licht. Das Lebenswerk des Franz Itting. Deutschland 2005 (Buch und Regie)
  • Eingeschlossen, abgeriegelt. Die Grenze durch Deutschland 1945-1990. Deutschland 2007 (Buch und Regie)
Vorträge

[Bearbeiten] Literatur

  • Regina Mönch: „Deutsche Gerechtigkeit. Die zweite Karriere des Politoffiziers“. In: FAZ, 5. Dezember 2006.
  • „Thierse protestiert gegen Buchverbot. SPD- und Unionspolitiker für Aufklärung der DDR-Diktatur“. In: Süddeutsche Zeitung, 8. Dezember 2006.
  • Joachim Güntner: „Exempel einer Wende“. In: NZZ, 9. Dezember 2006.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Quellen

  1. Tilmann Lahme: „Namenlose Mitverantwortung“. In: FAZ, 5. Januar 2007.
  2. „Namentliche Nennung eines früheren Offiziers der DDR-Grenztruppen zulässig“, Pressemitteilung des KG Berlin (Gesch.-Nr.: 9 U 88/06 und 10 U 49/06)
  3. Renate Oschlies: „Politoffizier der DDR darf enttarnt werden“. In: Berliner Zeitung, 20. März 2007.
  4. „Früherer Politoffizier unterliegt beim BGH.“ In: sueddeutsche.de, 24. Oktober 2007 (einen Tag später in der Süddeutschen Zeitung nachgedruckt)
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