Romanen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Romanen (lateinisch romanus, Pl. romani, urspr. ‚Römer‘) bezeichnete im frühen Mittelalter die Einwohner des ehemaligen Römischen Reiches, die Vulgärlatein beziehungsweise die Vorstufen der romanischen Sprachen sprachen, zur Unterscheidung von den im Zuge der Völkerwanderung in das Gebiet des westlichen römischen Reiches eingedrungenen, zumeist gentil organisierten Sprechern anderer Sprachen.

Infolge der getrennten politischen Entwicklung der einzelnen romanischsprachigen Regionen und der Herausbildung unterschiedlicher Schrift- und Standardvarietäten kam diese Bezeichnung jedoch schon im Verlauf des Mittelalters außer Gebrauch und wurde durch geographisch oder politisch determinierte Selbstbezeichnungen ersetzt. Lediglich bei den Bündner- oder Rätoromanen, Rumänen, Aromunen und Istrorumänen haben sich Selbstbezeichnungen erhalten, die auf romanus zurückgehen.[1] Obwohl sie keine romanische Sprache sprechen, bezeichnen sich bis heute jedoch auch viele Griechen noch als Romií (neugriechisch Ρωμιοί ‚Römer‘). Der Grund hierfür ist die Tradition der Griechen als Staatsvolk im Oströmischen Reich.

Die heutigen eigenständigen Staaten des ehemaligen Kerngebietes des Römischen ReichesFrankreich, Italien, Portugal, Spanien, Rumänien und Moldawien werden heute – aufgrund der dort gesprochenen romanischen Nationalsprachen – als romanische Länder bezeichnet. Die Bezeichnung für die jeweiligen Bürger dieser Länder entlehnt sich heute jedoch ausschließlich aus den gegenwärtigen politischen Namen der Staaten (Franzosen, Italiener etc. statt Romanen).

Die Selbstbezeichnung des Volkes der Roma stammt nicht aus dem Lateinischen, sondern vom Romani-Wort rom für ‚Ehemann‘. Da Romani jedoch nicht zum romanischen, sondern zum indoarischen Zweig der indogermanischen Sprachen gehört, sind die Roma nicht romanisch.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bodo Müller: Bezeichnungen für die Sprachen, Sprecher und Länder der Romania. In: Günter Holtus u.a. (Hrsg.): Lexikon der romanistischen Linguistik (LRL). Niemeyer, Tübingen 1996, Bd. 2,1. Latein und Romanisch. Historisch-vergleichende Grammatik der romanischen Sprachen. 1996, ISBN 3-484-50232-0, S. 134–151.
  • Carlo Tagliavini: Einführung in die romanische Philologie („Le origini delle lingue neolatine“). 2., verb. Aufl. Francke, Tübingen 1998, ISBN 3-8252-8137-X (UTB; 8137).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tagliavini: Einführung in die romanische Philologie. 2. Aufl., 1998, S. 119–124.