Romeo Castellucci

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Romeo Castellucci (* 1960 in Cesena) ist ein italienischer Regisseur.

Romeo Castellucci
Romeo Castellucci im Teatro Comunale von Bologna

Leben[Bearbeiten]

Romeo Castellucci studierte zunächst Landwirtschaft, wechselte dann aber an die Accademia di belle arti di Bologna (Universität der Schönen Künste Bologna), wo er das Studium in den Fächern Bühnenbild und Malerei abschloss. Seine Theaterarbeiten sind stark von der bildenden Kunst geprägt. Gemeinsam mit Claudia Castellucci and Chiara Guidi gründete er 1981 die Theatercompagnie Societas Raffaello Sanzio, deren künstlerische Leitung er seither innehat. Benannt hat sich die Compagnie nach Raffaello Sanzio, einem bedeutenden Maler und Baumeister der Hochrenaissance. Die Compagnie ist für radikales, bildgewaltiges Gegenwartstheater ("nuovo teatro") bekannt. Castellucci selbst sieht seine Wurzeln in der Antike und beruft sich auf die Poetik von Aristoteles. Castellucci hat eine bild- und klanggewaltige Bühnenästhetik entwickelt, die weitestgehend ohne Dialoge auskommt und suggestiv wirkt. Zuschauer werden mitunter mit einer intensiven und komplexen "Erfahrungswelten" und "eindrücklichen Bildern" konfrontiert, "die sich trotz ihres hartnäckigen Ins-Gedächtnis-Brennens radikal der Greifbarkeit entziehen"[1], so der Theaterwissenschaftler Denis Leifeld über die Inszenierung Hey Girl!, die 2007 in Avignon uraufgeführt wurde. In Deutschland gastierte die Societas Raffaello Sanzio wiederholt am Hebbel-Theater Berlin und bei der euro-scene Leipzig. 2005 leitete Castellucci die Theaterbiennale in Venedig. Er hat zahlreiche theatertheoretische Schriften veröffentlicht und mehrere Video- und Filmprojekte realisiert. 2008 war er gemeinsam mit Valérie Dréville artiste associé des Festivals von Avignon.

Sul concetto di volto nel figlio di Duo (Über das Konzept des Angesichts bei Gottes Sohn) sorgte 2012 im Berliner Hebbel am Ufer für einen Theaterskandal. Die Aufführung zeigte, wie ein alter Mann von seinem Sohn, versorgt wird. Der Alte ist inkontinent, beschmutzt sich und seine Wohnung, der einst Kleine sorgt für den Papa, der wieder zum Kind wird, dies vor einem überdimensionalen Christusbild von Antonello da Messina. Die Zuschauer in Berlin zeigten sich über den Fäkaliengeruch und „die Handlung zwar teils schockiert“,[2] akklamierten das Stück aber. Die Inszenierung hatte zuvor bereits in verschiedenen italienischen Städten zu heftigen Diskussionen und Protesten durch konservative katholische Gruppen geführt, zum Teil militant. Vorstellungen in Paris konnten nur unter Polizeischutz stattfinden. Der deutsche Kardinal Rainer Maria Woelki sprach von Blasphemie – ohne jedoch das Stück gesehen zu haben. Die Presse verteidigte die Aufführung: „Früher brauchte das Theater den Skandal. Hier wollen Kirchenleute ihn herbeireden. Um etwas zu schützen, das ihnen entglitten ist – die Seele und das Gefühl der Zeitgenossen.“[3] Die Produktion gastierte auch - im Rahmen der Wiener Festwochen - am Burgtheater, ebenfalls mit Protesten von Klerikalkonservativen.

Inszenierungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

  • 2002–2004 - zehnteiliger Filmzyklus Tragedia Endogonidia

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. * Denis Leifeld: Performances zur Sprache bringen. Zur Aufführungsanalyse von Performern in Theater und Kunst. transkript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-2805-0.
  2. Demenz, Kot und Handgranaten
  3. Rüdiger Schaper: Ein Mensch. Berliner Tagesspiegel, 7. März 2012
  4. Kritik auf teatro.org (it.) (abgerufen am 7. Oktober 2012)
  • Denis Leifeld: Performances zur Sprache bringen. Zur Aufführungsanalyse von Performern in Theater und Kunst. transkript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-2805-0, S. 220.

Weblinks[Bearbeiten]