Rominter Heide

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Storchennest in der Rominter Heide, 2006
Rominter Heide, 2009

Die Rominter Heide (russisch Krasny Les, polnisch Puszcza Romincka) ist ein Hügel-, Wald- und Heidegebiet im Südosten der Oblast Kaliningrad, Russland, sowie in der nordöstlichen Woiwodschaft Ermland-Masuren, Polen.

Name[Bearbeiten]

Der deutsche und der polnische Name leitet sich wie auch die Fluss- und Ortsbezeichnung Rominte und Rominten von der pruzzischen (altpreußischen) Silbe „rom“ ab, die etwa „still, ruhig, heilig“ bedeutet. Dies wird mit heidnischem Kult in Verbindung gebracht. Die russische Bezeichnung Krasnij Les bedeutet 'Roter Wald'.

Geografie[Bearbeiten]

Die mehr als 25.000 ha umfassende Rominter Heide wird vom Fluss Krasnaja (Rominte, auf Polnisch Błędzianka, Rominta) durchflossen.

Rominte in der Nähe der Bahnbrücke über die Rominte der Linie Tollmingkehmen Goldap Sept 2010
Rominte in der Nähe der Bahnbrücke über die Rominte der Linie Tollmingkehmen Goldap Sept 2010
Anzeige Bezirksgrenze mitten im Waldgebiet Rominter Heide Sept 2010

Am Westrand des russischen Teils des Gebietes befindet sich das Dorf Krasnolessje (früher (Groß-)Rominten, bzw. 1938 umbenannt in Hardteck), im Südteil, dicht an der polnischen Grenze, die Ortsstelle des ehemaligen Dorfes (Jagdhaus) Rominten (russisch: Радужное/Raduschnoje). - Im polnischen Teil befinden sich der Ort Żytkiejmy (Szittkehmen, 1938 umbenannt in Wehrkirchen) und die Kleinstadt Goldap. Im Süd-Westen grenzt der Goldaper See. Im Osten an der Grenze zu Litauen befindet sich der Wystiter See, westlich davon das Wystiter Hügelland.

Siehe auch: Große Wildnis

Jagd[Bearbeiten]

Jagdschloss Rominten, Hubertuskapelle, Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria auf einer Postkarte (um 1910)
Gedenkstein an die kaiserliche Jagd in der Rominter Heide Nähe Warnen Sept 2010

Traditionell war die Rominter Heide ein beliebtes Jagdgebiet der preußischen Landesherren. Über die Jahrhunderte galt das waidmännische Interesse der brandenburgisch-preußischen Hohenzollern dem hier besonders kapitalen Rotwild, bis ins achtzehnte Jahrhundert jedoch auch den noch zahlreichen Braunbären. Nach Freigabe der Jagd infolge der Deutschen Revolution von 1848/49 hatte sich der Rotwildbestand unter der Hege von Prinz Friedrich Karl Nikolaus von Preußen in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts wieder deutlich erholt. Mitten in der Rominter Heide, bei dem 1897 in „Kaiserlich Rominten“ umbenannten Dorf Theerbude, stand das von Kaiser Wilhelm II. im norwegischen Stil errichtete Jagdschloss mit benachbarter Kapelle. Diese war Hubertus von Lüttich, Nothelfer und Schutzheiligem der Jagd, geweiht. Im Gegensatz zur Gemeinde (Groß-)Rominten am Westrand der Heide war „Kaiserlich Rominten“ im Jahr 1911 lediglich ein Forstbezirk mit 390 Einwohnern.

Nach Abdankung des Kaisers wurde aus „Kaiserlich Rominten“ die Ortschaft „Jagdhaus Rominten“, in der auch die Oberförsterei Rominten gelegen war. Die übrigen drei für die Rominter Heide zuständigen preußischen Oberförstereien lagen nordwestlich in Warnen (russisch: Озерки/Oserki), nordöstlich in Nassawen (russisch: Лесистое/Lessistoje) und östlich in Szittkehmen (polnisch: Żytkiejmy). Nachdem aus dem kaiserlichen Hofjagdrevier in der Weimarer Republik ein preußisches Staatsjagdrevier geworden war, kam Ministerpräsident Otto Braun häufig zur Jagd.

Am 16. August 1919 wurde der in Jörkischken ansässige Hilfsförster Oskar Kahnert von Wilderern erschossen. 1920 wurden die der Tat überführten Brüder Wiechert verurteilt. Der den Schuss abgebende Otto Wiechert erhielt eine langjährige Zuchthausstrafe. Zur Erinnerung an das Ereignis wurde in der Rominter Heide ein Gedenkstein gesetzt.[1]

Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde die Rominter Heide von „Reichsjägermeister“ Hermann Göring in Beschlag genommen. Er ließ sich knapp zwei Kilometer nördlich des alten kaiserlichen Jagdschlosses als eigenes Domizil am Steilhang über der Rominte den „Reichsjägerhof Rominten“ erbauen. Auf den Internationalen Jagdausstellungen in Berlin 1937 und Düsseldorf 1954 fanden eigene Sonderschauen zur Rominter Heide statt, die jeweils von Walter Frevert (1897-1962), letztem Oberforstmeister der Rominter Heide, gestaltet wurden. Der Schwerpunkt beider Schauen lag auf Hege und Jagd des Rotwildes bzw. der Präsentation kapitaler Hirschgeweihe.

Dem Jagdgebiet Rominter Heide widmet das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg einen Teil seiner Sammlungen. Dort und im Deutschen Jagd- und Fischereimuseum in München hängen einige der kapitalen Romintener Hirschgeweihe. Künstlerische Darstellungen des Rotwildes aus Rominten stammen von den Jagdmalern Prof. Richard Friese (1854–1918) und Prof. Gerhard Löbenberg (1891-1967).

Heute gewinnt der Jagdtourismus in der zu 2/3 auf russischer und zu 1/3 auf polnischer Seite gelegenen Region wieder an Bedeutung.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rominter Heide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siegfried Borkowski, Tante Martchen auf Männerfang - Kriminalfälle aus Ostpreußen, Schlesien und Ostbrandenburg, dr. ziethen verlag Oschersleben 2010, ISBN 978-3-86289-008-8, S. 8 ff.

54.37153333333322.521305555556Koordinaten: 54° 22′ 18″ N, 22° 31′ 17″ O