Romowe

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Das Heiligtum von Rickoyot nach Simon Grunau soll nach einigen Interpretationen identisch mit Romowe sein.

Romowe war ein Kultmittelpunkt der baltischen Prußen. Er lag im Gebiet der Nadrauer, doch konnte der Ort bis jetzt nicht lokalisiert werden.

Beschreibung[Bearbeiten]

Romowe wird erstmals von Peter von Dusburg 1326 erwähnt. Er vermerkt, dass es sich um ein zentrales Heiligtum der Prußen handele. Der Ort sei nach Rom benannt und der oberste Priester, genannt Criwe, werde wie der Papst verehrt, denn ihm gehorchten nicht nur die Prußen, sondern auch die Litauer und Völker aus Livland.

Simon Grunau beschreibt eine heilige stets grüne Eiche im Ort Rickoyot, wo die drei Götter Patollo, Patrimpo und Perkuno verehrt worden seien. Dieses sei - so nach Grunaus wirrer Geschichtsspekulation - im Jahre 523 von Bruteno gestiftet worden, dem angeblich ersten Priester (Crywo Cyrwaito) bei den Prußen. Obschon Grunaus Beschreibung phantasievoll ausgeschmückt ist, wird darüber spekuliert, ob Rickoyot mit dem zentralen Heiligtum Romowe identisch sei.

Quellenkritik[Bearbeiten]

Während Peter von Dusburg als seriöse Quelle gilt, werden die Erläuterungen von Grunau stark kritisiert. So wird auf die Ähnlichkeit der Beschreibung des Heiligtums mit dem in Uppsala, wie es von Adam von Bremen in der Hamburger Kirchengeschichte beschrieben wird, verwiesen und aufgezeigt, dass er sich daran orientiert habe. Die Sage von den Brüdern Bruteno und Widowuto ist eine Schöpfung des 16. Jahrhunderts, die keinen historischen oder realen Hintergrund aufweist und auch keine heimische Sage tradiert.

Deutung[Bearbeiten]

Die Forschung verwirft die Angaben von Dusburg, dass die Prußen ein zentrales Kulturzentrum besessen haben. Es wird angenommen, dass die zufällige Namensähnlichkeit mit Rom zum übertriebenen Vergleich mit dem Papst geführt hätte. Vielmehr wird angenommen, dass es mehrere lokale Heiligtümer gegeben habe, und das Romowe eines davon gewesen seie.

Name[Bearbeiten]

Romowe vergleicht sich mit anderen baltischen Ortsnamen, die mit Ram- oder Rom- beginnen und zu altprußisch rāms »sittig«; litauisch ramus »still, ruhig« gestellt werden können.

Dazu gehört auch der heilige Berg Rambynas an der Memel, der gegenüber von Ragnit liegt und auf dem ein großer Opferstein gefunden wurde. Zudem ist in Litauen noch ein heiliges Dorf ("villa sacra") namens Romene bezeugt. Damit ist nicht gesagt, dass alle Orte mit diesem Wort als alte Heiligtümer betrachtet werden dürfen, wenn auch die Bedeutung »ruhig, still; sittig« passend ist.

Der bei Simon Grunau überlieferte Name Rickoyot wird mit altpreußisch rikis »Herr« in Verbindung gebracht.

Sonstiges[Bearbeiten]

Nach dem Namen der Kultstätte nennt sich eine neoheidnische, staatlich anerkannte und anderen Religionen gleichgestellte Glaubensgemeinschaft in Litauen Romuva.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Bertuleit: Das Religionswesen der alten Preussen mit litauisch-lettischen Parallelen; in: Sitzungsberichte der Altertumsgesellschaft Prussia, Heft 25, Königsberg 1924, S. 9–113.
  • Michael Brauer: Die Entdeckung des ‚Heidentums‘ in Preußen. Akademie Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-05-005078-2
  • Wilhelm Mannhardt: Letto-Preussische Götterlehre, Lettisch-Literärische Gesellschaft, Riga 1936

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Romowe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien