Ronald Searle

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Ronald Searle, CBE, eigentlich Ronald William Fordham Searle (* 3. März 1920 in Cambridge; † 30. Dezember 2011 in Draguignan, Frankreich) war ein britischer Zeichner und Karikaturist, der den Schwarzen Humor mit „liebenswertem Charme“[1] zu verbinden wusste. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Cartoons um die boshaften Zöglinge des Mädcheninternats St. Trinian's.[2] In der Fachwelt wird Searle zu den bedeutendsten zeitgenössischen Zeichnern gezählt.[3] Friedrich Dürrenmatt nannte ihn einen „Jonathan Swift an der Feder“.[4] Searle schätzte Katzen und Champagner, verabscheute dagegen Krieg und Machtpolitik.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn eines Bahnhofs-Gepäckträgers begann schon im Alter von fünf Jahren zu zeichnen. Seine ersten Karikaturen veröffentlichte er als 15-Jähriger in den Cambridge Daily News.[5] Nach der Schule und einer Zeit als Hilfsarbeiter besuchte er für zwei Jahre eine Kunstschule, bevor er 1939 eingezogen wurde. Ab Januar 1942 als britischer Soldat in Singapur stationiert, geriet Searle bald in japanische Kriegsgefangenschaft. Er wurde unter elenden Bedingungen beim Bau der Siam-Burma-Bahn (Death Railway) eingesetzt, die vielen von der Brücke am Kwai her bekannt ist. Nach vierjähriger Gefangenschaft und seiner Rückkehr ließ sich Searle in London als freischaffender Künstler nieder. Es gelang ihm auch, einige der Zeichnungen zu veröffentlichen, die er in Kriegsgefangenschaft angefertigt hatte. 1947 heiratete er seine erste Frau, die Journalistin Kaye Webb. Mit ihr wurde er Vater von Zwillingen. Ende der 1940er Jahre führten ihn Reisen durch Europa, Amerika und Nordafrika. Searle arbeitete inzwischen für renommierte Blätter wie News Chronicle, Punch, The New Yorker, Life, Holiday, The New York Times, Le Monde und Spiegel. Sein erstes Buch mit Cartoons aus St. Trinian's erschien 1948. Ab 1961 lebte Searle in Paris, wo er seine zweite Frau, Monica Koenig, heiratete, die ebenfalls Bildende Künstlerin war. Seit 1977 lebte er in Tourtour in Südfrankreich.

Der Künstler Searle befasste sich auch mit Malerei, Münzentwürfen und Trickfilmen. So stammen die Trickfilmsequenzen für den Spielfilm Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten aus seiner Feder. Searle starb 2011 hochgeehrt und hochbetagt; er war 91 Jahre alt geworden. Bereits ein Jahr zuvor hatte er seinen künstlerischen Vorlass an die Stiftung Niedersachsen verkauft, so dass sich mehr als 2000 Zeichnungen des Meisters im Hannoveraner Wilhelm-Busch-Museum als Dauerleihgabe befinden.[6] Später traf auch der Nachlass in Hannover ein.[7] Sämtliche aus der Kriegsgefangenschaft geretteten Zeichnungen schenkte Searle dem Londoner Imperial War Museum. Die komplette Serie der Bildergeschichte The Rake's Progress nach dem Vorbild von William Hogarth befindet sich in der Druck- und Zeichenabteilung des British Museum in London.

Zum Schaffen[Bearbeiten]

Mit seinen überaus erfolgreichen St. Trinian’s-Mädchen war Searle nicht nur glücklich. Er sah sich in eine viel zu enge Schublade gepresst. 1953 bewog ihn sein Groll sogar dazu, die Serie eigenhändig auf selten drastische Weise einzustellen, indem er für eine Atomexplosion im Physiksaal der von ihm erfundenen Schule sorgte.[4] Gleichwohl folgten etliche Verfilmungen. Während die Trinian's-Serie kaum 50 Blätter betrug, umfasst Searles Gesamtwerk „Zehntausende von Zeichnungen in allen Genres, die für illustreste Kundschaft“ entstanden, so Andreas Platthaus. Für ihn ist Searle „in seiner Themen- und Stilvielfalt mit Picasso vergleichbar“ – und „doch in jedem Bild erkennbar“.[3] Die Brockhaus Enzyklopädie spricht von einem eigenartigen Strich, der „skurril“ und „nervös“ zugleich wirke.[8] Zu Searles Vorbildern gehörte George Grosz.[5] Searles Arbeiten hatten ihrerseits großen Einfluss auf Kollegen. Laut Craig Brown versicherten u.a. Gerald Scarfe, Posy Simmonds und der Erfinder der Simpsons, Matt Groening, sie hätten Searle viel zu verdanken.[9] Dessen jüngerer Kollege Steve Bell hat ihn gar (2010) als den „größten lebenden Cartoonisten“ bezeichnet.[5] Platthaus zitiert den nun 90-jährigen, nach wie vor täglich zeichnenden ehemaligen Kriegsgefangenen mit den Worten:

„Die Voraussetzung aller Kunst ist eine gute technische Ausbildung. Wenn Sie die haben, sind Sie frei für alles, was Sie daraus machen. Und Freiheit, darauf kommt es an.“[3]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1965 Bremen
  • 1996 Hannover, Wilhelm-Busch-Museum
  • 1996 Saarlouis, Haus Ludwig für Kunstausstellungen
  • 1996–1997 München, Stadtmuseum
  • 2010 Ronald Searle zum 90. Geburtstag, Wilhelm-Busch-Museum, Hannover

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Henning Bock und Pierre Dehaye (Hrsg): Ronald Searle, Rowohlt Verlag 1978
  • Russell Davies: Ronald Searle: A Biography, 1990
  • Gisela Vetter-Liebenow (Hrsg.): Ronald Searle. Hirmer Verlag, München 1996, ISBN 3-7774-6970-X. Katalog der Ausstellungen in Hannover, Saarlouis und München

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. FAZ laut Diogenes-Verlag, abgerufen am 13. Juni 2012
  2. Diese Bildgeschichten wurden mehrmals verfilmt, zunächst 1954 von Frank Launder und Sidney Gilliat mit Alastair Sim in der Hauptrolle. 2007 erschien mit Die Girls von St. Trinian eine Neuverfilmung, die zu einem großen Publikumserfolg wurde.
  3. a b c Andreas Platthaus, FAZ 3. März 2010, abgerufen am 13. Juni 2012
  4. a b Spiegel online 3. Januar 2012, abgerufen am 13. Juni 2012
  5. a b c Steve Bell im Guardian, 9. März 2010, abgerufen am 13. Juni 2012
  6. Diese Entscheidung des Künstlers, seinen Nachlass vollständig in Hannover zu erhalten, löste in London Unverständnis aus. Siehe dazu Uwe Janssen: Das Ronald-Searle-Museum, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 27. Februar 2010, Seite 7
  7. Karikatur-Museum, abgerufen am 13. Juni 2012
  8. 19. Auflage, Band 20 von 1993, Seite 16
  9. mail online 8. Juni 2010, abgerufen am 13. Juni 2012

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ronald Searle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien