Rooming-in

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Rooming-in ist eine Praxis in Krankenhäusern und Pflegeheimen, bei der es Eltern ermöglicht wird, im selben Zimmer mit ihrem Kind aufgenommen zu werden und dadurch kontinuierlich bei ihm anwesend zu sein. Aufbauend vor allem auf den Erkenntnissen der Bindungstheorie, dient dies der Vorbeugung gegen psychischen Hospitalismus bei Kindern. Seit 1969, als in München erstmals die gemeinsame Unterbringung und Aufnahme von Mutter und Kind in der Bundesrepublik Deutschland angeboten wurde, ist dies inzwischen zur täglich geübten Praxis geworden. Zuvor gab es bereits in den 1950er Jahren in Mainz und Würzburg das Angebot einer zeitweiligen Unterbringung des Neugeborenen im Zimmer der Wöchnerin. [1] Doch schon in den 1920er Jahren hatte es im Deutschen Reich Frauenkliniken mit Rooming-in gegeben, was die nationalsozialistische Familienpolitik wieder rückgängig machte.[2]

Rooming-in erlaubt den Müttern und Vätern oder anderen Bezugspersonen, mit einem kranken Kind im Krankenhaus oder auf der Säuglingsstation zu leben und dort auch zu übernachten. Damit wird Deprivations-Erscheinungen und dem psychischen Hospitalismus vorgebeugt.[3]

Auch auf Entbindungsstationen setzt sich Rooming-in immer mehr durch und wurde bereits 1984 in 80 Prozent aller Krankenhäuser in Deutschland angeboten.[4] So wird dem Wunsch der Eltern besser entsprochen und zugleich die Bindung zwischen Eltern und Kind sowie das Stillen gefördert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Umgang mit Empfindungen von Kindern im Krankenhaus - Ein Modell zur Erfassung kindlicher Bedürfnisse, Alexander Weber, Grin-Verlag, September 2007, Seite 32, ISBN 3638743047
  2. Sabine Bode: Die vergessene Generation. Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen, München: Piper, 4. erw. Aufl. 2011, S. 151.
  3. Risikofaktoren und Verlauf postpartaler psychiatrischer Erkrankungen, Inaugural-Dissertation von Stefanie Gestrich, 2005 an der Charité in Berlin, Seite 46 ff.: http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000006463/04_gestrich.pdf
  4. Aktuell. Das Lexikon der Gegenwart, Chronik Verlag, Dortmund 1984, Seite 546, ISBN 3883790303

Weblinks[Bearbeiten]