Rosa Bonheur

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Rosa Bonheur mit einem Stier, von Édouard Louis Dubufe

Rosa Bonheur (* 16. März 1822 in Bordeaux; † 25. Mai 1899 in Thomery) war eine französische Tiermalerin.

Leben[Bearbeiten]

Rosa Bonheur zählt zu den bedeutendsten Tiermalern überhaupt. Sie stammte aus einer Künstlerfamilie, erhielt ihren ersten und einzigen Unterricht bei ihrem Vater und spezialisierte sich frühzeitig auf eine kleine Gattung: die Tiermalerei. Im Unterschied zu vielen ihrer Kolleginnen und entgegen gesellschaftlicher Rollenfestlegung begriff sie jedoch das Malen von vorneherein als Beruf, nicht als Zeitvertreib, und bestimmte ihre Rolle, dem männlichen Modell folgend, von ihrer beruflichen Tätigkeit ausgehend.

Zu diesem Selbstverständnis haben die Auffassungen ihres Vaters beigetragen. Der Zeichenmeister und Landschaftsmaler Raymond Bonheur war Anhänger der frühsozialistischen saint-simonistischen Bewegung, zu deren Doktrinen die Überzeugung gehörte, dass Mann und Frau die gleichen Fähigkeiten und deshalb die gleichen Rechte hätten, und die erklärte, dass der gesellschaftliche Fortschritt entscheidend von der Emanzipation der Frau abhinge.

Neben ihrer Erziehung haben zum Selbstverständnis der Malerin ihre künstlerischen Erfolge und ihre Homosexualität beigetragen. Als lesbische Frau, die mit ihrer Geliebten zusammen lebte, besaß sie nicht nur Distanz, sondern eine Alternative zum traditionellen Rollenmodell.

Der Pferdemarkt, 1835 oder 1855, Öl auf Leinwand, 244 x  506 cm, Metropolitan Museum, New York

Bonheur erregte zuerst 1841 mit zwei kleinen Tierstücken in ihrer Vaterstadt Aufsehen. Ihr Ruf stieg durch das Bild Die Rinderherde, welches im Pariser Salon von 1848 ausgestellt wurde. Bedeutender war das Bild des folgenden Jahres: Die pflügenden Ochsen (jetzt im Musée d'Orsay, Paris). Der Pferdemarkt war 1853 das Hauptbild des Salons (New York, The Metropolitan Museum of Art).[1] Die Heuernte (im Luxembourg) 1855 nähert sich mehr der Landschaft, welche sie später auf ihren Bildern stärker hervortreten ließ.

Rosa Bonheurs Atelier in Château de By, Thomery, ist ein Museum, das zeigt, wo sie während der letzten 40 Jahre ihres Lebens arbeitete[2].

Das Pferdebild, das ihren Weltruhm begründet hatte, erwarb der nordamerikanische Eisenbahnkönig Cornelius Vanderbilt und schenkte es dem Metropolitan Museum of Art in New York City.

Ihre Meisterschaft zeigt sich am besten in der einzelnen Tierfigur, und diese Seite ihrer Kunst hat sie durch tüchtiges Studium zu hoher Vollkommenheit durchgebildet. Dass der Nachdruck hier auf dem Realistischen der Erscheinung, der ungeschminkten und von jeder Idealisierung fernen Naturwahrheit ruht, muss besonders betont werden. Die Künstlerin bevorzugt stets die schweren bäuerlichen Rassen. Ihre Bilder sind besonders in England geschätzt. In ihrem letzten Lebensjahr freundete sie sich mit der amerikanischen Malerin Anna Elizabeth Klumpke an, die sie mehrfach porträtierte.[3] Sie starb mit 77 Jahren und wurde in Paris beigesetzt. In ihrem Testament hatte sie Klumpke zu ihrer Erbin und Nachlassverwalterin bestimmt. Diese übergab 1933 dem französischen Staat zahlreiche Werke von Rosa Bonheur, die heute im Musée de l’Atelier de Rosa Bonheur auf Château de By zu sehen sind.

Ihr Bruder Auguste Bonheur (1824–84) war Landschaftsmaler. Seine wenigen Tierstücke wirken im Gegensatz zu Werken seiner Schwester eher „glatt“ und „charakterlos“.

Werke[Bearbeiten]

Achtung: Der Aufenthaltsort der Gemälde oder Sammlungen bezieht sich auf das Jahr 1889. Diese können sich heute woanders befinden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dore Ashton: Rosa Bonheur: a life and a legend. New York, Viking Pr., 1981. ISBN 0-670-60813-0
  • Rosa Bonheur, selected works from American collections. Dallas, Texas, The Meadows Museum, 1989. ISBN 0-935937-05-6
  • Rosalia Shriver: Rosa Bonheur (with a checklist of works in American collections). Philadelphia, Art Alliance Pr., 1982. ISBN 0-87982-037-3
  • Eduard Schmidt-Weissenfels: Rosa Bonheur. In: Biographische Skizzen und Charakternovellen. 2. Bd. Janke, Berlin 1862, S. 196 ff. (Digitalisat)
  • Redaktionskollegium des Kaiser Verlages Klagenfurt: Große Frauen der Weltgeschichte, Klagenfurt 1987, S. 74ff.
  • Gabriel P. Weisberg: Rosa Bonheur – all nature’s children. Ausstellungskatalog, Univ. Washington Press, 1998, ISBN 0965479315
  • Anna Klumke: Rosa Bonheur: The Artist's (Auto)Biography. Univ. Michigan Press, ISBN 0472088424

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rosa Bonheur – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Horse Fair, Albright Knox Gallery, Skizze zur Londoner Version; die Skizze der New Yorker Version ist im Ludwig-Nissen-Haus, siehe: C. Steckner, in: Bilder aus der Neuen und Alten Welt. Die Sammlung des Diamantenhändlers Ludwig Nissen, 1993, S. 142, www.spaeth.net.
  2. systhome.free.fr.
  3. Kathleen Adler: Americans in Paris, 1860–1900, National Gallery, London 2006, S. 248.
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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