Rosa Winkel

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Dieser Artikel behandelt den ursprünglichen Stoffwinkel, ein Haftmerkmal in Konzentrationslagern, zum danach benannten Verlag siehe Verlag Rosa Winkel, für das Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln, siehe dort.
Rosa Winkel

Der Rosa Winkel war eine Kennzeichnung von Häftlingsgruppen in Konzentrationslagern, die während der Zeit des Nationalsozialismus benutzt wurde, um männliche Häftlinge zu identifizieren, die von der Gestapo wegen ihrer Homosexualität dorthin verschleppt worden waren (siehe Homosexuelle während der Zeit des Nationalsozialismus). Jeder KZ-Häftling musste eines der Abzeichen in den Konzentrationslagern an seiner Jacke tragen, dessen Farbe ihn einer verfolgten Gruppe zuordnete.

Schwule als eher verstreute Opfergruppe[Bearbeiten]

Gedenktafel am U-Bahnhof Nollendorfplatz in Berlin

Nicht alle Häftlinge mit einem Rosa Winkel verstanden sich selbst als schwul, manchmal waren sie verheiratet und hatten nur wenige Male Sex mit einem Mann. Zudem kam nicht jeder, der nach Paragraph 175 verurteilt wurde, später auch in ein Konzentrationslager, die meisten erhielten eine Gefängnisstrafe.

Die Häftlinge mit dem Rosa Winkel[Bearbeiten]

Die Schätzungen hinsichtlich der Zahl der schwulen Männer, die während der Zeit des Nationalsozialismus in Konzentrationslagern ihr Leben lassen mussten, variieren erheblich. Die wohl verlässlichsten Zahlen stammen bis heute von Rüdiger Lautmann, der eine Zahl von 10.000 bis 15.000 in Konzentrationslager verschleppte homosexuelle Männer schätzte, von denen etwa 53 % ums Leben kamen. Der Grund für z.T. erheblich darüber hinausgehende Schätzungen liegt u. a. darin, dass nicht ermittelbar ist, wie viele aus anderen Gründen ermordete Menschen homosexuell waren: Juden, Sinti und Roma usw.

Die Häftlinge mit dem Rosa Winkel sind nie von der deutschen Regierung entschädigt worden. Wenn sie nicht aufhörten, Sex mit anderen Männern zu haben, konnten sie immer wieder eingesperrt werden, wie etwa Heinz Dörmer, der insgesamt 20 Jahre Häftling war – sowohl in einem Konzentrationslager des „Dritten Reichs“ als auch in bundesdeutschen Gefängnissen. Die Nazi-Verschärfung des Paragraphen 175, die homosexuelle Handlungen von einem Vergehen zu einem Verbrechen machte, blieb auch nach dem Krieg für weitere 19 Jahre mit kleinen Modifikationen in der DDR und 20 Jahre in der Bundesrepublik Deutschland gültig.

Der letzte bekannte Häftling, der den Rosa Winkel trug, Rudolf Brazda, ist am 3. August 2011 gestorben. Kurz zuvor war seine Biographie unter dem Titel Das Glück kam immer zu mir im Campus Verlag erschienen. Erst in jüngster Zeit hat man angefangen, die Menschen nach ihren Geschichten zu fragen. Vor einigen Jahren sicherte der US-amerikanische Film Paragraph 175 einige ihrer mündlichen Zeugnisse.

Der Rosa Winkel als ein Symbol der Schwulenbewegung[Bearbeiten]

Der Rosa Winkel ist zu einem der internationalen Symbole der Schwulenbewegung geworden. Dies ging vor allem von Europa aus und hier vor allem ab etwa Mitte der 1970er Jahre. Der 1975 gegründete Verlag Rosa Winkel, der erste Verlag für Homosexuelle im deutschsprachigen Raum, hat sich den Namen nach diesem Symbol gegeben. Ebenso leitete schon vorher Rosa von Praunheim seinen Künstlernamen davon ab.

In den USA wurde er stark bekannt als Zeichen der HIV/AIDS-Aktivismusgruppe Act Up mit ihrem Spruch „Silence = Death“. Dort war er auf dem Kopf gestellt als Hinweis auf eine positive Zukunft, einen zukünftig besseren Umgang mit AIDS. Die 1978 in den USA entworfene Regenbogenfahne wurde in Europa vor allem ab den 1990er Jahren verwendet und hat inzwischen den Rosa Winkel in der Beliebtheit als Bewegungs-Symbol überholt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rosa Winkel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien