Rosazea

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Klassifikation nach ICD-10
L71.- Rosazea
L71.0 Periorale Dermatitis
L71.1 Rhinophym
L71.8 Sonstige Rosazea
L71.9 Rosazea, nicht näher bezeichnet
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Rosazea/Rosacea („Kupferrose“), veraltete Bezeichnung Acne rosacea (lat. für Kupferfinnen oder Rotfinnen), ist eine Erkrankung, die meist im Alter zwischen 30 und 40 Jahren beginnt und sich meist zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr deutlich verstärkt. Sie kann Ähnlichkeiten zur Akne zeigen, aber die zugrundeliegenden Erkrankungen sind verschieden. Die Rosazea äußert sich durch fleckförmige, teils schuppende Rötungen, aber auch Schwellungen der Gesichtshaut sowie durch entzündliche Papeln und Pusteln. Später können insbesondere bei Männern auch knollenartige Wucherungen der Nase entstehen, die Rhinophym (griechisch ῥίς, ῥινός „Nase“ und φῦμα „Geschwür, Gewächs“) oder Knollennase, Pfundsnase, Blumenkohlnase und Kartoffelnase genannt werden.

Rosazea[1]
Ein Rhinophym[1]
Rosazea

Auslöser[Bearbeiten]

Die Ursache der Rosazea ist bislang weitgehend unklar, doch sind vermutlich verschiedene Faktoren daran beteiligt. Diskutiert werden neben der Regulationsstörung der Gefäßversorgung des Gesichts, eine neurogene Entzündung, eine Störung des Immunsystems, eine Beteiligung von Haarbalgmilben und Bakterien (wie z. B. Staphylococcus aureus). Die neurogene Entzündung ist eine Reaktion des zentralen Nervensystems auf Stress. Die Krankheit tritt selten vor dem 30. Lebensjahr, meistens erst ab dem 40. Lebensjahr auf. Frauen wie Männer sind gleichermaßen betroffen (eventuell mit leichtem Überhang bei Frauen). Kaffee-, Tee- oder Alkoholgenuss können ebenso wie scharfe Gewürze und Sonnenbäder eine Verschlechterung bewirken.

Symptome[Bearbeiten]

Rhinophym in der Kunstgeschichte
Gemälde von Domenico Ghirlandaio (1488). Es wurde nach dem Tode des Großvaters gemalt; so wird erklärt, dass die Nase nicht gerötet ist.

Schweregrad I[Bearbeiten]

Rosazea beginnt meist unscheinbar mit Rötungen der Haut, insbesondere bei Hitze, Kälte und emotionalen Stress-Situationen. Die feinen oberflächennahen Blutgefäße sind deutlich erweitert, die Haut wirkt sonnenbrandartig gerötet. Diese erste Form der Erkrankung bezeichnet man als Couperose oder erythematös-teleangiektatische Form. Kleine Papeln können vorkommen. Darüber hinaus klagen viele Patienten über eine allgemeine Reizung – wie Brennen, Stechen, Juckreiz – oder Trockenheit der Haut.

Schweregrad II[Bearbeiten]

Im zweiten Stadium, der papulopustulösen Form der Rosazea, treten Pusteln, Knötchen sowie Schwellungen auf, die sich entzünden, eitrig degenerieren und über Wochen bestehen können. Die Haut ist geschwollen, gerötet und großporig. Der Verlauf der Erkrankung ist phasisch und kann sich über Jahre hinziehen. Die Ähnlichkeit mit Akne führt manchmal zu Fehldiagnosen, doch die akneartigen eitrigen Pusteln und Quaddeln gehen bei der Rosazea nicht vom Haarfollikel aus.

Schweregrad III[Bearbeiten]

Unter der glandulär-hyperplastischen Rosazea leiden vor allem Männer. Durch Wucherung von Bindegewebe und Talgdrüsen entstehen knotige Verdickungen: „Knollen“ oder sog. Phymen. Die Sonderform des Rhinophyms, die Knollennase, ist wohl die bekannteste Form. Sind auch die Augen betroffen, spricht man von der okulären Form oder Ophthalmo-Rosazea: Veränderungen an den Augen wie Bindehaut- und Lidrandentzündungen, Trockenheit der Augen und im ungünstigsten Fall Hornhautentzündung.

Therapie[Bearbeiten]

Meidung der Auslösefaktoren (s.o.)[Bearbeiten]

Rosazea-Haut reagiert äußerst empfindlich auf chemische und physikalische Reize, sodass alle irritierenden Produkte, die Seifen, Alkohole, Menthol, Kampfer, Peelings, usw. enthalten, ebenso gemieden werden sollten wie Reibung und Sonneneinstrahlung. Persönliche und individuell variierende Auslöser oder „Trigger“-Faktoren, die zu plötzlich auftretenden Rötungen des Gesichts oder generell zur Gefäßerweiterung führen (wie Alkohol, scharf gewürzte Speisen, heiße Getränke, Saunabesuche, etc.), sollten Betroffene ebenso meiden.

Kosmetische Pflege[Bearbeiten]

Eine angepasste Pflege, die die Haut beruhigt und Entzündungen hemmt, beugt Reizungen und Rötungen vor. Grundlage der täglichen Behandlung zuhause ist die Reinigung der Haut mit milden Mitteln. Beim Abtrocknen sollte das Rubbeln des Gesichts vermieden werden. Gute Erfolge erzielt man mit Gesichtsmassagen. Dabei wird das Gesicht morgens und abends mit leichten, kreisförmigen Bewegungen mit Hilfe eines Gleitmittels massiert. Cremes sollten frei von Duft- und Konservierungsstoffen und nicht zu fetthaltig sein. Präparate mit Thermalwasser sowie Pflegeprodukte auf Gelbasis beruhigen und mindern das Hitzegefühl. Für die Tagescreme ist ein UV-Schutz sinnvoll, bei Aufenthalt in der Sonne obligatorisch (am besten LSF 50). Das Auftragen eines leichten, passenden Make-Ups oder abdeckender Foundation (in Grünton) verschlechtert die Rosazea nicht, hat aber einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten.

Medikamente[Bearbeiten]

Topische Therapie[Bearbeiten]

Für die ersten beiden Schweregrade der Rosazea reicht meist eine äußerliche Behandlung aus. In Deutschland sind für die topische Therapie Nitroimidazol (0,75 % Metronidazol in unterschiedlichen Grundlagen) und Azelainsäure (15-prozentig) zur Rosazea-Behandlung zugelassen. Antibiotika wie Metronidazol, aber auch Erythromycin, Clindamycin und Tetracylin wirken unterschiedlich effektiv, wobei der Wirkmechanismus in diesen subtherapeutischen Dosierungen nicht wirklich geklärt ist. Es wird vermutet, dass eine „allgemein anti-entzündliche Wirkkomponente“ beim Metronidazol für die Rosazea wirksam ist. Die Mediziner sehen keine Gefahr der Resistenzbildung bei subtherapeutischen Antibiotika-Behandlungen, da kein Selektionsdruck ausgeübt würde[2], während eine antibiotische Unterdosierung aus mikrobiologischer Sicht bakterielle Antibiotikaresistenzen fördert bzw. (multi-) resistente Keime anreichert (untersucht vor allem in der Tiermast, sodass subtherapeutische Mengen von Antibiotika, die als Wachstumsförderer eingesetzt wurden, inzwischen EU-weit verboten sind).

Systemische Therapie[Bearbeiten]

Die orale Gabe von Antibiotika sollte den schweren Formen der Rosazea vorbehalten sein. Seit Jahrzehnten werden zur Behandlung erfolgreich Tetracycline eingesetzt, auch neuere Derivate wie Doxycyclin und Minocyclin sind effektiv. Allerdings müssen Nebenwirkungen (wie Lichtempfindlichkeit, Verfärbung von Haut oder Schleimhäuten) und Gegenanzeigen (Schwangerschaft) beachtet werden. Alternativ werden Makrolide (Erythromycin, Clarithromycin, Azithromycin), Metronidazol und auch weitere Antibiotika eingesetzt. Antibiotika haben immer Nebenwirkungen – auch auf die wichtige bakterielle Mikroflora – und sollten stets nach den aktuellsten Grundlagen der rationalen Antibiotikatherapie eingesetzt werden. Ein weiterer hochwirksamer Wirkstoff ist Isotretinoin, ein Vitamin-A-Säure-Derivat und natürliches Insektengift, das gegen die Haarbalgmilben wirkt, aber viele Nebenwirkungen hat. Es kann insbesondere Reizungen der Haut, Schleimhaut und Bindehaut, Kopfschmerzen sowie Leberfunktionsstörungen, möglicherweise auch Depressionen verursachen. Bei Frauen darf es wegen seiner embryotoxischen Wirkung nur bei absolut sicherem Ausschluss einer Schwangerschaft verwendet werden.

Im August 2013 erhielt das Dermatologie-Unternehmen Galderma von der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA die Zulassung für ein Medikament namens Brimonidin, einen α2-Adrenozeptor Agonisten.[3] Für die EU erfolgte im Dezember 2013 vom Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) die positive opinion, also eine Art Zulassungsempfehlung.[4] Im Februar 2014 wurde Brimonidin – als erstes und einziges Medikament zur Behandlung der Röte bei Rosazea – auch für die 28 Länder der EU zugelassen.[5]

Kortisonhaltige Medikamente dürfen nicht verwendet werden, da sie die Symptome verstärken.

Alternative Therapieformen[Bearbeiten]

Erste Laboruntersuchungen zeigten, dass Lidocain ein erfolgversprechender Wirkstoff bei einer Beteiligung von Staphylokokken an der Rosazea sein könnte, da es spezifisch die durch das Staphylokokken-Toxin ausgelöste Entzündung hemmen kann.[6] Ebenfalls speziell gegen Staphylococcus aureus richten sich Produkte zur äußeren Anwendung, die das aus Bakteriophagen gewonnene Endolysin Staphefekt enthalten. [7] Dieses Enzym zerstört spezifisch die Zellhüllen von S. aureus und bringt die Bakterien dadurch zum Platzen. Weiterhin hat sich die Anwendung von Heilerde in Form von Gesichts-Masken als wirkungsvoll herausgestellt. Diese wirkt antibakteriell und entzündungshemmend.

Operative Entfernung[Bearbeiten]

Eine dauerhafte Beseitigung der Äderchen ist durch Laserbehandlung möglich, bei der die erweiterten Blutgefäße verschlossen und damit unsichtbar werden. Das Rhinophym (Knollennase) kann durch chirurgische Abtragung, z. B. durch Abschleifen oder mit dem CO2-Laser, behandelt werden.

Augenvorsorge[Bearbeiten]

Die Rosazea kann auf das Auge übergreifen und zu dauerhaften Augenschäden (Hornhauttrübung) führen. Deshalb ist eine regelmäßige augenärztliche Kontrolle notwendig.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Rosazea – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b M. Sand, D. Sand, C. Thrandorf, V. Paech, P. Altmeyer, F. G. Bechara: Cutaneous lesions of the nose. In: Head & face medicine Band 6, 2010, S. 7, ISSN 1746-160X. doi:10.1186/1746-160X-6-7. PMID 20525327. PMC 290354 (freier Volltext). (Review).
  2. http://www.aerzteblatt.de/archiv/66461/Rosazeatherapie-Mit-Doxycyclin-gegen-Inflammation
  3. Galderma: Galderma Press Release: Galderma Receives FDA Approval of Mirvaso. 26. August 2013. Abgerufen am 4. März 2014.
  4. Mirvaso - Meeting highlights from the Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) 16–19 December 2013, von der WebSite der europäischen Gesundheitsbehörde (EMA), abgerufen am 4. März 2014
  5. Galderma: Galderma Press Release: Mirvaso® (Brimonidine) the first and only Treatment targeting the Facial Redness of Rosacea approved by the European Commission. 26. Februar 2014. Abgerufen am 4. März 2014.
  6. Jiao, Qingqing et al.: Lidocaine inhibits staphylococcal enterotoxin-stimulated activation of peripheral blood mononuclear cells from patients with atopic dermatitis. Archives of dermatological research (2013): 1–8.
  7. Produkte mit Staphefekt sind derzeit nur von der Firma Micreos Human Health verfügbar und besitzen bisher keine Arzneimittelzulassung.
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