Rosemaries Baby

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Filmdaten
Deutscher Titel Rosemaries Baby
Originaltitel Rosemary’s Baby
Rosemarie's Baby Logo.png
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1968
Länge 131 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Roman Polański
Drehbuch Roman Polański
Produktion William Castle
Musik Christopher Komeda
Kamera William Fraker
Schnitt Sam O’Steen,
Bob Wyman
Besetzung
Synchronisation

Rosemaries Baby ist ein US-amerikanischer Horrorfilm des Regisseurs Roman Polański aus dem Jahr 1968. Die Romanvorlage stammt von dem Bestseller-Autor Ira Levin.

Handlung[Bearbeiten]

Das junge, kinderlose Ehepaar Rosemarie und Guy Woodhouse besichtigt eine geräumige Mietwohnung im Bramford House in New York, welches in der Vergangenheit offenbar Schauplatz einiger mysteriöser Ereignisse gewesen ist. Trotz einiger merkwürdiger Umstände – Rosemarie entdeckt einen handgeschriebenen Zettel der kurz zuvor verstorbenen Vormieterin, auf dem steht: „Ich halte es nicht mehr aus in meiner Haut“ – ist vor allem Rosemarie begeistert von der schönen Wohnung. Schon bald ziehen die beiden ein.

In der Waschküche lernt Rosemarie die junge Terry kennen, die sich kurz darauf durch einen Sprung aus dem Fenster das Leben nimmt. Als Guy und Rosemarie zum Ort des Geschehens kommen, treffen sie auf das benachbarte ältere Ehepaar Minnie und Roman Castevet. Die früher drogensüchtige Terry war von den Castevets aufgenommen worden und hatte bei ihnen gelebt.

Rosemarie werden die aufdringlichen und neugierigen Nachbarn schon bald lästig, durch ihre übertriebene Freundlichkeit erregen sie ihr Misstrauen. Guy dagegen kann nichts Auffälliges an Minnie und Roman feststellen. Er freundet sich mit dem Ehepaar an und verbringt zunehmend mehr Zeit bei ihnen.

Guy ist ein erfolgloser Schauspieler, der sich gerade um eine bedeutende Rolle in einem Stück beworben hat. Tatsächlich bekommt er sie, weil der Schauspieler Donald Baumgart, der für die Rolle ausgewählt worden war, über Nacht erblindet ist.

Als Rosemarie nach dem Verzehr einer Mousse au Chocolat, die Minnie zubereitet hat, das Bewusstsein verliert, träumt sie, dass der Teufel sie vor den Augen von Guy, Minnie und Roman sowie weiteren Personen vergewaltigt. Als sie wieder bei Sinnen ist, erzählt Guy, dass er mit ihr geschlafen habe, während sie bewusstlos war. Die beiden hatten ausgerechnet, dass sie an diesem Tag ihren Eisprung haben würde und er habe „die Nacht nicht verpassen“ wollen. Rosemarie wird schwanger.

Minnie drängt Rosemarie, anstelle ihres bisherigen Arztes Dr. Hill einen mit den Castevets befreundeten renommierten Gynäkologen, Dr. Sapirstein, aufzusuchen. Dieser verbietet Rosemarie, die bei einer Schwangerschaft üblichen Medikamente einzunehmen. Er besteht darauf, dass sie einen von Minnie nach seinen Anweisungen zubereiteten Kräutertrank zu sich nehme. Rosemarie leidet zu Beginn der Schwangerschaft unter unerklärlichen Unterleibsschmerzen und einer plötzlich erwachenden Vorliebe für rohe Hühnerleber und blutige Steaks, die sie einerseits gierig verschlingt und andererseits abstoßend und Ekel erregend findet. Als Rosemarie eine Party für langjährige Freunde gibt, sind die Gäste entsetzt über ihren Zustand.

Hutch, ein guter alter Freund, der ebenfalls großes Misstrauen gegen die Castevets hegt, fällt urplötzlich in ein unerklärliches Koma und stirbt kurz darauf. Er hinterlässt ihr ein Buch über Hexerei, in dem sie unter anderem erfährt, dass Satanisten durch Gegenstände aus dem Besitz ihrer Opfer in der Lage seien, diesen Schaden zuzufügen – Guy und Baumgart hatten bei einem Treffen ihre Krawatten getauscht, und Hutch war bei einem Besuch bei Guy und Rosemarie ein Handschuh abhandengekommen. In dem Buch sind auch die mysteriösen Vorfälle, die sich in der Vergangenheit im Bramford-Haus zugetragen haben, beschrieben. Durch das Vertauschen der Buchstaben bei dem Spiel Scrabble entdeckt Rosemarie, dass der Name Roman Castevet ein Anagramm von Steven Marcato, dem Sohn des bekannten Satanisten Adrian Marcato, darstellt. Die Marcatos lebten früher ebenfalls im Bramford House. Durch das Buch erfährt Rosemarie schließlich, dass Castevet tatsächlich Adrian Marcatos Sohn ist. Sie ist nun überzeugt, dass die Castevets ihr ungeborenes Kind dem Teufel verschrieben haben.

Auch Sapirstein gerät nun in Verdacht, den Satanisten anzugehören. Deshalb sucht Rosemarie Hilfe bei Dr Hill. Doch dieser informiert seinen Kollegen Sapirstein, der sie zusammen mit Guy in der Praxis abholt und nach Hause bringt. Sie flüchtet in den Aufzug und schließt sich in ihrer Wohnung ein. Durch eine geheime Verbindungstür, die zu den Castevets führt, betreten Guy und Sapirstein die Wohnung und verabreichen Rosemarie ein starkes Beruhigungsmittel. Noch während sie betäubt ist, wird das Kind geboren.

Als Rosemarie ihr Baby sehen will, teilt man ihr mit, es sei bei der Geburt gestorben. Später hört sie jedoch das Kind in der Wohnung der Castevets schreien. Sie schleicht sich zu den Nachbarn, wo sie eine Versammlung von Satanisten – unter ihnen auch Guy und Sapirstein – antrifft, die aus der ganzen Welt angereist sind, um dem Kind zu huldigen. Jetzt bestätigt sich für Rosemarie, dass ihr Baby, das in einer mit schwarzen Tüchern ausgeschlagenen Wiege liegt, über der ein umgedrehtes Kreuz hängt, tatsächlich vom Teufel gezeugt wurde. Roman erklärt, das Kind habe „die Augen seines Vaters“. Das Kind erhält im Gedenken an Steven Marcatos Vater den Namen Adrian.

Das Entsetzen über die wahre Herkunft des Babys ist nicht von langer Dauer. Als Roman ihr vorschlägt, sie solle doch ihre Mutterrolle annehmen, blickt Rosemarie liebevoll in die Wiege – und ihre Gefühle für den „Sohn des Teufels“ scheinen zu erwachen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Großteil des Filmes spielt im Dakota Building (im Film „Bramford House“) in New York City.

Mia Farrow gelang mit diesem Film der Durchbruch als Schauspielerin. Die Meinung der Kritiker und des Publikums war und ist gespalten. Der Horrorfilm stieß vor allem in amerikanischen Kirchenkreisen auf massive Kritik und wurde vom National Catholic Office for Motion Pictures (NCOMP) wegen „Perversion fundamentaler christlicher Glaubensvorstellungen“ und „Verhöhnung religiöser Persönlichkeiten und Gebräuche“ mit dem Prädikat C für „Condemned“ („Missbilligt“) belegt. Dennoch wurde er ein Kassenmagnet.

Mit Rosemaries Baby gelang dem polnischen Regisseur nach Tanz der Vampire (1967) ein weiterer Klassiker, der als der erste einer Reihe von psychedelischen Horrorfilmen gilt wie Der Exorzist, Das Omen oder Carrie, die ab den späten 1960er und vor allem in den 1970er Jahren große Erfolge feierten. Der Film wurde mit einem Budget von 2,3 Mio. US-Dollar hergestellt und spielte 30 Mio. US-Dollar an den Kinokassen ein. Die Dreharbeiten fanden zwischen dem 21. August und dem 6. Dezember 1967 größtenteils in den Paramount Studios in Los Angeles statt, in denen die Innenräume der beiden Wohnungen, sowie die Flure des Dakota Buildings aufgebaut waren. Wenige Außenaufnahmen entstanden vor dem Dakota Building in New York City, Central Park West. Im selben Gebäude lebte in den 1970er Jahren Yoko Ono mit John Lennon, der 1980 vor den Eingangstüren des Hauses ermordet wurde.

Kritiken[Bearbeiten]

„Ein geniales Meisterwerk der Spannung und des Grauens.“

Newsday

„Ira Levins gleichnamiges Buch besitzt ein Maximum an Phantasie, Polanskis streng danach gedrehter Schocker ein Höchstmaß an filmkünsterlischer Perfektion. Die Geschichte ist offensichtlich durch die biblischen Berichte von der Jungfrauengeburt inspiriert, doch läßt sie sich nicht kurzerhand als Lästerung abstempeln. Erwachsenen, die bereit sind, den Film lediglich als brillant gefertigten Horror abergläubischen Einschlags hinzunehmen, muß er unter diesem Vorbehalt empfohlen werden.“

Evangelischer Filmbeobachter, Kritik Nr. 488/1968

„Roman Polanskis raffinierte Filmsatire spielt effektvoll mit traditionellem Aberglauben und Wahnvorstellungen sowie modernen Formen von Hexenjagd, Psychoanalyse und Horrorliteratur. Ein exzellentes Kinovergnügen.“

Rowohlt-Filmlexikon

„In einer durchgehend realistischen New Yorker Umgebung gelang es Polanski, seine persönliche Vision von Bedrohung und Unheil anzusiedeln. Der Film ist sehr gelungen als raffinierte und ungewöhnlich vielschichtige Variation des Horrorfilms.“

Wolfram Tichy, Liz-Anne Bawden et al., rororo Filmlexikon, 1978[1]

„[Ein] Film des Grauens im Traumwandlerischen und Magischen, der in eine Welt der alltäglichen Halluzination versetzt. (Wertung: 3½ Sterne [außergewöhnlich])“

Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz in Lexikon „Filme im Fernsehen“, 1990[2]

„[Im Gegensatz zur literarischen Vorlage] bezieht Polanskis Inszenierung ihre verstörende Spannung gerade aus der stetigen Doppeldeutigkeit: Die rationale Erklärung (eine neurotische und paranoide Verengung von Rosemarys Wahrnehmung) steht der dramaturgisch konsequenten, aber völlig irrationalen Verschwörungstheorie gleichberechtigt gegenüber.“

Stefan Lux, 1995[3]

„Facetten der Filmmusik sind genauso kunstvoll überdreht wie die oscar-gekrönten Gesten der Minnie Castevet (Ruth Gordon), die als hausbackene, hilfsbereite, aufdringliche und manipulative alte Dame der personifizierte Horror im Film ist. [...] [Die] überaus detaillierte Musikdramaturgie ist [...] ein Musterbeispiel dafür, wie nachhaltiger Grusel ohne Musikklischees entstehen kann.“

Anselm C. Kreuzer, 2009[4]

Wissenswertes[Bearbeiten]

  • Sam O’Steen führte 1976 Regie bei der Fortsetzung Look What’s Happened to Rosemary’s Baby.
  • Die Stimme von Donald Baumgart wird im Original von Tony Curtis gesprochen, der zufällig das Filmset besuchte und von Polanski spontan gebeten wurde, die Rolle zu übernehmen. Die Szene wurde sofort gedreht und Mia Farrow erfuhr erst hinterher, mit welcher Berühmtheit sie telefoniert hatte. Curtis erhielt für seinen Beitrag allerdings keine Gage und wurde auch weder im Vor- noch im Abspann erwähnt.
  • Krzysztof Komedas Lullaby, das Wiegenlied, das den Vor- und Abspann schaurig untermalt, wird von Mia Farrow selbst gesungen.
  • 2014 entstand mit Rosemary's Baby eine Miniserie, die von Agnieszka Holland inszenierte wurde. In den tragenden Rolle sind Zoë Saldaña und Patrick J. Adams zu sehen.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Rosemaries Baby war im Jahr 1969 zweimal für den Oscar nominiert (Beste Nebendarstellerin, Bestes Drehbuch) und bekam einen für die beste Nebendarstellerin (Ruth Gordon).

Der Film hat außerdem folgende Auszeichnungen erhalten:

Synchronisation[Bearbeiten]

Rolle Schauspieler Synchronsprecher[5]
Rosemarie Woodhouse Mia Farrow Traudel Haas
Guy Woodhouse John Cassavetes Michael Chevalier
Minnie Castevet Ruth Gordon Alice Treff
Roman Castevet Sidney Blackmer Konrad Wagner
Edward „Hutch“ Hutchins Maurice Evans Erich Fiedler
Dr. Abraham Sapirstein Ralph Bellamy Wolfgang Lukschy
Terry Gionoffrio Victoria Vetri Marianne Lutz
Laura-Louise McBirney Patsy Kelly Inge Wolffberg
Dr. C. C. Hill Charles Grodin Claus Jurichs

DVD-Veröffentlichung[Bearbeiten]

  • Rosemary’s Baby. Paramount Pictures, 2001

Blu-ray-Veröffentlichung[Bearbeiten]

  • "Rosemary’s Baby". Paramount Pictures, 2013

Soundtrack[Bearbeiten]

  • Krzysztof Komeda: Rosemary’s Baby. Original Motion Picture Soundtrack. Auf ders.: Film Music: Rosemary’s Baby · The Fearless Vampire Killers. The Complete Recordings of Krzysztof Komeda Vol. 19. Polonia Records, Warschau 1999, Tonträger-Nr. Polonia CD 160

Literatur (umgekehrt chronologisch)[Bearbeiten]

  • Anselm C. Kreuzer: Rosemaries Baby. In: Klassiker der Filmmusik. Hg. von Peter Moormann. Stuttgart: Reclam 2009, S. 178-180. ISBN 978-3-15-018621-3.
  • S. L. [Stefan Lux]: Rosemaries Baby. In: Filmklassiker. Beschreibungen und Kommentare. Hg. von Thomas Koebner unter Mitarbeit von Kerstin-Luise Neumann. 4 Bde. Stuttgart: Reclam 1995, Bd. 3, S. 135-138, ISBN 3-15-030011-8.
  • Ira Levin: Rosemaries Baby. Originaltitel: Rosemary’s Baby. Deutsch von Herta Balling. 22. Auflage. Heyne, München 1995, ISBN 3-453-05317-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfram Tichy, Liz-Anne Bawden et al.: rororo Filmlexikon. Band 2: Filme K–S (OT: The Oxford Companion to Film). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1978, S. 560, ISBN 3-499-16229-6.
  2. Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz: Lexikon „Filme im Fernsehen“ (Erweiterte Neuausgabe). Hamburg: Rasch und Röhring 1990, S. 687, ISBN 3-89136-392-3, Online Edition.
  3. S. L. [Stefan Lux]: Rosemaries Baby. In: Filmklassiker. Beschreibungen und Kommentare. Hg. von Thomas Koebner unter Mitarbeit von Kerstin-Luise Neumann. 4 Bde. Stuttgart: Reclam 1995, Bd. 3, S. 135-138, hier 138, ISBN 3-15-030011-8.
  4. Anselm C. Kreuzer: Rosemaries Baby. In: Klassiker der Filmmusik. Hg. von Peter Moormann. Stuttgart: Reclam 2009, S. 178-180, hier 180, ISBN 978-3-15-018621-3.
  5. Rosemaries Baby in der Deutschen Synchronkartei, abgerufen am 19. April 2012.