Rosenwurz

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Rosenwurz
Rosenwurz (Rhodiola rosea)

Rosenwurz (Rhodiola rosea)

Systematik
Ordnung: Steinbrechartige (Saxifragales)
Familie: Dickblattgewächse (Crassulaceae)
Unterfamilie: Sempervivoideae
Tribus: Umbiliceae
Gattung: Rhodiola
Art: Rosenwurz
Wissenschaftlicher Name
Rhodiola rosea
L.

Der Rosenwurz (Rhodiola rosea) ist eine Pflanzenart in der Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae). Sie hat die Chromosomenzahl 2n = 22 oder 36[1].

Beschreibung[Bearbeiten]

Erscheinungsbild[Bearbeiten]

Rosenwurz wächst als ausdauernde sukkulente Pflanze und erreicht Wuchshöhen meist zwischen 5 und 20, selten bis 35 Zentimeter. Es werden Pfahlwurzeln gebildet. Als Überdauerungsorgan wird ein horizontaler oder vertikaler und oft verzweigter, 1 bis 5 Zentimeter dicker, knolliger, unterirdischer Stamm ausgebildet, der einen charakteristisch rosenartigen Geruch aufweist (darum der deutsche Trivialname). Aus diesem unterirdischen Stamm werden mehrere oberirdische Stängel gebildet, die dick, fleischig sowie kahl sind und Schuppen besitzen; sie besitzen wenn sie abgeschnitten oder verletzt werden einen charakteristisch rosenartigen Geruch (darum der deutsche Trivialname).

Laubblätter[Bearbeiten]

Die wechselständig, manchmal pseudo-quirlig am Stängel verteilt angeordneten Laubblätter sind sitzend und sind höchstens eine Vegetationsperiode haltbar. Die dicke, sukkulente, blaugrüne, einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 10 bis 40 mm und einer Breite von 2 bis 10 mm verkehrt-lanzettlich bis etwas löffelförmig. Beide Blattflächen sind kahl. Die Blattreihe vor dem Blütenstand ist ganzrandig oder leicht gezähnt.

Mehrere rote Balgfrüchte stehen zusammen.

Blütenstand und Blüte[Bearbeiten]

Rosenwurz ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), es gibt also männliche und weibliche Exemplare. Die Blüten stehen in dichten, bündeligen Blütenständen zusammen. Die gut duftenden, eingeschlechtigen Blüten sind radiärsymmetrisch und besitzen eine doppelte Blütenhülle. Die meist vier, selten drei oder fünf Kelchblätter sind frei. Die 1,5 bis 2,5 mm langen, freien Kronblätter sind bei den weiblichen Blüten gelb, im Verblühen rot-orangefarbenen und bei den männlichen Blüten purpurfarben. In den männlichen Blüten sind sechs bis zehn oder mehr Staubblätter vorhanden. In den weiblichen Blüten sind drei bis sechs freie (apokarpe), oberständige Fruchtblätter vorhanden. Jedes Fruchtblatt enthält nur eine bis einige Samenanlagen.

Frucht und Samen[Bearbeiten]

Es stehen drei bis sechs aufrechte Balgfrüchte zusammen. Die behaarte, fleischige Balgfrucht ist bei einer Länge von 4 bis 6 mm und einem Durchmesser von 3 bis 5 mm länglich-zylindrisch. Die bei Reife rote bis hellrote Balgfrucht öffnet sich von oben ausgehend. Die Samen sind 0,5 bis 1 mm lang.

Vorkommen[Bearbeiten]

Rosenwurz besitzt eine holarktische Verbreitung. Das Verbreitungsgebiet umfasst die arktischen Gebiete und die Gebirgsregionen Eurasiens und Nordamerikas.

Rosenwurz gedeiht auf feuchten Böden der gesamten Fjellregion bis hoch in die obere alpine Zone auf Höhenlagen von rund 2280 Meter; wächst in Bergschluchten, auf feuchten Klippenabsätzen, auf Feuchtwiesen und Moorböden. Er kommt jedoch auch auf trockenen, sandigen Böden in höheren Gebirgslagen vor.

Gesundheitsbezogene Verwendung[Bearbeiten]

In Sibirien wird der Rosenwurz „Goldene Wurzel“ (Золотой Корень, Solotoy Koren) genannt, denn der Wurzelextrakt soll Erinnerungsvermögen, Konzentration und Aufnahmevermögen steigern. Er ist eine adaptogene Heilpflanze, die seit langem medizinische Verwendung in russischen, baltischen und skandinavischen Ländern findet, sowohl als Tee als auch in Form von Extrakten. Auch in andere Länder verbreitet sich die traditionell begründete oder volksheilkundliche Anwendung von Zubereitungen des Rosenwurzrhizoms zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und zum Stressabbau.

Die Wirkungen werden möglicherweise durch Änderungen des Serotonin- und Dopamin-Niveaus vermittelt: etwa über eine Hemmung der Monoamin-Oxidase, eine bessere Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke für Neurotransmittervorstufen und einen Einfluss auf Opioidpeptide (z.B. Endorphine),[2] auch eine verminderte Ausschüttung von Stresshormonen wird diskutiert.[3] Zu möglichen Wechselwirkungen liegen keine ausreichenden Daten vor.

In einem Beurteilungsbericht wertete die europäische Arzneimittelagentur (EMA) Studien zu den Anwendungsgebieten stressbedingte Erschöpfung/Müdigkeit, physische Leistungsfähigkeit, mentale/kognitive Leistungsfähigkeit, nachtschichtbedingte Müdigkeit, Schlafarchitektur, Episoden leichter bis mittelschwerer Depressionen, generalisierte Angststörung. Sie kam zu dem Schluss, dass die Studien in ihrer Qualität sehr stark schwanken und daher keine ausreichenden Beweise für eine therapeutische Wirksamkeit vorlägen. Da aber die Ergebnisse der klinischen Studien den Gebrauch in bestimmten Anwendungsgebieten plausibel mache und Rosenwurz in der Naturmedizin seit langem zum Einsatz komme, wird bei gleichzeitigem Fehlen gravierender Nebenwirkungen das Nutzen-Risiko-Verhältnis für die Anwendung zur vorübergehenden Linderung von Stresssymptomen wie Erschöpfung und Schwächegefühl als positiv beurteilt.[4]

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Die Inhaltsstoffe der Wurzeldroge sind vor allem phenolische Glycoside wie z.B. Salidrosid, Tyrosol und Rosavin. Eine pharmakologische Wirksamkeit bestimmter Inhaltsstoffe ist aber nicht genau belegt, und sie werden vor allem als Marker-Substanzen für die Identifizierung der Rohdroge und Extrakten herangezogen.[5]

Extrakte des Rosenwurz verlängern die Lebensspanne von Fruchtfliegen um bis zu 24 %.[6][7]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jaakko Jalas, Juha Suominen, Raino Lampinen, Arto Kurtto: Atlas florae europaeae. Band 12 (Resedaceae to Platanaceae). Seite 124-125, Helsinki 1999. ISBN 951-9108-12-2
  2. Gregory S. Kelly, ND,: Rhodiola rosea: a possible plant adaptogen.. In: Alternative Medicine Review. 6, Nr. 3, 2001, S. 293–302. PMID 11410073.
  3. Panossian A, Wikman G, Sarris J: Rosenroot (Rhodiola rosea): traditional use, chemical composition, pharmacology and clinical efficacy. In: Phytomedicine. 17, Nr. 7, Juni 2010, S. 481–93. doi:10.1016/j.phymed.2010.02.002. PMID 20378318.
  4. Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC): Assessment report on Rhodiola rosea L., rhizoma et radix (PDF; 259 kB), 27. März 2012.
  5. Ganzera M, Yayla Y, Khan IA.: Analysis of the marker compounds of Rhodiola rosea L. (golden root) by reversed phase high performance liquid chromatography. In: Chem Pharm Bull 49, Nr. 4, 2001, S. 465-7. PMID 11310675
  6. Herbal Extract Found To Increase Lifespan. In: ScienceDaily. 12. Oktober 2007, abgerufen am 29. Dezember 2013.
  7. Samuel E. Schriner, Kevin Lee, Stephanie Truong, Kathyrn T. Salvadora, Steven Maler, Alexander Nam, Thomas Lee, Mahtab Jafari: Abstract: Extension of Drosophila Lifespan by Rhodiola rosea through a Mechanism Independent from Dietary Restriction. In: PLOS ONE. 21. Mai 2013, abgerufen am 29. Dezember 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rosenwurz (Rhodiola rosea) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien