Ross Thomas (Schriftsteller)

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Ross Elmore Thomas (* 19. Februar 1926 in Oklahoma City, USA; † 18. Dezember 1995 in Santa Monica, USA) war ein amerikanischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Thomas kämpfte im Zweiten Weltkrieg als Soldat auf den Philippinen. Vor seiner Karriere als Schriftsteller, die erst im Alter von 40 Jahren begann, arbeitete er als Public Relations- und Wahlkampfberater für Politiker wie Lyndon B. Johnson sowie als Journalist und Gewerkschaftssprecher in den USA, in Bonn – wo er das American Forces Network-Büro aufbaute – und in Nigeria.

Zwischen 1966 und 1994 schrieb er 25 Romane, von denen fünf unter dem Pseudonym Oliver Bleeck erschienen. Seit 1982 schrieb er auch Drehbücher für Fernsehserien wie Simon und Simon oder Die unglaublichen Geschichten von Roald Dahl. Im Jahr 1992 war er Präsident des amerikanischen Kriminalschriftstellerverbands Mystery Writers of America.

Werk[Bearbeiten]

Seine Politthriller zeichnen sich durch geistreiche Entlarvungen des amerikanischen Politikbetriebs aus. Für seinen ersten Roman The Cold War Swap erhielt er 1967 den renommierten Edgar Allan Poe Award in der Kategorie Bestes Erstlingswerk und ein weiteres Mal 1985 für Briarpatch in der Kategorie Bester Roman.

Die meisten von Thomas' zunächst in deutscher Übersetzung veröffentlichten Romane waren häufig stark gekürzt und inhaltlich entstellt; diese sind inzwischen aber vergriffen und nur noch antiquarisch erhältlich. Seit 2005 erscheinen seine Bücher in werkgetreueren Neuübersetzungen im Berliner Alexander Verlag.

Zitate[Bearbeiten]

Ross Thomas ist ein Monolith der amerikanischen Politthriller-Landschaft, seine 25 Romane umkreisen allesamt das zentrale Dilemma von persönlicher Integrität und politischer Loyalität, und zwar auf einem Niveau, das sonst nur noch die Engländer Graham Greene und Eric Ambler erreichten. Günther Grosser, Berliner Zeitung (16. Februar 2006)

Aus unerfindlichen Gründen ist Ross Thomas in Deutschland nie recht populär geworden: Aber vielleicht interessieren sich mittlerweile mehr Leser für die schmutzigen Ecken Amerikas. Thomas Klingenmaier, Stuttgarter Zeitung

Ross Thomas' Bücher haben eine perfekte Ökonomie der Beschreibung. Er ist ungeheuer akribisch, wo es zwingend ist ... (Er) schreibt lakonisch, ohne die Manierismen des sogenannten Hard-Boiled-Stils, immer nüchtern, so gar nicht romantisch ... Thomas' Helden sinnieren auch nicht viel, sie bleiben knapp, ohne das Pathos des Knappen zu kultivieren, auch wenn Thomas mal Hemingway als sein Vorbild genannt hat. Peter Körte, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (4. Mai 2008)

Werke[Bearbeiten]

Die Mac McCorkle und Michael Padillo-Romane[Bearbeiten]

  • 1966 The Cold War Swap
    • Der Ein-Weg-Mensch, dt. von Wilm W. Elwenspoek, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1969.
    • Kälter als der Kalte Krieg, bearbeitete Übersetzung von Gisbert Haefs und Anja Franzen, Berlin: Alexander 2007. ISBN 978-3-89581-179-1. Erste vollständige deutsche Ausgabe.
  • 1967 Cast a Yellow Shadow
    • Der Tod wirft gelbe Schatten, dt. von Wilm W. Elwenspoek, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1970.
    • Gelbe Schatten, dt. von Wilm W. Elwenspoek, Stella Diedrich und Gisbert Haefs, Berlin: Alexander 2012. ISBN 978-3-89581-264-4. Erste vollständige deutsche Ausgabe.
  • 1971 The Backup Men
    • Was ich nicht weiss, macht mich nicht kalt, dt. von Wilm W. Elwenspoek und Heinz F. Kliem, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1972. ISBN 3-548-11447-4
    • Die Backup-Männer, dt. von Wilm W. Elwenspoek, Heinz F. Kliem und Jochen Stremmel, Berlin: Alexander 2012. ISBN 978-3-89581-278-1. Erste vollständige deutsche Ausgabe.
  • 1990 Twilight at Mac's Place
    • Letzte Runde in Mac's Place, dt. von Bernd Holzrichter, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1994. ISBN 3-550-06703-8
    • Dämmerung in Mac's Place, dt. von Bernd Holzrichter, Berlin: Alexander 2013. ISBN 978-3-89581-305-4

Die Philip St. Ives-Romane[Bearbeiten]

(veröffentlicht unter dem Pseudonym Oliver Bleeck, in der deutschen Zweitauflage dann als Ross Thomas)

  • 1969 The Brass Go-Between
    • Bonbons aus Blei, dt. von Wilm W. Elwenspoek, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1970.
  • 1971 Protocol for a Kidnapping
    • Kopfpreis eine Million, dt. von Wilm W. Elwenspoek, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1971. ISBN 3-548-01425-9
  • 1971 The Procane Chronicle (Titel der britischen Ausgabe: The Thief Who Painted Sunlight)
    • Das Mordpatent Procane, dt. von Hansjürgen Wille u. Barbara Klau, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1972. ISBN 3-548-01494-1
  • 1974 The Highbinders
    • Ein scharfes Baby, dt. von Renate Steinbach, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1974. ISBN 3-548-10309-X
  • 1976 No Questions Asked
    • Schreie im Regen, dt. von Edith Massmann, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1976. ISBN 3-548-01789-4

Die Artie Wu und Quincy Durant-Romane[Bearbeiten]

  • 1978 Chinaman's Chance
    • Umweg zur Hölle, dt. von Edith Massmann, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1984. ISBN 3-548-10232-8
    • Umweg zur Hölle, bearbeitete Übersetzung von Jochen Stremmel, Berlin: Alexander 2007. ISBN 978-3-89581-172-2
  • 1987 Out On the Rim
    • Am Rand der Welt, dt. von Jürgen Behrens, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1988. ISBN 3-550-06332-6
    • Am Rand der Welt, bearbeitete Übersetzung von Gisbert Haefs und Anja Franzen, Berlin: Alexander 2008. ISBN 978-3-89581-190-6
  • 1992 Voodoo, Ltd.

Weitere Romane[Bearbeiten]

  • 1967 The Seersucker Whipsaw
    • Urne oder Sarg, Sir?, dt. von Wilm W. Elwenspoek, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1970.
  • 1969 The Singapore Wink
    • Sing Sing Singapur, dt. von Wilm W. Elwenspoek, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1970.
  • 1970 The Fools in Town Are On Our Side
    • Unsere Stadt muss sauber werden, dt. von Heinz F. Kliem, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1972. ISBN 3-548-01440-2
  • 1972 The Porkchoppers
    • Wahlparole: Mord, dt. von Sigrid Kellner, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1973. ISBN 3-548-01530-1
  • 1973 If You Can't Be Good
    • Nur lass dich nicht erwischen, dt. von Tilman Lichter, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1974. ISBN 3-548-01603-0
  • 1975 The Money Harvest
    • Die Millionenernte, stark gekürzte Übersetzung von Ute Tanner, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1975. ISBN 3-548-01740-1
    • Fette Ernte, Neuübersetzung von Jochen Stremmel und von ihm mit einer Nachbemerkung versehen. Berlin: Alexander-Verlag, 2014. ISBN 978-3-89581-317-7.
  • 1976 Yellow Dog Contract.
    • Geheimoperation Gelber Hund, dt. von Edith Massmann, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1978. ISBN 3-548-01872-6
    • Der Yellow-Dog-Kontrakt, erste vollständige Übersetzung von Stella Diedrich, Gisbert Haefs und Edith Massmann. Berlin: Alexander 2010. ISBN 978-3-89581-225-5
  • 1979 The Eighth Dwarf
    • Vierzig Riesen für den Zwerg, dt. von Edith Massmann, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1980. ISBN 3-548-10060-0
    • Der achte Zwerg, erste vollständige Übersetzung von Stella Diedrich, Gisbert Haefs und Edith Massmann. Berlin: Alexander 2011. ISBN 978-3-89581-251-4
  • 1981 The Mordida Man
    • Der Bakschischmann, dt. von Edith Massmann, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1982. ISBN 3-548-10173-9
  • 1983 Missionary Stew
    • Mördermission, dt. von Wilm W. Elwenspoek, Frankfurt/Main - Berlin: Ullstein 1985. ISBN 3-548-10320-0
    • Teufels Küche, bearbeitete Übersetzung von Jochen Stremmel und Anja Franzen, Berlin: Alexander 2008. ISBN 978-3-89581-183-8
  • 1984 Briarpatch
    • Schutzwall, dt. von Jürgen Behrens, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1986. ISBN 3-548-10387-1
  • 1989 The Fourth Durango
    • Gottes vergessene Stadt, dt. von Bernd Holzrichter, Frankfurt am Main - Berlin: Ullstein 1990. ISBN 3-550-06170-6
    • Gottes vergessene Stadt, bearbeitete Übersetzung von Bernd Holzrichter, Berlin: Alexander 2006. ISBN 3-89581-160-2
  • 1994 Ah, Treachery!

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Verfilmungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]