Bank Rossija

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Rossija (Bank))
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Bank Rossija (russisch  Акционерный коммерческий банк Россия, АКБ Россия) ist ein russisches Kreditinstitut, welches am 27. Juni 1990 gegründet wurde. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Sankt Petersburg. Die Bank Rossija gehörte zu den ersten russischen Privatbanken nach der politischen Wende.[1]

Geschäftstätigkeit[Bearbeiten]

Die Bank war im Jahr 1990 durch eine Initiative des Kommitees der KPdSU der Leningrader Oblast mit Parteigeldern als Anfangskapital gegründet worden. Die Bank dümpelte jedoch in der damaligen Umbruchzeit erfolglos vor sich hin und stand schon ein Jahr später, im Dezember 1991, vor dem Zusammenbruch. Juri Kowaltschuk übernahm daraufhin zusammen mit ein paar Freunden die Bank, indem sie sich von einem örtlichen Schuhhersteller einen Kleinkredit besorgten und damit das Pleiteunternehmen aufkauften. Die drei anderen Partner waren die Physiker Wiktor Mjatschin, Andrej Fursenko und Wladimir Jakunin, die wie Kowaltschuk ursprünglich alle am Leningrader Physikalisch-Technischen Institut Joffe beschäftigt gewesen waren.[2]

Kowaltschuk, Mjatschin, Jakunin und Andrej Fursenko sowie dessen Bruder Sergej gründeten fünf Jahre später, im November 1996, zusammen mit Wladimir Smirnow, Nikolai Schamalow und Wladimir Putin die Datschen-Gemeinschaft "See" (Озеро) in der Ortschaft Solowjewka am Ostufer eines Sees auf der Karelischen Landenge nördlich von Sankt Petersburg.

In den 1990er Jahren konzentrierte sich die Geschäftstätigkeit der Bank vorwiegend auf den Sankt Petersburger Raum. Das änderte sich jedoch langsam als Wladimir Putin Ende 1999 Präsident Russlands wurde.

Im Jahr 2004 kaufte die Bank Rossija unter Vermittlung von Alexei Mordaschow von Gazprom das Versicherungsunternehmen Sogaz. Ende 2004 stieg Nikolai Schamalow als Aktionär in die Bank Rossija ein. Dessen Sohn Juri Schamalow wurde Ende 2005 Präsident des Pensionsfonds Gazfond.

Im August 2006 kaufte dann der seit 2004 zur Bank Rossija gehörende Versicherungskonzern Sogaz 75 % + 1 Aktie der Verwaltungsgesellschaft "Lider", die den Pensionsfonds Gazfond managte.[3] Dadurch erlangte die Bank Rossija die Kontrolle über Gazfond. Durch Gazfond wiederum erlangte sie die Kontrolle über die Gazprombank, deren Hauptaktionär Gazfond war.

Eine Tochtergesellschaft der Gazprombank ist schließlich die Gazprom-Media Holding, die im Juli 2005 für 166 Millionen Dollar von Gazprom an die Gazprombank verkauft worden war.[4] Zu dieser gehörten damals unter anderem die regierungsnahe Zeitung Iswestija, die Fernsehsender NTW und TNT sowie der Radiosender Echo Moskwy (Aktienanteil von 66 Prozent).

Im Mai 2008 veräußerte die Gazprom-Media ihre Iswestija-Beteiligung an den zur Bank Rossija gehörenden Versicherungskonzern Sogaz. Die Iswestija wurde anschließend in die von Kowaltschuk neugegründete und ebenfalls zur Bank Rossija gehörende Nationale Mediengruppe (NMG) eingegliedert.[5] Neben der Iswestija gehören zur NMG unter anderem der früher regierungskritische Privatfernsehsender Ren-TV (Beteiligung in Höhe von 68 Prozent), der Sender "Petersburg-Fünfter Kanal" sowie eine 25%ige Minderheitsbeteiligung am Ersten Kanal.[6][7] Verwaltungsratsvorsitzende ist seit September 2014 Alina Kabajewa.

Unbequellten Angaben zufolge gehörte (Stand 2008?) die Rossija Bank mit einer Bilanzsumme von 45 Milliarden Rubel (ca. 1,25 Mrd. Euro) zu den 50 größten Banken Russlands. Das Stammkapital beträgt 449,95 Millionen Rubel (Anm: im März 2014 sind etwa 50 Rubel 1 Euro)

Im Zuge der Krimkrise 2014 hat die US-Regierung (Kabinett Obama) am 20. März 2014 das US-Vermögen der Rossija Bank eingefroren.[8][9][10] Die Rossija-Bank ist laut US-Regierung die Nummer 17 der größten Banken in Russland. Sie habe ein Vermögen von rund zehn Milliarden US-Dollar und Konten bei Bankinstituten in den USA und Europa.[11]

Bankvorstand[Bearbeiten]

Folgende Vorstandsvorsitzende (Präsidenten des Verwaltungsrates) leiteten in der Vergangenheit die Geschicke der Bank:

  • 1995 bis 1998: Wiktor Mjatschin
  • 1998 bis 1999: Michail Markow
  • 1999 bis 2004: Wiktor Mjatschin
  • 2004 bis 2006: Michail Klischin

Von 2006 bis 2012 war Dmitri Alexejewitsch Lebedew Vorstandsvorsitzender der Bank. Im Juli 2012 wechselte er in den Aufsichtsrat. Lebedew war bereits von 2000 bis 2003 stellvertretender Vorstandsvorsitzender bzw. Vorstandsvorsitzender bei der Bank "MENATEP SPb" gewesen.[15][16]

Derzeitiger Vorstandsvorsitzender der Bank ist Jewgeni Iljitsch Logowinski.[17] Derzeitiger Vorsitzender des Aufsichtsrats (Rat der Direktoren) der Bank ist seit Juli 2012 Dmitri Lebedew.[18] (Stand: April 2015)

Eigentümerstruktur[Bearbeiten]

Im Jahr 2012 zahlte Bank Rossiya 501,6 Millionen Rubel Dividende an die Inhaber von stimmberechtigten Aktien aus.[21]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. ОБЩАЯ ИНФОРМАЦИЯ О БАНКЕ - ALLGEMEINE INFORMATIONEN ÜBER DIE BANK, abr.ru (russisch)
  2. Private Bank Fuels Fortunes of Putin’s Inner Circle, nytimes.com, 27. Sept. 2014
  3. Putin and Gazprom, novayagazeta.ru, 10.09.2008
  4. Putin and Gazprom, novayagazeta.ru, 10.09.2008
  5. "Известия" впечатали в Национальную медиагруппу, kommersant.ru, 22. Mai 2008
  6. Sanktionen gegen russische Banken: Angriff auf Putins Finanzzentrum, spiegel.de, 21. März 2014
  7. Kremlin-linked tycoon eyes Russia media firm-report reuters.com, 23. April 2008
  8. www.treasury.gov 20. März 2014: OFFICE OF FOREIGN ASSETS CONTROL
  9. spiegel.de: Sanktionen gegen russische Banken: Angriff auf Putins Finanzzentrum
  10. spiegel.de 20. März 2014: Konflikt zwischen Russland und Ukraine: Obama macht Ernst mit Sanktionen
  11. Die Sanktionsspirale dreht sich weiter, manager-magazin.de, 20. März 2014
  12. Vitaly Saveliev
  13. Совет директоров - САВЕЛЬЕВ Виталий Геннадьевич
  14. Neuer Generaldirektor für Aeroflot, xxx, 31. März 2009
  15. Дмитрий Алексеевич Лебедев - Биография
  16. Совет Директоров Aufsichtsrat der Bank
  17. Правление Geschäftsleitung der Bank
  18. Дмитрий Алексеевич Лебедев - Биография
  19. Акционеры - Aktionäre der Bank, abr.ru
  20. Bank Rossiya: sanctions having no substantial effect on financial positions - report, interfax.com, 25. April 2014
  21. Bank Rossiya: sanctions having no substantial effect on financial positions - report, interfax.com, 25. April 2014