Rosslyn-Kapelle

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Die Rosslyn-Kapelle

Die Rosslyn-Kapelle (Rosslyn Chapel), ursprünglich Collegiate Chapel of St. Matthew genannt, ist eine gotische Kirche aus dem 15. Jahrhundert in dem Dorf Roslin bei Edinburgh in Schottland. [1]

Geschichte[Bearbeiten]

Apprentice Pillar (Lehrlingssäule)

Entworfen wurde die Kirche von William Sinclair, Baron of Roslin (* 1410; † 1484), Mitglied des Sinclair Clan. Zur Herkunft des Clans wird vermutet, dass seine ersten Mitglieder ursprünglich aus der Normandie in Frankreich stammen. Belege dafür fanden sich jedoch nicht.[2] Die Bauarbeiten gegannen erst 1456, nicht wie häufig angenommen 1446.[3] Der Grundriss entspricht dem des Herodianischen Tempels in Jerusalem. Der Bau dauerte 40 Jahre. Unterbrochen wurde er 1484 nach dem Tod von Sinclair, der in der Kirche begraben wurde. Rosslyn Chapel wurde als Stiftskirche des heiligen Evangelisten Matthäus kreuzförmig geplant. Die Mauern wurden aus lokalem Sandstein errichtet. In den Gewölben unterhalb der Kirche (Krypta) ruhen die Ritter der Familie Sinclair.

Wiliam war der Name des ersten sowie des letzten Ritters, der hier auf diese Art beigesetzt wurde. 1484 wurde Wiliam der Stifter in der Kapelle begraben. Nachforschungen ergaben, dass Wiliam der Stifter auch einige Ahnen in die Kapelle überführen ließ. So erinnert ein Stein auf dem Denkmal in der Nordwestecke der Kapelle an Sir Wiliam Sinclair von 1297, einem Grand Prior der Tempelritter. Henry Sinclair, Earl of Orkney, der 1345 im Robin Hood Turm von Roslin Castle geboren wurde, liegt ebenfalls in Rosslyn Chapel.

1650 wurde ein Namensvetter des Stifters, ein Wiliam Sinclair, der in der Schlacht von Dunbar am 3. September 1650 gefallen war, ebenfalls in der Kapelle beigesetzt.

Die Familie Sinclair blieb während der Reformation dem katholischen Glauben treu. Sie mussten deshalb ihre Gottesdienste aus der Rosslyn Chapel in die eigene Schlosskapelle verlegen. Um 1650 diente Rosslyn Chapel als Quartier für Oliver Cromwells Soldaten und Pferde. Der Kommandeur der Truppen, General Monck richtete in der Kapelle allerdings keine dauerhafte Kaserne ein.

1847 besuchte Königin Victoria Rosslyn Chapel und regte die Sanierung der Kapelle an. 1860 beauftragte der Großmeister der schottischen Logen, James St Clair-Erskine, 3rd Earl of Rosslyn, den Architekten und Freimaurer, David Bryce, mit der umfangreichen Restaurierung der Kapelle.[4]

Lehrlings- und die Meistersäule[Bearbeiten]

In Rosslyn Chappel befinden sich die Lehrlings- und die Meistersäule, die mit den Säulen Jachin und Boas und mit den Freimaurern in Verbindung gebracht werden, ebenso die Darstellung einer Initiation in Stein. Daneben gibt es zu den Säulen eine lokale Legende, die der Hiramslegende der Freimaurer ähnelt:[5]

Nach der Fertigstellung von mehreren Säulen bat der Steinmetzmeister William den Stifter, eine weitere Säule in der Südostecke zu errichten. Für diese Säule wollte er sich Kenntnisse und Inspiration durch eine Reise nach Rom verschaffen. William gestatte ihm die Reise nach Rom. Während seiner Abwesenheit soll der Lehrling des Steinmetzmeisters in einem Traum die Säule als fertiges Gebilde gesehen haben. Als er erwachte, bat er William die Säule entsprechend errichten zu dürfen. William stimmte zu, da er dadurch Zeit am Bau sparen konnte. Als der Steinmetzmeister aus Rom zurückkehrte, war er über die Pracht der Lehrlingssäule so eifersüchtig, dass er den Lehrling mit einem Hieb auf dem Kopf tötete. Der Steinmetzmeister wurde daraufhin zum Tode verurteilt. Nach dieser Bluttat wurde die Kapelle neu eingeweiht.

Die Lehrlingssäule stellt den Baum des Lebens dar. Die Basis der Säule ist von acht geflügelten Drachen oder Schlangen umzingelt, aus deren Rachen Reben wachsen, die sich ohne Früchte um die Säule ranken. Die Legende sagt, dass die Früchte das Böse darstellen. Dieser Baum kann jedoch in seiner reinen Form wachsen, da die Geschöpfe von unten das Böse heraussaugen.

Der mit dem Erbauer der Kapelle verwandte und namensgleiche William St. Clair of Roslin wurde 1736 der erste Großmeister der Großloge von Schottland und gab dabei seine Erbrechte ab zugunsten von gewählten Posten.

Chladnische Klangfiguren[Bearbeiten]

Unter den komplizierten Steinmetzarbeiten ist eine Sequenz von 213 Kästen mit unterschiedlichen Mustern, die von Säulen und Bögen hervorstehen. Die Bedeutung dieser Muster ist unbekannt, vieles wurde hineingedeutet, aber bisher konnte keine zwingend schlüssige Interpretation gefunden werden.

Der vielversprechendste Ansatz besteht darin, die 213 Kästen und 12 Säulen als musikalische Partitur zu interpretieren, denn diese Kästen ähneln Chladnischen Klangfiguren. Die Musikwissenschaftler Thomas Mitchell und sein Sohn Stuart konnten den 213 Symbolen mit Hilfe der Chladnische Klangfiguren Töne zuordnen. Am Ende der 12 in einer musikalischen Kadenz angeordneten Säulen sind Musikern dargestellt. Hieraus schlossen sie auf die Instrumentierung. Aus diesem Informationen und unter Berücksichtigung der zur Entstehungszeit der Kirche üblichen Kompositions-Regeln entwickelten sie ein Musikstück, wobei sie Instrumente wie Dudelsack, Pfeifen, Trompeten, eine mittelalterliche Blasharmonika, Gitarre und menschliche Stimmen verwendeten. Das hieraus entwickelte Musikstück nannten sie ’’Rosslyn-Motette’’. [6][7][8]

Spekulationen über die Krypta[Bearbeiten]

Unterhalb der Kirche befindet sich eine Krypta. Die Krypta war über eine Treppe im hinteren Bereich der Kirche zugänglich. Der Zugang wurde versiegelt. Dieses führte zu Spekulationen darüber, was sich in der Krypta neben den Gräbern der Ritter der Familie Sinclair befindet. Die Spekulationen reichen von der Behauptung, der mumifizierte Kopf Jesus Christus wäre dort aufbewahrt.[9], in der Krypta wäre der legendäre Schatz der Tempelritter versteckt,[10] bis hin zu der Behauptung die Krypta verberge die schottischen Kronjuwelen. [11]

Die Journalisten Michael Baigent und Richard Leigh und ihnen nachfolgend der Romanautor Dan Brown (Sakrileg, 2003) vertreten in ihrem Buch „Der Tempel und die Loge” die Spekulation, dass einige Tempelritter im Jahr 1307 der Verhaftung in Frankreich durch eine Flucht nach Schottland entkommen seien, und wollen die Freimaurer als Nachfolger der Templer sehen. Johannes und Peter Fiebag vermuten in ihrem Buch „Die Ewigkeits-Maschine”, dass die Ordensarchive der Templer in Rosslyn untergebracht seien.[12] Der Publizist Christopher Knight und der Naturwissenschaftler Robert Lomas gehen noch einen Schritt weiter: In ihrem Buch „Unter den Tempeln Jerusalems” vertreten sie die Auffassung, die Bundeslade, als auch diverse frühchristliche Texte (Schriftrollen) seien in Rosslyn versteckt worden. [13]

Vermeintlich frühzeitliche Darstellungen von Maispflanzen aus Nordamerika. Am Bogen des zweiten Fenster am Ostende des südlichen Kirchenschiffes.

Legenden besagen, dass Henry Sinclair, Earl of Orkney, vor Christoph Kolumbus um 1398 nach Nordamerika segelte. Die Autoren Robert Lomas und Christopher Knight glauben, dass einige der Verzierungen an der Decke Mais-Pflanzen seien, die Henry Sinclair auf seiner Reise nach Nordamerika entdeckt habe.[14] Falls diese Abbildungen aus der Zeit ihrer Erbauung stammen, wäre dies ein Hinweis auf die Kenntnis der Pflanzenwelt Mittel- oder Südamerikas vor der Wiederentdeckung dieser Länder im Jahr 1492 durch Christoph Kolumbus.

Einige Wissenschaftler interpretieren diese Verzierungen allerdings als stilisierte Darstellungen von Weizen, Erdbeeren oder Lilien.[15]

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert L.D. Cooper: The Rosslyn Hoax? Lewis Masonic 2006, ISBN 978-0-85318-255-9
  • Christopher Knight, Robert Lomas, Unter den Tempeln Jerusalems, Droemer Knaur 2000, ISBN 3-426-77456-9
  • 15th Century: Rosslyn Chapel (Fremdenführer) printed by The Pen-y-coe Press (7. Bridge Street, Penicuik, Midlothian Scotland)
  • Thomas J. Mitchell: ‘’Rosslyn Chapel: The Music of the Cubes’’, WritersPrintShop, 2006, ISBN 978-0-95546-290-0

Weblinks[Bearbeiten]

55.855418-3.159841Koordinaten: 55° 51′ 20″ N, 3° 9′ 35″ W

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Matthias Eickhoff: ’’Reiseführer Schottland’’, Lonely Planet o. O. 2011, S. 160 ISBN 978-3-77016-199-7
  2. George Way: ‘’Scottish Clan & Family Encyclopedia’’, Collins o. O.1995, S. 322-323 ISBN 978-0004705477
  3. Michael Turnbull: Rosslyn Chapel Revealed Sutton Publishing Ltd., 2007, ISBN 0750944676, ISBN 9780750944670.
  4. The St Clair Family. In: rosslynchapel.org.uk. Abgerufen am 5. November 2011.
  5. J. G. Findel (Hrsg): ’’Die Bauhütte: Freimaurer-Magazin’’. Leipzig, 29. Juni 1867, No. 26, 10. Jahrgang
  6. Frieder Leipold: Rosslyn-Motette: Musik zum Steinerweichen. Focus online, 16. Mai 2007, abgerufen am 3. Dezember 2014.
  7. Composer cracks Rosslyn's musical code. The Scotsman, 3. Oktober 2005, abgerufen am 3. Dezember 2014. (englisch)
  8. Stephen Pincock, Mark Frary: ‚’’Geheime Codes: Die berühmtesten Verschlüsselungstechniken und ihre Geschichte’’, BASTEI LÜBBE, o. Ort 2007, S. 45, ISBN 3431037348
  9. Keith Laidler: The Head of God – The Lost Treasure of the Templars, W&N o. O. 1998 ISBN 978-0297841296.
  10. Tim Wallace-Murphy: Rosslyn: Guardian of Secrets of the Holy Grail Thorsons o. O. 2002 ISBN 978-0007133079
  11. Karen Ralls-MacLeod, Ian Robertson: The Quest for the Celtic Key Luath Pr Ltd; 3. Auflage o. O. 2005.
  12. Johannes Fiebag, Peter Fiebag: Die Ewigkeitsmaschine: das Manna-Wunder, der Heilige Gral, die Templer und das Geheimnis von Oak Island, Langen Müller, o. O. 1998, ISBN 9783784427089
  13. Christopher Knight, Robert Lomas: ’’Unter den Tempeln Jerusalems: Pharaonen, Freimaurer und die Entdeckung der geheimen Schriften Jesu’’, Kopp, o. O. 2007, ISBN 9783938516447
  14. Knight, Christopher; Lomas, Robert. The Hiram Key. Fair Winds Press, 2001 ISBN 1-931412-75-8.
  15. Mark Oxbrow, Ian Robertson Rosslyn and the Grail. Mainstream Publishing, Edinburgh 2005, ISBN 1-84596-076-9.