Dirk Rossmann GmbH

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Dirk Rossmann GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1972
Sitz Burgwedel, Deutschland

Leitung

  • Dirk Roßmann
  • Alice Schardt-Roßmann
  • Klaus Praus
  • Roland Frobel[1]
Mitarbeiter 31.000 (2012)[2]
Umsatz 5,947 Mrd. Euro (2012)[3]
Branche Drogeriemärkte
Website www.rossmann.de

Die Dirk Rossmann GmbH, allgemein als Rossmann bezeichnet, ist die zweitgrößte Drogeriemarktkette Deutschlands mit Sitz im niedersächsischen Burgwedel bei Hannover. In Deutschland verfügt die von Dirk Roßmann 1972 gegründete Kette zu Beginn des Jahres 2011 über rund 2.531 Filialen mit rund 31.000 Mitarbeitern.[4] Weitere Absatzmärkte sind Albanien,[5] Polen, Tschechien, Ungarn und die Türkei.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge: 1970er Jahre[Bearbeiten]

Der gelernte Drogist Dirk Roßmann eröffnete im Alter von 26 Jahren am 17. März 1972 in Hannover unter der Bezeichnung Markt für Drogeriewaren sein erstes Drogeriegeschäft. Das Geschäft, welches im Sommer 2010 geschlossen wurde, war in der Jakobistraße, einer Seitenstraße der Lister Meile unmittelbar am Lister Platz gelegen. Am Eröffnungstag gab es ein „Kunden-Chaos“, denn seine Idee eines Discountmarktes für Drogerieartikel stieß auf starkes Interesse bei den Kunden. Nach Ladenschluss hatte Rossmann statt erhoffter 2.000 bis 3.000 DM rund 20.000 DM in der Kasse. Das kleine Geschäft war der erste Drogerie-Discountmarkt Deutschlands. Anlass der Geschäftsgründung war das bevorstehende Verbot der Preisbindung für Drogerieprodukte 1973. „Mir war klar, jetzt tut sich was im Handel.“[6] Zehn Jahre später besaß Roßmann bereits 100 Drogeriemärkte in Norddeutschland und gilt hier seither als „Pionier des Drogeriemarktes“.

Erster Rossmann-Drogeriemarkt in Hannover; Eröffnung am 17. März 1972

Die Expansion: 1990er Jahre[Bearbeiten]

Die Deutsche Wiedervereinigung von 1990 nutzte das Unternehmen für einen enormen wirtschaftlichen Erfolg. Die erste Rossmann-Verkaufsstelle in der DDR wurde am 2. Juli 1990 im thüringischen Sondershausen eröffnet. Im gleichen Jahr begann die flächendeckende Expansion in allen fünf neuen Bundesländern. Mehr als 100 Filialen wurden 1990 eröffnet. In dieser Umbruchzeit begann ebenso die Expansion im östlichen Mitteleuropa.

Derzeitige Situation[Bearbeiten]

Zu Beginn des Jahres 2012 bestanden rund 1.612 Filialen in Deutschland mit mehr als 20.000 Mitarbeitern. Davon befanden sich im Jahre 2006 650 Märkte mit 8.000 Mitarbeitern in Deutschland.

In Europa wurden mit Stand Februar 2012 919 Filialen betrieben. Es bestehen Filialen in Polen (618), Ungarn (179) und Tschechien (108). Im Ausland werden rund 1,32 Milliarden Euro umgesetzt (Gesamtumsatz 3,4 Mrd. Euro/2010). Im Sommer 2009 wurden zusammen mit dem Fußballer Altin Lala in Albanien erste Rossmann-Läden eröffnet. Im Juli 2010 eröffnete Rossmann in Ankara die erste türkische Filiale. Mittlerweile gibt es in Albanien sechs und in der Türkei 27 Filialen.[7]

Insgesamt 33 Filialen in Bahnhöfen, davon 20 nach Übernahme von Ihr Platz und deren IhrPlatz-Express-Märkten, werden seit September 2012 als Rossmann-Express betrieben[8] und führen neben den übliche Drogerieartikeln auch Fein- und Tiefkühlkost sowie weitere Artikel für den Reisebedarf.

Marktstrategie[Bearbeiten]

Rossmann-Filiale in Rundpavillon an der Lister Meile in Hannover

Das Ziel des Unternehmens ist eine schnelle, aber kontrollierte Expansion in Deutschland und in den östlichen Nachbarländern. Die einzelnen Märkte präsentieren sich innen und außen in den Farben Weiß und Rot. Die einzelnen Drogeriemärkte weisen eine durchschnittliche Verkaufsfläche von über 400 m² auf. In den Großstädten Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln und München wurden auch Läden mit bis zu 800 m² eröffnet. Seit 2009 existiert die mit 1000 m² Verkaufsfläche größte Filiale Europas im niedersächsischen Celle.

1999 stieg das Unternehmen in den Vertrieb per Internet ein (Onlineshopping) und eröffnete als erstes Unternehmen der Branche eine „Internet-Drogerie“. Die heutige 100-prozentige Tochtergesellschaft vertreibt unter dem Namen Rossmann Online GmbH etwa 5000 Artikel deutschlandweit.[9] Seit 2005 werden auch Medikamente durch eine Internet-Apotheke vertrieben.

Übernahmen[Bearbeiten]

Finanziert aus dem Cashflow übernahm das Unternehmen Rossmann seit August 2003 stufenweise 400 KD (Kaiser’s Drugstore)-Drogeriefilialen der Tengelmann-Gruppe. Seit dem 1. Mai 2005 ist die Übernahme abgeschlossen. Sämtliche KD-Filialen wurden mit Unterstützung der Tengelmann-Gruppe auf das Rossmann-Sortiment umgestellt. Damit ist Rossmann erstmals bundesweit vertreten und schaffte einen Umsatzsprung auf über 2 Milliarden Euro. Die Anzahl der Beschäftigten wuchs auf über 10.000 Mitarbeiter, davon 2.500 ehemalige Angestellte von KD.

Im Jahre 2008 übernahm Rossmann die norddeutsche Handelskette Kloppenburg.[10] Von den 160 Filialen wurden 30 größere unter der Marke Rossmann geführt. Die anderen Kloppenburg-Filialen firmierten bis Ende März 2013 unter der Marke Kloppenburg, danach wurde diese Marke aufgegeben.

Die Drogeriekette Rossmann übernahm 2012 rund 104 Läden des insolventen Konkurrenten Ihr Platz.[11]

Besitzverhältnisse[Bearbeiten]

Dirk Roßmann,
Inhaber und Geschäftsführer

Der Gründer Dirk Roßmann hält 60 Prozent der Anteile an dem Unternehmen. Sein Gesamtvermögen, welches allerdings im Unternehmen gebunden ist, wird auf etwa 300 Millionen Euro geschätzt. Der Hongkonger Geschäftsmann Li Ka-shing ist nach dem Einstieg seiner Hongkonger Unternehmensgruppe Hutchison Whampoa über seine Einzelhandels-Tochtergesellschaft A.S. Watson mit 40 Prozent beteiligt. Seit Frühjahr 2014 ist die staatliche singapurische Temasek Holdings mit 24,95 % an A.S. Watson beteiligt und damit indirekt auch an Rossmann.

Produktmanagement[Bearbeiten]

Leuchtreklame mit Firmenlogo und Zentaur-Darstellung

[Bearbeiten]

Das Firmenlogo ist ein roter Schriftzug mit dem Unternehmensnamen „Rossmann“. Im Buchstaben O ist symbolhaft ein Zentaur abgebildet. Die Figur, vom latinisierten Centaurus abgeleitet, ist ein Pferdemensch und spielt auf den Firmennamen Rossmann an.

Produkte[Bearbeiten]

Neben den üblichen Drogerieartikeln werden folgende weitere Produkte vertrieben:

  • Naturkosmetik. Sämtliche Produkte der Eigenmarke Alterra entsprechen den Richtlinien des BDIH (Bundesverband deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel e. V.).
  • Wein. Das Weinsortiment wurde 2004 im Buch Die besten Supermarktweine des Weinjournalisten Till Ehrlich positiv beurteilt. Der Autor wählte die seiner Meinung nach 100 besten Weine aus Supermärkten aus, von denen 10 aus dem Rossmann-Sortiment stammten.
  • Fotodienst. Sowohl in Filialen mit Stationen, als auch im Internet kann man Fotos, Fotobücher und Fotogeschenke bestellen.
  • Technikprodukte. Produkte wie Videokassetten, CD-Rohlinge oder Filme (werden von eigener Rossmann-Firma hergestellt) führt Rossmann in seinem Programm.

Einige dieser Produkte stellt Rossmann selbst her.

Kundenzeitschrift „Centaur“[Bearbeiten]

Seit dem 30. Firmengeburtstag im März 2002 gibt das Unternehmen das eigene Kundenmagazin Centaur (in Anlehnung an die Zentaur-Darstellung auf dem Firmenlogo) heraus. Das Heft mit rund 100 Seiten wird kostenlos über die Filialen an die Kunden verteilt. Es erscheint achtmal im Jahr und hat eine Auflage von 570.000 Stück. Dirk Roßmann ist Mitglied im Verein Deutsche Sprache und hält die Centaur-Redaktion dazu an, Anglizismen zu vermeiden.[12] 2006 wurde die Auszeichnung Sprachwahrer des Jahres der Deutschen Sprachwelt wegen konsequenter Vermeidung unnötiger Anglizismen verliehen.

Vertriebsstruktur[Bearbeiten]

Hauptsitz in Burgwedel

Neben den zahlreichen Filialen verfügt Rossmann an folgenden Standorten über größere Einrichtungen:

  • Der Unternehmenssitz mit rund 1200 Mitarbeitern befindet sich seit 1992 als Neubau in Burgwedel unmittelbar an der A 7. Die Konzernzentrale hat eine Fläche von 16.500 m². 2003 wurde ein Hochregallager in Betrieb genommen, das 30 Meter hoch, 127 Meter lang und 15 Meter breit ist. Es bietet auf 20 Ebenen Platz für 13.000 Europaletten.
  • Das regionale Logistikzentrum mit 5.000 m² Fläche für die Drogeriemärkte in den neuen Bundesländern entstand 1994 in Landsberg in Sachsen-Anhalt. 2002 wurde dort ein weiteres Lager mit 20.000 m² in Betrieb genommen.
  • Das Logistikzentrum für die polnischen Rossmann-Verkaufsstellen entstand 2003 am Stadtrand von Łódź in einer Größe von 20.000 m².
  • In Leverkusen wurde am 17.November 2007 das Verteilzentrum-West mit einer Fläche von 14.500 m² eröffnet. Nach Differenzen mit der Firma Currenta über Betrieb und Ausbau bezieht Rossmann im Februar 2012 ein neues Logistikzentrum in Köln-Niehl. Dort stehen 30.000 m² Lagerfläche zur Verfügung.
  • In Melsdorf bei Kiel wurde das ehemalige Kloppenburg-Lager im Oktober 2008 als Regionallager weiterbetrieben.

Wettbewerb[Bearbeiten]

Die wichtigsten Wettbewerber sind dm und Müller. Mitte 2005 stieg Lidl in den Drogeriemarkt ein. Noch im Jahr 2001 war Rossmann halb so groß wie dm, 2006 kündigte Roßmann an, in den nächsten Jahren dm beim Umsatz zu überholen. Nach drei Jahrzehnten informeller Marktaufteilung steuert Rossmann nun einen aggressiven Verdrängungswettbewerb auch im Süden Deutschlands. Bislang bestand zwischen dem Branchenersten dm und Rossmann ein Gentlemen’s Agreement, wonach das Unternehmen von Rossmann sich auf ein Filialnetz in Deutschland beschränkt. Nach dem Einstieg von Hutchison Whampoa wurde diese Aufteilung von Rossmann gekündigt. Rossmann expandiert seither auch in Süddeutschland und dm in Norddeutschland.

Kritik[Bearbeiten]

Rossmann setzt für die Befüllung der Regale in jeder zweiten Filiale Niedriglöhner mit Werkverträgen des Subunternehmens „Instore Solution Services GmbH“ ein.[13] Außerdem beschäftigt Rossmann Billiglöhner der Firma „Instore Solutions Personell GmbH“ und ihres polnischen Ablegers „Invent“ bzw „ISS Polska“ als Leiharbeiter. Rossmann ist über seine „Rossmann Beteiligungs GmbH“ mit 49 Prozent an der Instore Solution Services GmbH und mit 22,5 Prozent an der Instore Solutions Personell GmbH beteiligt.[14] Die Gewerkschaft Ver.di spricht von Lohnwucher.

Im Oktober 2012 versandte Rossmann Briefe an Hersteller seiner Eigenmarken, in denen laut Handelsblatt Senkungen der Einkaufspreise von bis zu 10 Prozent verlangt wurden. Einige der Adressaten sahen sich dadurch in ihrer Existenz bedroht.[15]

Abschaltung von PayPal[Bearbeiten]

Im September 2011 wurde die Zusammenarbeit mit PayPal eingestellt und Produkte können nicht mehr darüber bezahlt werden. Begründet wurde dies seitens Paypal mit dem Kuba-Embargo der US-amerikanischen Regierung. Nach dieser Begründung ist der Verkauf kubanischer Produkte ein Verstoß gegen US-Recht und damit auch gegen die Geschäftsbedingungen von Paypal. Am 1. August bekam Rossmann einen „aggressiven“ Hinweis von PayPal.[16] Insbesondere kubanische Zigarren und Rum im Online-Angebot wurden bemängelt und ein Delisting der Produkte innerhalb von drei Tagen gefordert, andernfalls werde die Zusammenarbeit aufgekündigt. Die Geschäftsleitung beschloss daraufhin am 3. August 2011, PayPal als Zahlungsmöglichkeit zu streichen, die Kunden wurden sofort online über den Vorgang informiert. [17] PayPal Zahlungen sind laut 'Zahlungsmöglichkeiten' im Rossmann Online-Shop wieder möglich (Stand: Jan. 2014).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rossmann (Unternehmen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.rossmann.de/kontakt/impressum.html
  2. http://www.welt.de/wirtschaft/article13830724/Rossmann-entkraeftet-Sorgen-um-steigende-Preise.html
  3. http://www.rossmann.de/unternehmen/rossmann-auf-einen-blick.html
  4. http://www.welt.de/wirtschaft/article13830724/Rossmann-entkraeftet-Sorgen-um-steigende-Preise.html
  5. Rossmann-Drogerien – Der Herr der kleinen Preise. In: Bild.de, 16. Dezember 2009. Abgerufen am 8. Januar 2009. 
  6. Rossmann-Drogerien – Der Herr der kleinen Preise. In: sueddeutsche.de, 5. April 2006. Abgerufen am 5. Juli 2011. 
  7. Rossmann: ROSSMANN International, Unternehmens-Homepage, abgerufen am 24. Februar 2014.
  8. Drogeriekonzept für Bahnhöfe heißt „Rossmann-Express“, Pressemitteilung vom 27. August 2012
  9. ROSSMANN online verwendet eBusiness-Plattform eEvolution (abgerufen am 24. August 2011)
  10. „Rossmann schluckt Kloppenburg“, Die Welt, 29. November 2007
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPressemitteilung „Kartellamt stimmt zu“. In: Rossmann. 25. Juli 2012, abgerufen am 26. Mai 2012.
  12. www.rossmann.de http://www.rossmann.de/unternehmen/verantwortung/aktionverein-deutsche-sprache.html
  13. Die neue Leiharbeit Die Zeit, 29. August 2011
  14. „Lohnwucher“: Die verborgene Seite des Rossmann-Reiches Handelsblatt, 15. Februar 2012
  15. Rossmann setzt Lieferanten unter Druck Süddeutsche Zeitung, 18. Oktober 2012
  16. „Lassen uns nicht erpressen“: Rossmann schmeißt Paypal raus. In: heise.de, 9. September 2011. Abgerufen am 22. Februar 2011. 
  17. Homepage Rossmann.de, abgerufen am 22. Februar 2012