Rotbraunes Wiesenvögelchen

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Rotbraunes Wiesenvögelchen
Rotbraunes Wiesenvögelchen (Coenonympha glycerion)

Rotbraunes Wiesenvögelchen (Coenonympha glycerion)

Systematik
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
Unterfamilie: Augenfalter (Satyrinae)
Gattung: Coenonympha
Art: Rotbraunes Wiesenvögelchen
Wissenschaftlicher Name
Coenonympha glycerion
(Borkhausen, 1788)
Oberseite des Rotbraunen Wiesenvögelchens

Das Rotbraune Wiesenvögelchen (Coenonympha glycerion) ist ein Schmetterling (Tagfalter) aus der Familie der Edelfalter (Nymphalidae). Es ist von Spanien über Europa und Sibirien bis Nordkorea verbreitet. Die Falter fliegen in einer einzigen Generation, in Mitteleuropa meist von Mitte Juni bis Ende Juli. Die Raupen ernähren sich von verschiedenen Grasarten.

Merkmale[Bearbeiten]

Die männlichen Falter sind oberseits kastanienbraun, die Hinterflügel sind etwas dunkler. Selten sind orange Ringe am Außenrand der Hinterflügel angedeutet. Bei den Weibchen mit deutlich helleren Vorderflügeln sind diese Ringe viel häufiger ausgeprägt. Die Vorderflügelunterseite ist orange mit einem breiten grauen Außenrand. Die orangebraune Hinterflügelunterseite hat eine schmale orange Binde am Außenrand und eine Reihe verschieden großer, weißgekernter Augenflecken mit schwarzen Ringen in der Marginalregion, an deren Innenrand eine meist zweiteilige, unregelmäßige, weiße Binde verläuft. Größe und Anzahl der Augenflecken variiert regional, in höheren Lange können sie auch ganz fehlen.[1]

Unterarten[Bearbeiten]

  • ssp. glycerion (Borkhausen , 1788)
  • ssp. iphioides Staudinger , 1870 kommt in Zentral- und Nordostspanien vor, ist größer und hat auf der Hinterflügelunterseite immer sechs Augenflecken. auf der Vorderflügeloberseite fehlt der Augenfleck am Apex. Dunklere, etwas graue Formen kommen auf feuchten, sauren Böden vor. In den Hochlagen der Pyrenäen und der Montes Universales kommen Hybriden mit der Nominatform vor (f. pearsoni Romei)[1]
  • ssp. korshunovi Nekrutenko aus den Aj-Petri Bergen auf der Krim ähnelt der Höhenform der Südwestalpen

Synonyme[Bearbeiten]

  • Papilio iphis, Coenonympha iphis Denis & Schiffermüller, 1775 (ungültiges Homonym)
  • Coenonympha iphioides Staudinger, 1870.

Ähnliche Arten[Bearbeiten]

Vorkommen[Bearbeiten]

In Zentral- und Nordostspanien kommt die Unterart iphioides vom Kantabrisches Gebirge und den Pyrenäen bis zum Montes Universales vor. Diese bildet in Aragonien und den Ostpyrenäen eine Hybridzone mit der Nominatunterart. Die Nordwestgrenze der Verbreitung der Nominatunterart in Europa verläuft über Süd- und Zentralfrankreich, Deutschland, Polen, die baltischen Staaten bis nach Südfinnland. Nach Süden ist sie verbreitet in Italien bis zum mittleren Apennin und auf der Balkanhalbinsel bis zu den Ropoden in Nord-Griechenland. Nach Osten über Sibirien und den Kaukasus bis Nordkorea verbreitet.

In Europa ist die Art meist in Höhen von 250 bis 1800 Meter anzutreffen. In Spanien steigt sie nur bis auf 1600 Meter, in den Nordalpen bis 1500 Meter Höhe[2] und in den Südwestalpen steigt sie auf bis zu 2100 Meter. Hier treten auf der Unterseite fast ungezeichnete Höhenformen auf (f. bertolis Prunner, 1798), die sich genetisch aber kaum unterscheiden und deren Unterartstatus nicht mehr anerkannt wird.

Lebensweise[Bearbeiten]

Rotbraune Wiesenvögelchen an Feld-Thymian

Das Rotbraune Wiesenvögelchen lebt sowohl in trockenen als auch in feuchten grasigen und gebüschreichen Stellen und Waldlichtungen. Die wichtigste Nektarpflanze ist der Dost (Origanum vulgare), der in den Gebieten oft in großer Zahl blüht. Daneben wurden die Falter auch an Feld-Thymian (Thymus pulegioides), Großer Braunelle (Prunellu grandiflora) und anderen violett blühenden Pflanzen beobachtet.[3]

In Mitteleuropa überwintert die halbausgewachsene Raupe im dritten Stadium.

Als Nahrungspflanzen der Raupen dienen verschiedene Grasarten, an denen auch die Eier abgelegt werden. Nachgewiesen sind Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum), Wiesen-Kammgras (Cynosurus cristatus), Mittleres Zittergras (Briza media), Wimper-Perlgras (Melica ciliata), Aufrechte Trespe (Bromus erectus), Weiche Trespe (Bromus hordeaceus), Echter Schaf-Schwingel (Festuca ovina), Gewöhnlicher Rot-Schwingel (Festuca rubra), Blaues Pfeifengras (Molinia caerulea) und Wiesen-Lieschgras (Phleum pratense).[1][4]

Flugzeit[Bearbeiten]

Die Falter fliegen in einer einzigen Generation, in Mitteleuropa meist von Mitte Juni bis Ende Juli, an warmen Stellen aber bereits ab Mitte Mai und bis Ende August in höheren Lagen (Bayern und Österreich) und in Spanien.[1][2]

Gefährdung und Schutz[Bearbeiten]

Das Rotbraune Wiesenvögelchen ist in Österreich nicht gefährdet, in Bayern auf der Vorwarnliste (Kategorie V) und in Baden-Württemberg gefährdet (Kategorie 3).[2]

Belege[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Martin Wiemers: Die Gattung Coenonympha HÜBNER, 1819, in Europa: Systematik, Ökologie und Schutz (Lepidoptera: Papilionoidea: Nymphalidae: Satyrinae). In: Gesellschaft für Schmetterlingsschutz (Hrsg.): Oedippus. Nr. 25, Pensoft, 30. Juni 2007, S. 1–42 (online, abgerufen am 23. Juni 2012).
  •  Günter Ebert, Erwin Rennwald (Hrsg.): Tagfalter II (Augenfalter(Satyridae), Bläulinge (Lycaenidae), Dickkopffalter (Hesperiidae)). In: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 2, Ulmer Verlag, Stuttgart 1993, ISBN 3-8001-3459-4.
  •  Christian Stettmer, Markus Bräu, Patrick Gros, Otmar Wanninger: Die Tagfalter Bayerns und Österreichs. Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege, 2007, ISBN 978-3-931175-89-4, S. 112f.
  •  Tom Tolman, Richard Lewington: Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-440-07573-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Tolman: Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas. 1998, S. 243f.
  2. a b c Stettmer u. a.: Die Tagfalter Bayerns und Österreichs. 2007, S. 112f.
  3. Ebert: Tagfalter II. 1993, S. 115.
  4. Wiemers: Die Gattung Coenonympha HÜBNER. 2007, S. 18f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rotbraunes Wiesenvögelchen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien