Roter Gänsefuß

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Roter Gänsefuß
Roter Gänsefuß (Oxybasis rubra)

Roter Gänsefuß (Oxybasis rubra)

Systematik
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae)
Unterfamilie: Chenopodioideae
Tribus: Atripliceae
Gattung: Oxybasis
Art: Roter Gänsefuß
Wissenschaftlicher Name
Oxybasis rubra
(L.) S. Fuentes, Uotila & Borsch

Der Rote Gänsefuß (Oxybasis rubra,[1] Syn.Chenopodium rubrum), auch Rot-Gänsefuß[2] genannt, ist eine Pflanzenart in der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Sie ist in Mitteleuropa heimisch und auf der ganzen Nordhalbkugel verbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Ausschnitt eines Blütenstandes

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Der Rote Gänsefuß ist eine einjährige krautige Pflanze mit Wuchshöhen von meist 10 bis 80 (bis zu 150) cm. Der aufrechte oder niederliegend-aufsteigende, meist stark verzweigte Stängel ist hellgrün oder purpurrot überlaufen, undeutlich gestreift, gerippt und kahl.

Die wechselständigen Laubblätter sind in Blattspreite und Blattstiel gegliedert. Die grünen oder rötlichen Laubblätter sind etwas fleischig, nicht aromatisch, und beidseitig (fast) gleichfarbig. Der Blattstiel besitzt eine Länge von 0,5 bis 4,5 mm. Die Blattspreite ist bei einer Länge von 1 bis 9 cm und einer Breite von 1 bis 6 cm dreieckig, eiförmig oder rhombisch-eiförmig. Der Blattgrund verschmälert sich keilförmig in den Blattstiel. Der Blattrand ist unregelmäßig tief buchtig gezähnt, mit drei bis fünf Paaren von dreieckigen, leicht einwärts gebogenen Zähnen. Die obersten Blätter können manchmal fast ganzrandig sein.

Blütenstand und Blüte[Bearbeiten]

Die seitlichen, verzweigten scheinährigen Blütenstände enthalten fast kugelige, knäuelige Teilblütenstände mit einem Durchmesser von 2 bis 5 mm. Die Vorblätter sind bei einer Länge von 0,4 bis 2 cm linealisch.

Die Blüten sind zwittrig oder weiblich. Die grüne, zur Fruchtzeit oft rote Blütenhülle besteht bei den endständigen Blüten im Knäuel aus vier bis fünf Tepalen, bei den seitlichen Blüten aus drei meist nur im unteren Teil verwachsenen Tepalen. Die Tepalenzipfel sind verkehrt-eiförmig-lanzettlich bis elliptisch, bis 1 mm lang und bis 0,8 mm breit, meist kahl, auf dem Rücken gerundet (gelegentlich gekielt). Es sind zwei bis drei Staubblätter vorhanden. Auf dem Fruchtknoten befinden sich zwei sehr kurze Narben.

Früchte und Samen

Frucht und Samen[Bearbeiten]

Zur Fruchtzeit wird die Frucht von der grünen, oft rot werdenden Blütenhülle umschlossen. Die Frucht ist eiförmig, die häutige, weiße, netzig-punktierte Fruchtwand liegt dem Samen nicht an. Der vertikale, schräge oder horizontale Same mit einem Durchmesser von 0,6 bis 1 (1,2) mm ist kugelförmig oder breit flach-eiförmig mit rundem Umriss und stumpfem Rand. Die rötlich-braune bis rot-schwarze Samenschale ist glatt oder mit sehr kleinen, verlängerten Gruben bedeckt.

Blütenökologie[Bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Juli bis September. Die Bestäubung erfolgt häufig durch den Wind oder durch Selbstbestäubung, seltener durch Insekten.[3]

Chromosomenzahl[Bearbeiten]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n=36, bei einer Untersuchung wurden auch 2n=18 gefunden.[4]

Ökologie[Bearbeiten]

Der Rote Gänsefuß ist eine Nahrungspflanze für die Schmetterlingsraupen des Melden-Blattspanners (Pelurga comitata).[5]

Vorkommen und Gefährdung[Bearbeiten]

Der Rote Gänsefuß ist auf der ganzen Nordhalbkugel (circumpolar) in Europa, den gemäßigten Regionen von Asien und in Nordamerika verbreitet. Als eingeführte Art kommt er auch in anderen Gebieten vor.[6]

In Mitteleuropa besiedelt der Rote Gänsefuß stickstoffreiche Flussmeldenfluren, beispielsweise an Kiesufern, welche im System der Pflanzensoziologie nach ihm Chenopodietum rubri genannt werden. Er wächst auch in kurzlebigen Ruderalfluren (Sisymbrion) auf frischen bis feuchten Böden, zum Beispiel an Dorfstraßen, offenen Jaucherinnen, Dungstätten oder Schuttplätzen. Von der Ebene steigt er bis in mittlere Gebirgslagen.[7] Gelegentlich kommt er auch in Salzpflanzenfluren oder in kalk- und nährstoffreichen Lehm- u. Tonäckern vor.[8]

Der Rote Gänsefuß gilt als Zeigerpflanze für übermäßigen Stickstoffreichtum im Boden.[8]

Die in Deutschland einheimische Art ist bundesweit ungefährdet. Im Saarland und in Baden-Württemberg gilt sie aber als gefährdet (Rote Liste gefährdeter Arten 3).[8]

Auch in der Schweiz gilt der Rote Gänsefuß in einigen Regionen als gefährdet oder vom Aussterben bedroht.[9]

Systematik[Bearbeiten]

Oxybasis rubra (L.) S. Fuentes, Uotila & Borsch zählt zur Tribus Atripliceae in der Unterfamilie Chenopodioideae innerhalb der Familie Amaranthaceae.[1]

Die Erstveröffentlichung als Chenopodium rubrum erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Band 1, S. 218[10]. Durch molekulargenetische Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Art nicht zu Chenopodium im engeren Sinne gehört. Daher wurde sie 2012 von Suzy Fuentes-Bazan, Pertti Uotila und Thomas Borsch in die Gattung Oxybasis gestellt (in Willdenowia 42, 2012, S. 15.).

Synonyme für Oxybasis rubra (L.) S. Fuentes, Uotila & Borsch, die auf demselben Typusexemplar beruhen, sind Blitum rubrum (L.) Rchb., Chenopodium rubrum L., Orthosporum rubrum (L.) T. Nees, [1] Atriplex rubra (L.) Crantz, Blitum polymorphum var. rubrum (L.) Beck, Botrys rubra (L.) Lunell, und Orthospermum rubrum (L.) Opiz.[4]

Als weitere Synonyme gelten Blitum acuminatum Schur, Blitum maritimum Nutt., Blitum polymorphum C.A.Mey., Blitum polymorphum var. humile (Hook.) Moq., Blitum rubrum C.A.Mey., Blitum rubrum var. crassicaule Moq., Blitum rubrum var. humile (Hook.) Moq., Blitum rubrum var. hypoleucum Speg., Blitum rubrum var. macrospermum (Hook.f.) Speg., Botrys humilis (S.Watson) Lunell., Chenopodium acuminatum Schur (nom. illeg.), Chenopodium astracanium Ledeb., Chenopodium blitoides Lej., Chenopodium humile Hook., Chenopodium macrospermum Moq. (nom. illeg.), Chenopodium matthioli Bertol. ex Moq., Chenopodium patulum Mérat, Chenopodium pygmaeum Menyh., Orthospermum acuminatum Schur und Orthospermum crassifolium Schur.[11]

Nutzung[Bearbeiten]

Die Blätter des Roten Gänsefußes können roh oder gekocht wie Spinat zubereitet werden. Rohe Blätter sollten wegen ihres Gehalts an Saponinen allerdings nur in kleinen Mengen verzehrt werden. Die Samen können gemahlen als Mehlzusatz dienen. Es wird empfohlen, sie über Nacht einzuweichen und danach gründlich abzuspülen, um die Saponine zu entfernen. [12]

Die ganze Pflanze kann als Färbepflanze für gold-grüne Farbtöne verwendet werden.[12]

Belege[Bearbeiten]

  •  Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2000, ISBN 3-8001-3364-4, S. 89. (Abschnitte Beschreibung, Vorkommen)
  • Steven E. Clemants & Sergei L. Mosyakin: Chenopodium rubrum - textgleich online wie gedrucktes Werk In:  Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 4: Magnoliophyta: Caryophyllidae, part 1, Oxford University Press, New York/Oxford u. a. 2003, ISBN 0-19-517389-9, S. 282. (Abschnitte Beschreibung, Vorkommen)
  • Gelin Zhu, Sergei L. Mosyakin & Steven E. Clemants: Chenopodium rubrum - textgleich online wie gedrucktes Werk In:  Wu Zhengyi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 5: Ulmaceae through Basellaceae, Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 2003, ISBN 1-930723-27-X, S. 379. (Abschnitte Beschreibung, Vorkommen)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Susy Fuentes-Bazan, Pertti Uotila, Thomas Borsch: A novel phylogeny-based generic classification for Chenopodium sensu lato, and a tribal rearrangement of Chenopodioideae (Chenopodiaceae). In: Willdenowia 42, 2012, S. 15. online
  2. Eintrag bei Botanik im Bild / Flora von Österreich, Liechtenstein und Südtirol
  3. Eintrag bei BiolFlor
  4. a b Eintrag bei Tropicos, abgerufen 31. Januar 2012
  5. Gaden S. Robinson, Phillip R. Ackery, Ian J. Kitching, George W. Beccaloni & Luis M. Hernández: Eintrag bei HOSTS - A Database of the World's Lepidopteran Hostplants, abgerufen 31. Januar 2012
  6. Oxybasis rubra im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 4. Juli 2013.
  7.  Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 5., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1983, ISBN 3-8001-3429-2, S. 345.
  8. a b c Roter Gänsefuß. In: FloraWeb.de.
  9. Eintrag in der Zentralen Datenbank der Schweizer Flora, abgerufen 31. Januar 2012
  10. Erstveröffentlichung eingescannt bei BHL
  11. Eintrag bei The Plant List, abgerufen 31. Januar 2012
  12. a b Eintrag bei Plants For A Future, abgerufen 31. Januar 2012

Weblinks[Bearbeiten]