Roter Hartriegel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Roter Hartriegel
Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea)

Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea)

Systematik
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Ordnung: Hartriegelartige (Cornales)
Familie: Hartriegelgewächse (Cornaceae)
Gattung: Hartriegel (Cornus)
Art: Roter Hartriegel
Wissenschaftlicher Name
Cornus sanguinea
L.
Illustration[1]
Blüten
Früchte

Der Rote Hartriegel (Cornus sanguinea) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Hartriegel (Cornus) in der Familie der Hartriegelgewächse (Cornaceae). Sein Name kommt von den roten Blättern im Herbst und dem harten, teilweise auch roten Holz seiner Äste. Weitere Trivialnamen sind Blutroter Hartriegel, Rotes Beinholz, Hundsbeere und Roter Hornstrauch.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Rote Hartriegel bildet in Mitteleuropa 3 bis 4 Meter hohe, breite und dicht stehende Sträucher. In Südeuropa kann die Art auch baumförmig wachsen und erreicht dann eine Höhe von 6  Metern.[2] Ältere Stämme zeigen eine Schuppenborke.[3] Das Holz der Art ist zäh und schwer spaltbar mit zerstreutporig verteilten Gefäßen. Splint– und Kernholz sind anders als bei anderen Hartriegelarten von gleicher rötlich-weißer Farbe.[4] Einjährige Triebe sind kurzbehaart und leuchtend rot bis braunrot gefärbt. Die Rotfärbung wird durch Anreicherung von Anthocyan verursacht und ist kennzeichnend für die Art. Zweijährige Triebe sind olivbraun und kahl.[2] Sowohl die Blüten- als auch die Laubknospen sind länglich und werden bis zu 6 Millimeter lang. Sie haben keine Knospenschuppen, stattdessen werden sie durch die braunfilzig behaarten Blätter geschützt. Die Knospen mit den Blütenständen erscheinen an den Zweigenden und im Gegensatz zu den Laubknospen verdickt. Anders als bei der Kornelkirsche (Cornus mas) liegen die Seitenknospen am Zweig an und die Spitzen sind dem Zweig zugewandt.

Die Blätter stehen gegenständig und haben einen 8 bis 15 Millimeter langen Stiel. Sie sind breit elliptisch bis eiförmig, 4 bis 10 Zentimeter lang und 2,5 bis 5 Zentimeter breit, ganzrandig, zugespitzt mit keilförmiger Basis. Es werden drei bis fünf, an der Blattunterseite deutlich erhabene Nervenpaare gebildet.[4] Die Blattoberseite ist dunkelgrün und angelegt gabelhaarig, die Unterseite ist heller und besonders an den Blattadern kraushaarig.[5]

Die weißen Blüten stehen zu 20 bis 50 in 4 bis 8 Zentimeter breiten, endständigen Schirmrispen mit 2,5 bis 3,5 Zentimeter langen Stielen. Die zwittrigen Einzelblüten sind radiärsymmetrisch und haben einen Diskus, vier lineal-lanzettliche, an der Unterseite behaarte, 4,5 bis 6 Millimeter lange Kronblätter und vier sehr kurze, verwachsene Kelchblätter. Die vier Staubblätter sind nur etwas kürzer als die Kronblätter und überragen etwas den Griffel. Der Fruchtknoten ist unterständig.[3][6] Die Art blüht von Mai bis Juni.[5] Die Früchte sind 5 bis 8 Millimeter dicke, weiß punktierte, schwarzblaue Steinfrüchte, die im September reifen.[6] Sie enthalten einen kugeligen, glatten, zweisamigen Steinkern.[3] Eine Besonderheit des Roten Hartriegels ist es, in manchen Jahren im frühen August eine zweite Blüte zu bilden. Blüten und fast reife Früchte stehen dann gleichzeitig am Strauch.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.[3]

Verbreitung und Ökologie[Bearbeiten]

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich von Europa über die asiatische Türkei und den Kaukasus bis nach Mittelasien. Dort wächst der Rote Hartriegel in Hecken und Strauchflächen, seltener in artenreichen Wäldern auf trockenen bis frischen, schwach sauren bis alkalischen, sandig- bis lehmig-humosen, mäßig nährstoffreichen Böden.[5] Er wächst vorwiegend im Flachland, man findet ihn jedoch in den Bayerischen Alpen bis in Höhen von 900 Metern, in Tirol bis auf 1350 Meter und im Wallis bis in 1550 Metern Höhe.[2]

Der Rote Hartriegel ist ein winterkahler Stauch oder ein kleiner Baum von 2−4 m, selten 8 m Höhe; er kann 30−40 Jahre alt werden. Die Jungen Zweige haben eine dünne, assimilierende, primäre Rinde, diese wird in Schatten gelblichgrün, an der Sonnenseite und vor allem im Herbst und Winter durch Anreicherung von Anthocyan blutrot. Es liegt eine VA-Mykorrhiza vor.

Die Blüten sind homogame „Nektar führende Scheibenblumen“ mit einem unangenehmen fischartigen Geruch, hervorgerufen durch Methylamin.

Die Bestäubung erfolgt durch größere Insekten, z. B. durch Fliegen, Wildbienen der Gattungen Andrena, Lasioglossum, Osmia und Käfer. Auch Selbstbestäubung findet statt.

Die Früchte sind schwarze Steinfrüchte mit 1−2 großen Steinkernen; die Verbreitung der Früchte erfolgt durch Vögel wie Singdrossel, Amsel, Wacholderdrossel, Rotkehlchen, Dorngrasmücke, Star, Elster, Blaumeise, Gimpel und Fasan.[3]

Die Vegetative Vermehrung erfolgt durch Wurzelausläufer sowie durch als Bogentriebe herabgesenkte Zweige, die sich unter Laub leicht bewurzeln, so besonders in feuchtschattigen Wäldern, wo die Pflanze kaum blüht. Die Art lässt sich auch problemlos durch Stecklinge vermehren.

Giftigkeit[Bearbeiten]

Giftige Pflanzenteile: Früchte und Blätter.

Hauptwirkstoffe: In Blüte und Blättern ein Flavonglykosid, Gallussäure und Ellagsäure. Im frischen Blätterdestillat Salicylsäure. Wurzel und Zweige enthalten Verbenalin. Die Frucht enthält ein Anthocyankomplex.

Vergiftungserscheinungen: Die als giftverdächtig geltenden Früchte sind roh fast ungenießbar und können bei Kindern höchstens eine Gastroenteritis bewirken.

Wirkungen auf die Haut: Reizerscheinungen treten nach Berührung der Blätter an empfindlichen Hautstellen auf. Die Wirkung ist den mit Calciumcarbonat inkrustierten Blatthaaren zuzuschreiben.

Systematik und Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Der Rote Hartriegel (Cornus sanguinea) ist eine Art aus der Gattung der Hartriegel (Cornus) aus der Familie der Hartriegelgewächse (Cornaceae).[7]

Vom Arttypus wird die Unterart Cornus sanguinea subsp. australis (C.A.Mey.) Jav. unterschieden. Sie hat eiförmig und stachelspitzige, bis zu 8 Zentimeter lange Blätter, die anfangs unterseitig flaumig behaart sind, später auf beiden Seiten angedrückt behaart. Die Früchte sind dunkelpurpurn und 5 Millimeter dick. Das Verbreitungsgebiet der Unterart erstreckt sich von Mitteleuropa ostwärts bis nach Mittelasien.[5]

Die Art wurde schon im Altertum von Plinius als „Cornus femina“ beschrieben.[2] Die wissenschaftliche Erstbeschreibung unter dem Namen Cornus sanguinea erfolgte durch Carl von Linné 1753 in seinem Werk Species Plantarum.[7]

Verwendung[Bearbeiten]

Der Rote Hartriegel wird häufig aufgrund seiner bemerkenswerten Blüten als Zierpflanze verwendet. Er dient auch als Bienenweide.[5] Die Früchte sind nicht giftig, roh jedoch ungenießbar. Sie enthalten einen hohen Anteil an Vitamin C und werden zur Herstellung von Fruchtsäften und Marmelade[8] verwendet. In wärmeren Gebieten wird die Art zur Aufforstung problematischer Standorte eingesetzt, so etwa in Bologna zur Begrünung stark erodierter Tonhänge oder in Ungarn als Vorbereitung für eine spätere Aufforstung mit Eiche und Buche. Bis ins 18. Jahrhundert[9] wurde das in den Samen zu 40 bis 45 Prozent enthaltene Öl auch zu Brennzwecken verwendet.[10] Aus den Zweigen wurden Körbe geflochten und das harte, zähe und feste Holz wurde zum Drechseln benutzt.[8]

Nachweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Peter Schütt, Horst Weisgerber, Hans J. Schuck, Ulla Lang, Bernd Stimm, Andreas Roloff: Enzyklopädie der Sträucher. Nikol, Hamburg 2006, ISBN 3-937872-40-X.
  •  Peter Schütt, Hans Joachim Schuck, Bernd Stimm (Hrsg.): Lexikon der Baum- und Straucharten. Das Standardwerk der Forstbotanik. Morphologie, Pathologie, Ökologie und Systematik wichtiger Baum- und Straucharten. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-53-8, S. 61–66 (Nachdruck von 1992).
  •  Andreas Roloff, Andreas Bärtels: Flora der Gehölze. Bestimmung, Eigenschaften und Verwendung. 3., korrigierte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5614-6, S. 218.
  •  Ulrich Hecker: Bäume und Sträucher. BLV Handbuch. BLV Buchverlag, München 2006, ISBN 3-8354-0021-5, S. 354–355.
  • R. Düll, H. Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. 7. Auflage. Quelle & Meyer-Verlag, 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  • Peter A. Schmidt, Ulrich Hecker: Taschenlexikon der Gehölze. Quelle & Meyer, 2009, ISBN 978-3-494-01448-7.
  • Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen Pflanzengifte. 6. Auflage. Nikol, Hamburg 2012, ISBN 978-3-86820-009-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Illustration von Jacob Sturm aus Johann Georg Sturm: Deutschlands Flora in Abbildungen. 1796.
  2. a b c d Schütt u. a.: Enzyklopädie der Sträucher. S. 62.
  3. a b c d e Schütt u. a.: Enzyklopädie der Sträucher. S. 65.
  4. a b Schütt u. a.: Enzyklopädie der Sträucher. S. 63.
  5. a b c d e Roloff u. a.: Flora der Gehölze. S. 218.
  6. a b Hecker: Bäume und Sträucher. S. 354.
  7. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatCornus sanguinea. In: Germplasm Resources Information Network (GRIN). United States Department of Agriculture, abgerufen am 27. Februar 2011 (englisch).
  8. a b Schütt u. a.: Lexikon der Baum- und Straucharten. S. 121.
  9. Hecker: Bäume und Sträucher. S. 355.
  10. Schütt u. a.: Enzyklopädie der Sträucher. S. 66.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Roter Hartriegel (Cornus sanguinea) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien