Roter Stern Leipzig

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Roter Stern Leipzig
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Voller Name Roter Stern Leipzig
Ort Leipzig
Gegründet 1. Februar 1999
Vereinsfarben schwarz-rot
Stadion Sportpark Dölitz
Plätze 1.200
Liga Stadtliga
2013/14 8. Platz
Heim
Auswärts

Roter Stern Leipzig ’99 e. V. (RSL) ist ein Leipziger Sportverein aus dem Stadtteil Connewitz. Seine Bedeutung liegt weniger in seinen sportlichen Erfolgen als in seinem Selbstverständnis als „kultur-politisches Sportprojekt im Spannungsfeld zwischen normalem Fußballverein und linksradikaler Politik“, mit dem er sich deutlich von anderen Sportvereinen unterscheidet.

Spieler von Roter Stern Leipzig
Fankurve

Geschichte[Bearbeiten]

Roter Stern Leipzig ’99 e. V. wurde am 1. Februar 1999 als Fußballverein von 20 alternativen Jugendlichen gegründet. Die Mitglieder des Vereins vertreten verschiedene vornehmlich politisch linke Positionen. Die erste Fußballmannschaft spielt gegenwärtig in der Stadtliga Leipzig. In den letzten Jahren stieg die Mitgliederzahl des Vereins auf rund 700 aktive und passive Mitglieder an,[1] damit ist der RSL der Verein mit den meisten Fußballern in Leipzig.[2] Diese verteilen sich auf mehrere Fußballmannschaften (Dazu zählt eine vollständige Jugendabteilung mit dreizehn Kinderteams, eine Frauen-, zwei Senioren- und fünf Herrenmannschaften) und weitere Sportarten wie Basketball, Handball, Volleyball, Turnen, Schach, Triathlon, Rad- und Laufsport. Es wurde und wird sich eindeutig gegen rassistische und diskriminierende Tendenzen abgegrenzt. Durch die jährliche Teilnahme von über hundert Mitgliedern des Vereins bei der „Antirassistischen Weltmeisterschaft“, organisiert von der deutsch-italienischen Organisation „Istoreco / Progetto Ultra“, wird vereinsintern für Toleranz, ein friedliches Miteinander und Weltoffenheit geworben. In den Jahren 2000 und 2007 organisierte der Verein das halb-jährlich stattfindende Bündnis-aktiver-Fußballfans-Treffen. Die von der Projektgruppe „Flutlicht“ erstellte Ausstellung „BallARBEIT – Szenen aus Migration und Fußball“ präsentierte der Verein im Oktober 2008 in der Universität Leipzig. Auf lokaler Ebene macht Roter Stern Leipzig durch Presseerklärungen und Publikationen auf rassistische und diskriminierende Tendenzen in Leipziger Fußballvereinen aufmerksam.

Über den Fußball hinaus sieht sich der Verein als politisches Kulturprojekt, bei dem neben dem Spielbetrieb verschiedener Sportteams auch Konzerte, Diskos, Demonstrationen o. ä. organisiert werden. Hierzu gehört auch die Veröffentlichungen der Benefiz-CDs „More than soccer“ und der Fanzines „Prasses Erben“ und „Kiezkicker“. Die sonst allgemein üblichen Vereinsstrukturen von Fußballvereinen, in denen gewählte Vorstände die Geschicke des Vereins lenken, werden abgelehnt und stattdessen den Verein betreffende Themen in einem wöchentlichen Plenum diskutiert und schließlich gemeinsam Entscheidungen getroffen.

Im Jahr 2009 startete der Verein die „Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball“ (IVF). Neben dem Roten Stern Leipzig ist die Faninitiative „Bunte Kurve“ Träger der IVF. Es wird im Bereich des Leipziger Fußballs, der vom Fußballverband Stadt Leipzig e. V. (FVSL) organisiert wird, antidiskriminierend, integrativ und gewaltpräventiv gearbeitet.

Am 24. Oktober 2009 kam es während eines Auswärtsspiels in Brandis zu Ausschreitungen mehrerer Dutzend Randalierer rechtsextremistischen Hintergrunds, in deren Folge Ermittlungen wegen des Tatverdachts des schweren Landfriedensbruchs und der gefährlichen Körperverletzung gegen Unbekannt eingeleitet wurden.[3] In den 12 Monaten danach wurden fünf Täter zu Haftstrafen zwischen zwei und drei Jahren verurteilt. 19 weitere Verfahren stehen noch an.[4]

Am 8. November 2009 wurde der Verein in der Dresdner Frauenkirche mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie ausgezeichnet. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert und „erfolge allein aufgrund des mutigen Engagements des Vereins“, so Jurymitglied Anetta Kahane.

Am 17. September 2010 wurde der Verein mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet; dieser Preis ist mit insgesamt 20.000 Euro dotiert. Der Deutsche Fußball-Bund hat Roter Stern Leipzig wegen seines Einsatzes gegen jede Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder sexueller Präferenz mit dem zweiten Platz geehrt.[5]

Am 22. Mai 2011 spielten die Sterne vor 780 Zuschauern 0:0 gegen die SG Rotation Leipzig und sicherten sich damit, fünf Spiele vor Saisonende, den Aufstieg in die Bezirksliga Leipzig Nord. Dort erreichte die Mannschaft in der Saison 2011/2012 den 13. (und letzten) Platz und stieg damit in die neue Stadtliga ab, welche die bisherigen Bezirksklasse-Staffeln ersetzt.

Zur Rückrunde der Saison 2013/14 stieg der britische Sportartikelhersteller Lonsdale (Unternehmen) als Trikotsponsor der ersten und zweiten Männermannschaft ein. Zudem stellt das Unternehmen einen Bus mit Lautsprecheranlage bereit, der auch außerhalb des Platzes, etwa auf antifaschistischen Demonstrationen zum Einsatz kommt.[6]

Werdegang[Bearbeiten]

Saison Level Liga Platz Tore Punkte Pokal Besonderheiten
1999/2000 11 3. Kreisklasse (Staffel 3) 1. 97:19 51 1. Runde 1. Spielabbruch, aufgrund von Pyrotechnik
2000/2001 10 2. Kreisklasse (Staffel 2) 1. 100:28 62 2. Runde Verfassungsschutz beobachtet den Verein
2001/2002 09 1. Kreisklasse (Staffel 2) 3. 61:22 53 Finale 1300 Zuschauer im Pokalfinale
2002/2003 08 Stadtliga (Staffel 2) 5. 46.35 38 Halbfinale Frauenteam im Pokalfinale
2003/2004 08 Stadtliga (Staffel 2) 6. 45:39 41 Viertelfinale Freundschaftsspiel gegen Türkiyemspor Berlin
2004/2005 08 Stadtliga (Staffel 2) 2. 54:33 52 2. Runde
2005/2006 08 Stadtliga (Staffel 2) 7. 52:39 38 Achtelfinale Frauenteam im Pokalfinale
2006/2007 08 Stadtliga 3. 72:34 55 Halbfinale
2007/2008 08 Stadtliga 5. 62:36 53 Sieger
2008/2009 09 Stadtliga 1. 71:31 61 Sieger Frauenteam auch Pokalsieger
2009/2010 08 Bezirksklasse (Staffel 2) 6. 50:35 54 2. Runde Spielabbruch in Brandis und Mügeln
2010/2011 08 Bezirksklasse (Staffel 2) 1. 74:17 76 3. Runde Ungeschlagen, 1500 Zuschauer beim Vereinsfest
2011/2012 07 Bezirksliga Nord 13. 29:75 11 2. Runde Zuschauerschnitt bei Heimspielen: 430
2012/2013 08 Stadtliga 3. 85:53 63 2. Runde Freundschaftsspiel gegen Partizan Minsk
2013/2014 08 Stadtliga 8. 57:55 36 Halbfinale D-Jugend im Pokalfinale
Anmerkung: Grün unterlegt = Aufstieg, Rot unterlegt = Abstieg.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Benjamin Schmidt: Roter Stern Leipzig baut Haus in Haus. In: Leipziger Volkszeitung. 11. September 2014, abgerufen am 30. Oktober 2014.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJohn Hennig: Post-Punk. In: 11 Freunde. 25. März 2014, abgerufen am 30. Oktober 2014 (rsl verein mit den meisten fußballern leipzigs).
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKurzinformation über wichtige Ereignisse und Aktivitäten extremistischer Organisationen im Monat Oktober 2009. Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen, 24. November 2009, abgerufen am 3. Januar 2010 (PDF; 176 kB).
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatFrank Müller: Schleppende Arbeit der Justiz: Knapp ein Jahr nach Brandis erst fünf Täter verurteilt. In: Leipziger Volkszeitung. 4. November 2009, abgerufen am 30. Oktober 2014.
  5. DFB vergibt Julius Hirsch Preis nach Brandenburg. DFB, 29. Juli 2010, abgerufen am 30. Oktober 2014.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBenjamin Romberg: Lonsdale spielt über links. In: Süddeutsche Zeitung. 11. März 2014, abgerufen am 30. Oktober 2014 (Lonsdale steigt als Sponsor bei rsl ein).