Rothenburg/Oberlausitz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Rothenburg/Oberlausitz
Rothenburg/Oberlausitz
Deutschlandkarte, Position der Stadt Rothenburg/Oberlausitz hervorgehoben
51.33333314.966667160Koordinaten: 51° 20′ N, 14° 58′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Görlitz
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Rothenburg/O.L.
Höhe: 160 m ü. NHN
Fläche: 72,29 km²
Einwohner: 4860 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 67 Einwohner je km²
Postleitzahl: 02929
Vorwahlen: 035891, 035892 (Uhsmannsdorf)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: GR, LÖB, NOL, NY, WSW, ZI
Gemeindeschlüssel: 14 6 26 480
Stadtgliederung: Stadtkern und 8 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Marktplatz 1
02929 Rothenburg/O.L.
Webpräsenz: www.rothenburg-ol.de
Bürgermeisterin: Heike Böhm (SPD)
Lage der Stadt Rothenburg/Oberlausitz im Landkreis Görlitz
Bärwalder See Berzdorfer See Talsperre Quitzdorf Talsperre Quitzdorf Polen Tschechien Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Bad Muskau Beiersdorf Bernstadt a. d. Eigen Herrnhut Bertsdorf-Hörnitz Boxberg/O.L. Boxberg/O.L. Dürrhennersdorf Ebersbach-Neugersdorf Kottmar (Gemeinde) Gablenz (Oberlausitz) Görlitz Görlitz Groß Düben Groß Düben Großschönau (Sachsen) Großschweidnitz Hähnichen Hainewalde Herrnhut Hohendubrau Horka Jonsdorf Kodersdorf Königshain Krauschwitz (Sachsen) Kreba-Neudorf Lawalde Leutersdorf (Sachsen) Löbau Markersdorf (Sachsen) Markersdorf (Sachsen) Mittelherwigsdorf Mücka Mücka Neißeaue Neusalza-Spremberg Kottmar (Gemeinde) Niesky Kottmar (Gemeinde) Oderwitz Olbersdorf Oppach Ostritz Oybin Quitzdorf am See Reichenbach/O.L. Rietschen Rosenbach Rothenburg/Oberlausitz Schleife (Sachsen) Schönau-Berzdorf auf dem Eigen Schönbach (Sachsen) Schöpstal Seifhennersdorf Reichenbach/O.L. Trebendorf Trebendorf Vierkirchen (Oberlausitz) Waldhufen Weißkeißel Weißwasser/Oberlausitz Zittau Zittau Landkreis Bautzen BrandenburgKarte
Über dieses Bild
Marktplatz in Rothenburg um 1850
Rathaus
Evangelische Stadtkirche
Brücke über die Neiße bei Lodenau
Bahnhof
Ehemalige Holzstoff- und Lederpappenfabrik
Wahlbeteiligung: 48,7 %
 %
40
30
20
10
0
38,7 %
27,9 %
20,3 %
7,3 %
5,9 %

Rothenburg/O.L. (Rothenburg/Oberlausitz; Oberlausitzer MundartRuttnburg[3], obersorbisch Rózbork) ist eine Kleinstadt im Landkreis Görlitz im Nordosten des Freistaates Sachsen an der deutsch-polnischen Grenze. Dem Görlitzer Beispiel folgend nennt sie sich „östlichste Kleinstadt Deutschlands“ und „östlichstes Städtchen Deutschlands“.

Seit 1995 hat die Fachhochschule für Polizei des Freistaats Sachsen hier ihren Sitz. Nordwestlich der Stadt liegt der Flugplatz Rothenburg/Görlitz, der in den 1960er-Jahren gebaut und von der NVA als Jagdflieger-Ausbildungsplatz genutzt wurde. Ihm soll zukünftig eine bedeutendere Rolle im Frachtverkehr zukommen.

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt im östlichen Teil des Landkreises im Tal der Lausitzer Neiße südlich der Muskauer Heide. Rothenburg ist von einer stark land- und forstwirtschaftlich geprägten Heidelandschaft umgeben.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt wird 1268[4] erstmals in einer Urkunde des Markgrafen Otto von Brandenburg erwähnt. Die Gründung liegt wahrscheinlich am Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Die Entwicklung war geprägt von Handwerk und Landwirtschaft in einem wirtschaftlich eher kargen Umland. Über die Stadt gingen insgesamt 13 verheerende Stadtbrände hinweg. Beherrschend für die Stadt und ihre Entwicklung war die ansässige Familie von Martin, der ein Großteil der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen um Rothenburg gehörte.

Die Stadt fiel 1815 gemäß den Beschlüssen des Wiener Kongresses an Preußen. Mit der preußischen Verwaltungsreform wurde sie Kreisstadt des Landkreises Rothenburg (Ob. Laus.), der einer der flächengrößten Kreise Preußens und später Deutschlands war. Ende des 19. Jahrhunderts gründeten sich die noch heute bedeutenden diakonischen Einrichtungen Martinshof (bis 1941 Zoar) und das Martin-Ulbrich-Haus (Orthopädische Klinik, früher Schlesisches Krüppelheim). Das Tormersdorfer Gelände des Martinshofs auf der anderen Neißeseite wurde 1941 beschlagnahmt und umgebaut zu einem Sammel- und Arbeitslager für Juden aus dem Görlitzer und Breslauer Raum, bevor diese zur Massenhinrichtung in den Osten deportiert wurden.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs bildete die 2. Polnische Armee während des Neißeübertritts bei Rothenburg mehrmals einen Brückenkopf. Durch die Gefechte wurden die Stadt und Tormersdorf sehr stark zerstört. Wegen seiner Randlage an der deutschen Außengrenze infolge der Potsdamer Beschlüsse verlor Rothenburg noch im Jahr 1945 den Kreissitz an die wesentlich größere Stadt Weißwasser, der Kreisname änderte sich entsprechend in Landkreis Weißwasser. Nach dem Zusammenschluss mit dem westlichen Teil des alten Landkreises Görlitzer zum Landkreis Weißwasser-Görlitz wurde Niesky 1947 dessen Kreisstadt. Im Rahmen der Verwaltungsreform von 1952 kam es zur Neubildung von Kreisen und Bezirken, Rothenburg lag nun im Kreis Niesky (Bezirk Dresden).

In den 1960er-Jahren wurde der Notlandeplatz der früheren Luftwaffe zu einem Jagdfliegerausbildungsplatz der Luftstreitkräfte der Nationalen Volksarmee ausgebaut. Durch den Zuzug der Soldatenfamilien wuchs die Einwohnerzahl stark an. Das Ausbildungsgeschwader musste 1990, allein schon wegen der Lage innerhalb des 30 km großen Grenzkorridors zu Polen, geschlossen werden.

Ein Teil der 1907 gebauten und in den 1960er-Jahren stillgelegten Kleinbahn Horka–Rothenburg–Priebus wurde Ende 2008 für eine Wiederinbetriebnahme ertüchtigt. Nach der Insolvenz des für den Güterverkehr wichtigen Pelletwerkes am Flugplatz Rothenburg/Görlitz kam es nicht mehr zu einer Wiederinbetriebnahme des Zugverkehrs.

Entwicklung des Gemeindegebiets[Bearbeiten]

Ortsgliederung[Bearbeiten]

Rothenburg besteht aus der im Mittelalter gegründeten Stadt Rothenburg und dem darin aufgegangenem Dorf Noes. In mehreren Kommunal- und Verwaltungsreformen sind sieben weitere Dörfer eingemeindet worden. Außerdem gehören die verstreut liegenden Siedlungen Kahle Meile, Spreehammer und Ungunst zur Stadt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Als Ortsteile wurden folgende umliegende Dörfer eingemeindet (von Nord nach Süd):

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Rothenburgs Einwohnerzahl (nur Stadt Rothenburg und Noes) stieg zwischen 1970 und 1990 wegen des ansässigen NVA-Ausbildungsgeschwaders von 3.500 auf 5.500 Einwohner. Nach 1990 schrumpfte die Bevölkerung. Durch Eingemeindungen beträgt die Einwohnerzahl etwa 5.600.

Ortspartnerschaften[Bearbeiten]

Rothenburg führt seit 1991 mit der niedersächsischen Kleinstadt Dransfeld eine Partnerschaft. Elf Jahre später wurde mit der polnischen Kleinstadt Pieńsk (Penzig) eine weitere Partnerschaft geschlossen. Das Besondere hierbei ist, dass die beiden Neißestädte nur etwa 15 km auseinander liegen.

Rothenburg ist in einem Freundschaftsbund mit anderen Rot(h)enburgs: Rothenburg ob der Tauber (Bayern), Rotenburg an der Fulda (Hessen), Rotenburg (Wümme) (Niedersachsen), Rothenburg (Saale) (Sachsen-Anhalt), Rothenburg LU (Schweiz), Czerwieńsk (Rothenburg an der Oder, Polen). Auf kirchlicher Ebene bestanden zu Rothenburg ob der Tauber bereits zu DDR-Zeiten einige Beziehungen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirchen[Bearbeiten]

  • Evangelische Stadtkirche
  • Katholische Kirche St. Maria Regina Rosarii

Gedenkstätten[Bearbeiten]

  • Ein Denkort auf dem Areal des Martinshofes erinnert seit 1988 an die Einrichtung eines Ghettos für 700 Juden aus den Städten Schlesiens auf dem Gelände des Martinshofes im benachbarten Tormersdorf, die in kriegswichtigen Firmen Zwangsarbeit verrichten mussten und ab 1942 in die KZ Theresienstadt bzw. KZ Auschwitz und KZ Majdanek zur Tötung ausgeliefert wurden.
  • An der Straßenkreuzung vor der Einfahrt zum Martinshof steht seit 1945 ein Denkmal zur Erinnerung an den kommunistischen Kreistagsabgeordneten Herbert Balzer, der im KZ-Außenlager Gleina ermordet wurde.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

  • Radwandern entlang und Bootsfahren auf der Neiße
  • Etwa 10 km südlich befindet sich die Kulturinsel Einsiedel.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Das Rothenburger Sommerfest, jeweils am ersten Augustwochenende des Jahres, ist die Attraktion der Region.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Soziale und medizinische Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Martinshof Rothenburg Diakoniewerk - die traditionsreiche gemeinnützige Stiftung (medizinische Versorgung, Senioren-Pflege, Betreuung behinderter Menschen u.ä.m.) ist mit mehr als 600 Mitarbeitern[5] eine der größten Arbeitgeber im Landkreis Görlitz[6]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Quellen und weiterführende Literatur[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Ludwig August Theodor Holscher: Kurze Topographie und Geschichte der Kreis-Stadt Rothenburg in der Preuß. Ober-Lausitz. Gocksch & Hentschel, Rothenburg O./L. 1844 (Buchtext und Digitalisat bei Wikisource).
  • Reinhard Leue: Zwei Schwestern an der Neiße - Beitrag mit historisch-chronistischem Hintergrund über Sänitz und den Rothenburger Ortsteil Steinbach (Rothenburg/O.L.). Zweimal veröffentlicht: a) S. 59-64 in Erinnertes Erbe. Studien zur schlesischen und Oberlausitzer Kirchengeschichte, Band 8, Festschrift für Christian-Erdmann Schott. Herausgegeben von Dietrich Meyer, Verein für Schlesische Kirchengeschichte e.V., Herrnhut 2002, ISBN 3980795519[8] und b) S. 165-168 in Oberlausitzer Hausbuch 2001, Bautzen 2002, ISBN 3929091887[9]
  • Steffen Menzel, Ulrich Werner: Rothenburg. Bilder einer alten Kreisstadt. ASS-GmbH, Horka 1994.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2012 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Gemeinderatswahl 2009: Wahlberechtigte, Wähler, Stimmzettel, Stimmen- und Sitzverteilung bei der Wahl am 7. Juni 2009 in der kreisangehörigen Stadt Rothenburg/O.L.; Landkreis Görlitz
  3. www.oberlausitzer-woerterbuch.de
  4. CDLS I: LVIII (S. 92–95), hier: Rotenberg auf S. 93, Z. 17.
  5. http://martinshof-diakoniewerk.de/index.php?id=42
  6. http://martinshof-diakoniewerk.de/index.php?id=15
  7. a b August Moritz Zimmermann (* 17. September 1804 in Lodenau; † 1876), Bruder von Adolf Zimmermann, übernahm 1839 interimistisch und 1840 nach Berufung das Rektorat der Rothenburger Stadtschule. (Siehe auch  Ludwig August Theodor Holscher: Kurze Topographie und Geschichte der Kreis-Stadt Rothenburg in der Preuß. Ober-Lausitz. Gocksch & Hentschel, Rothenburg O./L. 1844, S. 69.) Die Oberschule trägt seit 2002 seinen Namen.
  8. http://d-nb.info/966374630
  9. http://d-nb.info/01641182X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rothenburg/O.L. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Rothenburg/O.L. – Quellen und Volltexte