Routingtabelle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Routingtabelle (auch Routing Information Base) enthält Angaben zu möglichen Wegen, zum „optimalen“ Weg, zum Status, zur Metrik, d. h. dem Bewertungsmaßstab des Weges, und zum Alter. Grundlage ist die Verknüpfung der Ziel-IP-Adresse mit einer Richtungsangabe in Form des Folgerouters und des Interfaces über den der Paketstrom zu lenken ist.

Um eine Routingtabelle mit Leben füllen zu können, bedarf es Einträge bezüglich der erreichbaren Netze. Router können Wege auf drei verschiedene Arten lernen und mit diesem Wissen dann die Routingtabelleneinträge erzeugen:

  • direkt verbundene Netze: Sie werden automatisch in eine Routingtabelle übernommen, wenn ein Interface mit einer IP-Adresse konfiguriert wird.
  • statische Routen: Diese Wege werden durch einen Administrator eingetragen. Sie dienen zum einen der Sicherheit, sind andererseits aber nur verwaltbar, wenn ihre Zahl begrenzt ist, d. h. die Skalierbarkeit ist für diese Methode ein limitierender Faktor.
  • dynamische Routen: In diesem Fall lernen Router erreichbare Netze durch ein Routingprotokoll, das Informationen über das Netzwerk und seine Teilnehmer sammelt und an die Mitglieder verteilt.

Statische Einträge werden manuell eingegeben. Dynamische Einträge werden mit Hilfe von Informationen erstellt, die über Routingprotokolle (z. B. BGP, OSPF, IGRP, EIGRP oder RIP) ausgetauscht werden.

Aufbau einer Routingtabelle[Bearbeiten]

Jeder Eintrag in einer Routingtabelle besitzt mindestens folgende Informationen:

  1. Netzadresse und Subnetzmaske (bzw. die Präfixlänge = Länge der Subnetzmaske): Diese beiden Angaben bestimmen den IP-Adresspräfix eines Zielnetzes; d. h., beide zusammen identifizieren das Ziel, auf welches sich dieser Tabelleneintrag bezieht.
  2. next hop, oft auch Gateway genannt: Hierbei handelt es sich um die nächste Routeradresse, an die dieses Paket gesendet werden muss. In der Regel ist dies auf IP-Ebene der Nachbar-Host, an welchen das Paket weitergeleitet werden muss; beispielsweise kann es jedoch im Falle eines BGP-Routingeintrages auch die Adresse des entsprechenden Border-Routers zum Nachbar-AS sein.
  3. Metrik: Fast immer kommt zu jedem Eintrag auch eine Metrikinformation hinzu, die eine Information über die Erreichbarkeit eines Netzes bzw. die Weiterleitungskosten enthält. Die Metrik spielt i.d.R. jedoch nur eine Rolle, wenn mehrere Routen für das gleiche Ziel existieren; in diesem Fall wird basierend auf der Metrik die beste Route ausgewählt.
Netzwerk-Adresse Subnetzmaske
oder Präfixlänge
Next hop Metrik
(optional)
........ ........ ........ ........
........ ........ ........ ........

Routing und Forwarding[Bearbeiten]

Beim dynamischen Routing kann zwischen Routing- und Forwardingtabellen unterschieden werden.

In der Regel bearbeitet jedes Routingprotokoll seine eigene Routingtabelle. Laufen auf einem Netzknoten verschiedene Routingprotokolle (z. B. BGP für Interdomain-Routing und OSPF für Intradomain-Routing), so verfügt der Router entsprechend über mehrere Routingtabellen, welche auch meist unterschiedlich aufgebaut sind (vgl. im Beispiel OSPF: Summe der Link-Kosten vs. BGP: Pfadvektor, MED und diverse weitere komplexe Attribute). Diese Tabellen können sogar widersprüchliche Informationen beinhalten, d. h., verschiedene Routingprotokolle geben zum selben Zielnetzwerk unterschiedliche Pfade vor. Daher wird jedes Routingprotokoll mit einer Priorität versehen (Cisco-Terminologie: Administrative Distanz); bei Widersprüchen wird die Route des Protokolls mit der höchsten Priorität (d. h. der niedrigsten administrativen Distanz) verwendet.

Das Durchsuchen mehrerer Routingtabellen mit Hilfe des Longest Prefix Match wäre sehr rechenaufwändig. Aus Effizienzgründen kann daher aus vielen verschiedenen Routingeinträgen bzw. verschiedenen Routingtabellen eine einzige Forwardingtabelle (auch Forwarding Information Base, kurz FIB) erstellt werden. Die eigentliche Entscheidung, wohin ein Paket weitergeleitet wird, wird dann anhand der Forwardingtabelle getroffen.[1] Auf Grund des meist unwesentlichen Unterschiedes dieser beiden Tabellen spricht man aber auch bei Forwardingtabellen häufig von Routingtabellen.

Beispiel[Bearbeiten]

Gegeben sei ein LAN mit drei Subnetzen und einem Zugang ins Internet. Um die Netze miteinander verbinden zu können, werden drei Router eingesetzt:

Die Routingtabelle am Router 2 sieht folgendermaßen aus:
Netzadresse bzw. IP-Adresse Subnetzmaske bzw. Netmask Gateway
bzw. Router
Schnittstelle Metrik
(Anzahl der Hops)
192.168.0.0 255.255.255.0 192.168.1.1 192.168.1.2 2
192.168.1.0 255.255.255.0 192.168.1.2 192.168.1.2 1
192.168.2.0 255.255.255.0 192.168.2.1 192.168.2.1 1
0.0.0.0 0.0.0.0 192.168.1.1 192.168.1.2 3

Exemplarisches LAN für Routingtabellen

Anzeigen der Routingtabelle[Bearbeiten]

  • IPv4
    • Bei Windows- und Unix-Systemen (inkl. Linux und MacOS) kann die Routingtabelle mittels des Befehls netstat -r angezeigt werden.
    • Bei Windows funktioniert dies auch über den Befehl route print bzw. route -4 print .
    • Unter Linux gibt es hierfür auch den Befehl route bzw. ip route .
  • IPv6
    • Bei Linux route -6 oder ip -6 route
    • Bei Unix-Systemen (inkl. Linux) entsprechend netstat -A inet6 -r, route -A inet6 
    • Bei Windows gibt netsh interface ipv6 show route  bzw. route -6 print  die Routingtabelle aus.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Routingtabelle – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Juniper Networks: Routing and Forwarding Tables