Roxbury (Boston)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Roxbury ist ein Stadtteil von Boston, Massachusetts, eine sogenannte Neighborhood (dt. Nachbarschaft). Roxbury war einer der ersten Orte, die in der Massachusetts Bay Colony im Jahre 1630 gegründet wurden, und erhielt im Jahre 1848 die Stadtrechte verliehen. Die Stadt Roxbury wurde bereits im Jahre 1868 nach Boston eingemeindet. Zur ursprünglichen Stadt Roxbury gehörten bereits die heutigen Bostoner Stadtteile (Neighborhoods) von Jamaica Plain, West Roxbury, Mission Hill sowie das südliche Ende und ein großer Teil von Back Bay. Heute wird normalerweise die Columbus Avenue im Norden und der Melnea Cass Boulevard im Osten als Stadtteilgrenze betrachtet.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Siedler der Massachusetts Bay Colony gründeten im Jahre 1630 sieben Dörfer. Ursprünglich hieß der etwa drei Meilen südlich von Boston gelegene Ort „Rocksbury“, was auf seine Lage in einer hügeligen Landschaft und den häufig an der Oberfläche zu findenden Roxbury Puddingstone zurückzuführen war. Zu jener Zeit lag Boston auf einer Halbinsel, die durch die schmale Landbrücke Roxbury Neck mit dem Festland verbunden war. Daraus ergab sich, das der gesamte Straßenverkehr nach Boston Roxbury passieren musste und es so zu einer wichtigen Stadt wurde. In der Stadt wohnten mehrere der ersten Führer der Kolonie, darunter die Gouverneure Thomas Dudley, William Shirley und Increase Sumner. Das Shirley-Eustis House in Roxbury ist eines der vier in den Vereinigten Staaten erhaltenen Herrenhäuser der britischen königlichen Kolonialverwaltung.

Die Siedler von Roxbury bildeten im Jahre 1630 eine erste Kirchengemeinde im Ort, die First Church Roxbury. Vor dem ersten Winter reichte jedoch die Zeit nicht zum Bau eines Versammlungsraumes und so trafen sich die Siedler in der benachbarten Gemeinde in Dorchester, Massachusetts. Einer der ersten Gemeindevorsteher war Amos Adams. Das erste Versammlungsgebäude konnte dann im Jahre 1632 fertiggestellt werden und das jetzt noch vorhandene ist das fünfte der Gemeinde, das älteste in Holzrahmen-Bauweise errichtete Gebäude in Boston. Die Gemeinde in Roxbury, die immer noch zur Unitarian Universalist Association gehört, kann einige Besonderheiten der amerikanischen Geschichte für sich in Anspruch nehmen:

  • Gründung der ersten Kirchenschule in einer britischen Kolonie.
  • Zusammen mit den fünf anderen Gemeinden Boston, Cambridge, Watertown, Charlestown und Dorchester die Gründung des Harvard College.
  • Das erste, im Jahre 1640 in den britischen Kolonien herausgegebene Buch. Die bekanntesten Herausgeber des Bay Psalm Book sind John Eliot und Thomas Weld, beide in der First Church Roxbury als Pfarrer tätig, und Richard Mather, Pfarrer aus Dorchester sowie ungefähr 27 weitere Pfarrer, die nicht so häufig genannt werden.
  • Im Jahre 1663 wurde die erste Bibel in den Britischen Kolonien veröffentlicht, es war eine Übersetzung in die Sprache der Massachusett, die durch den Pfarrer und Lehrer der Gemeinde, John Eliot, vorgenommen wurde. John Elliot wird auch als der „Apostel der Indianer“ bezeichnet.
  • An der First Church Roxbury begann auch der „Mitternachtsritt“ von William Dawes am 18. April 1775, der in entgegengesetzter Richtung zu dem von Paul Revere die Gemeinden in Lexington und Concord vor den bevorstehenden britischen Angriffen warnen sollte.

Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der nördliche Teil von Roxbury zu einer industriell geprägten Stadt mit Stadtvierteln, die mehrheitlich von englischen, irischen und deutschen Einwanderern sowie ihren Nachkommen bewohnt wurden, während der größere Teil der Stadt landwirtschaftlich geprägt blieb. In Roxbury wurde eine der ersten Straßenbahnen der Vereinigten Staaten eingerichtet. Zu dieser Zeit erhielt das ursprüngliche Dorf Roxbury auch als einer der ersten Orte in Massachusetts die Stadtrechte verliehen. Ein Teil des Stadtgebietes bildete fortan die Stadt West Roxbury.

Entwicklung ab 1900[Bearbeiten]

Im frühen 20. Jahrhundert entstand in der Gegend um Grove Hall an der Blue Hill Avenue eine Jüdische Gemeinde. Roxbury wurde auch zum Mittelpunkt einer Gemeinde Afro-Amerikanischer Einwohner in Boston, die in den 1940er und 1950er Jahren durch Migration aus den südlichen in die nördlichen Städte entstand. Soziale Spannungen und die Stadterneuerung während der 1960er und 1970er Jahre trugen zum Verfall des Stadtviertels bei. Besonders die Unruhen infolge der Ermordung von Martin Luther King Jr. führten zur Plünderung und Brandstiftung in Geschäften entlang der Blue Hill Avenue und hinterließen eine zerstörte und weitgehend verlassene Gegend. In den 1970er Jahren trug auch fortgesetzte Brandstiftung in der Gegend um die Dudley Street zum Niedergang des Stadtviertels bei, es blieben verlassene, ausgebrannte und vermüllte Ruinen. Das Aufkommen des Rauschgifts Crack in den 1980er Jahren machte Roxbury zu einem der gefährlichsten Viertel von Boston. Die Gewaltverbrechen konnten bis Ende der 1990er Jahre nicht entscheidend eingedämmt werden. Im April des Jahres 1987 wurde die Orange Line der MBTA von der Washington Street in den Southwest Corridor verlegt, wo der Southwest Expressway einige Jahre zuvor verlaufen sollte.

Entwicklung ab 1990[Bearbeiten]

Durch Bemühungen von Bürgern, die sich organisiert hatten, konnten die historischen Gebiete vor kurzer Zeit wiederbelebt und der Roxbury Heritage State Park eingerichtet werden. Aus einer Überprüfung des Verkehrskonzepts von Boston ergab sich der Vorschlag, die orange Linie wieder zurück zu verlegen. Durch die Entwicklung den Southwest Corridor Park ergaben sich größere Investitionen, darunter das Roxbury Community College an der Roxbury Crossing und das Ruggles Center an der Columbus Avenue und der Ruggles Street. Die wirtschaftliche Entwicklung verspricht nun die Schaffung von Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungsangeboten. In den Wohngebieten Fort Hill und Mission Hill hat sich die Bevölkerungsstruktur in den 1990er und den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts durch Zuzug von College Studenten, viele von der Northeastern University und dem Wentworth Institute of Technology, von Künstlern und jungen Berufstätigen stark verbessert. Heute ist der Stadtteil durch Erneuerung von Wohn- und Geschäftsgebieten geprägt, aber Gewaltverbrechen, insbesondere Bandenkriege und Drogenmissbrauch, bleiben beständige Probleme in bestimmten Gebieten von Roxbury.


Bekannte Bürger[Bearbeiten]

Zu den bedeutenden Einwohnern von Roxbury gehörte der Uhrmacher Simon Willard (1753-1848), zu dessen wichtigen Werken die Einführung seiner patentierten, nicht schlagenden Wanduhr gehörte. Von dieser, in der Form einem Banjo ähnelnden und reich verzierten Uhr wurden von ihm nur etwa 4.000 Stück angefertigt. Auch seine bis etwa 1815 hergestellten Standuhren im „Roxbury Stil“ wurden bekannt.

Weitere bekannte Bürger des Ortes sind:

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

42.325-71.095277777778Koordinaten: 42° 20′ N, 71° 6′ W