Royan

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Royan
Wappen von Royan
Royan (Frankreich)
Royan
Region Poitou-Charentes
Département Charente-Maritime
Arrondissement Rochefort
Kanton Royan-Est
Royan-Ouest
Gemeindeverband Communauté d'agglomération Royan Atlantique.
Koordinaten 45° 38′ N, 1° 2′ W45.627777777778-1.025555555555614Koordinaten: 45° 38′ N, 1° 2′ W
Höhe 0–35 m
Fläche 19,30 km²
Einwohner 17.875 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 926 Einw./km²
Postleitzahl 17200
INSEE-Code
Website Offizielle Site der Stadt Royan

Royan, von der Gironde-Mündung aus gesehen

Royan [rwa.jɑ̃] ist eine westfranzösische Stadt mit 17.875 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Charente-Maritime (17) in der Region Poitou-Charentes. Sie gehört zum Arrondissement Poitou-Charentes und ist Hauptort (chef-lieu) der Kantone Royan-Est und Royan-Ouest.

Lage[Bearbeiten]

Royan liegt am Atlantik, an der Trichtermündung der Gironde. Die nächstgrößeren Städte sind Saintes (ca. 42 Fahrtkilometer nordöstlich) und Rochefort (ca. 40 Kilometer nördlich), Bordeaux liegt etwa 120 Kilometer südöstlich. Zwischen Royan und Le Verdon-sur-Mer besteht eine Fährverbindung über den ca. 15 Kilometer breiten Mündungstrichter.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006
Einwohner 16.521 17.292 18.062 17.540 16.837 17.102 18.202

Im 19. Jahrhundert verzeichnete der Ort einen beständigen Bevölkerungszuwachs von 2.100 Einwohnern im Jahr 1800 auf über 8.300 im Jahr 1896. Bis 1936 stieg die Einwohnerzahl auf über 12.000 an, doch nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs lebten nur noch gut 6.000 Menschen in der Stadt, die jedoch bereits wenige Jahre später erneut über 12.000 Einwohner verzeichnete.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Durch seine Lage an der Gironde-Mündung war Royan prädestiniert als Hafenstadt. Von hier wurden Getreide, Wein und andere Güter der Charente per Schiff in den Norden Frankreichs geliefert, aber auch in andere Länder Europas exportiert. Heutzutage spielt der Tourismus wieder eine gewichtige Rolle im Wirtschaftsleben der Stadt. Seit dem Jahr 2013 ist Royan Sitz des neugegründeten Gemeindeverbandes Communauté d'agglomération Royan Atlantique, von dem man sich weitere Anstöße für die wirtschaftliche Entwicklung der Region erhofft.

Geschichte[Bearbeiten]

Royan am rechten Ufer der Gironde (1634), Kupferstich von Christophe Tassin

Eine Siedlung existierte an dieser Stelle wohl bereits zur Römerzeit; in der Zeit der Völkerwanderung wurde sie zum Schutz vor den Westgoten mit einer Palisadenmauer umgeben. Aus dem Jahr 844 ist ein Überfall der Wikinger überliefert; in dieser Zeit gehörte Royan zum karolingischen Unterkönigtum Aquitanien, das zu Beginn des 10. Jahrhunderts im neuentstandenen Herzogtum Aquitanien aufging. Im Jahre 1137 heiratete Eleonore von Aquitanien den französischen König Ludwig VII.; die Ehe scheiterte jedoch und wurde im Jahre 1152 geschieden, wodurch der Weg frei wurde für eine erneute Eheschließung Eleonores im Jahre 1154 mit Heinrich Plantagenet, der wenig später als Heinrich II. König von England wurde. Da sowohl Frankreich als auch England Aquitanien für sich beanspruchten, kam es in den folgenden Jahrhunderten zu kriegerischen Auseinandersetzungen, die letztlich im Hundertjährigen Krieg (1377–1453) mündeten. In dieser Zeit wechselte Royan mehrmals den König und erlitt schwere Verwüstungen, bis es im Jahre 1451 endgültig an die französische Krone fiel. Im 16. Jahrhundert bildete sich eine große protestantische Gemeinde in der Stadt, die nach den Hugenottenkriegen (1562–1598) im Edikt von Nantes den Protestanten als 'befestigter Platz' zugesprochen wurde. Doch bereits im Jahre 1622 wurde Royan von den Truppen Ludwigs XIII. belagert; die Stadt ergab sich und die Einwohner schworen dem protestantischen Glauben ab. Doch bereits kurz darauf kam es zu erneuten Unruhen, woraufhin der König die Stadt in Brand setzen ließ. Während der Französischen Revolution war Royan kurzzeitig Hauptstadt des Départements Charente-Inférieure, welches erst im Jahre 1941 in Charente-Maritime umbenannt wurde.

Napalmangriff am 15. April 1945

Royan war im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert ein mondäner Badeort. Diese Situation endete jedoch am Ende des Zweiten Weltkriegs: Bei einem britischen Luftangriff am 5. Januar 1945 wurde die von deutschen Truppen besetzte Stadt fast vollständig zerstört.[1] Royan wurde wenige Wochen vor der deutschen Kapitulation noch von deutschen Truppen weitab des seinerzeitigen Frontverlaufes gehalten. Mitte April wurde die Stadt nochmals von der USAAF vernichtend angegriffen.

Der im Januar 2010 gestorbene US-Historiker Howard Zinn berichtete, dass er selbst am 15. April 1945 als Pilot eines von 1300 schweren US-Bombern erstmals[2] auf dem europäischen Kriegsschauplatz Napalm über der kleinen Hafenstadt zwischen Bordeaux und La Rochelle abgeworfen habe.[3]

In den 1950er und 1960er Jahren wurde die Stadt auf einem völlig neuen Grundriss nach den Regeln der modernen Architektur neu aufgebaut, da das französische Ministerium für Wiederaufbau Royan zu einem „Laboratorium städtebaulicher Forschung“ erklärt hatte. Auch die über die Innenstadt hinausragende Kirche Notre Dame wurde aus Beton gebaut.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://raf.mod.uk/bombercommand/jan45.html
  2. http://paul.rutgers.edu/~mcgrew/wwii/usaf/html/Apr.45.html
  3. The Zinn reader: writings on disobedience and democracy Howard Zinn S.267ff & 276 [1]