Ruag

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RUAG Holding AG
Rechtsform Aktiengesellschaft
gem. BGRB[1]
Gründung 1998
Sitz Bern, Schweiz
Leitung Konrad Peter
(VR-Präsident)
Konrad Peter
(CEO) (interimistisch)[2]
Mitarbeiter 7739 (Ende 2011)
Umsatz 1,777 Mrd. CHF (2011)
Branche Luft- und Raumfahrttechnik und Rüstungsindustrie, Industrieprodukte und Recycling
Produkte Rüstungsgüter, MRO, Komponenten und Produkte für zivile Anwendungen
Website www.ruag.com

Die RUAG Holding AG ist ein Schweizer Technologiekonzern mit Sitz in Bern. Sie fasst die ehemaligen Rüstungsbetriebe des Bundes in einer privatrechtlichen Aktiengesellschaft zusammen, deren Aktien sich vollumfänglich im Eigentum der Schweizerischen Eidgenossenschaft befinden.

Die mittlerweile international tätige RUAG besitzt Produktionsstätten in der Schweiz (Bern, Brunnen, Thun, Emmen, Altdorf, Genf, Interlaken, Zürich Seebach, Nyon und weitere), in Deutschland (Oberpfaffenhofen, Hamburg, Berlin, Sulzbach-Rosenberg und Fürth), Schweden (Åmotfors, Linköping und Göteborg), Ungarn (Sirok), Österreich (Wien und Berndorf), Australien und in den Vereinigten Staaten (Los Angeles und Tampa). RUAG Verkaufsgesellschaften gibt es in weiteren Ländern, so in Belgien, Brasilien, Frankreich, England, Österreich, Malaysia.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte [Bearbeiten]

Die RUAG entstand aus den ehemaligen Unterhalts- und Produktionsbetrieben der Schweizer Armee. Auf Grund der Neutralität der Schweiz und der dabei akuten Gefahr, in Spannungszeiten keine Rüstungsgüter im Ausland beschaffen zu können, baute die Schweiz seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine eigene Industriebasis für die Armee auf.

Der Fall der Berliner Mauer 1989 und das Zusammenbrechen des Eisernen Vorhangs führte in der Schweiz zur Armeereform «Armee 95», zudem wurde das Budget des Eidgenössischen Militärdepartements (EMD) deutlich verkleinert. Zu spüren bekamen dies entsprechend auch die Industriebetriebe der «Gruppe Rüstung» des EMD, bei denen das Auftragsvolumen stetig sank.

In der Botschaft vom 16. April 1997 zu einem «Bundesgesetz über die Rüstungsunternehmen des Bundes» (BGRB) stellte der damalige EMD-Vorstand, Bundesrat Adolf Ogi, einen Gesetzesentwurf vor, der im Wesentlichen die Ausgliederung und Umwandlung der unselbständigen öffentlich-rechtlichen Bundesbetriebe in privatwirtschaftliche Aktiengesellschaften erlauben sollte. Das Geschäft wurde am 19. Juni 1997 im Nationalrat behandelt, am 29. September 1997 im Ständerat, und schliesslich am 10. Oktober 1997 von beiden Kammern in der Schlussabstimmung angenommen. Nachdem die Frist für das fakultative Referendum am 29. Januar 1998 ungenutzt verstrichen war, konnte das BGRB am 1. Mai 1998 in Kraft treten, womit das Projekt «RüstungsUnternehmen-AktienGesellschaft» (RUAG) in Angriff genommen wurde.

Das Unternehmen wurde am 27. Mai 1998 unter dem Namen RUAG Schweiz AG im Handelsregister Bern-Mittelland eingetragen. Aus dem EMD, welches per 1. Januar 1998 in Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) umbenannt worden war, wurden vier Produktionsbetriebe ausgelagert und in Aktiengesellschaften umgewandelt:

  • SE Schweizerische Elektronikunternehmung AG (Bern)
  • SF Schweizerische Unternehmung für Flugzeuge und Systeme AG (Emmen)
  • SW Schweizerische Unternehmung für Waffensysteme AG (Thun)
  • SM Schweizerische Munitionsunternehmung AG (Thun)

Die vier operativen Rüstungsunternehmen wurden mit Publikation vom 2. Juli 1999 im Handelsregister, rückwirkend per 1. Januar von der RUAG Schweiz AG übernommen. Im Mai 2001 erhielt die RUAG Schweiz AG ihren heute gültigen Namen RUAG Holding AG und erstmals eine neue Konzernstruktur, in welcher die SE zu RUAG Electronics, SF zu RUAG Aerospace, SW zu RUAG Land Systems und SM zu RUAG Munition wurden.

In Oberpfaffenhofen übernahm RUAG 2003 den zivilen und militärischen Betreuungsbereich der ehemaligen Dornier Luftfahrt GmbH. Sie betreut dort als RUAG Aerospace Services u.a. das Hubschrauberbaumuster Bell UH-1D der Bundeswehr und produziert wieder das zweimotorige Turbopropflugzeug Do 228. Im Unternehmensbereich RUAG Technology Structures werden verschiedene Strukturbaugruppen vor allem für das Verkehrsflugzeug Airbus A320 hergestellt.

2008 übernahm RUAG vom schwedischen Konzern Saab den Raumfahrtbereich Saab Space und das österreichische Tochterunternehmen Austrian Aerospace, 2009 Oerlikon Space von OC Oerlikon. Sie firmieren nun unter den Namen RUAG Space AB (Schweden) bzw. RUAG Space GmbH (Österreich) oder RUAG Space als Teil der RUAG Schweiz AG (Schweiz). Im März 2012 wird von Ascom der Bereich Defence Kommunikation übernommen und in RUAG Defence integriert.

Unternehmensstruktur [Bearbeiten]

Die RUAG Holding ist die Dachgesellschaft der RUAG-Tochterunternehmen im In- und Ausland. Intern wird die Holding in die beiden Marktsegmente «Aerospace» (Luft- und Raumfahrt) und «Defence» (Verteidigung) mit insgesamt sechs Divisionen gegliedert.

Marktsegment «Aerospace» [Bearbeiten]

Von RUAG Aviation produzierte Do 228NG auf der ILA 2012
  • RUAG Space für Raumfahrt, Forschung und Entwicklung.
    In diesem Bereich sind an Standorten in der Schweiz, in Schweden und in Österreich etwa 1100 Personen beschäftigt. Die Tätigkeiten umfassen alle wichtigen Aspekte von Raumfahrtprojekten von der Missionsanalyse über Systems Engineering auch ganzer Satellitenprojekte, Projektmanagement, Engineering-Dienstleistungen, Zusammenbau und Test von Systemen, sowie Unterstützung und Tests am Startplatz.
  • RUAG Aviation für Luftfahrt, Forschung und Entwicklung sowie Wartung.
    Der Bereich "Aviation" leistet Modernisierungs- und Unterhaltsarbeiten an zivilen und militärischen Flugzeugen und Helikoptern an 10 Standorten in der Schweiz, sowie in Deutschland an zwei Standorten, u. a. im ehemaligen Dornier-Stammwerk in Oberpfaffenhofen. Dies umfasst auch Arbeiten an Triebwerken und Avionik sowie militärische Systeme. Im Teilbereich "Research", der mehrere Windkanäle unterhält, werden neuartige Komponenten entwickelt und erprobt.
    Ausserdem wird seit 2009 wieder das kurzstart- und landefähige Flugzeug Do 228NG neu produziert, siehe auch: Dornier 228.
  • RUAG Technology für Fahrzeug-, Beschichtungs- und Umwelttechnologie.
    Sie entwickelt und integriert Präzisionsteile für die Luft- und Raumfahrt wie auch für die Maschinenindustrie.

Marktsegment «Defence» [Bearbeiten]

  • RUAG Defence enthält die früheren Divisionen Land Systems und Electronics sowie seit 2012 den ehemaligen Defencebereich von Ascom. Die Hauptkompetenz umfasst heute den Unterhalt, Reparatur und Wertsteigerung schwerer Waffensysteme, Schutzlösungen für gepanzerte Fahrzeuge, Logistiklösungen, virtuelle und Live-Simulationssystemen sowie die Integration, Herstellung, Wartung und der Betrieb von elektronischen Führungs-, Kommunikations-, Radar- und Aufklärungssystemen militärischer und ziviler Organisationen. Für Kampf- und Unterstützungsfahrzeuge betreut sie vornehmlich militärische Landfahrzeuge wie die Haubitze M109, den SPz 2000 der Schweizer Armee und den Leopard 2.
  • RUAG Ammotec für kleinkalibrige Munition bis 12.7 mm und weitere pyrotechnische Industrieprodukte. Neben der kleinkalibrigen Munition für Behörden werden auch die bekannten Marken im Bereich Jagd und Sport wie RWS (Büchsenpatronen und Luftgewehrmunition), Rottweil (Schrot), Norma Precision (Büchsen- patronen) und Geco (Büchsen- und Handfeuerwaffenpatronen) bei der RUAG produziert und vermarktet. Weitere Produkte finden ihre Verwendung unter anderem in der Befestigungstechnik, Automobilindustrie und Stromverteilung. 2008 stiess die ungarische MFS 2000 und 2010 die Precision Ammunition in Tampa USA zur RUAG Ammotec. Heute hat die Ammotec Produktionsstätten in der Schweiz, Deutschland, Schweden, Ungarn und den USA.

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Privatrechtliche Aktiengesellschaft gemäss «Bundesgesetz über die Rüstungsunternehmen des Bundes» (BGRB; SR 934.21)
  2. Lukas Braunschweiler verlässt RUAG. Pressemitteilung vom 18. Juli 2011